Grüsse aus Grönland

Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Aber als ich dieses Bild per WhatsApp verschickte

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und dazu noch “Grüsse aus Grönland” schrieb – nicht ohne die entsprechenden Smilies anzuhängen Rolling on the floor laughing – gab es in meinem Freundeskreis doch Leute, die mir das abnahmen. Die glaubten, Frau Flohnmobil sei wahrhaftig in Grönland in den Ferien.

Dabei liegt diese Mondlandschaft mit dem Gletscherseeli am Fusse des Clariden am Klausenpass. Und ja, es sind Eisschollen, die da auf dem vermutlich ziemlich frischen Wasser treiben.

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Eine hübsche Wanderung übrigens, dieser Clariden Höhenweg.

Herzschmerz

Ich empfand in mehrerlei Hinsicht Herzschmerz in den vergangenen fünf Wander-Tagen im Engadin.

Auf Schritt und Tritt wurde ich an früher erinnert. An gemeinsame Rennvelo-Touren mit meinem Mann. An Wanderungen. An Aufenthalte auf Campingplätzen mit unserem ersten VW-Camper. Und insbesondere ans Skifahren. Praktisch jeden Winter verbrachten wir mindestens eine Woche im Oberengadin.

Auch auf der Diavolezza waren wir jeden Winter. Die berühmte Aussicht von der Terrasse des Berghauses aus – wer würde sie sich schon entgehen lassen.

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Diavolezza, März 2015

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Piz Bernina im März 2011

Seit mehr als 30 Jahren war ich letzte Woche wieder mal im Sommer dort. Und ich traute meinen Augen kaum, so scheusslich sah es aus.

Ich hätte heulen können beim Anblick all dieser aperen Eisströme. “Ausgehungerte Gletscher” nannte es eine Kollegin zutreffend. Total deprimierend. Und schlagartig wurde mir bewusst, dass der Herzschmerz über mein verflossenes Leben im Vergleich dazu nur ein Nasenwasser ist. 

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Teures Eis

Wer in Alaska unterwegs ist, oder gar wie wir seinerzeit durch ganz Kanada nach Alaska und wieder zurück fährt, kommt ohne sie nicht aus. Sie war und ist die Bibel jedes Reisenden, dick wie ein Telefonbuch, ebenso schwer und grundsätzlich etwas unhandlich. Milepost heisst das jährlich aktualisierte Werk, das es im Jahr 2000 noch nicht online gab.

In der Milepost sind sämtliche Strassen nach und in Alaska aufgelistet. Meile für Meile. Jede Attraktivität am Strassenrand, jeder Abfallbehälter ist aufgeführt. Und glaubt mir, wenn man über hunderte von Kilometern, pardon Meilen, rechts und links der Strasse einfach nur Bäumchen sieht, die auf dem Weg nach Alaska immer kleiner werden und im Retourweg wieder allmählich grösser wachsen, stattet man jeder verwahrlosten Sehenswürdigkeit einen Besuch ab.

Ein flüchtiger Blick in die Milepost kündigte uns seinerzeit an, dass da bald wieder eine dieser oftmals etwas fraglichen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand sein würde. Ein Gletscher. Na wieso denn nicht? Für eine Abwechslung allemal gut, zumal auch touristische Infrastruktur vorhanden zu sein schien und einer Tasse Kaffee und Kuchen waren mein innig geliebter Mitreisender und ich noch nie abgeneigt (nach mehr als 16 Monaten Reise in den USA hatten wir uns längst an amerikanischen Kaffee gewöhnt bzw. uns damit abgefunden…).

Ich war kurz davor, den Mitreisenden auf die Zufahrtstrasse zu manövrieren, da las ich ganz am Ende des Milepost Eintrags etwas von “Entrance Fee”. Nein, entschied ich kurzerhand, so weit runter geschneit hatte es noch nicht. Wo kämen wir denn da hin, für den Anblick eines Gletschers zu bezahlen? Das können meinetwegen die Amis machen, aber nicht wir. Bewohner eines Alpenlands. Stolze Eidgenossen mit ihren Bergen und dem ewigen Eis. Nein, Gletscher gibt’s bei uns gratis.

Wir fuhren weiter und begnügten uns mit dem Anblick aus der Ferne und der Gewissheit, dass es auch in Alaska gratis Gletscher zu sehen gab. Schönere und mächtigere als denjenigen, welchen wir gerade verschmäht hatten.

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Der Aletschgletscher, mit 23 Kilometern der längste Gletscher der Alpen.

Herbstlich einsam

Das war ein Spätherbst! So etwas hatte der Steinbock noch nie erlebt. Herrlich angenehme Temperaturen, der Blick auf die Hornlosen häufig durch eine dicke Nebelschicht verwehrt, die lästigen Gondeln und Sessellifte ausser Betrieb. Und im Gegensatz zu anderen Jahren verbreiteten nicht mal die Schneekanonen ihre fauchenden, grunzenden Geräusche. Es war einfach zu warm zum schneien.

Der Steinbock frohlockte. Von ihm aus konnte es noch lange so weitergehen. Ihm gefiel die Ruhe, die so viel besser in die abgeschiedene Bergwelt passte als der Rummel, den die Hornlosen verbreiteten, sobald sie erschienen.

Etwas weniger gut erging es seinem Cousin östlich des Rheins. Was hatte der Idiot auch dorthin auswandern müssen, das hatte er nun davon! Die Österreicher, diese skiverrückte Nation, hatten es schon vor Wochen schneien lassen. Und nun – so hatte sein Cousin berichtet – reihten sich die künstlich erzeugten Schneeflecken wie eine Perlenkette auf den Hängen auf und wurden jeden Tag kleiner. Der Steinbock wusste zwar nicht, was das Wort „Energieverschwendung“ zu bedeuten hatte, irgendwie schwante ihm aber, dass das nichts Gutes bedeuten konnte. Ein anderer Cousin, ebenfalls ein Abtrünniger, hatte sogar berichtet, dass die Österreicher mittlerweile selbst Gletscher beschneiten. Und dies auf einer Höhe, wo es selbst ihm schwindlig wurde. Auf über 3’000 Metern liessen sie es bei stahlblauem Himmel schneien.

Er schüttelte unwirsch seine prächtigen Hörner. Was würde den Hornlosen wohl als Nächstes einfallen?

Der Programmfehler

Waaas? Da soll ich morgen hoch! Aber da ist es doch weiss. Jetzt sag bloss, das ist Schnee!

Und wie die Leute alle aussehen! Diese seltsamen Bretter, die sie mit sich rumschleppen. Diese abartigen Töpfe auf den Köpfen. Und erst diese Schuhe. Also ich meine, farbig-poppig sind sie ja, aber der Gangart nach zu schliessen müssen sie sackunbequem sein.

Das sind Skifahrer? Ach sooo sehen die heutzutage aus!

Ich glaub langsam, ich sitze im falschen Film.