Medizin für Jedermann

Das Radio war an, weil das Radio immer an ist, wenn sich unser Auto in Bewegung setzt. Jedenfalls wenn ich am Steuer sitze. Es düdelte irgend etwas Medizinisches aus den Lautsprechern.

Bioresonanz. Bach-Blüten-Therapie. Fussreflexzonen-Massage. Phytotherapie. Homöopathie. Traditionelle Chinesische Medizin. Phytotherapie. Shiatsu. Thai-Massage. Hydrotherapie. Lymph-Drainage. Neuraltherapie. Osteopathie……

Der Mitbewohner, bis anhin schweigend auf dem Beifahrersitz gesessen, gab nun plötzlich doch etwas von sich. Nur ein Wort. Aber ziemlich treffend.

Aderlass.

In der Tat eine der häufigsten Therapie-Formen, denen man als Patient begegnet.

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Zu Risiken und Nebenwirkungen…

 

… lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker…

… tönt es jeweils aus dem Lautsprecher, wenn am Fernsehen rezeptfreie Medikamente angepriesen werden.

Das mache ich selbstverständlich jedes einzelne Mal, deshalb:

Sehr geehrter Herr Doktor, verehrte Apothekerin, geschätzte Frau Doktor, hochgeachteter Herr Apotheker , lieber Medizinmann, Quacksalber, Geistheiler, liebe Uriella

Wenn Sie mir ein Medikament mit nach Hause geben bzw. ich eines bei Ihnen in der Apotheke gegen teures, nein schweineteures, Geld kaufe, ist es praktisch ausnahmslos in einem bunt bedruckten Kartonschächtelchen verpackt. Das macht (Vor)Freude auf das, was zum Vorschein kommen wird. Im Inneren dieses Kartonschächtelchens befindet sich nämlich nebst dem Medikament gegen Schnupfen, Bluthochdruck oder Nagelpilz eine Packungsbeilage.

Dieses Dokument gehobener Sprache muss in unserem Land auf Deutsch, Französisch und Italienisch abgedruckt werden und ist meist so gross, dass es – selbstverständlich erst nach eingehendem Studium – als Einweg-Tischdecke herhalten kann. Letzter Verwendungszweck ist grundsätzlich zu begrüssen, ist es doch ein Ding der Unmöglichkeit, eine solche Packungsbeilage wieder in ihre originalen Falten zu legen. Und demzufolge passt sie ohne grössere Kraftanstrengung und schon gar nicht innert nützlicher Frist auch nicht mehr in das bunt bedruckte Schächtelchen rein.

Was in einem solchen Fall zu machen ist, wird leider nirgends erläutert und strapaziert meine Nerven aufs Äusserste. Darf ich Ihnen die Packungsbeilage zurück bringen, damit sie sie mir wieder in die richtigen Falten legen? Bei Ihrer Gewinnmarge müsste das eigentlich drin liegen.

Mit leicht zerknitterten Grüssen, die sich beim Ausschmücken dieses Beitrags so richtig entfalten konnten

Frau Flohnmobil

Doppelt gemoppelt

Die Stimme am anderen Ende der Telefonleitung klang vertraut. Und weil sie so vertraut war, wusste ich sogleich: Sie klang nicht nur vertraut, sondern auch genervt. Diese Theorie bestätigte sich, als die vertraute Stimme nach dem Austausch der übrigen Begrüssungsfloskeln punktgenau zum Thema kam.

„Ich muss ein Mail schreiben und brauche einen Doppelpunkt! Kannst du mir sagen, wo ich den Doppelpunkt auf der Tastatur finde?“

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich schauten uns grinsend an, bevor ich zur Gegenfrage ansetzte: „Wozu brauchst du denn überhaupt einen Doppelpunkt?“

Es folgte eine Erklärung, während der der Mitbewohner und ich uns immer grinsender ansahen, bis wir es schliesslich nicht mehr aushielten und losprusteten.

„Ja, lacht ihr nur! Ich suche schon seit zwanzig Minuten. Jetzt reicht es mir!“

Die Fragende wurde mit guten Ratschlägen und einigen Gegenfragen überschüttet, wie:

Wie gross soll der Doppelpunkt denn sein?
Welche Farbe hast du dir vorgestellt?
Wir könnten dir einen ausdrucken und per Post zustellen. Das dauerte allerdings zwei Tage.
Hast du schon versucht, einen zu zeichnen? Auszuschneiden? Zu fotografieren?

Schliesslich löste ich das Geheimnis auf und verriet, auf welcher Taste – wenn alles mit rechten Dingen zugeht – sich so ein Doppelpunkt verkriecht.

Und um die Genervte wieder etwas zu besänftigen, anerbot ich, das Mail, in dem es bei genauerer Betrachtung gar keinen Doppelpunkt brauchte, bei meinem nächsten Besuch zu schreiben.

Da war die Welt wieder in Ordnung. In doppelter Hinsicht.

Für meinen Mitbewohner und mich hat diese Episode noch lange für erheiternden Gesprächsstoff gesorgt. Und Doppelpunkte, so zeigt dieser Screenshot einer Google-Suche, gibt es offenbar zuhauf. Wenn man weiss, wo sie sind.

Alte Weihnachten

Heute serviere ich euch das Menu einer fremden Köchin. Das hat nichts damit zu tun, dass ich im Moment etwas einfallslos wäre. Aber ich möchte euch diese Kolumne von Laura de Weck, die am 24.12.13 im Tages-Anzeiger erschienen ist, einfach nicht vorenthalten. Sie ist zu genial. Damit meine ich nicht nur die Kolumne, sondern insbesondere auch die Autorin.

Verena
Im Bett macht Verena die Augen auf.

Oh je, heut ist Weihnachten. Das heisst, bald folgt Silvester, und ich hab vergessen, in welches Jahr wir feiern. Ich hab auch vergessen, wie alt ich bin. Aber das spielt keine Rolle mehr, ich muss mich ja nicht für einen Job bewerben oder noch ein Kind kriegen oder sonst irgendeine Deadline einhalten. Ich bin nämlich zu nichts mehr zu gebrauchen, und das ist sehr angenehm. Ich bleib einfach noch ein wenig im Bett und trinke einen Schluck Wasser. Im Alter fängt man den Tag am besten mit einem Schluck Wasser an, dann hat man weniger Aussetzer, das weiss ich aus Erfahrung.

Aber für meine Erfahrung interessiert sich leider kein Mensch. Das liegt nicht am Alter, sondern an der Zeit. Als ich jung war, wollte ich ganz schnell älter werden wegen der Erfahrung. Kaum war ich älter, hatten die Jungen plötzlich Erfahrung und wussten besser, wie und wo man lebt, nämlich im Computer.

Früher galt: Die Jungen sind schön, die Alten sind erfahren, aber jetzt bleibt uns gar nichts mehr. Und genau so wird es sein, wenn heute Abend die Kinder und Enkel zur Weihnachtsfeier kommen, dann sitzen wir da, und sie stellen mir keine einzige Frage. Sie fragen mich nicht, wie man mit dem Unglück umgeht oder wie das Unglück gar nicht erst kommt, nein, sie richten mir eine E-Mail-Adresse ein und schenken mir ein iPad, und am Schluss muss ich die ganzen Fragen stellen: Wo ich denn klicke, wenn ich mir das Foto nochmals anschauen möcht, und wo ich klicke, wenn ich es mir nie wieder anschauen möcht.

Das ist ja schon gut, und es macht ja auch Spass, meinem Moritz bis nach Mexiko zu folgen. Nicht in echt, sondern auf Twitter natürlich, aber um ehrlich zu sein, würde ich lieber erfahren, ob er denn nun mit seiner Freundin geschlafen hat und ob er auch verantwortungsvoll verhütet, als zu erfahren, welche anderen Berge er ersteigt. Ja, ja, so ist es mit uns Alten: Wir sitzen da, müssen angerufen, gepflegt und besucht werden. Wir kosten ein wahnsinniges Geld, aber die Weisheit und Erfahrung, die wir fürs Geld gern zurückgeben möchten, interessiert niemanden mehr. Das hab ich schwarz auf weiss: Die IV hat mir vor ein paar Tagen geschrieben, dass sie mir trotz Hörschwäche keine Weiterbildung an die Hörbehindertenkommunikation zahlt, weil sich «die Investition» nicht mehr lohne. Und obwohl wir Alten keine Investition wert sind, investieren sie wie verrückt ins Altwerden, sodass meine Enkelin eine Lebenserwartung von hundert Jahren hat und sich eine neue Niere dann selbst im 3-D-Drucker herstellen kann.

Da fragt man sich schon, warum die Wissenschaften so sehr in die Alten der Zukunft investieren, wenn sie die Alten der Gegenwart schon nicht mehr wollen. Das sogenannte vierte Alter können die Wissenschaften bis jetzt nämlich auch nicht schmerzloser machen. Oh je.

Vielleicht male ich aber auch alles zu schwarz. Es gab ja in den letzten Wochen hundert Artikel darüber, dass wir Alten doch der Gesellschaft etwas bringen, weil wir die hysterischen jungen Menschen runterholen, weil wir die Gesellschaft entschleunigen, und das tue der Gesellschaft sehr gut, dass da noch welche seien, die sich dem rasenden, neumodischen Tempo naturgegeben widersetzten. Ja, vielleicht sind wir wandelnde Memento mori.

Oh je, nur zum Weihnachtenfeiern sind wir noch gut genug. Und dabei kann ich mit diesem Fest gar nicht viel anfangen. Vom Glauben hin zum Geld hat sich dieses Fest gewandelt. Obwohl, ob der Glauben besser ist als das Geld? Ich weiss es nicht. Ich muss ein bisschen aufpassen, nicht alles schlecht zu finden, wie die Menschen heute leben. Eigentlich ist es ja auch schön, dass Weihnachten meine Kinder und Kindeskinder dazu zwingt, Ferien zu machen und sich zu beschenken.

Wenn ich es mir recht überlege, haben alte Menschen und Weihnachten viel gemeinsam: Keiner weiss genau, wozu es uns beide noch gibt, wir kosten wahnsinnig viel Geld, kurbeln aber die Wirtschaft an, wir kümmern uns um familiäre Zusammenkünfte, wir zwingen die Leute zu einer Auszeit, wir sind anstrengend – und trotz allem hat man uns beide irgendwie gern.


Und nun frage ich euch: War das lesenswert oder lesenswert?

Beschildert geschildert (4)

inem Aufruf, Schilder-Bilder einzuschicken, ist auch Urs gefolgt. Und zwar grad mit so vielen Fotos, dass er beinahe meine Internet-Verbindung lahmgelegt hätte. Hier eine erste Auswahl aus seinem Fundus:

 

Zum besseren Verständnis der vier Bilder muss unbedingt festgehalten werden, dass es sich hier weder um eine Aufforderung handelt, 30 Minuten zu saufen, ohne mit dem Rollstuhl anzuhalten. Die Schilder weisen auch nicht auf einen Saufbus, einen Alkoholiker-Campingplatz oder ein öffentliches Bierfass hin. Das harmlose französische Wort „sauf“ bedeutet auf Deutsch nämlich einfach nur „ausgenommen“.

Wer schickt mir das nächste Bild zu?

Saisongerecht

Jawohl, alles zu seiner Zeit. Saisongerecht soll es sein. Also Schnee schaufeln im Januar. Erdbeeren im Juni. Sissi-Filme an Weihnachten. Glühwein im Februar und Gotthardstau am Karfreitag.

Zwecks Ergänzung dieser noch längst nicht vollständigen Auflistung ist zu erwähnen, dass es auch saisongerechte Tiere gibt…

…. ich bin heute welchen auf dem Spaziergang begegnet.

For Chicken only

Dieses Bild widme ich mit seiner geschmalzten Kalorienpracht exklusiv der Wilden Henne.

Mögen ihr die Inspirationen für die nächste Berner Platte und alle weiteren kulinarischen Höhenflüge nie ausgehen!

Die Beschaffung der abgebildeten Würste und Sauschnörrli dürfte allerdings nicht ganz einfach sein. Das Bild habe ich auf dem Markt in Split/Kroatien geschossen.