Bedenken eines Basilikums

Als gebürtiger Südfranzose war es mir vergönnt, beinahe vier Wochen lang in herrlicher Umgebung gehegt und gepflegt zu werden. Meine Ersatzmutter las mir jeden Wunsch von den Lippen ab. Sie pflanzte mich in einen schönen Topf, rannte mit mir im Garten herum auf der Suche nach dem sonnigsten Platz, nahm mich in den ersten Nächten unters Dach, machte mir regelmässig meine zarten Füsschen nass.

Doch nun droht eine drastische Wende und ich habe allen Grund anzunehmen, dass ich den Zenit meines geschmackvollen Lebens bereits überschritten habe. Ihr glaubt es nicht? Leider ja. Ich werde nun nämlich in ein Auto verfrachtet und hunderte Kilometer nordwärts erst wieder das Tageslicht erblicken. Und was mich dort erwartet, ist eines so stolzen Südfranzosen ziemlich unwürdig.

Hier war es nämlich in den vergangenen vier Wochen gerade mal einen halben Tag lang etwas feucht und insgesamt blies drei Tage der Mistral, der mich beinahe ausgetopft hätte. Währenddessen begannen die Leute dort, wo ich hin muss, bereits die Arche Noah zu bauen.

Was für düstere Prognosen! Aber ich hab noch etwas Verstärkung mitgebracht. Aber – pssst! – nicht weitersagen, das soll eine Überraschung werden. Geteiltes Leid ist  bekanntlich halbes Leid.

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Na, seht ihr einen Unterschied zu damals?

Gegensätze

Die Geborgenheit unserer Wohnung gegen das riesige Haus in der Provence.

Unsere paar Quadratmeter Garten, auf denen mehr Unkraut wächst, als auf dem gesamten Areal unseres gesitteten Hauses mit seinem perfekt manikürierten Rasen und den wie mit einer Schablone geschnittenen Hecken.

Die eigene Küche, die, obschon wesentlich kleiner, halt eben meine Küche ist. Mit einer gut sortierten Besteckschublade statt einer unübersichtlichen Ansammlung von Küchenhelfern, mit denen ich nichts anzufangen wusste (Austernstecher, Schneckenzange).

Am Freitagnachmittag noch im T-Shirt Kaffee in der Sonne getrunken, keinen Tag später viel, viel Schnee von viel zu nah gesehen.

Das Tränchen, das ich wegwischen musste, als ich mich vom Goldschätzchen verabschiedete. Und doch war ich irgendwie erleichtert, Conrad wohlbehalten los zu werden.

Der Schuhkasten, in dem die aus Frankreich zurückgebrachten Flip-Flops ziemlich weit unten verstaut wurden.

Die Kaffeemaschine, die auf Anhieb genau das produziert, was ich mir unter Kaffee vorstelle.

Die diversen Wintersport-Kataloge, die schon ins Haus geflattert sind, während ich geistig noch nicht mal im Herbst angelangt bin.

Das gechlorte, aufbereitete Wasser Südfrankreichs gegen unser herrlich frisches Quellwasser.

Die Freunde wieder in der Nähe und nicht nur am Computerbildschirm.

Die Temperaturen. Brrrrrh!!!

Der Herbst hat auch in der Provence Einzug gehalten. Gestern um 6.00 Uhr mussten wir – wer hätte das gedacht – eine hauchdünne Schicht Eis von der Autoscheibe abkratzen, bevor wir den Heimweg antreten konnten.