Kaffeeverdruss

Seit Jahr und Tag schütte ich die gleiche Kaffeesorte ins Bohnenfach. Das Wasser kommt wie immer aus der Leitung. Die Jura Kaffeemaschine hat sich über Jahre schon bewährt und spielt mit ihrem Preis, der locker das Zehnfache eines Kapselgeräts übersteigt, in der Königsliga der Kaffeeautomaten.

Trotzdem schmeckt der Kaffee nicht immer gleich. Ab und zu passiert es, dass eine einzelne Tasse Kaffee wie verbrannt riecht und mit dem Prädikat „ungeniessbar“ im Abfluss landet. Es sind stets Einzelfälle. Der Kaffee davor schmeckte wie gewohnt, der unfreiwillige Nachzügler ebenso.

Ich bin ehrlich gesagt etwas ratlos, frage mich, weshalb das so ist. Gibt es unter meinen Leserinnen und Lesern Kaffee-Experten, die mich aufklären können? Oder passiert das Beschriebene – was zumindest ein kleiner Trost für Kaffeetante Flohnmobil wäre – auch andernorts?

Kaffeebohnen trocken in Guatemala.
Aufgenommen auf einer Kaffeefarm in der Nähe von Antigua auf unserer Reise im Jahr 2001.

Sternschnuppen

Es war so nicht geplant gewesen. Und überhaupt, es entsprach nicht im Geringsten unsern Vorstellungen. Aber die Heimreise von Schweden auf der Autobahn ab Rostock ging nicht so zügig vorwärts, wie wir gehofft hatten. Da war mal der Stau südlich von Potsdam und anschliessend das Unwetter, dessen Zentrum ziemlich genau im gleichen Tempo wie wir in ziemlich genau der gleichen Richtung vorwärts kam und die Sicht stark einschränkte, nicht davon zu reden, dass die Strasse mitunter zentimetertief unter Wasser war.

Südlich von Leipzig hatten wir die Nase voll und waren auch nicht mehr so ganz frisch, deshalb verliessen mein innig geliebter Mitbewohner und ich die Autobahn, um nach einem Nachtquartier Ausschau zu halten. Der kleine Haken daran: Wir waren nur mit einer Karte 1:500’000 unterwegs, und Orte, die dort drin eingezeichnet sind, entsprechen wohl nicht zwingend der ländlichen Idylle, die wir von Schweden her noch gewohnt waren und die wir für unsere Hotelübernachtung anstrebten. Eine kleine Vorahnung, dass aus der lauschigen Übernachtung in einem Landgasthof wohl nichts werden würde, befiel mich, als wir in der Innenstadt aufs Kopfsteinpflaster donnerten.

Einige Zeit später standen wir vor der folgenden Wahl: 3 Sterne für 99 Euro, 4 Sterne für 95 Euro pro Zimmer. Der Mitbewohner und ich legen sonst nicht so grossen Wert auf die Himmelskörper, aber da wir schon mal bei den 4 Sternen standen, und die erst noch billiger waren, entschieden wir uns um 19.00 Uhr kurzerhand für diese. Wir gaben uns nicht der Illusion hin, dass für diesen Preis – selbst im ehemaligen Osten – das geboten würde, was bei uns unter einem Viersterne Hotel rangiert.

Dennoch, das Zimmer war grosszügig und sauber, mit einer Infrastruktur, wie man sie erwarten konnte. Das Essen dagegen, naja, da haben wir Schweizer vermutlich etwas andere Vorstellungen von Verpflegung und ich behaupte glattweg, dass man mit den Zutaten auch etwas Besseres hätte kochen können.

Das Frühstücksbüffet anderntags liess vordergründig keine Wünsche offen. Kaum hatten wir einen Teller gefasst, wurden wir schon belagert, ob wir ein Spiegelei oder Rührei wünschten. Wünschten wir nicht, genauso, wie wir keine Peperoni, Wurstwaren, Fisch oder Gurken zum Frühstück mögen. Wir essen zu Hause Brot, Butter, Konfitüre und ein Stück Käse und von dieser Sitte sahen wir nur insofern ab, als dass wir noch etwas Müesli aufluden. Was da jedoch an Brot angeboten wurde, blieb uns beinahe im Hals stecken. Nicht, weil es so trocken war, sondern so gummig. Ich bin mir sicher, dass man Aufbackbrötchen so lange im Ofen lassen kann, bis sie eine brotähnliche Konsistenz angenommen haben. Diesen Viersterne-Brötchen war das nicht vergönnt.

Als wir Zeugen wurden, wie der Kaffee, der wieder abgetragen wurde, zurück in einen grossen Pot gekippt wurde, um dem nächsten Gast zu servieren, veränderte sich das Firmament endgültig.

Bitterer Genuss

Was würde besser zum gestrigen Kuchen-Beitrag passen als eine Tasse Kaffee? Hier gehen ja die Geschmäcker ziemlich auseinander. Klein und stark. Gross mit viel aufgeschäumter Milch. Jeder schätzt sein schwarzes Gebräu anders zubereitet.

Dabei hat es einige Zeit gedauert, bis sich in den Köpfen der Menschheit der Gedanke durchgesetzt hat, dass man auch aus Kaffeebohnen Kaffee brauen kann. Löwenzahnwurzeln, Eicheln, Getreide, Zichorien, alles wurde geröstet und zu einem Gesöff verarbeitet. Hauptsache, es war dunkel und schmeckte bitter.

In Zeiten der Nespresso-Kapsel-Manie und Kaffee-Vollautomaten läuft es mir kalt den Rücken runter, wenn ich bedenke, was unsere Vorfahren in Sachen Kaffee alles über sich ergehen lassen mussten.

Vorfahren? Mit Schaudern erinnere ich mich, dass im Elternhaus einer Freundin noch vor zwei Jahrzehnten dem Kaffee Franck Aroma beigemischt wurde. Was gedacht war, den Kaffee zu strecken, erwies ihm bestenfalls den Dienst, einen sackbitteren Geschmack zu hinterlassen. Freude am Kaffeegenuss wollte so nur äusserst zurückhaltend aufkommen.

Sollten diese Zeilen bei dir eine alte Leidenschaft geweckt haben: Franck Aroma steht auch im 21. Jahrhundert noch immer in den Gestellen der Detailhändler.