Gartenprojekte (1)

Es hatte das Potential zum Grossprojekt, ganz klar. Als der liebe Bergler und ich zur Schaufel griffen, waren wir guter Dinge und wild entschlossen, auf dem Komposthaufen Kürbisse zu pflanzen. Ich hatte zweierlei Setzlinge besorgt (wen es interessiert: Butternut und Oranger Knirps) und diese verbuddelten wir beim Ferienhaus des Berglers im Misox auf dem Misthaufen. Kürbisse wachsen schliesslich auf dem Mist. Gratis und franko. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis waren wir die kommenden Wochen nicht mehr anwesend und die beiden Kürbis-Setzlinge – seinerzeit stattliche Erscheinungen – ihrem Schicksal überlassen.

Die Spannung war gross, als wir vier Wochen später wieder vorfuhren und im Licht der Dämmerung versuchten, die Gewächse auszumachen. Nichts mehr! Absolut gar rein nichts mehr! Wir hatten uns die ganze Zeit Sorgen gemacht, ob die Pflanzen wohl genügend feucht hätten. Dabei waren es die Schnecken, die ihnen den Garaus gemacht hatten. Ausser dem gerade noch auszumachenden Haupttrieb war keine Blattfaser mehr zu sehen.

Einziger Beweis, dass da mal zwei Kürbis-Pflanzen hätten gedeihen sollen, waren die beiden Beschriftungs-Täfelchen von den Töpfen, die wir in kluger Voraussicht bei den Pflanzen eingesteckt hatten, damit wir sie unterscheiden konnten. Grotesk, ja geradezu makaber wirkten sie. Wie zwei Grabsteine.

Die Schnecken hatten ganze Arbeit geleistet. Und wir werden wohl oder übel unsere Kürbisse kaufen müssen. An Bezugsquellen mangelt es in der Heimat ja wahrlich nicht,

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Vermeintlich entsorgt

Als ich gerade mal 17 Jahre jung war, kam die grosse Welle des biologisch Gärtnerns auf. Mag sein, dass sie schon früher in Erscheinung trat, ich jedenfalls bemerkte sie erst in besagtem Teenager-Alter.

Es leuchtete mir sofort ein, dass sich – analog den Menschen – gewisse Pflanzen nebeneinander besser vertragen, andere schlechter. Es war für mich auch durchaus nachvollziehbar, dass man aus Brennnesseln eine Brühe herstellen konnte, die den Pflanzen allerlei Gutes antat. Und erst recht leuchtete es mir ein, dass es galt, den Boden nicht nackt zu halten, da es so etwas in der Natur auch nicht gibt. Kahl gejätete Böden gehörten – wäre es nach mir gegangen – der Vergangenheit an.

Das sahen meine Eltern etwas anders. Meine Bemühungen um einen naturnahen Schrebergarten wurden ständig untergraben. Weder für Mischkultur noch einen Quadratmeter Blumenwiese waren sie zu haben. Noch nicht mal in meinem eigenen Gemüsebeet durfte ich mein Unwesen treiben. Was ich dort zu praktizieren trachtete, war in ihren Augen einfach nur ein unmotiviertes Durcheinander. Was sollten denn die Nachbarn denken!

In der selben Epoche war ich auch emsig mit Stricken beschäftigt. Das schafft zwar keinen unmittelbaren Zusammenhang zum Garten, doch wenn ihr, liebe Leserinnen und Leser, weiterlest, werdet ihr bald des Tatbestandes fündig werden. Versprochen!

Mit viel Routine und noch mehr Wolle war ich stets damit beschäftigt, irgend etwas Brauchbares zu stricken. Einmal hätte es ein Baby-Finkli werden sollen (Finken in der Schweiz pfeifen übrigens nicht, sondern sind unsere Bezeichnung für Hausschuhe). Das Werk war schon etliche Reihen weit gediehen, als ich merkte, dass da irgend etwas nicht stimmen konnte. Ich betrachtete das grüne Etwas von allen Seiten und beschloss, mich davon zu trennen. Das Zeitalter, in dem man Pullover aufdröselte, die Wolle wusch, sie neu aufrollte und dann etwas Neues daraus strickte, waren vorbei. Und schliesslich handelte es sich lediglich um ein paar Meter grüne Babywolle. Also entsorgte ich das wollene Missgeschick artgerecht.

Noch im selben Herbst schichtete mein Vater im Garten den Komposthaufen um und stiess auf ein undefinierbares Knäuel. Seither weiss ich, dass das Naturprodukt Wolle mehr als nur ein paar Wochen braucht, um komplett zu verrotten.

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Reif für den Kompost

Das ist alles, was noch von meinem Basilikum übriggeblieben ist:

Ich habe ihn vor unseren Skiferien kompostiert. Einfach so in hohem Bogen in den Grünkübel geschmissen. Hätte es Alternativen zu diesem abrupten Ende gegeben? Durchaus.

Ich hätte ihn noch ein paar Tage länger in der guten Stube hätscheln können. Er hätte mich jeden Tag etwas bleicher angeblinzelt. Schon seit mehreren Wochen war er nur noch ein Schatten seiner selbst. Nie mehr so satt grün, wie als er noch täglich eine üppige Ration Sonnenschein zu sich nehmen konnte.

Ich hätte ihn zu Pesto verarbeiten können. Dazu habe ich irgendwie den richtigen Moment verpasst. Welches Sonnenkind würde im novemberlichen Nebelgrau intensiven Geschmack entwickeln?

Und zu guter Letzt hätte ich ihn noch meiner Nachbarin vermachen können. Sie, die mich immer so um mein üppig grünes Gewächs beneidet hatte („Das muss am Standort liegen; ich stelle meinen Stock jetzt dann auch mal zu deinem hin“). Selbst in seiner desolaten Erscheinungsweise wäre es immer noch eine gewaltige Steigerung gegenüber dem gewesen, was sie den Sommer über unter dem Begriff „Basilikum“ zu Tode gepflegt hatte.

Aber man kann nicht immer nett sein.