Der allerallerletzte seiner Art

Nun ist es also soweit. Auch das letzte Teil hat das Zeitliche gesegnet. Mehr als mein halbes Leben lang hat es mich durch Höhen und Tiefen meines kulinarischen Wirkens begleitet. Etwas wehmütig habe ich mich von ihm getrennt. Und sehr pragmatisch bereits nach einem würdigen Nachfolger Ausschau gehalten. Was gar nicht so einfach war. Und ob ein neues Teil auch 35 Jahre lang hält, wage ich anzuzweifeln.

Jedenfalls hat der Gewürzstreuer, der in den letzten Jahren nur noch Salz enthielt und entsprechend oft nachgefüllt werden musste, ausgedient, da kaputt. Wer will schon riskieren, dass die ganze Ladung Salz auf einmal kommt?

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Mit diesem betagten aber altbewährten Salzstreuer ist nun auch das allerletzte Gewürzglas von mir gegangen.

Über sein bewegtes Leben und das seiner Mitstreiter gibt dieser ältere Blog-Beitrag Auskunft.

Abnehmen für Fortgeschrittene

Es gäbe wohl weniger dicke Leute, sagte der Bergler nach einer ausgiebigen Tour durch den steilen Bergwald, wenn jeder zuerst drei Stunden laufen müsste, um sein Nachtessen zu finden.

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Und wenn die Eierschwämmli – wie heute – auf den Felsen wachsen, ist das nötige Pensum an Dehnungsübungen auch gleich absolviert.

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En Guete!

Im Vorhof des veganen Olymps

Ich habe Verständnis für vegetarische Ernährung und respektiere diese Einstellung. Wer mir aber Mühe bereitet, sind die Veganer. Mir kommt das ganze Getue als Religion rüber. Und wieso muss es für alles ein Ersatzprodukt geben? Veganer Reibkäse. Vegane Wurst. Veganer Aufschnitt. Veganes Schnitzel. Wer gänzlich auf tierische Produkte verzichten will, soll es mit allen Konsequenzen machen. Dann gibt es halt kein Raclette und auch keine Wurst vom Grill, auch wenn sie noch so pflanzlich ist!

Nichts desto trotz, damit wir nicht zum hohlen Bauch heraus tröten, haben der liebe Bergler und ich heute einen Selbstversuch unternommen. Einfach so gwunderhalber. Mit relativ geringer Erwartungshaltung.

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Die Zutatenliste tönte jedenfalls nicht gerade Appetit anregend.

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Wir brieten das pflanzliche Konstrukt gemäss Anleitung, richteten es an, als sei es ein veritables Stück Fleisch, wünschten uns tapfer “En Guete” und bissen rein.

Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Bei weitem! Der Geschmack, der sich in unseren Mündern ausbreitete, hätte ebensogut von Holzspänen, gewürzt mit Bahnbord dritter Schnitt, Strassenstaub und einer Portion Tapetenkleister stammen können. Die ökologische Mehrweg-Gabel aus 100 Prozent Holzfasern, die ich vor kurzem an einem Take-Away erhielt, hätte sicher nicht schlechter gemundet.

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Fazit: Soll dieses vegane Zeugs essen, wer will. Wir bleiben bei richtigem Fleisch vom glücklichen Metzger.

Zum Glück gabs noch Pilzrisotto dazu. Nach altbewährtem Rezept von Frau Flohnmobil und mit selbstgesuchten Steinpilzen.

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Znacht mit zwei Barberas

“Da muesch es Fotti mache und in Blog stelle. Läck, das gseht so guet us!” Der liebe Bergler zeigte sich wahrlich euphorisch über unser bevorstehendes Nachtessen.

Gesagt, getan. Bittesehr:

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Was auf dem Bild (zugegeben nicht wahnsinnig professionellen Bild) nicht erkenntbar ist… vor lauter fotografieren, drapieren und Kerze anzünden zwecks Stimmung, wäre unser Festmahl beinahe kalt geworden. Aber nur beinahe. Profis wie wir richten selbstverständlich auf vorgewärmten Tellern an.

Dem Genuss der über Nacht in Barbera eingelegten und fast zwei Stunden lang geschmorten Lammhaxe stand nichts mehr im Weg. Himmlisch war nicht nur sie, sondern auch das edle Tröpfchen im Glas. Zum Wohl und en Guete!

Wenn der Zucker zuckt

Ohne Zucker geht gar nichts. Es gäbe weder Kuchen noch Ketchup (obschon ich auf Letzteres problemlos verzichten könnte). Manchmal staunt man, wo und vor allem wie viel Zucker in den Lebensmitteln ist. Aber was wäre unsere gute Schweizer Schoggi ohne Zucker?

Zucker kennt auf diesem Planeten verschiedene Daseinsformen. Ganz konventionell in Ein-Kilo-Säcken. In den Varianten weiss, braun, Bio, gemahlen, pulverisiert. Oder gestampft. Ich kann mich zwar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Würfelzucker gesehen habe. Und in allen möglichen Formen mehr oder weniger adrett in Beutelchen verpackt. Nett portioniert, mit keiner anderen Bestimmung, als im Kaffee zu landen.

Es gibt Leute, die sammeln Zuckerbeutelchen. Mir ist dieses Los verwehrt, schmeisse ich doch auswärts etwas Zucker in meinen Kaffee. Das Beutelchen kann noch so originell bedruckt oder in einer fantasievollen Form daherkommen, es wird nie den Weg vom Café zu mir nach Hause finden.

Anders bei den Kafirähmli. Es gab mal eine Zeit, da sammelte ich diese bunt bedruckten Deckelchen. Und dies, obschon ich seit Jahrzehnten meinen Kaffee schwarz trinke. Man begeht ja so manche Dummheit in seinem Leben. Noch immer staune ich ab der Vielfalt der Kaffeerahm-Deckelchen und darüber, dass sich die Hersteller auch nach mehreren Jahrzehnten immer noch mehrmals pro Jahr Neues einfallen lassen.

Ich könnte mein Haushalts-Budget massiv aufpeppen, indem ich jeweils das Kafirähmli, das ich nie brauche, mit heim nehme. Seit mir mal so eines in der Handtasche ausgelaufen ist, bin ich von dieser Idee nicht mehr zu begeistern. Vielleicht sollte ich damit beginnen, Kafilöffeli zu sammeln. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sauber, pflegeleicht, kein Verfalldatum und auch sonst sehr robust.

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Lachs aus den Schweizer Bergen

Etwas vom Besseren, das in diesem Land produziert wird – sieht man mal ab von den leckeren Pilzen, die derzeit in den Wäldern wachsen – ist Lachs aus Lostallo.

Lachs aus einem Binnenland wie der Schweiz? werden sich nun fachkundige Leserinnen und Leser fragen. Zuchtlachs kommt üblicherweise aus grossen Käfigen irgendwo vor den Küsten Norwegens oder Chiles.

Lostallo Lachs dagegen wird in einem geschlossenen Indoor-System produziert. Er ist zwar nicht Bio zertifiziert, kommt aber ohne Chemikalien und Antibiotika aus.

Es darf kein Geheimnis draus gemacht werden: Der Lachs ist teuer. Aber er schmeckt hervorragend. Sei es als Frischfisch oder geräuchert. Besonders der Rauchlachs hat es mir angetan, er ist wesentlich weniger gesalzen als wie man es sonst beim Lachs vom Grossverteiler kennt.

Wann immer der liebe Bergler und ich im Misox sind, leisten wir uns eine solche Delikatesse. Solltet ihr mal Gelegenheit haben, Lostallo-Lachs zu probieren (diesem kulinarischen Erlebnis kann man ja durchaus etwas nachhelfen) – unbedingt!

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Gwundrig gmacht? Hier geht es zur Website.

Kulinarischer Irrtum

Als man uns auf der mehrtägigen Wanderung im Tessin letzte Woche als Vorspeise ein “Risotto ai Frutti di Bosco” ankündigte, gingen wir alle davon aus, dass diese Früchte des Waldes Pilze sein würden. Weit gefehlt! Im Teller kam es ungewohnt farbig daher, es schienen sich tatsächlich einzelne Beeren in der violetten Risotto-Masse zu tummeln.

Wir kosteten – und waren Alle begeistert! Es begann das grosse Rätselraten, wie ein solcher Risotto herzustellen sei.

Ich habe im Internet ein Rezept gefunden. Leider auf italienisch, aber so etwas stellt – zumindest mit etwas Fantasie – heutzutage keine grossen Hürden mehr dar.

Hier das Rezept aus DIESEM BLOG (es darf ausprobiert und geschmunzelt werden):

Zutaten

    Carnaroli-Reis 360 g
Gemüsebrühe 1 l
Heidelbeeren 50 g
Brombeeren 50 g
Rote Johannisbeere 50 g
Himbeeren 50 g
Taleggio 200 g
Creme 200 ml
Rosa Pfeffer 1 Prise
Schalotte 1 Nelke
Rotwein Ein halbes Glas
Butter 50 g
Olivenöl extra vergine q.b.
Grana Padano DOP q.b.

Vorbereitung

    Zuerst beginnen wir mit wilden Beeren: Spülen Sie sie unter kaltem, fließendem Wasser ab und schlagen Sie sie dann mit einem Mixer, bis eine weiche Sauce entsteht. (Für das endgültige Siegel etwas Obst beiseite legen).

    Die Schalotten hacken und in einer Pfanne bei schwacher Hitze mit etwas nativem Olivenöl extra anbraten, ohne es zu verbrennen.

    Erhöhen Sie die Hitze leicht, fügen Sie den Reis hinzu und rösten Sie ihn 2-3 Minuten lang, bis er transparent wird. Den Rotwein dazugeben.

    Lassen Sie den Wein verdunsten und fügen Sie die Brühe hinzu (schön warm, empfehle ich!). Während des Trocknens wird das Risotto zum Kochen gebracht (15 – 17 Minuten).

    Nach der Hälfte des Garvorgangs unsere Waldbeersauce hinzufügen und gut mischen. Sie werden dieses Parfüm spüren!

    Während der Reis kocht, können wir uns unserem Fondue widmen: In einem Topf die Sahne aufkochen, vom Herd nehmen, den gewürfelten Taleggio-Käse und eine Prise rosa Pfeffer dazugeben. (Sie können wählen, ob Sie gut mit einem Schneebesen mischen oder alles mit einem Mixer verquirlen, um eine weniger dichte Sahne zu erhalten.)

    Sobald das Risotto al dente ist (bitte versuchen Sie es zu verstehen), nehmen Sie es vom Herd, rühren Sie die Butter und dann das Grana hinein und mischen Sie alles gut durch, um die Zutaten zu mischen.

    Servieren: In einem Servierteller gießen wir das Taleggio-Fondue in die Mitte, legen eine runde Coppapasta in die Mitte und verteilen unser Wildfruchtrisotto. Wir schließen die Dekoration mit beiseite gehaltenen Beeren und einem Minzblatt ab.

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Unser Risotto mag vielleicht nicht exakt nach diesen Vorgaben gekocht worden sein, uns jedoch hat es geschmeckt. Und unsere Vorturnerin war nur schon von der Farbe des Gerichts hin und weg.

Frau Flohnmobil wünscht allen experimentierfreudigen Köchinnen und Köchen EN GUETE.

Kulinarisches Unkraut

Es war ein Experiment. Ich wusste, und das seit Jahren, dass man sie essen kann. Hatte es aber noch nie getan. Angesichts eines gewissen Überangebots und der Gewissheit, dass hier kein Hund hingepinkelt hatte, begann ich – mit entsprechendem Werkzeug – die Ernte.

Ich erntete nur die Spitzen und selbst diesen schnitt ich in der Küche – noch immer mit dem entsprechenden Werkzeug – die dicken Stängel ab. Ich wollte nichts, gar nichts (an)brennen lassen an diesem kulinarischen Experiment. Und so schaute ich, das Unkraut war längst in der Pfanne, noch kurz im Internet nach, wie aus diesem Grünzeug denn etwas Schmackhaftes herzustellen sei.

Ich stellte fest, dass ich auf dem richtigen Weg war, hatte ich doch zuerst eine Schalotte im Olivenöl angedämpft, bevor ich das Kraut in die Pfanne warf, es dünstete, etwas Bouillon beigab und nach zehn Minuten die wohl matchentscheidenden zwei Esslöffel Doppelrahm unterrührte.

Moll-moll, so kann man Brennnesseln essen. Wir können uns sogar vorstellen, beim entsprechenden Überangebot mal wieder aus diesem gratis Wildkraut Spinat herzustellen.

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Minenfeld Küche

Wer schon mal in einer fremden Küche gewirkt hat, der weiss, dass das Kochen schnell zur Nebensache verkommt. In erster Linie ist man nämlich am Suchen. Wo ist der Sparschäler? Gibt es einen Deckel zu diesem Topf? Waaas, kein frischer Muskat in der Gewürz-Schatulle?

Ich weiss, wovon ich rede. In meiner “Karriere” als Housesitter betätigte ich mich über Wochen hinweg in fremden Küchen. Notabene ohne die Eigentümer fragen zu können, was wo ist. Aber selbst wenn die Besitzer anwesend sind, ist kochen in fremden Küchen kein Selbstläufer. Auch nach mehreren Ma(h)len nicht.

Das schlimmste Minenfeld in einer Küche, das zeigt die jüngste Erfahrung, offenbart sich erst nach dem Essen. Dann nämlich, wenn man – versucht! – den Geschirrspüler einzuräumen. Da gibt es praktisch nichts, das man richtig machen kann. Wehe dem Teller, der sich erdreist, im falschen Gitter des Spülvorgangs zu harren!

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Kulinarische Erkenntnis

So eine Zwiebel ist ein ganz schön hartnäckiges Ding!

Zusammen mit diversen Gemüsen und einem 1,3 Kilo schweren Rindsbraten eingelegt, ist sie die Einzige, die sich ihren vornehm blassen Teint erhalten konnte. Lediglich an den Schnitt- bzw. Einstichstellen konnte die Farbe etwas eindringen. Und das nach immerhin einer ganzen Woche in einer Beize aus kräftigem Rotwein und Rotwein-Essig.

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Was aus diesem Langzeit-Aufenthalt im Rotwein geworden ist, habe ich vor kurzem meinen Gästen als “Suure Mocke” serviert. Sie waren alle hellauf begeistert. Und weil dieses Rezept aus der legendären Kochsendung “Al Dente” nicht im Netz auffindbar ist, schreibe ich es hier kurz nieder:

1 kg Rindsbraten
100 g Sellerie in Würfeln
1 Rüebli, in Würfeln
1 Zwiebel, besteckt mit 1 Lorbeerblatt und 2 Nelken
1 kleiner Lauch, in Stücken
1 Zweiglein Rosmarin
2 Zweiglein Thymian
1 Zimtstange
1 Liter Rotwein
1/2 dl Rotweinessig

Alle Zutaten in einem weiten Gefäss mischen. Fleisch in die Beize geben, damit es vollständig mit Flüssigkeit bedeckt ist, mit einem Teller beschweren. Zugedeckt im Kühlschrank ca. 5 Tage beizen, 2-mal wenden. Fleisch und besteckte Zwiebel aus der Beize nehmen, Beize absieben, aufkochen, Schaum abschöpfen. Beize für die Sauce beiseite stellen.

Und dann….

2 Teelöffel Salz
1 Teelöffel Pfeffer aus der Mühle
Bratbutter zum Anbraten
300 g Rüebli, in Scheiben
150 g Stangensellerie, in Scheiben
150 g Lauch, in Ringen
2 Esslöffel Tomatenpüree
1 Zweiglein Rosmarin
2 Zweiglein Thymian
6 weiche Dörrbirnen
1 Zimtstange
1 dl Fleischbouillon

Fleisch trocken tupfen, würzen. Bratbutter in einem Brattopf heiss werden lassen. Fleisch rundum bei mittlerer Hitze ca. 8 Minuten anbraten. Braten herausnehmen. 

Rüebli, Stangensellerie und Lauch in derselben Pfanne andämpfen. Tomatenpüree, Rosmarin und Thymian kurz mitdämpfen. Dörrbirnen und Zimt beigeben. Bouillon und beiseite gestellte Beize dazugiessen, aufkochen, Fleisch und die besteckte Zwiebel wieder beigeben.

Zugedeckt ca. 3 Stunden im 150 Grad heissen Backofen schmoren. Braten 2-mal wenden. Besteckte Zwiebel, Kräuter und Zimtstange herausnehmen. Ca. die Hälfte des Gemüses mit ca. 2 dl Sauce pürieren, wieder zur Sauce giessen, mischen, würzen.

Den Braten in dünne Tranchen schneiden,  mit Sauce und – so meine Variante – zusammen mit einem Härdöpfel-Sellerie-Stampf anrichten.

Gewiss kein Gericht für die eilige Köchin. Aber total Mmmmmh!