Sihlsee bicolor

Hier ein fotografisches Mitbringsel von unserer Wanderung auf den Chli Aubrig:

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Im Bild sieht man den Sihlsee. Links, wo der Hauptzufluss ist, ist er auffallend trübe und braun. Rechts gegen die Staumauer ist er blau und sauber. Irgendwo dazwischen muss die Trennlinie liegen.

Ich frage mich nun, ob in den zwei Tagen, die seit der Aufnahme vergangen sind, die braun-blau-Linie weiter gewandert ist, oder ob die Sedimente, die mit den Gewittern in den Sihlsee gelangt sind, sang- und klanglos auf den Boden gesunken sind.

Hättet ihr gewusst, dass der Sihlsee der flächenmässig grösste Stausee der Schweiz ist?

Zurück auf Feld eins

Während ich in ebenso lieber wie rarer Gesellschaft eines der besten Glacés Zürichs schleckte, braute sich das Unheil zusammen. Aus nicht mehr ganz so heiterem Himmel windete es unvermittelt wie blöd, die Sturmwarnung im Seebecken begann zu blinken und wir flüchteten vor dem drohenden Regen.

Es dauerte fast eine Stunde, bis ich merkte, dass jemand auf mein Handy angerufen hatte. Mehrmals. In der Zwischenzeit war selbst ein SMS eingegangen. Ich noch immer völlig ahnungslos. Es war mein innig geliebter Mitbewohner, der mir mit wenig schonungsvollen Worten beibringen wollte, dass es daheim gehagelt hatte und von meinen Blumen nicht mehr viel übrig war. Immerhin weiss ich nun, dass der Mitbewohner – wenn er wirklich will – sogar SMS verschicken kann. Denn dieses Bild erreichte mich:

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Der weitere Verlauf des Abends, der so schön begonnen hatte, war etwas getrübt. Als ich wieder daheim war, konnte ich es mir nicht verkneifen, noch kurz nachzuschauen. Die Hagelkörner lagen noch immer mehrere Zentimeter hoch. Auf dem Sitzplatz sah es aus, wie wenn jemand auf dem Mixerglas den Deckel vergessen hätte aufzusetzen.

Ich redete mir ein, dass ich gegen den Hagel ohnehin nicht viel hätte ausrichten können. Bestenfalls einige Töpfe noch unters Dach retten. Dann hätten vielleicht meine beiden Basilikum-Pflanzen nicht so ausgesehen.

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Sie waren nicht nur geschreddert worden, sondern durch die Hagelkörner, die noch stundenlang auf dem Kraut lagen, auch verfroren. Die anderen Pflanzen – Kräuter, Blumen und einige Erdbeeren – waren alle mehr oder weniger versehrt. Da alles voll im Wachstum ist, wird es sich recht gut erholen. Immerhin muss ich nicht von dem leben, was mein Gärtchen abwirft. Was sind schon zwei total verwüstete Basilikum-Pflanzen? Etwas Herzblut, mehr nicht.

Meine beiden Kräuter habe ich bereits ersetzt. Denn ein Sommer ohne Basilikum, das geht absolut gar nicht.

Fast wie früher

Ich war dem Verzweifeln nah. Versuchte es immer und immer wieder. Und musste nach vier Tagen resigniert einsehen: Das wird wohl nichts mehr. Dafür würde es wieder sein wie einst. In der Zeit vor dem Internet. In der längst entrückten Zeit, wo man zu Hause einfach den Schlüssel in der Haustüre drehte und weg war. Unerreichbar für sämtliche guten und schlechten Neuigkeiten. Abgenabelt von der Welt.

Ich fühlte mich schon verloren in der Einsamkeit der provenzialischen Pampa. Mein innig geliebter Mithüter dagegen frohlockte bereits im Verborgenen, schien es doch danach auszusehen, dass ich plötzlich wieder viel mehr Zeit für ihn hätte.

Ich aber machte mir Sorgen, dass ich keine Blogposts mehr schreiben konnte. Blogs lesen genauso wenig. Aus den vorgesehenen Mails an Renate, Barbara, Stephan, Margrit, Trix, Franziska, Gabi, Brigitte, Peter, Rita würde nichts. Ganz zu schweigen von den diversen Skype Sprechergüssen mit unseren Freunden und Bekannten.

Mein Computer monierte immer und immer wieder, die Internet-Verbindung verfüge nur über eine eingeschränkte Konnektivität. Weiss der Geier, was das ist! Als Problembehandlung schlug er vor, das Modem auszuschalten. Tönt soweit plausibel, ist hier in unserem gesitteten Haus aber nicht machbar, weil das Modem in einem Schrank eingeschlossen ist. Ich versuchte mal, die Steckdosenleiste zu ziehen, einfach mal so probehalber. Nütze auch nichts. Die Resignation wuchs. So sehr, dass ich gestern Abend einen Versuchsballon mit meinem alten Internet-Stick lancierte. Doch wer mag schon mit einer instabilen EDGE-Verbindung surfen? Ich bestimmt nicht!

Die Rettung kam von oben. In der Form eines heftigen Gewitters gestern Nacht. Das Gewitter verursachte das, was ich mich nie getraut hätte: Es legte die Stromversorgung im ganzen Haus lahm. Die Hauptsicherung hatte es rausgeschmissen. Heute Morgen funktionierte das WiFi wieder tadellos. Das nächste Mal weiss ich, WELCHEN Knopf ich drücken muss.