Es darf geschüttelt werden

Es ist so eine alte Gewohnheit von mir, die ich irgendwie nicht mehr los bringe. Sie stammt noch aus der Zeit, als ich zusammen mit meinem Mann über Wochen, Monate oder gar Jahre im Wohnmobil unterwegs war. Nicht immer brannte die Sonne vom Himmel und es war mitunter reichlich feucht in unserem mobilen Zuhause.

Als Folge davon verklumpte alles, was in Pulverform war. Streubouillon, Instantkaffee, Gewürze, Zucker. Bis heute kann ich keinen Gewürzstreuer öffnen, ohne in vorher kurz geschüttelt zu haben. Ich mache das automatisch, ohne zu überlegen. Auch nach Jahren noch.

Wer weiss, vielleicht kommt mir diese Fähigkeit eines Tages wieder zu Gute.

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Am kulinarischen Marterpfahl

Ich weiss, ich wiederhole mich. Aber ich trete auch immer wieder von neuem ins kulinarische Fettnäpfchen. Völlig unbedarft, naiv.

Ich hatte ausgeblendet, dass das Südtirol kulinarisch mehr zu Österreich zählt als zu Italien. Und musste es bitter büssen. Mit Kümmel!

Dieses Gewürz kann ich nicht ausstehen und wenn mir etwas mit Kümmel vorgesetzt wird, kann ich es bestenfalls noch dank meiner guten Kinderstube essen. Grundsätzlich wird für mich alles, restlos alles, und sei Kümmel nur in homöopathischen Dosen vorhanden, dadurch ungeniessbar.

Nicht mal diese prächtige Platte mit den vielfältigen Apéro-Häppchen, die man uns im Hotel offerierte, blieb verschont. Nur dank rechtzeitigem Anti-Kümmel-Reflex blieb mir der Gang an den kulinarischen Marterpfahl weitestgehend erspart.

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Wer immer noch nicht glaubt, dass ich keinen Kümmel mag, dem sei dieser Beitrag aus den Anfangszeiten des Flohnmobils ans Herz gelegt.

Kräutergarten für Anfänger und Grossverdiener

Als ich am letzten folgenschweren Freitag Abend mit dem Zug nach Zürich fuhr, nahm ich mir ein Gratis-Magazin aus der Zeitungs-Box. Beim Durchblättern (zu lesen gibt es darin ja nicht wirklich etwas) erkannte ich nicht ohne Selbstironie, dass ich diesem 20 Minuten Friday wohl etwas entwachsen bin.

Nichts desto trotz, es gab etwas, das meine Aufmerksamkeit erregte:

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Und der Text dazu: Dank der Tageslichtlampe und der automatischen Wasserpumpe des Plantui 6 Smart Garden, einer Art Mini-Gewächshaus, überlebt das Kräutergärtli auch deine Sommerferien.

Damals im Zug begann ich mal kurz hochzurechnen, wie viele Mal man seine Kräuter verdorren und durch neue ersetzen kann, bis man den bescheidenen Obolus von Fr. 289.- reingeholt hat. Mittlerweile gehen meine Gedanken in eine andere Richtung. Nach dem kürzlichen Desaster in meinem Kräutergarten frage ich mich, welcher Grösse von Hagelkörnern das Ufo-Gewächshaus zu widerstehen vermag.

Trotzdem neugierig geworden? Hier geht’s zur entsprechenden Website von Galaxus.

Keine falschen Ideen, bitte!

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Wir ruhen uns nicht vorzeitig auf unseren Lorbeeren als Housesitter aus, sondern trocknen Lorbeer-Blätter.

Es geht nämlich nichts über selber geerntete, in der Sonne getrocknete Lorbeer-Blätter.

Gewachsen sind sie übrigens in einer Hecke, wo sie früher oder später der Heckenschere zum Opfer gefallen wären. So gesehen habe ich sie vor dem sicheren Verderben gerettet.

Mögt ihr Lorbeer? In welchen Gerichten möchtet ihr auf keinen Fall darauf verzichten?

Bei mir gehört unbedingt Lorbeer in den Risotto. Und in Schmorgerichte. Und Tomaten-Saucen. Und…

Pikante Details

Es ist vermutlich mein treuster und damit ältester Begleiter in der Küche. Währschafter als der Duromatic, der bei der Gründung des eigenen Haushalts noch nicht mit von der Partie war. Schärfer bestückt als mein Messerblock, der erst im Verlauf der Jahre in die Kochduelle eingreifen konnte. Mit Sicherheit übersichtlicher als meine stetig wachsende Rezeptsammlung. Traditioneller auch als der hypermoderne Dampfgarer, der neuerdings die Küche aufwertet. Und illustrer als das Geschirr, das sich nach einem mehrjährigen Ausrutscher in die Welt des eher Rustikalen nun lammfromm weiss zeigt.

Die Rede ist von meinem Gewürzgestell. Zwei Etagen bestückt mit Pfiff und Schärfe, die längst nicht mehr mein ganzes Sortiment an Kräutern und Gewürzen aufnehmen können. Zwei mal sechs Gläser, die meine geschmacklichen Vorlieben zum Ausdruck bringen. Tun sie das wirklich? Nein, ein Ding der Unmöglichkeit, denn allein schon die Pfeffermühle ist nicht dort untergebracht und doch für praktisch jedes Gericht unentbehrlich.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert begleitet mich dieses braune Holzregal durch alle Höhen und Tiefen meines kulinarischen Wirkens. In sämtlichen Küchen hatte es seinen Stammplatz direkt neben dem Herd. Dadurch hat es zwar den einen oder anderen Fettspritzer abbekommen, aber trotzdem wirkt es noch so stramm wie am ersten Tag. Sein Inhalt hat sich laufend meinem Geschmack angepasst. Wo früher Estragon stand, behauptet sich mittlerweile Ingwer, die Herbes-de-Provence-Mischung musste Orangenpfeffer weichen.

Eines nach dem anderen sind die ursprünglichen Gewürzgläser neueren Produkten gewichen. Was sich nicht nachfüllen liess, wurde der Bequemlichkeit halber durch die Gläser der Grossverteiler ersetzt. Die einst stolze Einheit zwölf identischer Gläser hat einem kunterbunten Sammelsurium Platz gemacht.

Doch das Regal musste noch eine weitere epochale Entwicklung verkraften. Waren früher die Gläser nur mit dem Namen des Inhalts beschriftet, prangen heute Abbildungen von Peterli oder Chili-Schoten als sprachübergreifend anerkannte Gewürz-Symbole auf den kleinen Etiketten. Weitere Informationen wie http://www.-Adressen und Recycling-Piktrogramme liest zwar kein Mensch, aber sie gehören offensichtlich dazu.

Wenn in absehbarer Zeit auch noch beim allerletzten Gewürzgläschen der Preisaufdruck wegfällt, werden einige Quadratmillimeter frei auf den Etiketten. Ich wüsste durchaus wie man diesen Platz nutzen könnte: Vielleicht mit einer etwas grösseren Schrift, damit ich auch in Zukunft noch ohne Lupe kochen kann.