Kindermund

Kürzlich im Zug. Eine Rasselbande steigt ein, mindestens zehn Kinder, wahrscheinlich Zweit- oder Drittklässler, zusammen mit zwei Betreuerinnen. Sie diskutieren heftig die Vor- und Nachteile der Schule.

Da verkündet einer der Knirpse vollmundig: “Ich will einmal intelligent werden.”

Mein Bauch tat weh vor lauter Lachen.

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Fragestunde im Zug

Gestern im Zug. Der Knirps blättert in einer Gratiszeitung. Lesen scheint er noch nicht zu können, doch das ist für das besagte journalistische Werk nicht unbedingt ein Nachteil.

“Wer ist das, Mami?” Die abgebildete Frau hat es dem Dreikäsehoch offenbar angetan.
“Adele.” Die Antwort der Mutter fällt denkbar knapp aus.
”Ist das eine Schauspielerin?”
”Nein, eine Sängerin.”
”Singt die schön?”
Nun kann sich die Mutter erstmals zu einem ganzen Satz aufraffen. “Ja, sie singt sehr schön.”
Der Knirps bohrt weiter. “Schöner als Lady Gaga?”
Spätestens jetzt spitzt die halbe S7 die Ohren.
“Ja, ich finde, sie singt wahnsinnig schön.”
Der Knirps will offenbar nichts auf Lady Gaga kommen lassen. “Aber schöner als Lady Gaga kann sie gar nicht singen.”
Der Mutter steht offenbar nicht der Sinn nach einer Diskussion über verschiedene Musik-Geschmäcker. Sie ergreift die Flucht nach vorne. “Ganz sicher singen beide schöner als ich.”

Komischerweise gibt sich der Junge mit dieser Antwort zufrieden. Nun darf gerätselt werden, wie herzzerreissend schlecht diese Frau wohl singt.

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Das Allerweltswort

Die Szene, die ich bald schildern werde, spielte sich heute im Fitness-Club ab, wo mein innig geliebter Mitbewohner und ich mehrmals die Woche hingehen. Sie hätte sich aber auch gestern abspielen können. Oder an einem anderen Ort. Nur wäre ich dann nicht dabei gewesen und hätte folglich nicht darüber schreiben können. Denn, all meiner blühenden Fantasie zum Trotz, so etwas hätte ich mir nie ausdenken können.

Ich war gerade im Begriff, die Garderobe zu entern, als die Türe des Kinderhorts aufging. Ein Papa hatte die Türe aufgestossen und ein Knirps, vielleicht dreijährig, kam zwischen seinen Beinen hindurch in den Korridor geschossen. Im Kinderhort musste, dem Lärmpegel nach zu schliessen, eine gehörige Ansammlung weiterer Knirpse sein.

“Willst du noch ein Gummibärchen?” schrie der Papa seinem Buben hinterher. Der Dreikäsehoch hielt inne, gab ein lapidares “Okay” von sich und strebte nach einer 180°-Drehung der Gummibärchen-Ausgabe entgegen.

Vor mir türmten sich keine kleinen Kinder, auch keine Gummibärchen auf, sondern ein paar Fragen.

  • Habe ich grammatikalisch und stilistisch etwas verpasst?
  • Antwortet man neuerdings nur noch OKAY, wenn man gefragt wird, ob man etwas möchte?
  • Sind sowohl Vater wie Sohn derart arrogant und abgehoben, dass ihre Umwelt sich mit einem OKAY als Antwort zu begnügen hat?
  • Muss hier der Anglizismus als Sündenbock hinhalten?
  • Wurde bei der Erziehung ein Modul übersprungen?
  • Sehe ich das zu eng?

 

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Meinem Aufruf, originelle Schilder-Bilder einzuschicken, ist auch Monika Schlatter gefolgt. Sie hat die handgemalte Tafel vor ein drei Jahren in Rifferswil fotografiert und wundert sich, ob sie noch immer dort steht.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass sich Zahlen ständig verändern. Mögen die 19 Kinder noch immer Kinder sein, sind vielleicht aus den 20 Katzen – sofern der böse Mensch nicht eingegriffen hat – mittlerweile 200 Chatzebüsi geworden.

Ich glaube, Monika, du solltest dringend wieder einmal in Rifferswil vorbei gehen und die Dinge klären. Als Dank darfst du dann sicher eine Runde Schildkröte reiten.

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Ich fand diese Werbekampagne der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen originell. Schlicht und ergreifend originell.

Die Plakate waren unübersehbar über die ganze Innenstadt verteilt. Weitere Texte, die ich aus der Website kopiert habe:

Eigentlich wollte ich ja mal jeden Montag etwas in der Rubrik „Schilder“ veröffentlichen. Aber mein Aufruf hat mir bereits so viele bemerkenswerte Schilder von euch beschert, dass ich das Intervall verkürzen werde. Nichts desto trotz gilt noch immer: Wer ein witziges, originelles, skurriles, schräges, absurdes Schild entdeckt und selber fotografiert hat, soll es mir bitte schicken. Ich werde es hier veröffentlichen.

Generation Konsumroboter

Mich bringt ja beim Einkaufen so schnell nichts mehr aus der Fassung. Weder, dass jetzt Fasnachtschüechli – einfach unter einem anderen Namen – ganzjährig erhältlich sind, noch die Tatsache, dass man sich in den Läden seit Wochen schon seinen Weg durch Lametta und Zimtsterne bahnen muss.

Aber ehrlich, gibt es denn nichts, aber wirklich gar nichts mehr, das man sich für den eigentlichen Anlass aufsparen kann? Grittibänzen gab und gibt es bei uns einzig und ausschliesslich am Samichlaustag. Und der fand noch jedes Jahr am 6. Dezember und nicht am 7. November statt.

Die Lilibiggs Akademie verfolgt offenbar nur ein Ziel: ihre zukünftigen Konsumenten zu saison- und datumsunabhängigen, bedingungslosen Einkaufsroboter heranzuzüchten. Pfui Migros!