Des Deutschen zu viel

Heute ertönte beim Einkaufen folgende Durchsage:

“Jetzt in Aktion: Früeh-Kartoffle.
Tragtäsche à 2,5 Kilo statt 6 Franke 50 nume 3.55”

Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen.

!!! “Kartoffle” !!!

Hierzulande heisst das “Härdöpfel”. Neuerdings lasse ich zwar auch “Gummel” gelten. Aber Kartoffle – das schmerzt in meinen Gehörgängen, als würde ich mit Stacheldraht drin rum stochern.

Pfui Migros!

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Nun nimmt mich aber doch noch wunder, ob die Allerweltsknolle noch andere Namen habt.

Wie nennt ihr die Kartoffeln in eurem Dialekt?

Mutter Natur auf Abwegen (8)

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Solche Kartoffeln wie auf dem Bild gelangen in der Schweiz nicht in den Verkauf. Bei uns werden die Kartoffeln normiert verkauft. Strikte nach Grösse sortiert. Ohne Fehl und Tadel.

In Frankreich dagegen, wo diese Pommes de terres herkommen, ist es gang und gäbe, solche Missbildungen in einem 2-Kilo-Sack aus dem Supermarkt an den Tag zu fördern. Und da finde ich überhaupt nichts Negatives dabei.

In der Zeitung stand kürzlich zu lesen, dass bei uns nur gerade die Hälfte der einheimischen Kartoffelernte ihren Weg vom Feld auf den Teller finde. Und der Rest? Eine Studie – immerhin von Agroscope und ETH Zürich, also durchaus glaubwürdig – hat herausgefunden, dass bis zu ein Viertel der Ernte bereits bei den Produzenten auf der Strecke bleibt. 12 bis 24 Prozent der Kartoffeln werden bei den Grosshändlern aussortiert. 1 bis 3 Prozent fallen im Detailhandel unter den Tisch. Bleibt ein Rest von 15 Prozent, der in den Haushalten liquidiert wird. Dieser Verlust wiegt besonders schwer, denn anders als die Kartoffeln, die auf dem Weg zum Konsumenten im Netz hängen bleiben, landen diese Kartoffeln nicht im Tierfutter.

Wenn ich solche Zahlen höre, beschleicht mich der Eindruck, dass es – entgegen dem Titel dieses Blogs – nicht die Natur ist, die vom Weg abgekommen ist.