Beschildert geschildert (34)

Wenn man in diesem Land unterwegs ist und seine Sinne geschärft hat auf Schilder aller Art, so wird man früher oder später zur Erkenntnis gelangen, dass Hunde das grösste Übel sind, das sich die Menschheit angetan hat.

Bei genauerem Hinsehen reift jedoch früher oder später die Einsicht, dass das Übel mehr beim Hundehalter denn beim Vierbeiner zu suchen ist.

Fortbewegen auf Hundepfoten

Hunde, die in Häusern gehalten werden, so habe ich mir von kompetenter Seite sagen lassen, laufen alle mehr oder weniger untertourig. Sie suchen sich dann eine andere Beschäftigung, die darin bestehen kann, Frauchens Schuhe anzunagen oder das Mobiliar abzuändern. Unser Goldschätzchen läuft auch untertourig. Zwar zeigt es kein Interesse an unseren Schuhen, die mangels Platz mehr oder weniger wild verteilt neben der Eingangstüre stehen, doch die zwei, drei Stunden, die wir mit ihm täglich spazieren gehen, sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein des Bewegungsdrangs dieses kräftigen Jagdhundes.

So schleicht das Goldschätzchen trotz unserer Aktivitäten, die wesentlich ausgedehnter sein dürften, als die mit seiner Besitzerin, tagsüber immer mal wieder ab und bleibt oft mehrere Stunden weg. Oder auch nur vor dem Tor des Grundstücks, lässt sich aber partout nicht anlocken. Und gehorchen ist ja bekanntlich nicht die Stärke des Goldschätzchens. Das beunruhigt uns mittlerweile nicht mehr so gross, denn spätestens wenn am Abend der Futternapf scheppert, findet sich der Hund wieder ein.

Bis auf ein Mal. Da erschien kein Conrad mehr. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich hatten uns schon damit abgefunden, dass wir eine sturmfreie Bude hätten, da klopfte es nach 21.00 Uhr an der Türe. Als ich öffnete, zwängte sich der Hund an meinen Beinen vorbei so weit die Rollleine reichte ins Haus rein. Draussen stand die Besitzerin seiner Hundefreundin, bei der er sich die letzten paar Stunden aufgehalten hatte. Diese Art von Hundetaxi hatten wir bereits einmal, da wurden wir von Freunden der Hausbesitzerin angerufen, das Goldschätzchen liege bei ihnen im Garten und sei völlig „perfectly happy“. Damals waren wir diejenigen, welche das Auto charterten und zum gut 1,5 km entfernt liegenden Haus fuhren.

Am liebsten würde das Goldschätzchen natürlich in den Abendstunden abschleichen, um die ganze Nacht hindurch seinem Jagdtrieb zu frönen. Doch da ergreifen wir – bis jetzt erfolgreicher als das letzte Mal – geeignete und rechtzeitig Massnahmen.

Eine dieser Massnahmen heisst: Bewegungstherapie. Da der Hund Radfahrer nicht als reinzubeissende Spielzeuge anschauen soll, hat seine Besitzerin auf Anraten einer Hundetrainerin eine Hundespaziereinrichtung fürs Velo angeschafft. Wenn ich zu Hause jemanden mit so einem Geschirr sehe, wie er seinen Hund Gassi fährt, habe ich bis anhin immer den Kopf geschüttelt. Doch unter den gegebenen Umständen ist es eine gute Möglichkeit, den Hund etwas müde zu machen und ihn zu beschäftigen.

Der Mitbewohner – hier auf einem seines Standes unwürdigen schlappen Damenvelo – fährt nun fast jeden Tag mit dem Hund eine etwa 3 km lange Wegstrecke. Für die diesjährige Tour de France ist leider die Anmeldefrist schon abgelaufen. Aber bis 2015 dürfte das Goldschätzchen in absoluter Topform sein.

Ihrer Hundheit Schlafgemächer

Unser Goldschätzchen – hier ist immer noch die Rede von dem Vierbeiner, den wir hüten – ist nicht wirklich gut erzogen. Unter anderen schläft es am liebsten dort, wo es eigentlich nicht dürfte. Dabei wäre doch im Erdgeschoss des Hauses dieses Bett für das Hundchen hergerichtet:

Obschon der Hund eigentlich nicht auf die Sofas und Sessel darf, die Besitzerin den Hund aber gerne auf dem Lieblingssessel ihres kürzlich verstorbenen Manns sehen würde, ist im gleichen Raum diese Bettstatt eingerichtet:

Und im Raum daneben darf Goldschätzchen es sich hier bequem machen:

Hier hingegen darf es nicht und weil die Gründe für einen Hund verständlicherweise schwer nachzuvollziehen sind, ist das Sofa mit Kissen zugemauert – was nicht wirklich hilft:

Im Obergeschoss dann ein weiteres Schlafgemach für Ihre Hundheit:

Und falls Ihrer Hundheit der Sinn – obschon sie ja weiss, dass sie nicht aufs Bett darf – doch mal nach einem richtigen Bett steht, hat ihr sein Frauchen dieses Deckchen hingelegt (bleibt zu hoffen, dass der Hund die beiden hinter einander liegenden Betten nicht verwechselt!):

Auf diesen Betten würde er sicher sein müdes Hundehaupt auch gerne zur Ruhe betten, doch hier schlafen seine beiden Knechte. Und die können höchstens wählen, ob sie längs oder quer im Bett liegen wollen.

Geschenkpackungen

Schenken macht Freude. Gerüchten zufolge soll auch das Einpacken von Geschenken Freude bereiten. Erst recht, wenn das Verpackungsmaterial gratis zur Verfügung gestellt wird.


Was aber solche Geschenkspackungen an Waldrändern, unter Hecken oder entlang von Feldern verloren haben, kann ich selbst mit viel Fantasie nicht nachvollziehen.








Vielleicht kann mich mal ein Hundehalter darüber aufklären, worin der Vorteil besteht, die Hundekacke zuerst einzupacken, um sie dann unter freiem Himmel ihrem Schicksal zu überlassen.

 

 

 

 

Braune Souvenirs

Der Winter muss für Hundebesitzer die tollste aller Jahreszeiten sein.

Sie brauchen sich nicht um Waldis und Fidos Hinterlassenschaften zu kümmern, denn sobald Frau Holle wieder mal aktiv wird, ist die Scheisse nicht mehr sichtbar.

Dass es auch im Bereich des braunen Haufens bald mal Frühling wird, ignorieren Herrchen und Frauchen geflissentlich.

Dieses Nach-mir die-Sintflut-Verhalten nervt mich. Und zwar gewaltig!