Hotel ohne Alles

Ich hatte angekündigt, dass mir die dritte und letzte Übernachtung im Rahmen der viertägigen Wanderung im Wallis einen eigenen Blog-Beitrag Wert sei. Während ich dazu noch etwas ausholen muss, mögen zarte Gemüter ihrer geistigen Gesundheit wegen vielleicht eher nicht weiterlesen.

Ich hatte im Vorfeld mehrere Mails in dieses Hotel verschickt. Das Erste, um grundsätzlich abzuklären, ob am besagten Tag bis zu acht Personen beherbergt werden könnten. Das Zweite um zu melden, ich würde bis zu einem bestimmten Tag Bescheid geben, wie viele Personen wir tatsächlich seien. Auf mein drittes Mail, wir seien nur zu zweit, erhielt ich keine Antwort mehr. Ich machte mir aber keine grossen Sorgen, denn es war ja ausserhalb der Hochsaison.

Als sich unsere Gruppe für die letzten zwei Etappen um hundert Prozent vergrösserte, versicherte ich mich kurz im Internet, dass das Hotel noch über freie Zimmer verfügte. Als wir an unserem Etappenort ankamen, orteten wir das Hotel ziemlich schnell. Es war gegen 16.00 Uhr, eitel Sonnenschein über Vercorin. Etwas stutzig machte uns die halbwegs daniederliegende Tafel am Zugang zum Hotel.

IMG_3928

Tapfer schritten wir weiter. Von der Terrasse aus konnten wir beobachten, wie im Carnozet eine angeregte Lismi-Runde mit älteren Damen im Gang war. Immerhin ein Lebenszeichen! Am Empfang erschien kurz nach Betätigen der Glocke eine junge Dame. Ich erklärte ihr, wir seien nicht wie angemeldet zu zweit, sondern zu viert. Und wir wünschten wenn immer möglich Doppelzimmer mit zwei separaten Betten. Keiner von uns war erpicht darauf, vier Quadratmeter Bettdecke mit dem Bettnachbarn zu teilen.

Das alles schien sich problemlos bewerkstelligen zu lassen. Die Rezeptionistin  und Mädchen für alles, wie sich später herausstellen sollte, zeigte uns Zimmer. Das Erste war noch nicht gemacht, die nächsten Zwei entsprachen unseren Vorstellungen. Die Frage, ob wir auch hier essen würden, bejahten wir.

Wir deponierten unsere Rucksäcke im Zimmer und begaben uns zurück auf die aussichtsreiche Terrasse, um unseren Durst zu löschen. Derweil ging ich zurück an die Rezeption um zu fragen, ob man noch eine ID bräuchte, eine Unterschrift vielleicht. Und das Schicksal nahm seinen Lauf.

Mademoiselle beeilte sich, mir zwei Anmeldezettel hin zu schieben. Dumm nur, dass da statt meinem Namen ein anderer stand. Ich machte auf diesen Umstand aufmerksam. Meine Reservation gab es ganz offensichtlich nicht! Nun, damit konnten wir leben, wir hatten ein Bett. Der dicke Hund folgte erst noch. Mademoiselle eröffnete mir – alles im mir verhassten Französisch, wohlgemerkt – dass wir das Frühstück in einem anderen Hotel einnehmen müssten. Ich war dermassen paff, dass ich das erst mal verdauen musste und gar nicht nach dem Grund fragte. Sie schrieb mir die Adresse auf, fand aber keinen Ortsplan auf dem sie mir hätte zeigen können, wo das sei. “Seulement cinq minutes en voitures”, versicherte sie mir. Dass wir zu Fuss unterwegs waren, musste ihr trotz unserer Wanderausrüstung entgangen sein. Es seien aber auch zu Fuss nur fünf Minuten.

Meine drei Wanderfreunde zeigten sich so erstaunt wie ich. Da das Frühstückshotel in genau der entgegengesetzten Richtung unserer morgigen Wanderung lag, entschieden wir uns, im Ort eine Bäckerei mit Café oder dergleichen zu rekognoszieren, wo wir uns morgen stärken konnten.

Das gelang uns nicht ganz auf Anhieb, da mittlerweile das Informationsbüro geschlossen war. Wir mussten einen derart hilflosen Eindruck hinterlassen haben, dass man uns freundlicherweise doch noch aufmachte. So wurden wir nach einigen Umwegen im Hotel Victoria vorstellig, wo man unserem Anliegen grösstes Verständnis entgegenbrachte.  Wir bummelten anschliessend noch etwas durch den Ort, dem ich nur zögerlich gewisse Sympathien entgegenzubringen vermochte, genehmigten uns einen Apéro und gingen zurück ins Hotel, um zu duschen.

Dumm nur, dass meine Haare bereits klatschnass waren, bis ich feststellte, dass der Fön im Bad nicht funktionierte. Einmal mehr fand ich mich an der Rezeption ein. Nach anfänglichem Schulterzucken und der Erklärung, sie arbeite sonst gar nicht hier (aha!!!) fragte mich Mademoiselle, ob es mir etwas ausmachen würde, in einem anderen Zimmer meine Haare zu trocknen. Auch diese Hürde war überwunden.

Frisch gespült und fein duftend fanden wir uns alle Vier gegen 19.00 Uhr im Speisesaal ein. Kurioserweise war dort die Hälfte der Tische fürs Frühstück gedeckt. Wir suchten uns im ungeheizten, nicht sehr einladend wirkenden Raum einen Tisch aus, an dem uns die Fenster einigermassen dicht schienen. Mademoiselle erschien mit der Speisekarte. Diese war so dürftig, dass wir uns – und diesmal ohne es ironisch zu meinen – unserer Gesundheit zu Liebe entschieden, die Küche lieber nicht auszuprobieren. Nebst uns war nur noch ein einziges Paar im Raum, das Raclette bestellen wollte. Leider seien die Kartoffeln ausgegangen, eröffnete ihnen Mademoiselle nicht ohne Bedauern. Die Zwei taten uns richtig Leid, so alleine dinieren zu müssen, denn sie wirkten nicht so mobil und fit, dass sie noch auf die Idee hätten kommen können, das Restaurant zu wechseln.

Wir Vier jedoch marschierten schnurstracks ins Hotel Victoria, wo man uns bereits kannte, einen netten Tisch zuwies und wir Nudeln an Lachssauce bzw. Tomatenfondue bestellten, assen und für sehr gut befanden. Immer wieder drehte sich unser Gespräch um das andere Hotel. Ob wir wohl die letzten Gäste vor dem Abbruch waren? Oder zumindest vor dem Saisonende? Weder noch, das Hotel ist auch heute noch im Internet, beispielsweise auf booking.com.

Nach einem guten Znacht, einer ruhigen Nacht und einem letzten Blick zurück ins Zimmer, ob wir auch nichts vergessen hätten, deponierten wir unsere Schlüssel an der verwaisten Rezeption. Symptomatisch für die ganze Einrichtung hing der eine Schlüssel nur an einem dürren Schnürchen. Wir staunten nicht schlecht, als vor der Hoteltüre ein Papiersack mit frischem Brot stand.

IMG_3928

Kurz vor 8.00 Uhr kehrten wir diesem seltsamen Etablissement den Rücken zu und futterten uns am kleinen aber feinen Frühstücksbuffet im Hotel Victoria die nötigen Kalorien für den bevorstehenden Wandertag an. Sollte ich mich jemals wieder nach Vercorin verirren, würde ich dieses Hotel ohne jegliche Umwege ansteuern.

Bevor mir noch die Hand abfault

Diese Hotelföns gehen mir ganz ordentlich auf den Wecker. Abgesehen davon, dass sie in der Regel wenig leistungsfähig sind, sind sie häufig ausgestattet mit einem Knopf, den man gedrückt halten muss, damit die heisse Luft daher kommt. Ich kann gut nachvollziehen, weshalb das so ist. Manch einer käme wohl sonst noch auf die Idee, den Fön als Heizung zu benützen.

Wenn ich meine Haarpracht mit so einem Ding trocknen will, fault mir jedes Mal fast die Hand ab vor lauter Drücken. Das regt mich gelinde gesagt etwas auf.

Abhilfe schafft da ein Riemchen, notfalls auch ein Schuhbändel, BH-Träger oder eine Kabelbride.

Einfach nicht vergessen, nach Gebrauch wieder zu lösen, sonst macht das Hotel-Fönchen eher früher als spät die Schraube!

IMG_3570

Akustische Ablenkung

Man geht landläufig von der Meinung aus, dass unter der Dusche gesungen werde. Die Schreibende ist hiervon ausdrücklich ausgenommen! Unmusikalisch wie ich bin, werde ich das weder Anderen noch meinen eigenen Ohren antun.

Dabei hat es durchaus Vorteile, wenn man singt. Nicht unter, sondern vor der Dusche. Möglichst lautstark. Das jedenfalls hätte sich meine Freundin gewünscht, mit der ich jüngst wieder mal ein Hotelzimmer geteilt habe. Schon eine normale Türe zur Nasszelle ist weit davon entfernt, akustisch dicht zu sein. Eine Schiebetüre aus getöntem Glas dient da bestenfalls als Sichtschutz. Sie mag wohl stylisch sein, aber eben…

Meiner Freundin war es höchst peinlich, dass allerlei Körpergeräusche aus dem besagten Räumchen traten. Sie empfahl mir deshalb, lautstark zu singen. Oder doch wenigstens das Radio laufen zu lassen. Im gegenseitigen Einverständnis suchten wir einen netten Radiosender.

Was wir auf unserem Kurztrip ins Elsass im Kleinen praktizierten, wird auch im grossen Stil auf dieser Welt angewendet.  Doch leider lässt sich längst nicht jeder Furz mit lauter Musik übertönen.

IMG_0387

Nächtliche Geheimnisse

Sie lag neben mir. Ich wach, sie am schlafen in diesem fremden Bett in Colmar.

Sie, die mir in unseren ersten gemeinsamen Ferien gesagt hatte, ich schlafe sehr ruhig und läge manchmal im Bett wie eine Leiche, sie gab ein kleines Stöhnen von sich. Noch eins. Sie schien etwas zu träumen.

Ich spitzte meine Ohren. Vielleicht würde sie im Schlaf zu sprechen anfangen. Doch diesen Gefallen tat sie mir nicht; stattdessen drehte sie sich um und schlief weiter.

Am anderen Morgen erzählte ich ihr davon. Sie zeigte sich zuerst erstaunt, dass sie im Schlaf Töne von sich gegeben hatte, entgegnete dann aber voller Überzeugung: “Bea, da gibt es nicht mehr viel, was du von mir auf diese Weise noch erfahren könntest.”

Zwei Freundinnen schüttelten sich vor Lachen.

DSC01645

Aus eins mach zwei

Es ist ja nicht so, dass ich seit dem Tod meines Mannes mit niemandem mehr geschlafen hätte. Genau genommen dürften es gegen 50 Personen sein. Die meisten mir wildfremde Menschen. Mit ihnen habe ich zwar weniger das Bett, aber dennoch das Schlafgemach geteilt. In Massenlagern auf der mehrtägigen Wanderung, die ich Ende Juli zusammen mit Freunden gemacht habe.

Nun aber ist die Situation nochmals eine gänzlich andere. Nun bin ich mit meiner Freundin in Frankreich unterwegs und selbstverständlich teilen wir uns das Zimmer, nicht aber das Bett. Wohl stecken wir in so manchen Situationen unter einer Decke, dennoch wollen wir uns in der Nacht jede in eine eigene Decke einrollen.

In Frankreich ist das mitunter etwas schwierig. In einem Hotel musste nach unserer Ankunft, und obschon wir bei der Reservation über booking.com extra drauf hingewiesen hatten, noch das Zimmermädchen anrücken und aus dem Doppelbett zwei Einzelbetten machen. In einer relativ aufwändigen Aktion verwandelte die Dame im schwarz-weiss gestreiften Röckchen das Doppelbett in zwei Einzelbetten. Entfernte das Doppelleintuch, schob die Betten voneinander, machte aus der zusammengeknöpften doppelten Decke zwei einzelne, bezog alles wieder frisch. Dabei hätte es uns doch gereicht, hätten wir jede eine Decke gehabt!

Noch komplizierter schien es im nächsten Hotel zu werden. Da tat man sich derart schwer mit unserem Wunsch nach zwei separaten Betten, dass wir befürchten mussten, die eine von uns müsse in einem Klappbett nächtigen. Mit Sorgenfalten im Gesicht stiegen wir die zwei Etagen im altertümlichen aber charmanten Hotel hoch, gespannt welche Art der Bettstatt uns erwarten würde. Unsere Bedenken erwiesen sich zwar als unbegründet, aber frau kann ja nicht von jedem Mössiöö erwarten, dass er auf Anhieb auf unsere Sonderwünsche eingeht.

DSC08247

Hotel des Grauens

Anlässlich der Messe “Swissbau” hatte ich zusammen mit mehreren Arbeitskollegen das ziemlich zweifelhaft Vergnügen, in einem Hotel in der Basler Innenstadt zu übernachten. Darüber hatte ich – meines Zeichens Chefredaktorin der Personalzeitung – einen Artikel verfasst, den ich für euch ausgegraben habe:

Nicht, dass nun ich besonders prädestiniert wäre, mich über Hotels auszulassen oder gar regelmässig auswärts übernachten würde, doch nach diesem Besuch in besagtem Hotel juckte es mich in den Fingern, meine satirische Ader begann zu pulsieren.

Vorgewarnt
Keineswegs mehr ganz unvoreingenommen begaben wir uns nach der Messe in Richtung Hotel. Von unseren Kollegen hatten wir bereits erfahren, was uns dort erwartete. Meine schlimmsten Befürchtungen sollten sich allerdings nicht bewahrheiten – sie wurden bei weitem übertroffen!

Bereits beim Betreten des Hotels befiel uns das klamme Gefühl, dass unsere Kollegen nicht übertrieben hatten. Nach der Übergabe des Zimmerschlüssels – der uns in der Form einer Lochkarte bereits den ersten nostalgischen Touch vermittelte – begaben wir uns zu unseren Gemächern.

Sesam – öffne dich!
Im Gang vor den Zimmertüren angekommen, fühlte man sich auch ohne viel Fantasie in eine Strafanstalt versetzt. Orangerote, nach aussen öffnende und mindestens 10 cm dicke Türen in einem Gang, der jeden Schritt erhallen liess, straften das Auge des entsetzten Betrachters. Nur noch die Lochkarte, die darauf wartete, in den Schlitz neben der Türe geschoben zu werden und dieselbe mit einem laut hörbaren “Ratsch” zu entriegeln, trennte mich von meinem Schlafgemach.

Was für ein Anblick! Ich war mir unschlüssig, ob ich vor Entsetzen umkippen sollte, oder ob mich in Kürze ein Lachanfall dahinraffen würde ob dem Bild, das sich mir bot. Die Einrichtung hätte eher ins Freilichtmuseum Ballenberg gepasst, als in ein 3-Sterne-Hotel. Die 135 Franken, die uns diese Übernachtung kosten sollte, erschienen mir schon zu hoch, bevor ich wahrnahm, dass ich mich in einem Raum befand, der mit ziemlicher Sicherheit in den vergangenen 20 Jahren nur noch punktuelle Reinigung erfahren hatte – wenn überhaupt.

Lieber im Kuhstall übernachten
Ich darf wohl sagen, dass ich schon öfters in billigen Hotels abgestiegen bin, auch bin ich gewohnt, in Massenlagern zu übernachten. Soweit also kann ich mich als relativ “abgebrüht” in Sachen bescheidenen, ja primitiven Übernachtungsmöglichkeiten bezeichnen. Doch dieses Zimmer war weder bescheiden noch primitiv und schon gar nicht billig! Es war schlichtweg eine Katastrophe.

Für die schummrige Beleuchtung, die ich im Zimmer antraf, gab’s für mich nur eine Erklärung: Bei 40 Watt Lichtstärke sieht man schätzungsweise auch nur 40 % des herumliegenden Drecks.

Nach einem anstrengenden Tag an der Messe hätte ich mich eigentlich auf eine Dusche gefreut. Doch nachdem meine Bürokollegin tags zuvor beinahe auf der Seife des Vorgängers ausgerutscht war, wollte sich diese Freude nur zögernd einstellen! Beim Anblick des Bads hätte sich wohl jeder Sanitär-Installateur einen fetten Sanierungsauftrag ausrechnen können. Alles, aber auch wirklich alles musste aus den allerersten Anfängen dieser Absteige stammen. Ich verzichtete darauf, mir die Haare zu waschen, denn nach meinen Schätzungen wäre ich über Stunden hinweg damit beschäftigt gewesen, mir mit dem spärlich fliessenden Wasserstrahl das Shampoo wieder aus den Haaren zu spülen. Die Frottierwäsche gab ihre Identität nur dadurch Preis, dass sie sich im Bad befand. Ansonsten wäre der Vergleich mit Schmirgelpapier wohl zutreffender gewesen.

En tüüfe und gsunde Schlaf?
Sie werden Verständnis dafür aufbringen, dass wir für das Nachtessen eine andere Lokalität aufsuchten und im Anschluss daran noch keinen Drang verspürten, ins Bett zu gelangen. Das Bett war ohnehin nur auf Distanz als solches erkennbar. Bei Nähertreten entpuppte es sich eher als Gondel, sowohl was die Form als auch die Stabilität betraf.

Nach einem nicht so ganz “tüüfe” und “gsunde” Schlaf, wie ich ihn eigentlich nötig gehabt hätte, weckte mich das Geplantsche aus dem Ententeich im 5 x 5 Meter grossen Hof. Als mein Zimmernachbar sich entschloss, eine Dusche zu nehmen, rauschte das Wasser so gnadenlos durchs ganze Hotel, dass mir niemand übelnehmen wird, dass ich mich kurz vergewissern musste, ob ich nicht auch gleich nass werden würde.

“Reichhaltiges” Frühstücksbuffet
Über die Qualität des Essens kann ich Ihnen an dieser Stelle keine Informationen aus erster Hand geben. Denn nach allem, was ich gehört hatte über saure Milch zu den Corn Flakes und Haaren zwischen einzelnen Käsescheiben, hatte ich mich entschlossen, auf ähnliche Erfahrungen zu verzichten und an unserem Messe-Stand eine Tasse Kaffee zu trinken.

Ich will nun aber das Hotel nicht noch weiter in den Dreck ziehen, denn da steckt es meiner Meinung nach ohnehin ziemlich tief drin, doch habe ich mich schon gefragt, ob wir die letzten Gäste vor der Gesamtsanierung seien. In diesem Zusammenhang hatte sich sogar ein Mitarbeiter des Engineerings spontan bereit erklärt, ein Entsorgungs-Konzept für das gesamte Hotel zu erstellen.

Ich hoffe nun für Sie, dass Sie sich nie in dieses Hotel verirren werden. Ich kann Sie insoweit beruhigen, dass wir auf einen Beschwerdebrief an die Basler Hotelreservation hin den Bescheid erhalten haben, dass das Hotel Ende März geschlossen werde. Mich wundert’s überhaupt nicht…!

Übrigens: Den ersten Entwurf zu diesem Artikel habe ich in einer schlaflosen Nacht in besagtem Hotel verfasst; es befand sich noch genau ein Blatt Papier in der Schreibmappe.

DSC08660

Warum ich diesen alten Kaffee gerade jetzt aufwärme? Weil die Swissbau in Basel noch bis morgen dauert. Weil aufgewärmte Gerichte nicht unbedingt schlechter schmecken müssen als frisch gekochte. Weil ich euch einen Einblick in mein Wirken vor über 20 Jahren geben wollte. Weil ich meinen damaligen Schreibstil ansatzweise wiedererkenne. Und weil dies mein erstes öffentliches Werk war, für dessen Inhalt ich zu hundert Prozent selber verantwortlich war. Gewisse Missstände auf humoristische Art zu zerpflücken muss mir schon damals grossen Spass bereitet haben.

Das Rollenspiel

Es gibt bestimmt sinnvollere, geistreichere, interessantere, witzigere, tiefschürfendere, wichtigere Themen um darüber zu schreiben. Dennoch beschäftigte mich kürzlich, und das wiederum nur sehr kurz, die Frage:

Wieso zum Teufel braucht es auf einer Toilette (in einem Hotelzimmer notabene) zwei Toiletten-Papier-Rollen-Halter? Also mir vermiest diese Qual der Wahl höchstens das Geschäft.

DSC00248

Aufbruchstimmung

Wir hatten gut zu Abend gegessen und begaben uns wohlgenährt und zufrieden auf unser Hotelzimmer. Wir hatten nur das Nötigste ausgepackt, wollten wir doch am nächsten Tag weiter fahren. Eher lustlos zappten wir noch etwas herum. Die Zeiger der Uhr bewegten sich auf Mitternacht zu.

Unter normalen Umständen hätte man das, was folgte als „aus hellheiterem Himmel“ bezeichnet. So aber musste man es als „aus sternenlosem Nachthimmel“ betiteln. Mein innig geliebter Mitbewohner schoss auf und verkündete seinen Entschluss: „Hier bleiben wir nicht.“

„Du spinnst ja wohl, es ist mitten in der Nacht. Wo sollen wir denn jetzt noch ein anders Zimmer her kriegen?“

„Lass das meine Sorge sein.“ Während ich an seinem Verstand zweifelte, war der Mitbewohner felsenfest davon überzeugt, seine Idee umzusetzen. Er verliess das Zimmer und begab sich zur Rezeption.

Mir geisterten alle möglichen Szenarien durch den Kopf. Was um Himmels Willen war in diesen Mann gefahren? Was hatte ich übersehen, das ihm nicht in den Kram passte? Zur Geisterstunde ein neues Quartier zu suchen, so ein Schwachsinn!

Ich kam nicht mehr dazu, mir weitere Gedanken zu machen, denn der Mitbewohner stand bereits wieder unter der Türe. Mit triumphierendem Lächeln verkündete er: „Siehst du, man muss nur nicht immer alles so negativ betrachten wie du. Es geht!“

Ab dieser Ankündigung gingen bei mir vollends die Läden runter. Meine Gedanken wirbelten mit Lichtgeschwindigkeit durcheinander. Er wollte doch nicht etwa mitten in der Nacht weiterfahren? Welches Hotel würde uns denn jetzt noch aufnehmen? Für ein Stundenhotel waren wir doch schon etwas zu lange verheiratet.

Bevor ich weitere Horrorszenarien durchdenken konnte, fuhr der Mitbewohner fort: „Die lassen uns sogar ohne zu bezahlen ziehen. Das Ganze ist nur an eine einzige Bedingung gekoppelt.“ Ich hoffte inständig, dass wir diese eine Bedingung nicht erfüllen konnten, wusste aber insgeheim, dass, wenn sich der Mitbewohner etwas in den Kopf gesetzt hatte, er es auch durchzog. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

„Sie verlangen von uns lediglich, dass wir das Zimmer gründlich staubsaugen.“ Sprachs, drehte sich um, zog einen Staubsauger am Schlauch durch die Türe und begann mitten in der Nacht, das Zimmer zu staubsaugen. Dass das nicht zur Freude der schlafenden Gäste ablief, versteht sich von selbst.

Und ich weiss auch nicht, was dem Kerl noch alles eingefallen wäre, wäre ich nicht selber ab dem Staubsauger-Krach endlich wach geworden.