Der Scheiss-Kalender

Als Bloggerin sitzt man ja gewissermassen in einem Glashaus. Gut, man kann selber entscheiden, ob man die Vorhänge ziehen will oder gleich die Jalousien schliessen. Aber selbst dann gibt man immer mal wieder etwas von sich Preis. Leute, die hier also schon lange mitlesen, müssten mich demzufolge fast besser kennen als meine eigene Mutter…

Als Bloggerin gibt man auch eine Mail-Adresse an, für den Fall, dass jemand ausserhalb der Kommentar-Funktion mit einem in Kontakt treten möchte. Das ist kürzlich auch wieder mal passiert. Und was ich da las, hielt ich zuerst für einen verfrühten 1.-April-Scherz.

Da sprach mich jemand auf ein Bild an, das ich hier im Flohnmobil mal veröffentlicht hatte, weil ich mich über Hundehalter ärgerte, die im Winter bei Schnee die Scheisshaufen ihrer Lieblinge einfach mit einer lockeren Bewegung aus dem Fussgelenk zum vorläufigen Verschwinden bringen. Der Inhalt des Mails:

Ich heiße ….. und bin aus dem kleinen Harzdörfchen ……

Im hiesigen Ort bin ich als Ortschaftsrat tätig und habe auch dem Hundekot den Kampf angesagt.

Leider steht unser Ort finanziell nicht sehr gut da, weshalb es schwer ist, überhaut Hundetoiletten zu installieren. Hierzu starte ich eine Aktion und erstelle einen Hunde“Scheiße“Kalender…a´la Hundescheiße in der Sonne, im Grünen, auf dem Spielplatz usw. her, um mit dem Verkauf Geld für eine oder mehrere Hundetoiletten zu erhaschen. Leider fehlt mir aber ein Bild mit Schnee…und da hab ich Ihrs gefunden und wollte fragen ob sie es mir zur Verfügung stellen würden…gern in der originalen Auflösung!

Kann hier jemand nachvollziehen, dass ich mir zuerst veräppelt vorkam? Der anschliessende Mailverkehr schaffte Klärung. Jedoch hatte ich das besagte Bild (der Blogbeitrag ist schon mehrere Jahre alt) längst gelöscht. Jeden Scheiss behalte ich schliesslich nicht. Ich konnte dem Menschen, nennen wir ihn K, anbieten, bei einer meiner nächsten Unternehmungen mit Schneekontakt nach einem adretten Hundehaufen Ausschau zu halten. Dieses Angebot nahm K dankend an.

Und so ergab es sich, dass nicht nur ich, sondern der ganze Rest der Wandertruppe auf dieser Wanderung unsere Augen nach braunen Hinterlassenschaften offen hielten. Und ich kann euch sagen, es hat sich gelohnt! Das Bild erspare ich euch (vielleicht wollt ihr ja den Hunde-Scheisse-Kalender dereinst von Herrn K käuflich erwerben). Dafür habe ich eine leicht abverreckte Schokolade-Kreation aus dem Hause Migros, die grosse Ähnlichkeit mit dem Fotografierten hat.

DSC08448

Natürlich habe ich mich gefragt, wie Herr K ausgerechnet auf mich und meinen Blog kam. Die Antwort ist relativ simpel. Googelt mal nach einem Bild “Hundescheisse und Schnee”…

Die September-Tapete

Frau Flohnmobil hatte soeben das Kalenderblatt umgedreht. Wie immer einige Tage zu spät. Sie machte einen Schritt zurück, legte ihren Kopf etwas schräg und studierte ihr Werk eingehend. Nicht schlecht, klopfte sie sich im Geiste selber auf die Schulter.

Ihre Gedanken schweiften ab, entführten sie aus ihrem Wohnzimmer hinaus an den Ort, wo sie das Bild aufgenommen hatte. Es war ein herrlicher Tag gewesen, damals in Schweden. Die Gegend einladend zum Fotografieren, mit einem traumhaft schön gelegenen Übernachtungsplatz. Eigentlich, so sann sie, eigentlich war es dort so schön, dass sie bestimmt Motive für alle 12 Monate des Jahres gefunden hätte.

„Wo war das?“ Herr Flohnmobil katapultierte sie mit seiner Frage in die Gegenwart zurück. Es ihm genau zu erklären, das wusste sie, war zwecklos. „Schweden, an der Westküste“ musste genügen.

„Das gäbe ein gutes Motiv für eine Tapete ab“, befand er.

~ Ý Ø~L MhD

Urteilt selbst:

Happy Peinlichkeit

Ich hörte ihn von weitem kommen. Sein Schritt war unverkennbar. Ebenso die notorischen fünf Minuten, mit denen er regelmässig zu spät kam. Ich drehte mich auf meinem Bürostuhl um und ging ihm entgegen. Nicht, um ihm die Kappe zu waschen, sondern in durchaus gutgemeinter Absicht.

„Happy Birthday, Bruno!“ Ich fiel ihm um den Hals, küsste ihn auf die kratzenden Wangen. Dreimal, wie das bei uns Sitte ist. „Alles Gute zum Geburtstag.“

Man konnte Bruno durchaus als seltsames Geschöpf bezeichnen. Er war kein Mann grosser Worte, wirkte mitunter etwas zerstreut aber war ein blitzgescheiter Analytiker, ausgestattet mit dem trockensten Humor, der mir je begegnet ist. Deshalb verwunderte mich seine erste Reaktion auch nicht sonderlich. Er blickte auf seine Armbanduhr. Lange, intensiv und mit fragendem Blick. „Habe ich heute Geburtstag?“ Auch diese Frage hatte für Bruno durchaus ihre Berechtigung. Es lag im Bereich des Möglichen, dass er seinen eigenen Geburtstag verlauerte.

Wann immer ich von jemandem den Geburtstag aufschnappe, notiere ich mir das Datum. Damals noch im Kalender. Neuerdings im Organizer des Handys. Das war auch bei Bruno nicht anders. In einer feucht-fröhlichen Runde hatte mal jeder aus dem Team seinen Geburtstag verraten. Dass Bruno nun so seltsam aus der Wäsche schaute, irritierte mich etwas. Hätte ich nichts sagen sollen? Wollte er seinen Geburtstag vor uns geheim halten, vielleicht gar, damit er die obligatorische Runde Gipfeli nicht zahlen musste? Bald war es an mir, komisch aus der Wäsche zu gucken, denn Bruno offenbarte mir, dass er erst in einem Monat sein Wiegenfest feiere.

Gibt es etwas Peinlicheres, als jemandem am falschen Tag zum Geburtstag zu gratulieren?

Ich kenne persönlich niemanden, der heute Geburtstag hat und Monsieur Delon gehört nicht zu meinem engeren Bekanntenkreis. Sollte unter den Flohnmobil-Lesern jemand sein, der heute, wirklich heute, Geburtstag hat, dann wünsche ich ihm/ihr alles, alles Gute. Er/sie darf sich ein Gummibärchen aussuchen.