Messerscharf

Es ist weder eine gänzlich neue Erkenntnis, noch ist sie auf meinem Mist gewachsen. Aber es soll einfach mal wieder gesagt sein:

Es geht nichts über das richtige, scharf geschliffene Messer.

Jeder Koch wird das bestätigen können. Und auch am Tisch ist das richtige Messer von entscheidender Wichtigkeit. Selbst das perfekt gegarte Rindsfilet fühlt sich nämlich nicht ganz so perfekt gegart an, wenn man mit einem stumpfen Messer daran sägt.

Bei einer Freundin von mir brauchte es mehrere, durchaus als unzimperlich zu bezeichnende Vorstösse, bis sie endlich einsah, dass die Investition in gute Steakmesser lohnend ist. “Soll ich dir welche von Frankreich heim bringen”, hatte ich seinerzeit noch gefragt. Wohlwissend, dass sie einen sehr eigenen Geschmack hat und ich mit ziemlicher Sicherheit die falschen Hegel gebracht hätte. Mittlerweile hat sie Steakmesser angeschafft und wir lachen jedes Mal darüber, wenn sie sie aus der Schublade holt. Es ist nämlich erwiesen, dass man das Fleisch als wesentlich zarter empfindet, wenn das Klinge wie durch Butter schneidet.

Langfristig gesehen zahlt sich die Investition aus, weil man durchaus etwas zäheres Fleisch servieren kann und es keiner merkt….

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Die Zähne ausbeissen

Ich habe ja nicht mehr waaaahnsinnig oft Gäste. Aber wenn ich Freunde zum Essen einlade, dann lasse ich mich nicht lumpen. Denn eigentlich koche ich ja immer noch gerne, es macht einfach für mich alleine nicht mehr überaus viel Spass. Und gewisse Gerichte lassen sich beim besten Willen nicht auf eine Person herunterbrechen.

Was mir auch nicht abhanden gekommen ist, ist die Freude, etwas  Neues auszuprobieren und/oder in der Küche meine Kreativität auszuleben.

Das Rezept von Tanja Grandits in der Coop Zeitung kam mir gerade recht. Herzhafte Cantucci? Ich liebe dieses harte Gebäck, kannte es bis anhin nur in diversen süssen Varianten. Nichts wie ran!

Das Rezept:

80 g weiche Butter und 150 g Zucker gut verrühren.
2 Eier dazugeben und mit 230 g Mehl, 1/4 TL Backpulver, der abgeriebenen Schale von 1 Zitrone, 2 EL Thymian, und 1/2 TL Fleur de Sel zu einem Teig verarbeiten.

Dann 60 g geriebener Parmesan, 50 g Pistazien, 40 g Kürbiskerne, 40 g Sonnenblumenkerne und 80 g ganze Mandel leicht anrösten und dazugeben.

Den Teig im Kühlschrank eine Stunde ruhen lassen, dann zu vier langen Stangen von 3 cm Durchmesser rollen. Die Menge reicht präzis für ein Blech. Die Rollen mit Eigelb bestreichen und bei 180 Grad 18 Minuten backen. Die Stangen auskühlen lassen, bei Bedarf einen Teil davon einfrieren (habe ich gemacht, so habe ich die nächsten Cantucci im Nu zubereitet).

Die Stangen leicht schräg in 1 cm dicke Scheiben schneiden und bei 150 Grad ca. 10 Minuten fertig backen.

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Die Kombination aus süss und salzig begeistert vermutlich nicht Jedermann, aber wie man der ziemlich leeren Guezlibüchs entnehmen kann, hat es zumindest meinem Besuch geschmeckt.

Im Original-Rezept wird noch Kreuzkümmel dazugegeben. Den mag ich nicht und hab ihn deshalb weggelassen. Ich studiere an alternativen Gewürzen rum. Vielleicht ein, zwei gepresste Knoblauchzehen, Bockshornklee-Samen, Curry.

Sonst noch gute Ideen?

Du musst jetzt endlich weg!

Ab und zu muss ich mal wieder eine Razzia veranstalten in meinem Kühlschrank. Ich habe nämlich beim Einkaufen immer noch nicht ganz begriffen, dass ich alleine bin. Ich kaufe meist zu viel ein. Manche Lebensmittel sind lange genug haltbar, manche eben nicht. Und weil es mir aus tiefstem Herzen widerstrebt, etwas Essbares wegzuwerfen, versuche ich, das zu vermeiden.

So ist mein heutiges Abendessen entstanden. Denn die Pastinaken wirkten bereits leicht angeschrumpelt. Dabei liebe ich diese nussige Gemüsewurzel, die ich in den Achtzigerjahren in England als Parsnips kennen gelernt hatte, über alles.

Also begann ich, eine Zwiebel klein zu würfeln, die Pastinaken zu schälen und etwas Butter in einem Topf zu schmelzen. Zwiebeln rein, zwei Handvoll Haferflocken mitdünsten, die gewürfelten Pastinaken hinzu und dann Flüssigkeit. Üblicherweise Gemüsebouillon. Aber heute nicht! Denn da dümpelte schon seit Monaten eine Dose alkoholfreies Bier in meinem Kühlschrank rum. Um genau zu sein, hatte ich das Bier sogar noch für meinen Mann gekauft, denn trotz seines veränderten Geschmackssinns, den die Chemo bei ihm hinterlassen hatte, konnte er sich ab und zu für ein Bier begeistern. Ich kippte kurzerhand die ganze Dose Bier in die Pfanne, goss noch etwas Wasser nach und überlegte mir, womit ich würzen könnte.

Mein Blick fiel auf das Raclette-Gewürz von Lidl. Diese Mischung aus Pfeffer, Knoblauch, Koriander, rosa Pfeffer, Muskatblüte und Orangenschalen hat es mir angetan. Wenn bloss die Gewürzmühle etwas besser funktionieren würde…!

Langer Rede kurzer Sinn: Die Suppe hat hervorragend geschmeckt. Und dieses blöde Bier ist endlich aus meinem Kühlschrank verschwunden.

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Das ungefähre Rezept für die Pastinaken-Bier-Suppe (ergibt ca. 5 Teller):

1 grosse Zwiebel, fein gehackt
2 Esslöffel Butter
3 Esslöffel Haferflocken
500 Gramm Pastinaken, klein geschnitten

Alles zusammen dünsten, ablöschen mit

5 dl Bier und 5 dl Bouillon

Nach ca. 20 Minuten Kochzeit pürieren und nach Belieben würzen und verfeinern. Die Suppe ist auch so schon wunderbar sämig. Mit 200 Gramm Crème fraîche schmeckt sie aber noch besser. Vor allem, wenn sich die Crème fraîche auch schon langsam ihrem Ablaufdatum nähert.

Apéro-Gebäck für Eilige

Man mische:

10 g getrocknete Steinpilze, im Cutter zu Pulver gemahlen
40 g weiche Butter
zwei Prisen Salz

Diese Mischung streiche man auf vier Scheiben getoastetes Brot und schneide dieses in mundgerechte Häppchen.

Fertig!

So schnell gemacht und so fein, dass es gegessen war, bevor die Idee für ein Bild heranwuchs.

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Deshalb hier das Bild eines engelhaften Pilz-Wesens, das dereinst den Weg vom Wald in meine Küche fand.

Florale Eier

Eier pochieren, das ist so eine Sache. Gut schmecken tun sie ohnehin, aber schön aussehen sollten sie auch. Und dazu gibt man einerseits Essig ins Kochwasser, andererseits rührt man leicht in der Pfanne rum, damit die aufgeschlagenen Eier möglichst kompakt bleiben.

Aber es geht auch einfacher! Ich gebe zu, es war nicht meine ureigene Idee, pochierte Eier in einer Silikon-Form zu kochen. Ich hatte spezielle Formen in einem speziellen Haushaltwaren-Geschäft zu speziell teuren Preisen entdeckt.

Da ward die Idee geboren! Schliesslich gibt es in meinem Haushalt Silikon-Formen. Und wieso es nicht mal mit diesen ausprobieren, bevor man sich in Unkosten stürzt?

Vorsichtshalber habe ich die Formen mit Öl ausgepinselt, bevor ich das Ei reingegeben und im leicht kochenden Wasser etwa 5 – 6 Minuten gegart habe.

Ich finde, meine pochierten Eier suchen ihresgleichen.

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Alpen-Sushi

Risotto habe ich für mein Leben gern. Das konnte man in diesem Blog schon mehrfach lesen. Risotto kochen ist ja eigentlich nicht aufwendig. Aber so ein einzelnes Portiönchen Risotto kochen ist irgendwie auch doof, deshalb mache ich neuerdings meist die doppelte Portion. Also gleich viel wie früher.

Aus den vorsätzlichen Resten bereite ich dann etwas Feines zu. Im vorliegenden Fall habe ich Risotto zusammen mit einem Salbei-Blatt in Südtiroler Speck eingewickelt und mit einer eher dünnen Bechamel-Sauce und Parmesan überbacken.

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Ich bin ganz begeistert von meinen Alpen-Sushi. Das nächste Mal werde ich etwas Schabziger an die Sauce geben, dann habe ich noch eine Alpen-Komponente mehr im Teller.

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Gekochter Risotto lässt sich ohne grosse Sauerei einfach zu Rölleli formen. Vielleicht nehme ich das nächste Mal statt Rohschinken oder dergleichen Rauchlachs. Dann werden daraus Norweger-Sushi.

Der Kassensturz hat übrigens mal aufgedeckt, dass das, was in der Migros als überbezahlter Sushi-Reis verkauft wird, nichts anderes als Arborio (also eine klassische Risotto-Reissorte) ist.

Inszeniertes Essen

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Food-Fotografen viele Tricks anwenden, damit das Essen im richtigen Licht erscheint. Und das Geheimnis ist ebenso offen, dass durch diverse Hilfsmittel das Essen meist nicht mehr geniessbar ist.

In der Betty Bossi Zeitschrift vom Mai wurde ein Rezept vorgestellt, für einen “Bündnernuss Dänemark”. Mit etwas Fantasie kann man sich auch ohne das dazugehörige Rezept vorstellen, was da hinein gehören soll.

Ich stelle mir lieber nicht vor, woraus der fotografierte “Schlagrahm” bestehen könnte. Oder die zufällig am Beckelirand herunterlaufende Schoggi-Sosse. Aber eines weiss ich gewiss: Ich würde meinen Gästen, wäre ich denn gewillt, ihnen diese nahezu 1’000 Kalorien schwere kulinarische Bombe vorzusetzen, sicher nicht ein derartiges Puff servieren.

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Sieht ja aus, wie wenn eine Bombe in diese Kalorienbombe eingeschlagen hätte!