Immer wieder schön

Ein Teil meiner Kakteen, vornehmlich die grösseren, residiert seit mehr als einem Jahr im Ferienhaus.

Ich hatte diese Woche das Glück, mal wieder den Werdegang einer Blüte einer meiner liebsten Kakteen mitzuverfolgen. Wie entzückend, wenn sich das zarte Gelb herausschält.

Wenige Stunden später:

Noch immer am ersten Tag, mit etwas Sonne im Herzen.

Dann kam der Regen. Und der behagt Kaktusblüten in der Regel gar nicht. Diese Opuntie macht da keine Ausnahme. Am zweiten Tag sah sie so aus:

Und am dritten Tag war sie noch etwas mehr verhuddelt.

Kleiner Trost: Selbst bei Sonnenschein blühen die Blumen nur einen Tag lang. Aber ich finde deine Blüten selbst verwuschelt noch wunderschön, du meine liebe Opuntia santa rita.

Immer diese Fortpflanzung!

Kakteen-Vermehrung in allen Ehren, aber ich habe schlicht und einfach keinen Platz. Oder präziser ausgedrückt, ich will nicht mehr Platz zur Verfügung stellen.

Deshalb musste diese äusserst fortpflanzungsfreudige Opuntie einmal mehr Haare bzw. Ohren lassen,

20210628_150900_resized

und sah, nachdem ich behandschuhte Hand angelegt hatte, so aus:

20210629_104041_resized

Immer noch ausreichend gross, finde ich.

Meine Schwiegermutter

…wird immer stacheliger und

20210504_113331_resized_1

kratzbürstiger.

20210504_113318_resized

Und ausserdem ist sie mittlerweile ziemlich rund.

20210504_113334_resized

Was ich ihr nicht verübeln kann, schliesslich gedeiht sie unter meiner Pflege prächtig. Nun darf sie wieder bis im Herbst im Freien stehen und sich die Sonne auf den Pelz brennen lassen.

Echinocactus grusonii – im Volksmund Goldkugelkaktus oder Schwiegermutterstuhl genannt. Seit bald 30 Jahren meiner Pflege ausgesetzt, dürfte ca. 35 Jahre alt sein.

Kaktus für Singles

Irgend etwas störte mich am Ellbogen. Wiederholt kratzte ich mich, ohne dass es dauerhafte Erleichterung gebracht hätte. Ich krempelte den Ärmel hoch ….ach so!

Nur wenige Stunden zuvor hatte ich mich noch mit meinen Kakteen beschäftigt. Ein feiner Dorn hatte tatsächlich seinen Weg durch eine dicke Lage Stoff in meinen Ellbogen gefunden. Am absolut unmöglichsten Ort! Ich stand vor den Spiegel, versuchte den Missetäter zu lokalisieren. Das gelang mir wohl. Allerdings focht ich einen längeren Kampf mit Pinzette und meinem Spiegelbild aus, den ich verlor. Der Dorn blieb, wo er war. Ich sah ihn im Spiegel, konnte ihn mit dem Finger fühlen, aber ich kriegte ihn nicht zu fassen.

Was machen? Das Ding musste raus, es störte mich bei jeder Bewegung, verfing sich ganz subtil am Stoff meines Shirts.

Pling, die zündende Idee! Ich nahm mein Epiliergrät hervor, liess es einige Touren über meinen Ellbogen rattern und weg war der Dorn.

Merke: Wer Kakteen hat, ist nie einsam.

DSC05457

Spätzünder

Das habe ich noch nie erlebt! In all den Jahren, und das dürften mittlerweile an die 15 sein, konnte sich mein schöner grosser Kaktus noch nie aufraffen, im Herbst erneut zu blühen.

Da es nun nicht mehr so warm ist und höchstens noch eine Stunde Sonnenlicht die Pflanze erreicht, dauerte es mehrere Wochen, bis sich aus den Knospen die prächtigen Blüten entwickelten. Ich bin gespannt, ob noch alle aufgehen.

IMG_4094

Wie jeweils im Mai sondert die Pflanze eine klebrig-süsse Flüssigkeit ab, die auf den Boden tropft. Das Tröpfchen ist unterhalb des Blütenstempels auszumachen. Anders als im Frühling sind jetzt keine Ameisen mehr zur Stelle, um sich daran gütlich zu tun.

IMG_4098

Frau Flohnmobil ist entzückt!

… und wie schmeckt Kaktus?

Wer hat sich diese Frage schon mal gestellt? Wahrscheinlich kaum jemand hierzulande. Sieht man mal ab von Frau Flohnmobil, die in Mexiko tatsächlich auf einem Markt Kaktusohren gekauft, gekocht und mit Genuss gegessen hatte.

Aber einen Kaktus getrunken, das hatte selbst Frau Flohnmobil noch nie. Ihr Gemütszustand darf demnach durchaus als kritisch-gespannt bezeichnet werden, als sie zum ersten Schluck ansetzte.

IMG_3408

Wie kommt man nur darauf, ein Getränk mit Kaktus-Aroma zu versetzen? Und was überhaupt ist Kaktus-Aroma? All meinen Kakteen mag ich jedenfalls keinen einzelnen Geschmack andichten.

Assoziieren die Tüftler dieses Gesöffs Kaktus-Aroma mit einer gewissen John-Wayne-Romantik? Vielleicht hatten sie folgendes Bild vor ihren Augen:

Der Protagonist – kurz vor dem Verdursten – stösst mit schleppendem Gang auf einen dicken, fetten Kaktus. Mit letzter, ach nein, mit allerletzter Kraft nimmt er seinen Schweizer Militärhegel aus dem Sack, verflucht einmal mehr den Entwickler dieses Präzisions-Werkzeugs, weil er mit seinen dicken Fingern kaum die Klinge öffnen kann. Dann machen die vor Schwäche zitternden Hände den lebensrettenden Schnitt. Der Kaktus ist halbiert, draus tropft das köstliche Nass. Unser Cowboy schlürft genüsslich. Das Kaktus-Wasser rinnt ihm aus den Mundwinkeln, versiegt auf dem staubigen Kragen seines Hemds. Es folgt ein längere Zeit anhaltender derben Flüche. Wie gut, dass die findigen Helvetier ihr Taschenmesser auch mit einer Pinzette versehen haben.

IMG_3409

Fazit :

a) Hätte es damals schon Vitamin Well Upgrade mit Kaktus-Geschmack gegeben, hätte der Cowboy nicht Stunden damit verbringen müssen, die Dornen aus seinen Fingern zu pfriemeln.

b) Hätte es in dem Getränk, das Frau Flohnmobil am Kiosk in Moutier kaufte, kein Kaktus-Aroma gehabt, sie hätte es wohl nicht bemerkt.

Bald haben wir’s überstanden!

Abgesehen von Werner und Timi sind wohl meine Kakteen die Einzigen, die dieser Affenhitze, die uns nun schon seit bald zwei Wochen das Leben schwer macht, etwas Positives abgewinnen konnten.

Und wie! Sie haben auch diesen Sommer wieder geradezu verschwenderisch schön geblüht.

IMG_1447IMG_1452IMG_2231DSC09745IMG_1647IMG_2225IMG_2227IMG_2229IMG_2835IMG_2838

Und das sind noch nicht mal alle. Gewisse Kakteen blühen nur einen Tag. Und wenn Frau Flohnmobil gerade an dem Tag am Wandern ist, kann sie am Abend bestenfalls noch erahnen, dass der Kaktus geblüht haben muss.

Noch ist die Kakteen-Blüte nicht vorbei. Was aber in wenigen Stunden vorbei sein wird, ist diese gnadenlose Hitze. Diese Hitze, die mich entweder zum Flüchtling (ab in die Berge!) oder zum Stubenhocker (wo es dank gewissenhaftem Lüftungs-Management einigermassen erträglich blieb) mutieren liess.

Geburtenkontrolle

Sie hat einen grossen Vermehrungsdrang. Einen sehr grossen sogar. Es geht genau genommen um das Überleben ihrer Gattung. Aber ich muss sie in die Schranken weisen. Jahr für Jahr. Schliesslich bin ich der Chef.

IMG_1659

Würde ich ihr nicht jeden Frühsommer ein paar Ohren abzwicken, hätte sie schon lange keinen Platz mehr im ihr zugedachten Winterquartier.

IMG_1657

Und so musste der Star meiner Kakteen-Sammlung, meine Diva, einmal mehr unters Messer. Je früher im Sommer man das macht, desto besser verheilen die Narben.

IMG_1661

Sorry, liebe Santa Rita.