The Postman always rings twice

Ich habe ein Ersatzteil für meine Kaffeemaschine bestellt.  Das war mit wenigen Mausklicks erledigt. Ich finde es keinesfalls selbstverständlich, dass man für ein über 15-jähriges Gerät noch so problemlos einen neuen Wassertank ordern kann. Ich hatte mir schon überlegt, ob ich – locheshalber – den Wassertank nur noch bis gut zur Hälfte füllen könnte. Was zur Not gegangen wäre. Aber wie erwähnt, wenige Mausklicks und das durchsichtige Teil zum Schweizer Qualitätsprodukt war unterwegs zu mir. Fussnote: Es lohnt sich vielleicht doch, nicht immer den erstbesten chinesischen Qualitätsschrott zu kaufen, wenn es um eine Neuanschaffung geht.

Selbst in der für sämtliche online-Shops stressigen Vorweihnachtszeit erreichte mich das Packet binnen 36 Stunden nach Bestellung. So weit so gut. Doch zwei Tage später klingelte der Päcklipöstler ein zweites Mal. Mit nochmals einem Wassertank. So stressig scheint es der online-Shop offenbar nicht zu haben, dass man Aufträge im Doppel ausführen kann. Oder wolle man mir ein – zugegeben etwas absonderliches – Weihnachtsgeschenk machen?

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Ferngesteuerter Kaffee

Rückblendend betrachtet war nahezu der Tatbestand der Nötigung erfüllt, dass ich dort einen Kaffee trank. Dennoch war es mir im damaligen Augenblick nicht so vorgekommen. Natürlich war mir klar, dass mir die Dame im Media Markt nicht aus reiner Nächstenliebe einen Kaffee anbot.

Mir stand grad der Sinn nach einem Schuss Koffein, so willigte ich ein. Während ich genüsslich einen Espresso aus dem eleganten Kartonbecher schlürfte, wurde ich nicht nur mit dem Sound aus der angrenzenden Autoradio-Abteilung, sondern auch mit den neusten technischen Gadgets auf dem Kaffeemaschinen-Markt berieselt. Nur 1 x pro Jahr entkalken. Super einfache Reinigung. Hochwertige Oberflächen. Bluetooth bei den De-Luxe-Modellen.

Meine Gedanken schweiften ab. Vor bald 25 Jahren, als mein innig geliebter Mitbewohner und ich mit der Anschaffung eines Kaffee-Vollautomaten liebäugelten, versuchte uns die Verkäuferin auch mit allen möglichen Argumenten zu überzeugen. Der Mitbewohner sagte damals, es sei ja alles gut und recht, aber was ihm zum vollkommenen Kaffee-Glück noch fehle, sei eine Fernbedienung.

Spulen wir den Film wieder nach vorn. Ein Vierteljahrhundert später gibt es also – Smartphone und Bluetooth sei Dank – tatsächlich die Möglichkeit, die Kaffeemaschine aus der Ferne zu bedienen. Das mag für Technik-Freaks verlockend tönen. Die praktisch denkende Hausfrau in mir fragt sich jedoch: Und wie kommt die Tasse unter den Auslauf?

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Kaffeeverdruss

Seit Jahr und Tag schütte ich die gleiche Kaffeesorte ins Bohnenfach. Das Wasser kommt wie immer aus der Leitung. Die Jura Kaffeemaschine hat sich über Jahre schon bewährt und spielt mit ihrem Preis, der locker das Zehnfache eines Kapselgeräts übersteigt, in der Königsliga der Kaffeeautomaten.

Trotzdem schmeckt der Kaffee nicht immer gleich. Ab und zu passiert es, dass eine einzelne Tasse Kaffee wie verbrannt riecht und mit dem Prädikat „ungeniessbar“ im Abfluss landet. Es sind stets Einzelfälle. Der Kaffee davor schmeckte wie gewohnt, der unfreiwillige Nachzügler ebenso.

Ich bin ehrlich gesagt etwas ratlos, frage mich, weshalb das so ist. Gibt es unter meinen Leserinnen und Lesern Kaffee-Experten, die mich aufklären können? Oder passiert das Beschriebene – was zumindest ein kleiner Trost für Kaffeetante Flohnmobil wäre – auch andernorts?

Kaffeebohnen trocken in Guatemala.
Aufgenommen auf einer Kaffeefarm in der Nähe von Antigua auf unserer Reise im Jahr 2001.

Frosch mit Arterienverkalkung

Ich kann es auch nicht ganz erklären, weshalb mir dieser Tage vorwiegend Blog-Themen in den Schoss fallen Sinn kommen, die mit Putzen im weitesten Sinn zu tun haben. Da müsst ihr, liebe Leserinnen, liebe Leser, einfach tapfer durch. Ich muss es schliesslich auch.

Die folgende Geschichte stammt aus meiner Zeit, als ich noch etwas, wie soll ich sagen, grün war. Das Grün dürft ihr sowohl auf meine damalige Einstellung wie mein damaliges Alter anwenden.

Es geschah in der Zeit, bevor in jedem zweiten Schweizer Haushalt ein Kaffee-Vollautomat stand. Es gab zwar bereits Kaffee-Vollautomaten aber nicht in meiner Küche. Ich nannte eine Espresso-Kolben-Maschine mein Eigen. Jura. Schweizer Qualitäts- und Markenprodukt. Genau wie auf dem Bild nebenan, nur dass dieses nicht von mir, sondern von kaffee-netz.de stammt.

Mein ganzer Stolz. Doch auch dieser war nicht vor Verkalkung gefeit. Was tut frau in so einem Fall? Genau, die besorgt sich ein Entkalkungsmittel, füllt Wasser und Mittel in den Wassertank, legt den Schlauch rein, lässt die Pumpe kurz laufen und das Ganze dann eine Weile einwirken. Dann spült sie den Wassertank aus, füllt ihn mit frischem Schweizer Quellwasser, spült die Maschine gut durch und freut sich auf den nächsten Kaffee. Die Theorie tönt einleuchtend. Die Praxis sah etwas anders aus. Der Kaffee hatte nämlich einen, gelinde gesagt, seltsamen Geschmack. So wie nach dem Entkalkungsmittel. Also das ganze Spülprozedere nochmals. Und nochmals. Und dann war der Kaffee noch immer nicht geniessbar. In mir keimte der Verdacht, dass da etwas schief gelaufen war.

Ich könnte euch an dieser Stelle ein Märchen auftischen, dass eine böse Hexe meine Kaffeemaschine verwunschen hatte. Oder vielleicht würdet ihr mir auch glauben, dass die Heinzelmännchen für einmal gepfuscht hatten. Die Wahrheit liegt leider ganz wo anders. Ich hatte zum Entkalken „Frosch“ benützt. Ein handelsübliches Mittel, das damals wie heute erhältlich war. Nur hätte ich wahrscheinlich besser daran getan, einen Entkalker statt des WC-Reinigers zu nehmen…

Die Kaffeemaschine zu küssen nützte angesichts dieses Missgeschicks übrigens nichts mehr.

Bitterer Genuss

Was würde besser zum gestrigen Kuchen-Beitrag passen als eine Tasse Kaffee? Hier gehen ja die Geschmäcker ziemlich auseinander. Klein und stark. Gross mit viel aufgeschäumter Milch. Jeder schätzt sein schwarzes Gebräu anders zubereitet.

Dabei hat es einige Zeit gedauert, bis sich in den Köpfen der Menschheit der Gedanke durchgesetzt hat, dass man auch aus Kaffeebohnen Kaffee brauen kann. Löwenzahnwurzeln, Eicheln, Getreide, Zichorien, alles wurde geröstet und zu einem Gesöff verarbeitet. Hauptsache, es war dunkel und schmeckte bitter.

In Zeiten der Nespresso-Kapsel-Manie und Kaffee-Vollautomaten läuft es mir kalt den Rücken runter, wenn ich bedenke, was unsere Vorfahren in Sachen Kaffee alles über sich ergehen lassen mussten.

Vorfahren? Mit Schaudern erinnere ich mich, dass im Elternhaus einer Freundin noch vor zwei Jahrzehnten dem Kaffee Franck Aroma beigemischt wurde. Was gedacht war, den Kaffee zu strecken, erwies ihm bestenfalls den Dienst, einen sackbitteren Geschmack zu hinterlassen. Freude am Kaffeegenuss wollte so nur äusserst zurückhaltend aufkommen.

Sollten diese Zeilen bei dir eine alte Leidenschaft geweckt haben: Franck Aroma steht auch im 21. Jahrhundert noch immer in den Gestellen der Detailhändler.