Kam, sah und fällte

Mir schwante, was kommen würde, als ich das Geräusch der Motorsäge vernahm. Die Föhre, so war es vor Monaten beschlossen worden, musste aus Sicherheitsgründen weichen. Wohl hatte sie eben erst Sturm Burglind schadlos überstanden, aber angeblich war sie krank, hatte zu viele vertrocknete Nadeln.

Mit einem Gemisch aus Neugierde und Wehmut beobachtete ich, was sich vor meinem Wohnzimmer-Fenster abspielte. Es dauerte keine Stunde, und der 30-jährige Baum war nur noch Holz. Einen Tag später zeugen bestenfalls noch ein paar Sägespäne davon, dass dort mal ein Baum der Sonne entgegen wuchs.

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Ein bisschen mehr Sonne werde ich zu bestimmen Jahreszeiten haben. Insgesamt aber hat die Fäll-Aktion meiner Aussicht aus dem Wohnzimmer-Fenster nicht zum Vorteil gereicht.

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Wunschzettel

Liebes Christkind

Eigentlich habe ich ja alles, was ich brauche. Ich bin gesund, habe einen lieben Mann, ein schönes Daheim und diverse weitere Privilegien, die mich zu einem glücklichen Menschen machen. Nichts desto trotz habe auch ich meine Wünsche und Träume. Einer meiner Wünsche ist einfach und bescheiden: Normale Nachbarn.

Da das Wörtchen „normal“ für derart vieles hinhalten muss, will ich dir die Arbeit etwas erleichtern und dir aufzeigen, was ich mir darunter vorstelle.

  • Wir schätzen es, wenn unsere Nachbarn uns freundlich grüssen, wenn wir einander im Treppenhaus begegnen.
  • Weniger schätzen wir es, wenn uns die Türe vor der Nase zugeschlagen wird.
  • Unsere Nachbarn sollten kein Musikinstrument spielen, schon gar keine Posaune oder sonst eine Guge, die mich mehrmals in der Woche am Abend nervt.
  • Wir hätten nichts dagegen, wenn sie sich vorstellen würden, wenn sie frisch eingezogen sind.
  • Es stört uns auch nicht, wenn sie ihre kulinarischen Eigenheiten ausleben, solange sie das Küchenfenster zu lassen.
  • Sie sollten ihre Dreizimmer-Wohnung nicht mit vier Stubentigern anreichern.
  • Sie können die Spinnen, die vor ihrer Wohnungstüre das Zeitliche segnet, ruhig selber entsorgen und sie nicht zu uns rüber wischen.
  • Sie sollten für ihre leckere Konfitüre Etiketten verwenden, die nicht so hartnäckig auf dem Glas kleben bleiben.
  • Es stört uns nicht, wenn sie mit dem Auto wegfahren, das sie zuerst von Schnee und Eis befreien müssen, obschon sie noch zwei weitere Fahrzeuge in der Garage stehen haben.
  • Sie dürfen gerne liebliche Duftwolken anstelle von üppigem Mief verbreiten.
  • Sie sollten nicht grad jeden Tag mit dem Wäschekorb unterwegs sein.

Liebes Christkind,
mit diesen paar Tipps dürfte es nicht mehr schwierig sein, uns normale Nachbarn zu bescheren, oder?