Beschildert geschildert (115)

Auf Umwegen erreichte mich dieses Bild, das – wenn auch kein Schild im herkömmlichen Sinn – trotzdem in meine Serie passt. Es wurde vor wenigen Tagen in Lissabon aufgenommen. Wie ich die Fotografin kenne, dürfte es dort wesentlich wärmer gewesen sein als in den heimatlichen Gefilden.

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Das Bild erinnert mich daran, dass uns 2011 in der portugiesischen Hauptstadt mitten auf einem praktisch menschenleeren Platz beinahe die Video-Kamera geklaut worden wäre.

Mein Mann bemerkte plötzlich, wie seine Umhängetasche leichter wurde. Da war der Dieb bereits am Werk, hatte beide Verschluss-Schnallen der Tasche geöffnet und hätte als nächstes die Video-Kamera unter einer Art Umhang verschwinden lassen, den er über seine Schultern trug. Als mein Mann laut wurde, liess der Dieb von ihm ab, drehte sich um und setzte eine Unschuldsmiene auf. Was hätten wir machen sollen? Bestimmt nahm der Taschendieb schon wenige Minuten später ein neues Opfer ins Visier.  

In der Hauptstadt

Lissabon – „Lisboa“, wie man hierzulande sagt, ist die leicht abgeblätterte Metropole Portugals. Dreimal nahmen wir den Weg vom Campingplatz in die Innenstadt unter die (fremden) Räder. Wir machten eine Stadtführung mit dem Bus, wo man uns an berühmte Orte wie den Turm von Belem, das Altstadtquartier Alfama, die Avenida Liberdad etc. führte. Während zwei Tagen erkundeten wir Lissabon auf eigene Faust. Wir fuhren mit dem berühmten Electrico 28, dem altersschwachen Trämli, das sich durch die engen, steilen Gassen windet. Nach einer Fahrt mit dem über hundertjährigen Aufzug Santa Justa konnten wir über die Dächer Lissabons schauen. Jedenfalls über einen Teil der 2-Millionen-Metropole, die auf sieben Hügeln verteilt am Ufer des Tejo liegt. Wir spazierten über die spiegelblank polierten, zweifarbigen Kopfsteinpflaster aus Kalkstein und Basalt, die so typisch nicht nur für Lissabon sondern für ganz Portugal sind.

Wir staunten über die zahlreichen Monumente. Einen gewissen Hang zum Grössenwahn kann man den Portugiesen in diesem Zusammenhang nicht absprechen. Um das Monument des Marqes de Pombal, der von einer riesigen Marmor-Säule aus die Avenida Liberdad herunterschaut, führt ein fünfspuriger (f-ü-n-f!!!) Kreisel. Nicht weniger gigantisch ist beispielsweise das Denkmal (welcher König war es denn schon wieder?) an der Praca do Comercio.

Und natürlich haben wir von den weltberühmten Pasteis de Belem gekostet. Mehrfach. Und dabei herausgefunden, dass man diese Küchlein am besten frisch und leicht lauwarm gleich vor Ort isst. Auch wenn das Café mit über 500 Sitzplätzen in mehreren Räumen etwa den Charme eines Bahnhofbuffets verströmt. Mit nach Hause nehmen bringt’s nicht. Abgekühlt werden die Küchlein schnell blechig-pappig.

Nach drei Tagen waren wir gesättigt von dem Trubel, Verkehrschaos und Lärm der Grossstadt. Wir verliessen Lissabon nordwärts. Ruhe und Beschaulichkeit war angesagt. Die fanden wir an der Lagoa de Obidos. Während sich jenseits der Düne der Atlantik mit grossen Krachern austobt, ist hier das Wasser ruhig. Und warm? Wir wissen es nicht – noch immer steht das erste Eintauchen ins Salzwasser an.

Nach klingenden Namen wie Nazare (berühmtestes Seebad am portugiesischen Atlantik, aber definitiv too busy für uns), Batalha (riesiges Kloster) und Tomar (zweistöckiges Äquaduct aus dem Mittelalter, Tempelritterburg und angeblich schönster Ort Portugals, aber momentan EINE Baustelle) sind wir nun in einem Ort, der in keinem Reiseführer erwähnt ist. Dabei ist Serta ein durchaus beschaulicher Ort am Zusammenfluss zweier Flüsse in der Serra de Alvelos. Die Beschaulichkeit hatte aber gestern zur Unzeit ein abruptes Ende gefunden. Weshalb, soll hier noch nicht verraten sein.

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Perfekt installiert und inszeniert

Für 5.60 Euro hat sich uns heute das Tor nach Lissabon geöffnet. Über die gigantische Ponte da Vasco da Gama sind wir von Osten her über den Tejo gefahren. Hier ein paar Auszüge aus Wikipedia:

Sie ist mit 17,185 km eine der längsten Brücken der Welt und die längste in Europa. Die maximale Spannweite beträgt 420 Meter, die Pylone sind 155 Meter hoch. Über die Brücke führt die Autobahn A12 mit sechs Fahrstreifen. Die Brücke wurde (teils privat, teils durch EU-Hilfen finanziert) zwischen 1995 und 1998 zur Weltausstellung Expo 98 erbaut, um die Ponte 25 de Abril sowie weitere Infrastrukturen Lissabons vom Nord-Süd-Verkehr zu entlasten.

Über die meist mindestens dreispurige und total leere Autobahn (die Portugiesen haben wohl etwas vorgeschlafen für die Sause heute Abend) hat uns das Navi in den Campingplatz am Rande eines Parks gelotst. Hier sind wir für die nächsten Tage einquartiert. Der Campingplatz liegt 5 km ausserhalb des Zentrums und verfügt über einen sehr hohen Ausbau-Standard. Die Plätze für Womis sind parzelliert, man steht auf betoniertem Untergrund und zu jedem Stellplatz gehört ein eigener Tisch, Wasserhahn mit Ausgussbecken, Steckdose und ein Abfalleimer. Und das alles für 24 Euro. Wir stehen angenehm im Schatten unter grossen Eukalyptus-Bäumen. Dank der perfekten Infrastruktur kommt es mir nicht nur vor wie in Australien, es riecht auch so. Käme nun noch ein Känguru daher gehüpft oder würde mich ein wuscheliger Koala schläfrig anblinzeln – die Illusion wäre perfekt.

Nach dem Einrichten haben wir als erstes die Waschmaschine gestürmt. Nach 2 ½ Wochen roch die Bettwäsche schon langsam aber sicher nicht mehr so ganz frisch und der Sack mit den miefenden Kleidern hat sich auch stetig gefüllt.

Alles hat bis jetzt tip-top geklappt. Wir können der Stadtbesichtigung Lissabons und dem Umzug heute Abend, der zu Ehren des Stadtheiligen Sao Antonio durchgeführt wird, gelassen entgegenschauen. Solltet ihr längere Zeit nichts mehr von mir hören, so sind wir wahrscheinlich im Trubel untergegangen.

Ach ja, was ich noch sagen wollte: Lissabon sonnig, 27 Grad.