La vita è bella

Es war noch dunkel, als ich ihn zum ersten Mal sah. Uns stand eine lange Reise bevor und eine Wanderwoche in den Abruzzen. Er war wie ich einer der vier Teilnehmer dieser Wanderwoche. Er war nett. Aber nicht mehr.

Nie hätte ich gedacht, dass ich mit ihm zusammen exakt ein Jahr später die Ausstellung des Pilzvereins in Einsiedeln besuche. Als Paar.

La vita è bella!

20190915_125937

2 Jahre danach

Mein lieber Mann

Heute sind es zwei Jahre her, seit du in meinen Armen von deinen Leiden erlöst wurdest. Es war der Tag, an dem mein neues Leben anfing. Das Leben ohne dich.

So vieles ist seither geschehen. Das Leben hat es gut mit mir gemeint. Ich fiel weder in das tiefe Loch, das mir prophezeit wurde, noch vergrub ich mich daheim. Ich lernte neue Leute kennen, die ich heute meine Freunde nennen darf. Und ich traf den Mann, an dessen Seite ich mir eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann.

Du musst nun mein Herz mit ihm teilen. Aber für dich wird es immer Platz haben.

In Liebe und Dankbarkeit
Deine Bea

DSC08463

Auf dem Viehmarkt

“Nimm doch d’Bea.” Sinngemäss kam es wohl so rüber, wenngleich sie es bestimmt nicht wörtlich gesagt hatte. Die Aufforderung galt einem Bekannten von ihr, der eben erst eine Beziehung beendet hatte, die zunehmend kompliziert wurde. “Weisch, d’Bea hät kei Altlaste. Da gitts weder en ifersüchtige Ex-Partner no Chind, wo chönnted schwierig tue.”

“Nimm doch d’Bea.” Hallo? So einfach geht das nicht! Ich werde ja schliesslich nicht feil geboten auf einem Viehmarkt.

Wer mein Herz erobern will, muss sich schon etwas einfallen lassen. Jawohl!

DSC01205

Mein Schatzkästchen

Mein Mann war ein Mensch der Taten und Worte. Kein Theoretiker. Von unbarmherzigen Umständen in seiner Jugendzeit geprägt, stand er mit beiden Beinen im Leben. War sehr nüchtern. Zu meinem Leidwesen nur bedingt romantisch. Lesen und Schreiben war ausserhalb des beruflichen Alltags nicht so sein Ding. Nur in den Anfängen unserer Beziehung schrieb er mir. Dafür fast täglich.

Diese Briefe, Karten, Zitate, ironischen “Vermisstanzeigen”, sie alle habe ich aufgehoben. In einer Schachtel, die mein Mann mir mal als Geschenk von einer Geschäftsreise nach Paris mitbrachte.

Als wir nach einem halben Jahr zusammenzogen, kam der Postfluss abrupt zum Stoppen. Fortan bedurfte es besonderer Anlässe, damit ich in den Genuss einiger Zeilen kam.

Die Karte zu meinem 31. Geburtstag hatte mein Mann selber gestaltet. Er verwendete damals Rubbelbuchstaben (weiss jemand hier überhaupt noch, was das ist?) und schrieb mir in geschwungenen Lettern diesen Satz, der mich noch immer tief berührt und trotz der ganzen Nüchternheit, die mein Mann für Aussenstehende mitunter ausstrahlte, seine tiefe Liebe zu mir zum Ausdruck brachte.

Du bist meine Lebensquelle.
Ich trinke von Dir und bin ewig durstig.

Heute wäre unser 20. Hochzeitstag.

IMG_1457

Auf der Strasse der Liebe

Da liegen sie. Mitten in zerknüllten Bettlaken. Die Kleider rund um ihr Bett verstreut. Jeden Meter etwas. Höschen, BH, Hemd, Jacke, ein Gürtel. Muss das eine heisse Nacht gewesen sein!

Und immer wenn sie aufwachen, liegen sie sich in den Armen. Halten sich fest umschlungen, als müssten sie aufpassen, dass keiner abhandenkommt.

Jedenfalls im Film. Denn jeder, der schon mal in den Armen seines Partners gelegen ist, weiss:

Das mag romantisch sein, aber sackunbequem!

Nach spätestens zehn Minuten fault dir oder dem Anderen ein Arm ab, wird des Andern Schulter zu hart oder das Bein zu schwer. Garantiert. Oder du schwitzt dich zu Tode. Kein vernünftiger, anatomisch korrekter Mensch hält solche Verrenkungen um seinen Partner lange aus.

Oder bin ich schon zu lange verheiratet?

Vollmond in Australien

Es war einer jener unvergleichlich romantischen Momente. Fast zu schön, um wahr zu sein. Mit gewissem Hang zum Kitsch. Er. Ich. Laue Temperaturen. Das Rauschen des Meeres. Der gewaltige Sternenhimmel über Australien.

„Du-u“, fragte ich meinen innig geliebten Mitreisenden, während ich mich an seine Seite kuschelte, „meinst du, zu Hause ist heute auch Vollmond?“

Der Mitreisende, mit viel Talent ausgestattet, wenn es drum geht, romantische Situationen abrupt zu beenden, schaute mich mit einem schwer zu deutenden Lächeln an. „Logo, was denn sonst.“ Die Antwort kam ohne zu zögern und mit einer Vehemenz, die Gegenfragen zwecklos erscheinen liessen.

Ich dagegen vermochte das nicht auf Anhieb zu glauben. Schliesslich sieht man von der südlichen Hemisphäre aus auch nicht die gleichen Sterne, wie daheim, war meine Argumentation. Wieso also sollte in Australien am gleichen Tag Vollmond sein wie in Europa?

„Weil es einfach so ist.“ Der Mitreisende wusste zwar auch nicht warum, aber er war felsenfest der Ansicht, dass es auf der ganzen Welt am gleichen Tag Vollmond ist. Aus. Basta. Ich dagegen grübelte weiter darüber nach, wer Recht hatte. Die romantische Stimmung war nüchternem Denken gewichen.

Und wisst ihr, was das Schlimmste war: Der Mitbewohner hatte Recht. Wenn also heute – sollte sich die Wolkendecke doch noch lichten – der Vollmond zum Vorschein kommt, dann haben die Australier ihre Vollmondnacht bereits hinter sich.

Die passende Prognose

Heute ist mir die folgende Prophezeiung in die Hände geraten:

Bereits zu Monatsanfang sorgt der Kosmos für aufregende Stunden zu zweit. Amor schiesst einen ganzen Köcher voller Liebespfeile auf Sie ab, und das bedeutet pure Leidenschaft. Von kuscheligen Schmusereien auf dem Sofa bis hin zum Tanz auf dem Vulkan – da bleiben weder emotionale noch erotische Wünsche offen.

Ach hätte ich das doch früher gelesen! Es handelt sich bei der Prophezeiung um mein Horoskop. MEIN HOROSKOP FÜR DEN GANZEN AUGUST und mehr als die Hälfte des Monats ist schon um.

Was habe ich alles verpasst! Verregnete Vollmondnächte. Eine Schnudernase auf dem windumtosten Parkbänkli am See. Innige Umarmungen unter dem Regenschirm. Hochromantische Spaziergänge in Gummistiefeln.

Ich gelobe Besserung. Im August 2012 werde ich das Horoskop wieder hervornehmen und mich dran halten. Es sei denn, ich ergattere bis dann ein anderes Horoskop, das mir ähnlich gut gesinnt ist.