Es isch emoool

So haben die Märchen angefangen, die Trudi Gerster in ihrem markanten Ostschweizer Dialekt erzählt hat.

Ob die Geschichte vom dummen Negerlein auch mit “es isch emoool” * anfängt, weiss ich nicht, denn ich habe keinen Plattenspieler, auf dem ich die Single noch anhören könnte.

Aber mit Sicherheit weiss ich, dass das Geschichtlich aus heutiger Sicht politisch nicht ganz korrekt ist. Egal wie es ausgeht.

IMG-20190916-WA0002

* es war einmal.

Glückspilz

Nachdem in den vergangenen Tagen immer mal wieder ein paar Regenschauer übers Land gezogen waren, konnte die Natur endlich auftanken. Nun waren zwar die Wege nicht mehr so staubtrocken wie in den vergangenen Wochen. Doch was soll’s – wandern im Frühling ist auch mit dreckigen Schuhen eine gefreute Sache.

Überall grünte es, Vögel zwitscherten, Bächlein murmelten. War das herrlich! Plötzlich am Wegesrand. Nein das konnte nicht sein! Doch? Ich rieb mir die Augen – sie standen immer noch dort. Morcheln! Wow, die Frühlings-Delikatesse unseres Waldes schlechthin. Da ich nie ohne irgendein klitzekleines Plastiksäcklein aus dem Haus gehe, begann ich, die paar Pilze einzusammeln und in den Sack zu stecken. Ja, ich weiss, das sollte man nicht tun, Pilze müssen atmen können. Aber es war ja nur für kurze Zeit. Nur bis wir wieder zu Hause sein würden.

Während ich so am Boden kauerte und die Pilze einsammelte, schweifte mein Blick umher. Als Pilzler macht man das automatisch. Könnte ja sein, dass… Hey und wirklich, ein paar Meter weiter lugten noch weitere Morcheln aus dem braunen Boden. Und daneben noch mehr, und dort weiter hinten. Bea im Glückstaumel. Ich kam aus dem Sammeln nicht mehr heraus, füllte das Plastiksäcklein, sämtliche Hosen- und Jackentaschen und ging glücksselig mit meinem edlen Fund nach Hause.

An dieser Stelle muss ich leider einen abrupten Wechsel vom Reich der Märchen und Sagen in die Realität vornehmen. Nicht nur, weil es bis jetzt viel zu wenig Niederschläge gegeben hat, sondern weil es mir noch nie beschieden war, einen solch kapitalen Morchel-Fund zu machen. Ein, zwei Exemplare am Wegesrand vielleicht, aber definitiv nur Zufallstreffer. Da nützen alle Pilzbücher mit ausführlichen Beschreibungen, wo und unter welchen Bedingungen Morcheln wachsen, nichts. Was Morcheln betrifft, bin ich definitiv kein Glückspilz.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so suchen sie noch heute.