Kaffee und Cafés

Hättet ihr gewusst, dass in Zürich bis ins 18. Jahrhundert Kaffee trinken verboten war? Es waren die Zünfte, die sich dagegen wehrten.

Das und noch viel mehr über die Geschichte der Kaffeehauskultur an der Limmat habe ich heute auf einem geführten Rundgang durch die Altstadt erfahren.

Eine höchst interessante Führung, durchgeführt von der Kunsthistorikerin Yvonne Höfliger, die ich gerne weiterempfehle.

Weitere Infos gibt es HIER

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Prioritäten festlegen

Ich stand am Bahnhof, der Rucksack hing schwer an meinen Schultern. Im Geiste scannte ich seinen Inhalt. War irgend etwas daheim geblieben?

Eiskalt lief es mir den Rücken runter. Das Handykabel!!!!!!

Ich überlegte fieberhaft. Wie konnte ich morgens um Sechs ein Ladekabel beschaffen? Ich hatte es doch beim Umsteigen gemütlich angehen und einen Kaffee trinken wollen.

Ich stand vor der schwerwiegenden Entscheidung: auf eine lebenserhaltende Tasse Kaffee verzichten…..

…. oder die kommenden Tage von der digitalen Welt abgenabelt zu sein.

Wie hättet ihr entschieden?

Immer wieder Nachschub

“Das isch wieder eine für de Blog.”

“Muesch ufpasse, was’d seisch, suscht chunnts dänn im Blog.”

Solche und ähnliche Sätze höre ich ab und zu. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass der banale Alltag die inspirierendste Quelle für meinen Blog ist. Denn ich liebe es, groteske, lustige, spezielle Episoden in Worte zu fassen und hier zu veröffentlichen. Das geht so weit, dass mittlerweile fast von mir erwartet wird, über solche Anlässe und Begebenheiten zu schreiben.

Gestern Nachmittag beispielsweise sass ich zusammen mit einem Kollegen in einem Café. Wir liessen uns von der Bedienung – und es bedurfte wenig Überzeugungskraft ihrerseits – ein Stück Erdbeerschnitte zum Kafi aufschwatzen. Die nicht zu knapp bemessene Schnitte kam daher und wenig später auf je einem silbernen Tablett eine Tasse Kaffee. Diese war flankiert von einem kleinen, braunen Chübeli voller Kaffeerahm. Die Tafel war somit komplett und der Schmaus hätte beginnen können.

“Meinst du, dieses braune Chübeli ist aus Schoggi?” fragt es von vis-à-vis. Ich war mir nicht sicher, denn dort, wo wir beide häufiger einen Kaffee trinken und der Rahm auch in einem Schoggi-Chübeli daher kommt, ist die Schoggi wesentlich dicker. Ohne viel zu überlegen – genau gesagt,  ohne überhaupt auch nur das Geringste überlegt zu haben – begann ich, an dem dünnwandigen, braunen Gefäss herumzudrücken. Da ich meinen Kaffee schwarz trinke, sind solche Chübeli eigentlich ein Ärgernis für mich, denn ich muss immer zuerst warten, bis meine Tasse leer ist, bevor ich den Rahm reinkippen und die Schoggi essen kann.

So weit sollte es aber diesmal nicht kommen. Und zwar nicht, weil das Chübeli nicht essbar gewesen wäre, sondern weil es meinem Gefingere nicht Stand hielt. Ich hätte nie gedacht, dass sich so wenig Kaffeerahm so grossflächig verteilen kann!

Und nicht von ungefähr meinte mein Gegenüber nur Sekunden nach der Kaffeerahm-Explosion, während ich bereits dran war, mit einer Serviette das Schlachtfeld zu bearbeiten: “Da hättest du ein Bild machen sollen für den Blog.”

Ich überlasse die Sauerei, die ich veranstaltet hatte, eurer Fantasie. Möge sie blühen.

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Käfele

Eine Einladung zum Kaffee ist der Inbegriff der Gemütlichkeit. Doch damit nicht genug. Eine Einladung zum Kaffee trinken, oder eben “käfele”, hat beinahe etwas Institutionelles.

Denn eine Einladung zum Kaffee ist befristet, endlich. Man weiss genau, dass die Gäste in absehbarer Zeit wieder gehen werden, ohne dass man sich verlegen im Stuhl räuspern, gähnen oder weitere Zeichen allfälliger Überdrüssigkeit von sich geben muss. Wenn man zum Kaffee einlädt oder zum Kaffee eingeladen ist, geschieht das in der Regel zwischen den Hauptmahlzeiten. Treffe ich jemanden am Vormittag zum Kaffee, so wissen wir beide im voraus, dass jeder an seinen eigenen Herd zurückkehren wird noch bevor die Uhr Zwölf schlägt. Selbiges gilt für den Nachmittags-Kaffee. Nur in den seltensten Fällen folgt darauf ein gemeinsames Nachtessen.

Käfele ist allein schon deshalb schön, weil man so Leute treffen kann, ohne dass man sich gleich stundenlang in die Küche stürzen oder – hebt man die Tasse auswärts – tief in den Sack langen muss.

Ein Treffen zum Kaffee ist auch etwas Niederschwelliges. Man macht mit jemandem, den man zum ersten Mal trifft, zum Kaffee ab. Das ist ziemlich unverbindlich, notfalls kann man nach dem ersten Schluck schon wieder das Weite suchen. Okay, das männliche Geschlecht würde sich in dieser Situation vielleicht eher auf ein Bier treffen. Ich kenne allerdings diverse Männer, die mir eine Einladung zum Kaffee nicht abschlagen können. Über die Jahre haben sie erfahren, dass es im Hause Flohnmobil nicht nur guten Kaffee gibt (das soll zwar weitgehend Geschmackssache sein), sondern auch immer etwas Selbstgebackenes dazu.

Es bleibt deshalb selten beim blossen Kaffee trinken. Vielmehr kommt etwas fürs Hüngerli dazu. Und wenn es dann so daherkommt wie auf dem Bild, steht die Tür zum Schlaraffenland bereits ziemlich weit offen.

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Andere Länder – andere Sitten (7)

Man kann ja von den Amerikanern halten was man will. Selbst wenn sie jetzt einen neuen Präsidenten haben, dürfte sich an ihren kulinarischen Vorlieben nicht viel geändert haben.

Wenn man wie mein innig geliebter Mitbewohner und ich so lange dieses Land bereist hat, kommt man zwangsläufig ab und zu in den Sog absonderlicher US-amerikanischer Kulinaritäten. Eine davon ist ganz gewiss die Unsitte, selbst mitten im tiefsten Winter den ohnehin schon gekühlten Getränken noch Eiswürfel beizugeben. Und nicht etwa ein, zwei Würfelchen, sondern in der Regel mindestens einen halben Becher voll, bevor mit Softdrink aufgefüllt wird. Unser Standardsatz “without ice, please” wurde nicht gerne gehört und manchmal auch ignoriert. Merke: Eis ist billiger als Cola. Oder dieses widerlich süsse Gesöff, genannt Dr. Pepper, und was die Amis sonst noch in sich hineinschütten.

Vor Eiswürfeln bleiben im übrigen auch vergorene Rebensäfte nicht verschont! Was für ein tolles Erlebnis, wenn beim Anstossen die Eiswürfelchen im Weinglas herumdümpeln. Da der Amerikaner aber in der Regel weder “en Guete” wünscht, noch mit Wein anstösst (und wenn, dann guckt er garantiert nicht in deine Richtung), bleibt einem zumindest dies erspart.

Aber was soll man denn von diesem Hamburger-fressenden Volk schon erwarten? Wegen der kulinarischen Höhenflüge reist kein Europäer über den Atlantik. Dennoch, es geht noch schlimmer. Ich sag nur: Kaffee. Für mich ist Kaffee ein mehr oder weniger starkes Gebräu, das ich nur frisch zubereitet zu mir nehme. Kaffee, der stundenlang in der Thermos-Kanne oder auf einer Wärmeplatte warm gehalten wurde, finde ich absolut grässlich. Und wenn mir jemand zu einem Salatteller, Steak oder Pizza derartigen Kaffee anbieten will, rettet mich nur noch meine gute Kinderstube vor dem Kotzen. In den USA ist es gang und gäbe (und häufig gratis), zu sämtlichen Mahlzeiten Kaffee zu trinken und nicht nur zum Frühstück oder Dessert, wie wir uns das gewohnt sind.

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S o o o o   s o l l    K a f f e e !

Ferngesteuerter Kaffee

Rückblendend betrachtet war nahezu der Tatbestand der Nötigung erfüllt, dass ich dort einen Kaffee trank. Dennoch war es mir im damaligen Augenblick nicht so vorgekommen. Natürlich war mir klar, dass mir die Dame im Media Markt nicht aus reiner Nächstenliebe einen Kaffee anbot.

Mir stand grad der Sinn nach einem Schuss Koffein, so willigte ich ein. Während ich genüsslich einen Espresso aus dem eleganten Kartonbecher schlürfte, wurde ich nicht nur mit dem Sound aus der angrenzenden Autoradio-Abteilung, sondern auch mit den neusten technischen Gadgets auf dem Kaffeemaschinen-Markt berieselt. Nur 1 x pro Jahr entkalken. Super einfache Reinigung. Hochwertige Oberflächen. Bluetooth bei den De-Luxe-Modellen.

Meine Gedanken schweiften ab. Vor bald 25 Jahren, als mein innig geliebter Mitbewohner und ich mit der Anschaffung eines Kaffee-Vollautomaten liebäugelten, versuchte uns die Verkäuferin auch mit allen möglichen Argumenten zu überzeugen. Der Mitbewohner sagte damals, es sei ja alles gut und recht, aber was ihm zum vollkommenen Kaffee-Glück noch fehle, sei eine Fernbedienung.

Spulen wir den Film wieder nach vorn. Ein Vierteljahrhundert später gibt es also – Smartphone und Bluetooth sei Dank – tatsächlich die Möglichkeit, die Kaffeemaschine aus der Ferne zu bedienen. Das mag für Technik-Freaks verlockend tönen. Die praktisch denkende Hausfrau in mir fragt sich jedoch: Und wie kommt die Tasse unter den Auslauf?

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Hundert Prozent koffeinfrei

Die Bedienung im Café schien leicht gestresst. Offenbar waren gerade zwei Gäste auf einmal angekommen. Ich fragte mich, wie es hier wohl zu und her gehen würde, wenn an einem schönen Sonntag ein proppenvolles Postauto in Amden ankommen und alle Fahrgäste nur ein Ziel verfolgen würden:

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Davon waren wir weit entfernt. Wir konnten innert nützlicher Frist bestellen und schon bald manövrierte sich die Kellnerin mit einem Tablett voller Getränke zu unserem Tisch. Mein innig geliebter Mitbewohner erhielt seine innig geliebte heisse Schokolade, unsere beiden Begleiter je einen Kaffee und ich das, was die Kellnerin ebenfalls für eine Tasse Kaffee hielt. Professionell arrangiert auf dem Tellerchen waren ein Kaffeelöffel, ein Zuckerbeutelchen, eine Portion Rahm und sogar ein Stückchen Blechkuchen. Nur das Wichtigste fehlte.

Die Kellnerin entschwand bereits zum Nachbartisch, wo sie zwei weitere Tassen des dampfenden Gebräus servieren würde. Mir hingegen hatte sie nur die Untertasse samt dem erwähnten Beigemüse hingestellt. Mein “Dürfte ich vielleicht hierzu noch eine Tasse Kaffee haben?” ging beinahe im lauten Gelächter eines Gasts hinter meinem Rücken unter. Auch an unserem Tisch brach schallendes Gelächter aus.

Die Kellnerin schaute kurz auf, verdrehte die Augen und begab sich zurück zum Buffet. Kurz danach brachte sie mir in einer Extrafahrt eine Tasse Kaffee und entschuldigte sich für den Lapsus. An unserem Tisch gluckste es immer noch.

Diese Anekdote wird in die Kategorie “ist mir noch nie passiert” eingehen. Selten hat ein Kaffee für so viel Erheiterung gesorgt. Und so wenig Koffein gehabt.

Kaffeeverdruss

Seit Jahr und Tag schütte ich die gleiche Kaffeesorte ins Bohnenfach. Das Wasser kommt wie immer aus der Leitung. Die Jura Kaffeemaschine hat sich über Jahre schon bewährt und spielt mit ihrem Preis, der locker das Zehnfache eines Kapselgeräts übersteigt, in der Königsliga der Kaffeeautomaten.

Trotzdem schmeckt der Kaffee nicht immer gleich. Ab und zu passiert es, dass eine einzelne Tasse Kaffee wie verbrannt riecht und mit dem Prädikat „ungeniessbar“ im Abfluss landet. Es sind stets Einzelfälle. Der Kaffee davor schmeckte wie gewohnt, der unfreiwillige Nachzügler ebenso.

Ich bin ehrlich gesagt etwas ratlos, frage mich, weshalb das so ist. Gibt es unter meinen Leserinnen und Lesern Kaffee-Experten, die mich aufklären können? Oder passiert das Beschriebene – was zumindest ein kleiner Trost für Kaffeetante Flohnmobil wäre – auch andernorts?

Kaffeebohnen trocken in Guatemala.
Aufgenommen auf einer Kaffeefarm in der Nähe von Antigua auf unserer Reise im Jahr 2001.

Sternschnuppen

Es war so nicht geplant gewesen. Und überhaupt, es entsprach nicht im Geringsten unsern Vorstellungen. Aber die Heimreise von Schweden auf der Autobahn ab Rostock ging nicht so zügig vorwärts, wie wir gehofft hatten. Da war mal der Stau südlich von Potsdam und anschliessend das Unwetter, dessen Zentrum ziemlich genau im gleichen Tempo wie wir in ziemlich genau der gleichen Richtung vorwärts kam und die Sicht stark einschränkte, nicht davon zu reden, dass die Strasse mitunter zentimetertief unter Wasser war.

Südlich von Leipzig hatten wir die Nase voll und waren auch nicht mehr so ganz frisch, deshalb verliessen mein innig geliebter Mitbewohner und ich die Autobahn, um nach einem Nachtquartier Ausschau zu halten. Der kleine Haken daran: Wir waren nur mit einer Karte 1:500’000 unterwegs, und Orte, die dort drin eingezeichnet sind, entsprechen wohl nicht zwingend der ländlichen Idylle, die wir von Schweden her noch gewohnt waren und die wir für unsere Hotelübernachtung anstrebten. Eine kleine Vorahnung, dass aus der lauschigen Übernachtung in einem Landgasthof wohl nichts werden würde, befiel mich, als wir in der Innenstadt aufs Kopfsteinpflaster donnerten.

Einige Zeit später standen wir vor der folgenden Wahl: 3 Sterne für 99 Euro, 4 Sterne für 95 Euro pro Zimmer. Der Mitbewohner und ich legen sonst nicht so grossen Wert auf die Himmelskörper, aber da wir schon mal bei den 4 Sternen standen, und die erst noch billiger waren, entschieden wir uns um 19.00 Uhr kurzerhand für diese. Wir gaben uns nicht der Illusion hin, dass für diesen Preis – selbst im ehemaligen Osten – das geboten würde, was bei uns unter einem Viersterne Hotel rangiert.

Dennoch, das Zimmer war grosszügig und sauber, mit einer Infrastruktur, wie man sie erwarten konnte. Das Essen dagegen, naja, da haben wir Schweizer vermutlich etwas andere Vorstellungen von Verpflegung und ich behaupte glattweg, dass man mit den Zutaten auch etwas Besseres hätte kochen können.

Das Frühstücksbüffet anderntags liess vordergründig keine Wünsche offen. Kaum hatten wir einen Teller gefasst, wurden wir schon belagert, ob wir ein Spiegelei oder Rührei wünschten. Wünschten wir nicht, genauso, wie wir keine Peperoni, Wurstwaren, Fisch oder Gurken zum Frühstück mögen. Wir essen zu Hause Brot, Butter, Konfitüre und ein Stück Käse und von dieser Sitte sahen wir nur insofern ab, als dass wir noch etwas Müesli aufluden. Was da jedoch an Brot angeboten wurde, blieb uns beinahe im Hals stecken. Nicht, weil es so trocken war, sondern so gummig. Ich bin mir sicher, dass man Aufbackbrötchen so lange im Ofen lassen kann, bis sie eine brotähnliche Konsistenz angenommen haben. Diesen Viersterne-Brötchen war das nicht vergönnt.

Als wir Zeugen wurden, wie der Kaffee, der wieder abgetragen wurde, zurück in einen grossen Pot gekippt wurde, um dem nächsten Gast zu servieren, veränderte sich das Firmament endgültig.