Öfters mal Panne (34)

… oder: geschüttelt und gerührt

Nach dem Befahren der Gibb River Road (das denkwürdige Ereignis habe ich in der letzten Folge der Pannenserie beschrieben) waren nicht nur mein innig geliebter Mitreisender und ich heilfroh, wieder festen – sprich asphaltierten – Boden unter den Füssen zu haben. Für unser Fahrzeug muss das gleichermassen gegolten haben. Die offensichtlichste Folge des Offroad-Abenteuers: Die beiden Zusatz-Scheinwerfer hatten sich irgendwann verabschiedet. Diese zu ersetzen war eine kleine Sache, die der Mitreisende selber ausführen konnte. Da praktisch jedes australische Fahrzeug über Zusatz-Scheinwerfer verfügt, werden diese auch in jedem Auto-Zubehör-Shop angeboten. Wer in Australien mit nur einem Paar zusätzlicher Funzeln am Auto herumfährt, riskiert als Rappenspalter angeschaut zu werden. Selbst an PWs ist ein halbes Dutzend Leuchten nichts Aufsehen erregendes.

Bild: xenonoz.com

Als weitaus gravierender als die fehlenden Funzeln erwies sich, dass die Klimaanlagen nach dem Gerumpel über die 600 km lange Piste den Geist aufgegeben hatten. Die nächste Stadt an unserer Route war Broome im Nordwesten Australiens. Die Küstenstadt ist unter anderem bekannt für Perlenzucht und verfügt über einen endlos langen Nacktbadestrand. Beides nahmen wir mit schwachem Interesse zur Kenntnis, als wir uns nach einer Reparaturwerkstätte für Klimaanlagen durchfragten. Die Dach-Klimaanlage hatte – nicht zum ersten Mal – einen Rohrbruch zu beklagen. Ein Kupferröhrchen war gebrochen. Dieses konnte der flinke Mechaniker im Handumdrehen wieder anlöten.

Etwas delikater gestaltete sich die Reparatur der Fahrerhaus-Klimaanlage. Das Leck ortete der Mechaniker relativ rasch bei einer losen Überwurfmutter. Diese hätte er lediglich anziehen müssen, dann Kühlmittel einfüllen und schon wäre die Klimaanlage wieder flott gewesen. Der Zugang zur besagten Stelle im Motor erwies sich aber als sehr schwierig. Und zwar deshalb, weil unser Fahrzeug im Grunde genommen ein Kleinlastwagen mit aufklappbarer Führerkabine war, dem man einen Wohnmobil-Aufbau verpasst hatte. Und wegen diesem mobilen Gartenhäuschen war die Kabine eben nicht mehr klappbar und somit der direkte Zugang zu den Eingeweiden des Fahrzeugs verwehrt.

Die Reparatur wurde deshalb zur Nervenprobe, denn selbst mit den spitzesten Fingern kam der Mechaniker von unten nicht an die Überwurfmutter heran. Erst als der Mitreisende aus seinem eigenen Fundus einen Gabelschlüssel zur Verfügung stellte, der kurzerhand gekürzt wurde, kam Schwung in die Angelegenheit. Ein paar wenige Umdrehungen und der Kompressor war wieder dicht.

Die ganze Reparatur, bei der der Mitreisende nach Kräften mithalf, hatte drei Stunden gedauert und 305 AUD und einen Gabelschlüssel gekostet. Da es bereits dunkel war und wir keine Lust hatten, im Finstern einen Übernachtungsplatz zu suchen, blieben wir kurzerhand auf einem Lagerplatz bei der Reparaturwerkstätte stehen. Sicherlich nicht der lauschigste Platz Australiens, aber in Anbetracht der Umstände leidlich praktisch.

Nach diesen Ereignissen waren wir endgültig von dirt roads, wie die Schotterpisten in Australien verharmlosend heissen, geheilt. Und nur so am Rande: Ein Wohnmobil europäischer Bauweise hätte nach einer solchen Fahrt weitaus schwerwiegendere Schäden beklagen müssen.

Öfters mal Panne (33)

… oder: Der goldene Schlauch

Ob es pffffffft oder nur pftt gemacht hat, liess sich nicht mehr feststellen. Sicher war nur, dass dem Reifen Luft fehlte. Und zwar ziemlich viel. Wie hatte das passieren können?

Die Geschichte zu dieser Reifenpanne begann einen Tag davor. Da hatten mein innig geliebter Mitreisender und ich uns einigermassen spontan dazu entschlossen, die Gibb River Road im Nordwesten Australiens zu befahren. Gemäss unserem Reiseführer und verschiedenen Schilderungen sollte das Befahren der 600 Kilometer langen Outback-Piste durch die Kimberleys etwas vom Lohnenswertesten überhaupt auf dem Roten Kontinent sein. Um Konkreteres zu erfahren, befragten wir ein älteres Ehepaar, das die Route soeben hinter sich gebracht hatte. Nach ihren optimistischen Äusserungen waren unsere letzten Zweifel beseitigt, ob die Strecke mit unserem Womi befahrbar war, und wir gingen das Unternehmen Gibb River Road an.

Wieder einmal klebten wir alle Schlösser ab, reduzierten den Reifendruck und stellten im Camper alles, was sich selbständig machen konnte, auf den Boden.

Bereits nach 50 Kilometern erreichten wir die Schlüsselstelle der ganzen Strecke. Der Pentecoast River musste über eine ca. 150 Meter breite, unbefestigte Furt durchquert werden. Das Wasser war am Ende der Trockenzeit nur etwa 30 Zentimeter tief und liess sich problemlos durchfahren. Und zwar so problemlos, dass der Mitreisende noch einmal umdrehte und die Furt von neuem durchfuhr, damit ich dieses Bild machen konnte.

Weiter ging es über die allgemein noch recht gute Schotterpiste und nach einem Tagespensum von 200 Kilometern erreichten wir eine schön gelegene Campingstelle. Am anderen Tag verflachte sich die anfänglich recht hügelige Landschaft zusehends. Der Strassenzustand verschlechterte sich laufend. Die einzelnen Wellen der waschbrettartigen Strasse waren bis zu 20 Zentimeter tief und 1 Meter weit auseinander. Solche Wellen konnten wir nicht mehr mit hohen Tempi fahren und es bleibt uns nichts anderes übrig, als kilometerweit mit 10 bis 20 km/h zu hottern.

Bei Kilometer 340 erwischten wir einen brutal vorstehenden Stein und hatten kurz darauf vorne rechts platt. Der Radwechsel fand – von diversen nicht jugendfreien Äusserungen untermalt – bei mind. 35° in der prallen Sonne auf der staubigen Piste statt. Für zusätzliche Action sorgte die Reserverad-Aufhängung, die sich verklemmt hatte. Erst nach längerem guten Zureden und etwas Rütteln und Schütteln brachten wir das Reserverad zu Tage. Zum allgemeinen Missfallen des Mitreisenden kam ein Mann auf uns zu, der uns seine Hilfe anbot. Beim Anblick des Kompasses, der dem Mann um den Hals baumelte und seinen perfekt manikürierten Fingernägeln lehnte der Mitreisende dankend ab, worauf der Mensch sich sichtlich erleichtert verzog.

Im 30 Kilometer weiter gelegenen Mount Barnett Roadhouse liessen wir den Platten für stolze 75 $ (mit neuem, mutmasslich vergoldetem Schlauch) flicken. Hätten wir eine Wahl gehabt? Wir mussten schliesslich jederzeit wieder mit einem Platten rechnen und Reparaturstellen gab es in dieser menschenleeren Gegend nicht alle paar Kilometer.

Hatten die ersten 350 Kilometer landschaftlich wenig geboten, so brachen die Highlights in der Folge geradezu auf uns ein. Die Galvans Gorge mit einem schönen Felspool, die Adcock Gorge und die Bell Gorge waren alle über kurze Abstecher und harmlose Furten zu erreichen.

Den herrlich gelegenen Pool der Bell Gorge erreichten wir zu Fuss über einen ein Kilometer langen, felsigen Weg. Das Wasser floss vom höher gelegenen Pool über einige Felsstufen20 Meter hinab in ein tief in den Felsen eingebettetes, ca. 100 Meter breites Becken. Hier mischten wir uns unter die Badegäste und genossen das kristallklare Wasser, in dem es garantiert keine Salzwasserkrokodile gab.

Als weitere Höhepunkte unterwegs punkteten die Windjana Gorge und diverse markante Boab Trees.

Rückblendend sind wir ganz klar der Ansicht, dass das Befahren der Gibb River Road eine reine 4WD Angelegenheit ist. Rund 2/3 der Strecke sind ohne weiteres mit einem konventionellen Fahrzeug zu befahren. Doch gibt es immer wieder längere Abschnitte, die für Fahrzeug und Fahrer eine reine Tortur sind, es sei denn, man befährt sie im Schritt-Tempo. Landschaftlich bietet die erste Hälfte wenig. Die eigentlichen Highlights liegen an Seitenstrassen zwischen Kilometer 350 und 500. Unser Fahrzeug hatte erheblich gelitten. Als Alternative hätten wir ein Allrad-Fahrzeug mieten können. Dadurch hätten wir allerdings 1’200 zusätzliche Kilometer fahren müssen und wären – selbst unter Berücksichtigung der anstehenden Reparaturen – wesentlich teurer gekommen.

Um welche Reparaturen es sich handelte und mit welchen denkwürdigen Mitteln sie ausgeführt wurden, werde ich in der nächste Folge der Serie „öfters mal Panne“ berichten.

Der Anblick dieser Piste lässt nicht im Entferntesten erahnen, wie sehr es uns und unser Fahrzeug durchgeschüttelt hatte.