Walliser Ostern

Die Idee zu dieser Wanderung wurde im Januar geboren. Ein vorgängiges Fühler ausstrecken ergab, dass durchaus Interesse bestand, an Ostern einen Mehrtäger zu machen. Also legte ich los, plante, klärte ab und heraus kam Folgendes:

Am Karfreitag fahren wir mit dem Zug bis Martigny und folgen von dort zuerst dem Verlauf der Dranse und anschliessende der Rhone, bis wir auf die andere Talseite gelangen können.

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Dort geschieht das, was auch in den nächsten zwei Tagen mehrmals vorkommen wird: Ich schlage den falschen Weg ein.

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Dieser Umweg von einer guten Stunde erweist sich jedoch als sehr lohnend, kommen wir doch – was wir nicht ahnen konnten – einzig auf diesem Abschnitt in landwirtschaftlich ungenutztes Gebiet. Entsprechend vielfältiger ist die Flora.

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Mittagsrast inmitten von Orchideen – hoch über dem Rhonetal.

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Irgendwann fädeln wir doch noch in die vorgesehene Route ein. Was für eine grandiose Reben-Arena!

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Der Kastanienwald bei Fully mit seinen bis 300 Jahre alten Bäumen strahlt irgendwie Würde und Gelassenheit aus.

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In krassem Kontrast dazu stehen die Apfel-Plantagen, die kurz vor Erreichen unseres Tagesziels den Weg säumen.

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In La Sarvaz sind wir gut aufgehoben.

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Die Anlage besteht aus Campingplatz, einem etwas zu noblen Restaurant, Hotelzimmern und Massenlager. Die sauberen Sanitär-Anlagen teilt man sich mit dem Campingplatz-Gästen.

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Unser Achterschlag gleicht eher einem Möbellager mit seinen vier Etagenbetten, einem Tisch mit zwei Stühlen, einem offenen Regal (das wir in den Gang verbannen und dort unsere fein duftenden Schuhe hinstellen) und dem Schrank mit dem einen Kleiderbügel.

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Nach einem mehr oder weniger erholsamen Schlaf, der beim üppigen Frühstücksbuffet für viel Gesprächsstoff sorgt, machen wir uns auf den Weg nach Saillon. Der alte Ortskern über dem Rhonetal ist eine Perle.

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Was für ein Wetterglück wir doch haben! Kein Tropfen Regen ist angesagt, auch wenn es hier dringend wieder mal regnen müsste, damit die Natur in die Gänge kommt.

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Wie nicht anders zu erwarten war, bewegen wir uns meist in den Weinbergen. Mal auf asphaltierten Wegen, mal schlängelt sich ein schmaler Pfad mitten durch die Rebstöcke, mal wird der Weinberg in der Falllinie durchschnitten.

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Bei der Mittagsrast wird bereits Schatten zum Thema.

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Nach fast sieben Stunden reiner Wanderzeit erreichen wir Sion, unser nächstes Etappenziel.

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In der Jugendherberge stimmt das Verhältnis zwischen Unterkunft und Verpflegung. Einer geräuschvollen Nacht im Doppelzimmer steht nichts mehr im Wege.

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Am dritten Morgen fahren wir zwei Haltestellen weit mit dem Postauto und ersparen uns so den Marsch durch die Innenstadt von Sion.

Es fängt gut an. Der erste Abschnitt führt entlang der Bisse de Clavau und ist landschaftlich sehr lohnend.

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Bei St. Léonard wird der Weg wegen eines Erdrutsches über eine asphaltierte Strasse umgeleitet.

Solche Abschnitte sind am heutigen Tag leider eine Seltenheit.

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Bei Petit-Ollon drängt sich dieser lauschige Sitzplatz zum Verweilen auf.

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Endlich gibt’s Eiertütschis.

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Zu unserer freudigen Überraschung bringt uns die Frau, der dieser Platz offensichtlich gehört, nicht nur eine Karaffe Wasser, sondern auch eine Flasche Weisswein. Was für eine grosszügige Geste!

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Beinahe schon sinnbildlich für diese drei Tage: Der Blick auf Karte und Handy. Häufig stimmt die Beschilderung nicht mit der auf Schweiz Mobil eingezeichneten Route überein. Ich bin etwas genervt, würde ich mich doch gerne der Bequemlichkeit hingeben und den Wegweisern folgen.

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Nach viel zu vielen Asphalt-Kilometern erreichen wir bei Muraz die Standseilbahn, die Sierre mit Montana verbindet. Sie nimmt uns die letzten paar Höhenmeter Abstieg und einen weiteren Kilometer Hartbelag ab. Mit staubigen Schuhen und der Erinnerung an ein paar Hunderttausend Rebstöcke besteigen wir den Zug und treten die Heimreise an.

Fazit dieser Tour: Sie ist teilweise schlecht oder gar nicht markiert. Häufig stimmt die Markierung nicht mit der Strecke von Schweiz Mobil überein. Der grosse Anteil an Hartbelag ist nicht zu unterschätzen. Meine malträtierten Füsse werden jedenfalls die kommenden paar Tage keine Wanderschuhe aus der Nähe sehen.

Dennoch: Es hat einmal mehr Spass gemacht, in der Gruppe zu wandern. Auch wenn ich ab und zu in den Schilf raus gelaufen bin, so hoffe ich doch, dass sich mir auch für eine weitere mehrtägige Tour wieder so aufgestellte Wanderinnen und Wanderer anschliessen werden.

Weitere Infos und Fotos zur dreitägigen Osterwanderung unter diesem Link.

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Karte

Wer kommt heute angekrochen?

Ich geb’s ungeniert zu: Ich verbringe meinen Tag nicht immer mit geistig hochstehenden Tätigkeiten. Diese vermeintliche Leere jedoch, sie lässt mir viel Freiraum, um auch mal etwas Verrücktes anzustellen. Oder einfach auf seltsame Ideen zu kommen.

Unlängst in Brigels, bei meiner Mutter. Selbige geht am Morgen hinaus auf den Rasen und ruft voller Entzücken zu ihrem Partner: “Lueg, Sigis, dini Fründe sind wieder da!” Ich kenne sowohl meine Mutter und ihren Partner als auch ihre Gewohnheiten und Freunde ziemlich gut. Deshalb wusste ich auf einen Schlag, dass uns ein spezielles Ereignis bevorstand.

Dieses Ereignis – spannungsgeladene Leser werden nun vielleicht eine leise Enttäuschung spüren – bestand aus Schnecken. Nachdem es über Nacht geregnet hatte, kamen sie aus dem sorgsam gehätschelten Blumengarten zum Vorschein und waren auf dem Rasen verteilt. “Bei schönem Wetter siehst du keinen Einzigen, die kommen nur hervor, wenn es regnet”, verkündete mir Sigis begeistert und begann damit, die Schnecken zu zählen.

Es folgte der historische Moment, wo in meinem Hirn die Abteilung “Verstand” vom Ressort “Kindskopf” übernommen wurde. Mit einem Fläschchen Nagellack bewaffnet begann ich, jeden einzelnen Schneck, der meinen Weg kreuzte, zu markieren. Ich entdeckte immer mehr. Und noch mehr. Nach dem 38. Schleimer ging mir der Nagellack aus. Hätte ich das ganze Areal gewissenhaft durchkämmt – die Unterstützung von Sigis wäre mir sicher gewesen – es wären locker nochmals so viele Schnecken zum Vorschein gekommen.

Leider folgte alsbald eine Trockenphase in der sich nur die Allermutigsten der Schnecken aus dem Unterschlupf wagten. Sigis begann, die ständig weniger werdenden Aktivitäten statistisch auszuwerten.

Vor ein paar Tagen herrschte endlich mal wieder Schnecken-Wetter! In Brigels sah man zwei ältere Herrschaften damit beschäftigt, irgend etwas Undefinierbares aufzulesen und an eine bestimme Stelle im Garten zu tragen. Immer und immer wieder. Die Nachbarn begannen schon, sich angesichts des stereotypen Bewegungsmusters Sorgen zu machen. Was war da im Gange?

Ich hingegen kann ganz beruhigt sein. Dieses Spielchen wird meine Mutter und ihren Partner bis in den Spätherbst hinein beschäftigen. Oder zumindest solange wie der Nagellack hält.

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Bestandesaufnahme im Schneckenland.
Kostet nicht viel, ist keine Tierquälerei, bringt Farbe in den Garten und freut das Gemüt.

Beschildert geschildert (89)

Eines meiner liebsten Schilder, das mit wenig bis gar keinen Worten auskommt, ist dieses hier:

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In der Vollversion sieht es so aus:

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Man trifft es in unzähligen Varianten an.

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Mal als Pflock, mal auf einen Stein aufgemalt.

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Mal dringend übermalungsbedürftig.

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Mangels Steinen auf Pfosten gemalt.

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Wo es Bäume gibt, müssen die hinhalten.

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Mal mit prächtiger Aussicht.

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Oder mit helvetischer Perfektion befestigt.

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Mitunter auch mit Kuh-Dekoration.

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Sie sind immer Garant für ein tolles Erlebnis, diese weiss-rot-weissen Bergwanderweg-Markierungen.