An der frischen Luft

Die Tatsache ist nicht neu. Ganz im Gegenteil, sie bestätigt sich Jahr für Jahr. Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Sobald er die Wiesen gemäht hat, fährt der Bauer mit der Gülle auf. Zusammen mit dem blühenden Raps kumuliert sich das zu einer Duftnote, die mich beim Wandern jeweils einen Gang höher schalten lässt.

Nichts desto trotz gibt es in diesen eher raren frühlingshaften Tagen kaum etwas Schöneres, als durch Feld, Wald und Wiesen zu wandern. Sofern man mit einer Wäscheklammer ausgestattet ist.

Der Duft der grossen weiten Welt

WC-Sticks Fresh oder Lemon.
Staubsauger-Deo ebenfalls Lemon.
Zitronengras-Seife, Brennessel-Shampoo, Pfefferminz-Zahnpasta, Lavendel-Bodylotion
Eukalyptus, Kaminfeuer, Orange, Granatapfel, Nelken, Fichte, Palmarosa und Vanille als Duftöl.
Ein Rhabarber/Pfefferminz-Gebräu in der Spülmittelflasche.
Aloe-Vera an der Wäsche.

Ich glaube, ich bin für den nächsten Güllen-Angriff unserer Bauern gewappnet.

Wenn nicht, zücke ich die neuste Waffe aus der Migros und betöre meine Umwelt mit Himbeer-Duschgel.

Als Linzertorte durch die Gegend wandeln, mal was ganz Neues!

Frühlingsdüfte

Die Slipeinlagen duften nach Avocado oder Veilchen.
Im Auto riecht es zu jeder Jahreszeit nach Sommerabend.
Blütenduft strömt aus dem Kleiderschrank, ob es stürmt oder schneit.
Dank Kerzen und Rächerstäbchen können wir uns auch auf dem 47. Breitengrad mit orientalischen Wohlgerüchen beduseln lassen.
Und im Fitnesscenter riecht es – trotz regelrechten Sturzbächen von Schweiss – erfrischend nach Zitrone.

Rund um die Uhr werden wir mit künstlichen Aromen behaucht. Ob der Duft nach Gülle, der sich vor unseren dreckigen Fensterscheiben breit macht, wohl auch aus der Spraydose stammt?