Spätzünder

Das habe ich noch nie erlebt! In all den Jahren, und das dürften mittlerweile an die 15 sein, konnte sich mein schöner grosser Kaktus noch nie aufraffen, im Herbst erneut zu blühen.

Da es nun nicht mehr so warm ist und höchstens noch eine Stunde Sonnenlicht die Pflanze erreicht, dauerte es mehrere Wochen, bis sich aus den Knospen die prächtigen Blüten entwickelten. Ich bin gespannt, ob noch alle aufgehen.

IMG_4094

Wie jeweils im Mai sondert die Pflanze eine klebrig-süsse Flüssigkeit ab, die auf den Boden tropft. Das Tröpfchen ist unterhalb des Blütenstempels auszumachen. Anders als im Frühling sind jetzt keine Ameisen mehr zur Stelle, um sich daran gütlich zu tun.

IMG_4098

Frau Flohnmobil ist entzückt!

… und wie schmeckt Kaktus?

Wer hat sich diese Frage schon mal gestellt? Wahrscheinlich kaum jemand hierzulande. Sieht man mal ab von Frau Flohnmobil, die in Mexiko tatsächlich auf einem Markt Kaktusohren gekauft, gekocht und mit Genuss gegessen hatte.

Aber einen Kaktus getrunken, das hatte selbst Frau Flohnmobil noch nie. Ihr Gemütszustand darf demnach durchaus als kritisch-gespannt bezeichnet werden, als sie zum ersten Schluck ansetzte.

IMG_3408

Wie kommt man nur darauf, ein Getränk mit Kaktus-Aroma zu versetzen? Und was überhaupt ist Kaktus-Aroma? All meinen Kakteen mag ich jedenfalls keinen einzelnen Geschmack andichten.

Assoziieren die Tüftler dieses Gesöffs Kaktus-Aroma mit einer gewissen John-Wayne-Romantik? Vielleicht hatten sie folgendes Bild vor ihren Augen:

Der Protagonist – kurz vor dem Verdursten – stösst mit schleppendem Gang auf einen dicken, fetten Kaktus. Mit letzter, ach nein, mit allerletzter Kraft nimmt er seinen Schweizer Militärhegel aus dem Sack, verflucht einmal mehr den Entwickler dieses Präzisions-Werkzeugs, weil er mit seinen dicken Fingern kaum die Klinge öffnen kann. Dann machen die vor Schwäche zitternden Hände den lebensrettenden Schnitt. Der Kaktus ist halbiert, draus tropft das köstliche Nass. Unser Cowboy schlürft genüsslich. Das Kaktus-Wasser rinnt ihm aus den Mundwinkeln, versiegt auf dem staubigen Kragen seines Hemds. Es folgt ein längere Zeit anhaltender derben Flüche. Wie gut, dass die findigen Helvetier ihr Taschenmesser auch mit einer Pinzette versehen haben.

IMG_3409

Fazit :

a) Hätte es damals schon Vitamin Well Upgrade mit Kaktus-Geschmack gegeben, hätte der Cowboy nicht Stunden damit verbringen müssen, die Dornen aus seinen Fingern zu pfriemeln.

b) Hätte es in dem Getränk, das Frau Flohnmobil am Kiosk in Moutier kaufte, kein Kaktus-Aroma gehabt, sie hätte es wohl nicht bemerkt.

Bald haben wir’s überstanden!

Abgesehen von Werner und Timi sind wohl meine Kakteen die Einzigen, die dieser Affenhitze, die uns nun schon seit bald zwei Wochen das Leben schwer macht, etwas Positives abgewinnen konnten.

Und wie! Sie haben auch diesen Sommer wieder geradezu verschwenderisch schön geblüht.

IMG_1447IMG_1452IMG_2231DSC09745IMG_1647IMG_2225IMG_2227IMG_2229IMG_2835IMG_2838

Und das sind noch nicht mal alle. Gewisse Kakteen blühen nur einen Tag. Und wenn Frau Flohnmobil gerade an dem Tag am Wandern ist, kann sie am Abend bestenfalls noch erahnen, dass der Kaktus geblüht haben muss.

Noch ist die Kakteen-Blüte nicht vorbei. Was aber in wenigen Stunden vorbei sein wird, ist diese gnadenlose Hitze. Diese Hitze, die mich entweder zum Flüchtling (ab in die Berge!) oder zum Stubenhocker (wo es dank gewissenhaftem Lüftungs-Management einigermassen erträglich blieb) mutieren liess.

Geburtenkontrolle

Sie hat einen grossen Vermehrungsdrang. Einen sehr grossen sogar. Es geht genau genommen um das Überleben ihrer Gattung. Aber ich muss sie in die Schranken weisen. Jahr für Jahr. Schliesslich bin ich der Chef.

IMG_1659

Würde ich ihr nicht jeden Frühsommer ein paar Ohren abzwicken, hätte sie schon lange keinen Platz mehr im ihr zugedachten Winterquartier.

IMG_1657

Und so musste der Star meiner Kakteen-Sammlung, meine Diva, einmal mehr unters Messer. Je früher im Sommer man das macht, desto besser verheilen die Narben.

IMG_1661

Sorry, liebe Santa Rita.

Oh Mamma mia!

Ist es nicht wahnsinnig, was so ein Kaktus hervorzubringen vermag?

Gestern waren es noch drei Blüten und heute – trotz ausgiebiger Beduschung über Nacht – haben sich fast zwanzig Blüten geöffnet. Der pure Wahnsinn! Und alles an einem einzigen, kaum faustgrossen Kaktus.

Diese Mammillaria longimamma macht mir wirklich Freude.

Vor drei Wochen sah der Kaktus übrigens noch wesentlich unspektakulärer aus (guckt hier). Aber er hat meine grossen Erwartungen nicht enttäuscht.   

20170616_133845-1[1]

Familienzuwachs

Im Bemühen, wieder mal einen Hauch von Normalität durch meinen Alltag wehen zu lassen, habe ich mich letzthin etwas intensiver mit meiner bescheidenen Kakteen-Sammlung beschäftigt.

Nachdem mir im vergangenen Winter zwei Kakteen eingegangen waren (darunter bedauernswerterweise der weitgereiste Känguru-Kaktus), wollte ich wieder etwas frisches Blut in die Kakteen-Vereinigung bringen. Und für solche Zwecke gibt es in meiner Gegend nur eine Adresse: Ha-Ka-Flor in Sirnach.

Überwältigend, was dort in den Treibhäusern wächst und zum Verkauf angeboten wird! Ich habe mich wirklich schwer getan mit der Auswahl. Letztendlich habe ich mich für vier Kakteen entschieden, die entweder besonders schöne Blüten, eine eigenwillige Form oder beides aufweisen. Voilà:

DSC02329

Von links nach rechts: Mamillaria occidentalis, Mamillaria spec toluca, Mamillaria longimamma, Pseudolobivia

Den grössten Kaktus habe ich bereits umgetopft, obschon es unter Experten als Todsünde gilt, Kakteen während der Blüte umzutopfen. Aber das Töpfchen war so winzig, dass der leicht schräg gewachsene Kaktus zu kippen drohte.

Nun werde ich die Neuzuzüger noch etwas hätscheln und bewundern, bevor ich sie aufs Gestell zu den alteingesessenen Bestachelten stelle.

Ein Besuch der Kakteen-Ausstellung in Sirnach kann allen empfohlen werden, die Freude an farbenfrohen Blüten im Allgemeinen und Kakteen im Besonderen haben. Selbst meine gänzlich Kaktus-unerfahrene Nachbarin, die mich begleitet hat, konnte der Versuchung nicht widerstehen und ist mit zwei Töpfen heimgekehrt.

Ha-Ka-Flor Sirnach

Kaktus, tot und halbtot

Heute Nachmittag habe ich erstmals dieses Jahr das Kaktus-Haus geöffnet. Angesagt waren eine kurze Inspektion der Pflanzen und Wasser geben. Leider blieb es nicht dabei, denn es wäre übertrieben zu sagen, dass der Kaktus links im Bild einen guten Winter gehabt hätte. Seine Leiche musste fachgerecht entsorgt werden.

Aber auch der Kaktus rechts im Bild schaut etwas leidvoll aus der Wäsche. Das ist umso schlimmer, als dass er eine sehr aufregende Geschichte hinter sich hat.

Vielleicht schaffe ich es, einen der noch verbliebenen grünen Triebe zu bewurzeln. Dann wäre zumindest ein Teil unseres prominenten Känguru-Kaktus gerettet.

Was dieser Kaktus für aufregende Abenteuer erlebt hat, ist HIER nachzulesen.

DSC02279

Biologisch bewehrt

Ich habe schon immer behauptet, dass die Bio-Welle mitunter absurde Formen annimmt. Das jüngste Beispiel ist Kakteenerde in Bio Qualität. Ich habe sie sowohl bei Migros als auch Coop entdeckt.

Bio Erde für Kakteen? Hallo!

DSC01265

Der erste Kandidat, der in den Genuss der edlen Bio-Erde gekommen ist (etwas anderes ist beim Grossverteiler offenbar gar nicht mehr zu kaufen), ist dieser Säulenkaktus, dem ich einen grösseren Topf verpasst habe. Letzterer übrigens aus hundskommunem, unbiologischem Plastik.

DSC01267

Ehrlich gesagt glaube ich, dass es meinen Kakteen mindestens so egal ist wie mir, ob biologisches Substrat oder konventionelle Erde ihre Wurzeln umgibt. Viel lieber wäre es ihnen, sie würden nicht mehrmals täglich dauergeduscht. Langsam aber sicher beginne ich mr nämlich, mir um meine Kakteen, die ungeschützt im Freien stehen, Sorge zu machen.