Nackte Tatsachen

Man liest so einiges in der Zeitung, das einem den Kopf schütteln lässt. Kürzlich las ich etwas so Unglaubliches, dass mit vor lauter Schütteln bald der Kopf abgefallen wäre.

Nacktrestaurant will seine Gäste schlank und reich
lautete der Titel einer kurzen Meldung, und ich hoffte innbrünstig, der vierte Buchstabe würde sich vor meinen Augen in ein H verwandeln. Aber der Gefallen wurde mir nicht erwiesen. Sinngemäss stand in dem Artikelchen Folgendes:

In Melbourne gibt es schon länger eines, in London seit kurzem und in Bälde auch in Tokio. Man könne in den Lokalen “ohne lästige Kleider” dinieren. Allerdings darf man nicht mehr als 15 Kilo Übergewicht haben, sonst solle man bitte von einer Tischreservation absehen. Das mit gutem Grund, denn schon der Eintritt alleine kostet umgerechnet 720 Franken. Allfälliges Essen – sofern einem der Appetit beim Anblick der anderen Gäste noch nicht vergangen ist – nicht inbegriffen. Notfalls muss man beim Eingang auf eine Waage stehen und wird bei zu viel Speck nicht eingelassen. Kriegt aber auch sein bereits entrichtetes Eintrittsgeld nicht zurück. Man darf weder sehr jung noch allzu gereift sein. Denn es sind nur Gäste zwischen 18 und 60 Jahre erwünscht. Tätowierten bleibt der Zugang zur nackten Gaumenfreude ebenfalls verwehrt.

Es ist bereits wieder ein paar Wochen her, seit die Meldung in der Zeitung erschienen ist. Ich muss auch heute noch den Kopf darüber schütteln. Wie kann man nur! Ist die Menschheit gänzlich am durchdrehen? Was soll daran begehrenswert sein, füdliblutt an einem Tisch zu sitzen und gediegen zu speisen?!? Ich bin nicht prüde, aber nackt setze ich mich auch zu Hause nicht an den Tisch.

Für mich ergibt sich aus diesem Sachverhalt nur eine Konsequenz: Ich werde fortan nur noch in vegetarischen Restaurants essen. Dort kriege ich garantiert kein Fleisch zu Gesicht.

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