Es kann auch schmelzen

Heute entdeckt in der Migros:

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Ich wundere mich einerseits über die unerschöpflichen Möglichkeiten unserer Sprache.

!!! Veganer Reibegenuss !!!

Andererseits über die Veganer, die wohl auf tierische Produkte verzichten, jedoch nicht um Geschmack und Konsistenz von geschmolzenem Käse gebracht werden wollen.

Raclette Chinoise

Man würde es nicht glauben, aber so ein Raclette ist eine höchst gefährliche, oberkomplexe Angelegenheit. Von wegen nur Käse und Kartoffeln! Wie mir erst kürzlich bewusst wurde, schwebt man bei diesem urgemütlichen Essen ständig in Gefahr!

Stellt euch vor, die Grillplatte wird heiss!!!

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Auch die Pfännchen – ich bin platt – werden heiss. Sehr heiss sogar.

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Und das Erstaunlichste: Selbst die Heizung wird etwas heiss.

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Unsere Neuanschaffung strotzt regelrecht vor Gefahrenherden.

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Unser altes SIGG-Öfeli hat ausgedient. Eigentlich sollte ich es als Rarität behalten, denn es wurde in der Schweiz produziert. Vor mehr als drei Jahrzehnten.

Das neue Raclette-Öfeli stammt aus China. Ob die Chinesli auch nur den leisesten Schimmer einer Ahnung haben, was sie da zusammengebaut haben?

Von Schafen und anderen Annehmlichkeiten

Roquefort wird in unserem Reiseführer als das bekannteste Käsedorf nebst Camembert genannt. Pah, der Autor hat wohl noch nie was von Gruyère oder Appenzell gehört. Wir aber haben sämtliche patriotischen Vorbehalte beiseite gesteckt und diesem Strassendorf einen Besuch abgestattet. Es klebt richtiggehend unterhalb der Felsen, und diese sind der Schlüssel zum Erfolg des Käses. Denn die 2,7 kg schweren Laibe reifen in natürlichen Felsenkellern.

In Roquefort sind selbst die Fussgänger-Streifen grün/weiss. Bei einer Führung durch die momentan leeren Käsekeller vernehmen mit Staunen, dass dieser berühmte Käse aus Schafsmilch hergestellt wird. Er darf nur in Roquefort in einem genau begrenzten, 400 m breiten und 2 km langen Gebiet, reifen.  Der grüne Schimmel stammt von einem Penizillin-Pilz, der auf Roggenbrot gezüchtet wird. Wir kaufen einen Achtel Käse und marschieren wie so viele Besucher mit einem Kühlsack durchs Strassendorf zurück zum Womi. Dieses klebt an einem Strassenrand, denn in Roquefort gibt es keinen ebenen Meter und entsprechend auch keine grösseren Parkplätze, ausser am Ortseingang. Natürlich will das kein Wohnmobilist glauben und fährt wie wir zuerst mal ins Dorf rein und muss dann am unmöglichsten Ort wenden.

Unser nächstes Ziel ist Millau. Die Stadt ist bekannt für elegante, feine Lederhandschuhe, die Gorge de Tarn, die vor ihren Toren liegt und neuerdings auch für sein Autobahn-Viadukt. Man kann das 2,7 km lange Viadukt, das das ganze Tal überquert, als Verschandelung der Landschaft oder auch als Kunstwerk anschauen. Eine hochkarätige Ingenieurs-Leistung ist das Viadukt mit seinen sieben Pfeilern auf alle Fälle.

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Millau kann man nicht als ausgesprochen Wohnmobil freundlich bezeichnen, da sorgen schon die zahlreichen Campingplätze in der Umgebung dafür. Wir haben keinen einzigen kommunalen Parkplatz gefunden, der nicht mit einer Teppichstange verbarrikadiert gewesen wäre. Trotzdem hat es einen offiziellen Stellplatz, der aber nicht mal ausserhalb der Hauptreisezeit die Wohnmobile aufzunehmen vermag.

Auf diesem Stellplatz stehen wir nun, umgeben von weiteren 30 Womis. Schon gestern war der Platz randvoll und heute erst recht. Da die einzelnen Stellplätze mit massiven Rundhölzern eingefasst sind, kann einem sympathischerweise niemand zu nahe auf die Pelle rücken. Etwas seltsam mutet an, dass die Entsorgungssäule rund dreihundert Meter weiter auf einem anderen Parkplatz steht. Ich bilde mir ein, dass ich vor drei Jahren, als wir hier nur durchgefahren sind, dort noch keine Teppichstangen auf dem Parkplatz gesehen habe.

Heute haben wir bei strahlend schönem Wetter und einem wacker blasenden Südwind eine Velotour auf die Causse Noir gemacht. Dieses von Felsen durchsetzte Hochplateau mit seinen struppigen Wacholderbüschen und Föhren hat seinen eigenen, herben Charme. Hier grasen übrigens auch Schafe, deren Milch zu Roquefort verarbeitet wird. Und somit hätten wir über das Viaduct de Millau gleich wieder die Brücke zu Anfang dieses Beitrags geschlagen.

So eine Frechheit!

Es ist dieses allgegenwärtige Rauschen, das einem alle anderen Töne ausblenden lässt. Es lullt einem in den Schlaf, begleitet die süssen Träume, ist wieder da, wenn man den neuen Tag begrüsst.

Wir sind am Mittelmeer! Wenn ich vom Bildschirm aufblicke, sehe ich geradewegs auf das von Schaumkronen verzierte, tiefblaue Wasser. Leider geht ein zügiger Nordwestwind, der nicht nur sämtliche Ideen von wegen „das Wasser lädt zum Bade“, sondern auch sonstige Freuden, die man mit Sonne und Strand in Verbindung bringt, vernichtet. Wir sind heute im Windstopper spazieren gegangen, jawohl, das ist die brutale Wahrheit. Aber morgen soll der Wind abflauen.

Schon gestern, als wir uns auf dem Campingplatz nach dem besten aller guten Stellplätze umgeschaut haben, hat uns innert kürzester Zeit das berühmt-berüchtigte Outback-Feeling eingeholt. Will heissen: Der Sand hat zwischen den Zähnen geknirscht.

Dabei gab es früher am Tag noch einen viel triftigeren Grund, um mit den Zähnen zu knirschen. Wir waren beim Einkaufen bei Carrefour und auf der Menuliste stand mal wieder „Gschwellti mit Chäs“. Das ist ein Klassiker bei uns und mit Ausnahme von Glarner Schabziger kriegt man hier in Frankreich ja alles, was es dazu braucht. Bei der Käsevitrine – was sehen meine Sperberaugen – Schweizer Fähnli. Na was bieten die Franzosen denn für Fromage suisse an? Mich traf beinahe der Schlag! Käse mag es ja gewesen sein. Mehr als eine Sorte auch. Selbst die Löcher haben nicht gefehlt. Aber es war alles Holländer Käse. So eine Frechheit!!! Ich hätte den Käse am liebsten in Stücke zerrissen. Oder besser den Verantwortlichen, der diese Schlamperei angeordnet hat. Wenn die Amerikaner Schweden und die Schweiz nicht auseinander halten können, ist das ja noch eins. Aber von den Franzosen hätte ich etwas tiefgründigere Geografiekenntnisse erwartet. 

Zurück zum Campingplatz. Dieser liegt südlich von Argelès-sur-Mer an der felsigen Küste der Côte Vermeille. Falls ihr nicht wisst, wo das ist, holen wir hier gleich die verpasste Geografiestunde nach: Dort, wo die Pyrenäen ins Mittelmeer fallen, oder je nach Betrachtungsweise auch dort, wo sie sich aus dem Meer erheben, beginnt die Côte Vermeille. Es sind nur noch wenige Kilometer bis an die spanische Grenze.

Der nächste Ort  ist nur zwanzig Gehminuten vom Campingplatz entfernt. Wie so viele Küstenstädte, ist auch Collioure absolut Wohnmobil untauglich, da eng und kaum mit Parkplätzen gesegnet. Aber Collioure ist sehr schön an einer natürlichen Bucht gelegen. Die Nähe zu Katalanien ist auf Schritt und Tritt hör- und sichtbar. In den engen Gassen hört man viel Spanisch, in den Restaurants werden Tapas angeboten und die Strassen sind häufig zweisprachig angeschrieben.

Wir sind etwas durch die zügigen Gassen gebummelt und haben uns dann in einem herrlich gelegenen Café an die Sonne gesetzt und dem Treiben zugeschaut. So lässt es sich leben. Wer wird denn da nach Hause zurück wollen, wo schon der Winter an der Haustür klopft?

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