Der Tausendfüssler in meiner Küche

Anfänglich hatte ich ja gedacht, ich würde gar keine Weihnachtsguezli backen. Weder dieses Jahr noch überhaupt jemals wieder in meinem Leben. Doch dann erinnerte ich mich, wie scheusslich gekaufte Weihnachtsguezli schmecken, wie gerne ich Chräbeli und Brunsli habe und wie sehr mein Umfeld meine Guezli immer geschätzt hatte.

Also stellte ich mich doch in die Küche, begann mit Zucker, Mehl, Eier und dergleichen zu werkeln und produzierte dreierlei Sorten Guezli. So entstanden Brunsli, Gewürzigeli und Chräbeli. Eine bescheidene Leistung im Vergleich zu früheren Jahren, wo ich in der Regel zehn Sorten buk, aber immerhin.

Hier vier mustergültige Füessli, stellvertretend für 504 weitere, die heute Morgen durch meine Küche marschiert sind.

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Mehr Chräbeli-Geschichten gibt es HIER.

Eine weitere Bloggerin greift nach den Sternen

Die Brunsli in meinem letzten Beitrag müssen dermassen gluschtig ausgesehen haben, dass mich Frau Körb auf den Knien bittend ums Rezept angefragt hat. Vielleicht möchte sonst noch jemand nachbacken? Wie auch immer, hier das Rezept:

Brunsli

200 g Puderzucker
3 Eiweiss, steif geschlagen
80 g Kakao
500 g Mandeln, gemahlen
3 Esslöffel Kirschwasser

Alle Zutaten gut miteinander vermischen. Den Teig auf Zucker 1 cm dick ausrollen. Das Ausstechförmchen vor jedem Ausstechen in Zucker tauchen (ergibt das schöne Rändchen). Auf einem mit Backpapier belegten Blech 5 bis 6 Stunden trocknen lassen.

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Im gut vorgeheizten Ofen (220 Grad) 5 Minuten backen. Dabei die Backofentüre einen Spalt breit offen lassen.

Richtig gut gelungene Brunsli sind innen noch leicht feucht.

Wer auch immer sich an dieses einfache, altbewährte Rezept wagt, um ein Feedback wird gebeten!

Der Guezli-Reigen

Es war mehr aus einer kulinarisch-terminlichen Not heraus passiert. Und es war kläglich gescheitert. Seither weiss ich, weshalb ich mir Jahr für Jahr die Mühe mache, Weihnachts-Guezli selber zu backen. Die Mischung von der Migros war nämlich so etwas von ungeniessbar!

Darf ich vorstellen: Meine Backwerke, Ausgabe 2015:

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Im Uhrzeigersinn, oben angefangen:

Brunsli: fehlt bei mir kein Jahr, fällt umso besser aus, weil ich einen extra Schuss Kirsch hineingebe.

Orangenleckerli: Geschmacklich ausgezeichnet, wollten aber trotz allen Zuredens nicht vom Blechpapier kommen, selbst nach einem zweiten Backvorgang nicht.

Mandel-Makrönli: Ein neuer Versuch, mich mit dem Spritzsack anzufreunden. Gelungen, dank dem “Profi-Spritzsack”, den ich bei Aldi erstanden hatte.

Mailänderli: Der Klassiker schlechthin fehlt auch im Hause Flohnmobil nie.

Baumnuss-Sablé: Immer das erste Guezli, das ich backe. Schnell gemacht, fein und kein Auswall-Theater!

Chräbeli: Muss sein! Unvergleichlicher Anis-Geschmack. Man liebt sie oder man liebt sie nicht. Im Moment noch geeignet für Leute mit schlechten Zähnen.

Quitten-Pfaffehüetli: Eine neue Errungenschaft, bei der der Mitbewohner sein ganzes gestalterisches Talent ausspielen konnte.

Anatomie eines Weihnachts-Guezlis

Sieht man sie so liegen, so unschuldig und unbefleckt auf dem Blech, fragt man sich mit Fug und Recht:

Was ist an einem Weihnachtsguezli eigentlich hinten und vorne?
Habe ich sie richtig auf dem Blech angeordnet?
Ist es ihnen wohl hier bei mir?

Ich meine – immerhin – sie werden ja ganz ordentlich gebauchpinselt. Ich hoffe bloss, auf der richtigen Seite, sonst…

Verkleidete Italiener

Weihnachtsgebäck, so hat meine Freundin Pfeuti schon immer steif und fest behauptet, schmecke auch unter dem Jahr gut. Und sie könne es nicht verstehen, dass im Sommer kein Mensch Mailänderli, Chräbeli oder Zimtsterne backe.

Recht hat sie. Damit nämlich, dass es auch mir, obschon ich sonst ständig am Backen bin, ausserhalb der Weihnachtszeit nie in den Sinn kommen würde, Guezli zu backen.

Vor kurzem aber erreichte mich ein kleines, neckisches Päckchen. Inhalt: zwei Hasenförmchen. Der Trostpreis für einen Wettbewerb. Eigentlich hätte ich ja lieber das Notebook gewonnen, aber damit war wohl nichts. Zum Hasenförmchen selbstverständlich das passende Guezli-Rezept, denn nicht umsonst waren es die Leute von http://www.butter.ch, die den Wettbewerb ausgeschrieben hatten.

Mittlerweile muss ich Pfeuti voll und ganz Recht geben. Weihnachtsguezli – stilgerecht als Hasen getarnt – schmecken auch an Ostern. Und bestimmt an Pfingsten und am 1. August ebenso. Und bei dem Osterwetter könnte man ja auch gänzlich ohne fremde Hilfe auf die Idee kommen, Weihnachtsguezli zu backen.

Was ich noch sagen wollte: Trotz allem schöne Ostern!

Gedanken einer Herzdame

„Den Letzten beissen die Hunde“ sagt man landläufig und oftmals salopp. Ich weiss nicht, welche Berühmtheit diesen Spruch zum Leben erweckt hat, aber er ist mir in den Sinn gekommen, als ich Guezli ausgestochen habe.

Denn irgendwann sind die Teigreste aufgebraucht, selbst mit dem kleinsten Förmli kann frau kein weiteres Guezli mehr ausstechen. Und nun? Aufessen? Dann würde wohl der obige Spruch von einem Bäcker mit Haustier stammen. Einfach ein Rugeli daraus machen und klammheimlich zu den perfekt ausgestochenen Herzli, Möndli und Sternli aufs Blech legen? Sicher nicht die schlechteste aller Möglichkeiten. Den vorigen Teig einfach irgendwie in ein Förmli wursteln und plattdrücken so gut es geht? Das war meine Variante.

Wer findet das letzte Guezli?

…und bitte keine unflätigen Sprüche über meine Unfähigkeit und mangelnde Geduld zum Guezli glasieren!

Jesses, du arms Matterhorn!

Jetzt hat also die Klimaerwärmung doch schneller zugeschlagen, als wir uns aufgrund des kühlen, nassen Julis hätten erträumen lassen. Das Matterhorn – um seine letzten Hängegletscher und Schneefelder betrogen. Sieht schon etwas gar kahl aus. Ich würde meinen: ein absolut erbärmlicher Anblick!

Ich bin reingefallen auf dieses Bild. Es ist mir im Schaufenster einer spanischen Bäckerei begegnet. Auf den ersten Blick glaubte ich wirklich, die hätten im Parque Nacional de Picos de Europa unser Matterhorn auf der Guezli-Schachtel abgebildet. Leider waren die Wolken zu dicht, als dass wir den kahlen Bruder des wahren und einzigen Matterhorns hätten erblicken können.

Ob die Guezli so trocken sind, wie der spanische Matterhorn-Verschnitt daherkommt, weiss ich nicht, denn die Schachtel ist immer noch ungeöffnet. Aber ganz ehrlich gesagt, hege ich da keine allzu grossen Erwartungen.

Guezli-Chaos

Meinem leicht chaotisch angehauchten Naturel zum Trotz bin ich heute mal sehr organisiert vorgegangen. Habe gezielt drei meiner Kochbücher aus dem Regal hervorgekramt, von vorne bis hinten durchgeblättert, Notizen gemacht und dann – zack eine Entscheidung getroffen. Oder gleich deren zehn, um präzise zu sein.

Ja so was muss gut überlegt sein, immerhin geht es darum, welche Sorten Weihnachts-Guezli uns über die Schrecken der Advents-Zeit hinweg helfen sollen. Notizen in meinen Rezeptbüchern sind dabei eine grosse Hilfe. Kommentare wie „Geschmack gut, aber unmöglich, die Dinger vom Blech zu kriegen“, „s’gitt Bessers., oder „unbrauchbar“ lassen keine Zweifel offen bzw. zeugen von vergangenen Katastrophen.

Mit einer Tabelle – es ist knapp ohne Excel gegangen – habe ich den Bedarf an Butter, Eiern, Haselnüssen etc. ermittelt und anschliessend den Einkauf getätigt.

In den kommenden Tagen also wird unsere Wohnung wieder einmal zur Bäckerei. Meine Freundin Pfeuti moniert immer, dass es Schwachsinn sei, Mailänderli & Co. nur in der Weihnachtszeit zu backen. Die schmeckten doch auch unter dem Jahr. Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Aber die Guezli, die Mitte Jahr bei uns noch in den Dosen sind, dürften sie auch nicht mehr glücklich machen.