Lust auf Luft

Man kauft ja mitunter Sachen, die man vielleicht gar nicht braucht. Umgekehrt aber stösst man plötzlich auf Sachen, die man – so man denn davon gewusst hätte – schon lange gekauft hätte.

In die zweite Kategorie gehört der Ventilator, den der Bergler und ich uns jüngst angeschafft haben. Noch sind wir zwar nicht dazu gekommen, das Teil auszuprobieren. Wir versprechen uns aber eine ganze Menge davon. Eine ganze Menge warmer Luft, um genau zu sein. Denn der Ventilator soll die Wärme, die der Holzofen im Ferienhaus abgibt, besser im Raum verteilen.

Wenn das wirklich funktioniert, und davon sind wir so ziemlich überzeugt, sonst hätten wir den Kauf nicht getätigt, würde unserer Heizerei im 300-jährigen Haus wesentlich effizienter.

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Wir sind gespannt, ob all die Versprechen eingehalten werden.

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Auch dieses:

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Nur 4 Grad

4 Grad Temperaturdifferenz, das tönt nicht nach wahnsinnig viel. Und doch…

Wie ich schon mal in einem Post erwähnt habe, wurde in unserem Haus die Heizung ersetzt. 4 Tage mussten 12 Haushalte ohne Heizung auskommen, 3 Tage ohne Warmwasser.

Es war definitiv unangenehm kalt. Was für verwöhnte, verweichlichte Säcke wir doch sind! Wenn wir mal nicht mindestens 23 Grad in der Wohnung haben, frieren wir uns einen ab. Früher waren das Wohnzimmer und die Küche geheizt, in der Regel mit dem Kachelofen in der Stube und dem Holzofen in der Küche. In allen anderen Räumen war es im Winter kalt oder saukalt.

Was sind also 4 Tage in einer Wohnung, wo es jeden Tag ein Grad kälter wird? Nichts, ausser die Erkenntnis, in welchem Komfort wir doch leben; mit welcher Selbstverständlichkeit unsere Häuser warm sind, das Warmwasser nahezu unbeschränkt fliesst. Eigentlich könnte so eine notfallmässige Heizungserneuerung mitten im Winter dazu dienen, das eigene Tun mal wieder zu überdenken. Dass es nicht zum Grundrecht eines Menschen gehört, im Januar im T-Shirt in der Wohnung rumzusitzen zu können und jeden Tag die Badewanne zu füllen.

Der Effekt wird wohl bald verpufft sein. 

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Mein Wohnzimmer und die langen Unterhosen

Vor einem Viertel-Jahrzehnt haben mein Mann und ich einmal im tiefsten Winter in einer Alpenvereins-Hütte in Österreich übernachtet. Es war bitterkalt, in den Schlafräumen konnte man seinen eigenen Atem sehen. Jeder war froh um jede textile Schicht. Mit einer Ausnahme. Diese hockte morgens um halb Sieben am geöffneten Fenster und war mit dem Kartenstudium beschäftig. Mit nacktem Oberkörper notabene!

Nun, das Wärmeempfinden ist wohl bei jedem etwas anders. Auch meine interne Klimaanlage spinnt momentan ein wenig. Mal grad recht, dann wieder eine Hitzewallung, dann kalte Füsse.

All dies hat nichts mit dem zu tun, was derzeit bei uns im Haus abgeht. Es wird gehämmert und gebohrt was das Zeug hält. Gewiss, es hätte geeignetere Momente gegeben, um die Heizung und den Boiler zu ersetzen. Aber es war nicht mehr möglich, damit bis in den Frühling hinein zu warten. Und im Frühling kann es ja auch noch kalt sein. Jetzt ist es draussen immerhin deutlich über null Grad, es hätte uns auch schlimmer erwischen können!

Da ich im Gegensatz zu anderen Leuten diese Woche nicht einfach ausziehen oder in die Ferien fahren konnte, harre ich in der immer kälter werdenden Bude aus. Das mit dem Heizen finde ich im Moment noch nicht so schlimm (was es zweifellos noch werden wird, wenn es wie angekündigt weitere 2 Tage dauert), und zum Duschen gehe ich einfach ins Fitness-Center.

Man arrangiert sich irgendwie. Das warme Wasser kommt in bescheidenem Ausmasse aus dem Wasserkocher statt in der Komfortvariante aus dem Wasserhahn. Und natürlich kommt es etwas schräg rüber, wenn man im eigenen Wohnzimmer mit langen Unterhosen und vielleicht schon bald auch mit Handschuhen und Mütze sitzt, aber was soll’s. Den Elektro-Ofen mag ich aus diversen Gründen auch nicht den ganzen Tag röhren lassen. Also wird halt noch etwas Eskimo-Training absolviert.

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Öfters mal Panne (21)

…. oder: Wie sich ein Problem in Luft auflösen kann

Die folgende Begebenheit ereignete sich an einem euphorischen Frühlings-Tag. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich motteten unser Wohnmobil aus. Dazu gehörte, nachdem das Womi von seinem Wintermäntelchen befreit war und wieder auf den eigenen vier Rädern stand, eine kurze Probefahrt und eine Funktionskontrolle, ob alle Apparaturen den Winter schadlos überstanden hatten.

Zu diesen Apparaturen gehörte unter anderem die Heizung. Also Gashahn auf, zuerst kurz einen der Gasbrenner anzünden, zum feststellen, ob auch wirklich Gas kommt, dann zwei Schritte weiter hinten im Womi den Knopf der Heizung drücken. Auf Anhieb sprang sie nicht an. Kann ja mal sein, nach so langer Zeit. Also nachmals drücken. Da ging immer noch nichts. Ein Ticken verriet, dass die Elektronik Strom erhielt, also nochmals den Startknopf drücken.

W u f f

Au weia! So war das nicht vorgesehen. Hatte es uns gleich die ganze Heizung verheizt (ach daher der Begriff…)? Wir machten einen vorsichtigen Gang ums Womi um den Schaden zu begutachten.

Blenden wir zwecks Aufrollen der Geschichte einige Monate zurück. Da standen wir in einem Camping-Zubehör-Shop und erzählten von unserem genialen Einstellplatz auf einem ausgedienten Bauernhof. Das Womi stand in einem ehemaligen Geräteschuppen, vor Witterungseinflüssen geschützt, auf einem Betonboden, die Batterien durften den ganzen Winter über am Strom nuckeln. Ein gemütliches Winterquartier für so ein Gefährt.

„Dort hat es doch bestimmt Spinnen?“ erkundigte sich der aufmerksame Verkäufer, „wissen Sie, wir hatten schon Kunden, bei denen haben sich Spinnen in der Heizung eingenistet und den Kamin verstopft.“ Mit flinken Schritten verschwand er hinter dem nächsten Gestell und kam mit einem Kunststoff-Deckel zurück. „Wenn Sie diesen Deckel auf den Wandkamin aufsetzen, haben Sie Ruhe.“ Das leuchtete dem Mitbewohner ein und in solchen Dingen hat er schliesslich das Sagen. Wir erstanden folglich diese Abdeckung und vermutlich noch einiges mehr und fuhren von dannen.

Als wir Monate später nach dem lauten Knall mit vorsichtig-kritischem Blick ums Womi herum gingen, war von dem Deckel, den wir zum Schutz vor Spinnen aufgesetzt hatten, nichts mehr zu sehen. Er hatte sich in kleinste Stücke verabschiedet. Und mit ihm das Aussenteil des Heizkamins. Mit betretener Miene schauten der Mitbewohner und ich uns an. An diesen verdammten Deckel hatten wir nicht mehr gedacht! Die bange Frage, die nun im Raum stand: Funktionierte die Heizung noch oder hatten wir ihr auch grad den Garaus gemacht?

Von diesem Deckel befreit lief die Heizung zumindest auf Anhieb an. Aber würde sie ihren Dienst tatsächlich ohne Murren verrichten? Sie tat es. Und nachdem wir das Kunststoffteil am Wandkamin für wenige Franken wieder ersetzt hatten, waren wir uns schnell einig, dass wir im nächsten Frühling lieber ein paar Spinnen verheizen würden als eine neue Kaminabdeckung. So stellen sich einem immer wieder Probleme in den Weg, die sich schliesslich einfach in Luft auf lösen.

Von 12 auf 20 in ??? Sekunden

Das Schlafen im Wohnmobil bringt verschiedene Vorteile gegenüber zu Hause mit sich. Erstens kann man fast täglich eine neue Aussicht vom Bett aus geniessen. Zweitens hat man Urlaub und kann sich so lange auf der Liebesinsel fläzen, wie man will. Und drittens kann man gar nicht sofort aufstehen, wenn man wach wird. Es geht einfach nicht. Mission impossible.

Warum? Weil es entweder im Wohnmobil viel zu kalt ist, oder der Boiler für die morgendliche Toilette zuerst aufgeheizt werden muss, oder beides. Und hier greift Vorteil drei des wohnmobilen Schlafens. Es dauert nämlich etwas, bis die Heizung so richtig in Schwung ist. In dieser Zeit kann man und frau sich nochmals bequem hinlegen, am Kissen lauschen oder sich anderen Freuden des Lebens hingeben.

Wie lange dauert es, bis in einem Wohnmobil am Morgen angenehme Temperaturen herrschen? Das hängt nicht nur vom persönlichen Empfinden ab, sondern in besonderem Masse von den herrschenden Aussentemperaturen. Diese sind nämlich am Morgen gemäss unserer Erfahrung lediglich etwa vier Grad tiefer als drinnen. Für uns muss es im Womi 20 Grad warm sein, damit wir unter der Bettdecke hervor kriechen. Bei einer solchen Temperatur würde ich zu Hause schlotternd nach etwas Warmem greifen, aber im Wohnmobil fühle ich mich seltsamerweise bei dieser Affenkälte wohl.

Die Hersteller unseres Wohnmobils haben uns den Gefallen erwiesen, den Drehschalter für die Heizung so anzuordnen, dass wir nicht aus dem Bett raus müssen. Nur mal kurz auf den Bauch drehen, linken Arm ausfahren, und schon läuft das Ding an. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn es am Morgen ausserhalb der Bettdecke gerade mal zehn Grad hat!

Unsere Heizung – eine Truma 4 Combi – verteilt die Warmluft über sechs Auslassdüsen, die so im Wohnmobil angeordnet sind, wie es von der Produktion her am einfachsten ging. Scheint es jedenfalls, denn vorne, dort wo meine Füsse unter dem Tisch sind, ist nur noch eine Düse. Aber wenigstens auf meiner Seite. Der innig geliebte Mitbewohner muss dann halt schauen, wie er seine Füsse warm kriegt. Trotzdem ist die Heizung sehr effizient. Wer in einem Wohnmobil friert, ist selber schuld.

Die Heizung ist bei uns täglich in Betrieb, auch im Hochsommer. Dann natürlich nur das Teil, das das Wasser im Boiler erhitzt. Diesen Herbst mussten wir fast jeden Morgen heizen. Und um das Rätsel im Titel aufzulösen: Von 12 auf 20 Grad dauert bei uns eine geschlagene Stunde. Herrlich!