Weisses für die Rübe

Es ist ganz und gar erstaunlich, in wie vielen Variationen Schneesport-Helme in den Verkaufsregalen stehen, liegen oder hängen. Mit Visier. Mit Lautsprechern. Solche, die mehr einem Nachttopf ähneln. Elegante, extravagante. Mit und ohne kuschelige Öhrchen. Blaue, grüne, gelbe, schwarze, rote, pinkfarbene. Mit Leder bezogen. Matt oder glänzend. Die Markenvielfalt und Auswahl ist ebenso gross wie die Preisspanne, die locker von unter 100 Franken bis über 700 Stutz geht.

Mit meinem letzten Blogeintrag, insbesondere mit dem Bild, habe ich euch etwas in die Irre geführt. Ich habe nämlich meinen neuen Helm im Geschäft über die Strasse gekauft. Aber dort war die Auslage nicht so fotogen.

So sehe ich also neuerdings auf der Skipiste (bzw. im vorliegenden Fall in der Gondelbahn) aus:

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Ich konnte übrigens der Bearbeitung durch die Sportartikel-Verkäuferin standhalten und setze mir weiterhin meine alte Skibrille auf. Diese neuen Panorama-Brillen, mit denen man in die Welt guckt wie eine Drohne, überzeugen mich nicht.

Buntes für die Rübe

“Musst du das jetzt jeden Tag zuerst lesen?” Die Stirn meines innig geliebten Mitbewohners hatte sich sorgenvoll in Falten gelegt angesichts des beinahe einen halben Quadratmeter grossen Papierfetzens, den ich im Begriff war zu entfalten. In den Händen hielt ich ein “Benutzerhandbuch für Skihelm”. Handbuch war zwar etwas hoch gegriffen, vielmehr war es ein doppelseitig bedruckter, dünner Wisch. In 19 Sprachen – darunter verdankenswerterweise auch Deutsch – wurde erklärt, was unter einem Skihelm zu verstehen ist, wie man in anzieht, was man damit tun soll und was besser nicht.

Ich verzichtete nicht nur auf der Stelle sondern auch für alle Zukunft auf das Studium des Benutzerhandbuches, immerhin war es bereits mein dritter Skihelm und ich traute mir durchaus zu, dieses birnenschützende Instrumentarium ohne weitere Instruktionen sach- und fachgemäss aufzusetzen.

Der Neuanschaffung war ein zweitägiges Auswahlprozedere, unterbrochen von einer 23-stündigen Pause, vorangegangen. Ich hatte sämtliche in Frage kommende Helme in sämtlichen Sportgeschäften des Ortes anprobiert. Der Mitbewohner hatte ausgiebig Gelegenheit, das übrige Sortiment der Geschäfte zu studieren, bis ich mich ENDLICH zu einem Entschluss durchringen konnte.

Mein neuer Helm ist rundlich, bequem, sicher, warm und schön. Welchen habe ich gewählt?

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Müsterli für den Kopf

Als ich – wie es sich für Samnaun gehört – es Gütterli Parfüm erstand, schmuggelte mir die Verkäuferin ein paar Müsterchen in die Tüte. Das hatte sie schon einmal gemacht und auch dieses Mal war nebst einem absolut widerlich süssen Duft ein ganz bezauberndes Parfüm dabei, das ich mal auf irgend eine zukünftige Wunschliste nehmen werde. Ausserdem fand ich zwei Säckchen mit Haarpflege-Mitteln, die ich gedachte, mir beim nächsten Haarewaschen auf den Kopf zu schmieren.

Dieshalb studierte ich eingehend die Anleitungen und las meinem innig geliebten Mitbewohner vor: “Energie und Sprungkraft für jedes Haar”. Dieser musterte meine Haarpracht eingehend und befand darauf, da müsse ich aber damit rechnen, dass mein Skihelm abheben würde.

Da ich zu wenig risikofreudig war, herauszufinden wie standorttreu mein Helm nach einer derartigen Haarkur war, beschloss ich, das Müsterchen erst am Vorabend unserer Heimreise zu brauchen. Schlimmstenfalls verfügt unser Auto über ein Schiebedach.

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Was hat eine Klorolle auf der Skipiste verloren?

Ähnlich wie die Entwicklung bei den Autos verhält es sich auch auf der Skipiste. Nicht nur, dass sowohl auf den Strassen als auch Skipisten immer rücksichtsloser gefahren wird und Geschwindigkeit das Mass aller Dinge scheint. Nein, bei Autos wie Skihelmen gleichermassen dominieren die Farben schwarz, antrazit, grau und weiss.

Die Sportartikel-Fabrikanten geben Gegensteuer und bieten allerlei Getier für die Helme an. Katzenöhrchen, Tigerschwänzchen, Elchgeweihe, Andreas-Thiel-Frisuren. Oder fixfertige Helm-Überzüge mit lustigen Pommeln, dezenten Streifen oder Pelzbesatz.

Die scheinbare Monotonie  i n   auf den Köpfen hat auch handwerklich Begabte auf den Plan gerufen. So begegnete mir unlängst in der Seilbahn dieses adrette Häkelgebilde.

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Sofort befielen mich leichte Assoziationen mit so etwas.

Ganz in Weiss

Es stand in der Zeitung zu lesen: In der Schweiz tragen 90 % der Schneesportler einen Helm. Ich weiss zwar nicht, wie die Statistiker zu dieser Zahl gekommen sind, denn die Skisaison 2014/15 ist ja noch nicht so richtig in Schwung gekommen. Dennoch, die eigene Wahrnehmung scheint diese Zahl zu bestätigen.

Im schweizerisch/österreichischen Skigebiet von Samnaun/Ischgl verhält es sich etwas anders. Hier gurken nebst strammen Eidgenossen Deutsche, Österreicher, Polen, Russen, Kroaten, Holländer, Tschechen und viele Weiss-der-Kuckuck-wo-sie-überall-noch-herstammen auf den Pisten herum. Das korrigiert die Helmträger-Statistik nach unten.

Für mich eigentlich unverständlich, gibt es doch nichts Angenehmeres beim Skifahren, als so einen kuschelig-warmen Helm, der die Birne und vor allem die Öhrchen warm hält.

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Wie gefällt euch mein neustes Stück? Ich habe meinen alten Helm nach neun Jahren in den wohlverdienten Ruhestand geschickt.

Ein Lob auf den Silberkübel

Für meinen innig geliebten Skilehrer und mich stellt sich seit Jahren nicht mehr die Frage, ob wir unsere Schwünge auf der Piste mit oder ohne Helm machen. Der Kübel gehört genauso zur Ausrüstung wie Handschuhe und Dergleichen. Die Eitelkeit muss an Skitagen zurückstehen, denn das, was unter einem Helm zum Vorschein kommt, hat mit „Frisur“ nur noch in den seltensten Fällen etwas zu tun. Aus eigener Erfahrung kenne ich das zwar nur von Ski-, Velo- und Kletterhelmen, ich stelle mir aber vor, dass es sich mit anderen Hirnschonern nicht viel anders verhält.

Einen Skihelm trage ich nicht nur der Sicherheit wegen. Oh nein, es gibt nichts, aber auch gar nichts, das die Öhrchen so unvergleichlich schön warm halten würde wie ein richtig sitzender Helm. Die Zeiten, wo es mir beim Fahren ständig die Mütze hochschob, sind längst passé. Es gibt aber noch weitere Vorteile, auf die ich hier aus praktischen Gründen nicht eingehen kann, die vor allem Leute mit Flatterohren zu schätzen wissen dürften. Ausserdem hat man mit dem Helm stets ein Notfall-Postichörbli dabei. Man weiss ja nie, wenn die Migros plötzlich ein Hochgebirgs-Filialnetz aufbaut.

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Helmträger auf der Skipiste ständig erhöht. Mittlerweile tragen 76 % aller Schneesportler in der Schweiz einen Helm. Nur noch die grössten Ignoranten fahren „oben ohne“ und bemühen die lahme Ausrede, sie hätten einen harten Schädel. Wie ich eingangs erwähnt habe, kann unter dem Helm die Frisur (sofern vorhanden) etwas leiden. Ohne Helm aber unter Umständen noch viel mehr.