Namentlich

Als ich die Warteschlange hinter mich gebracht hatte und im Callcenter endlich an der Reihe war, langte ich nach Papier und Griffel.

Man hatte mir früh beigebracht, wie eminent wichtig es ist, wenn man den Menschen am anderen Ende der Leitung mit Namen nennen kann. Rückverfolgbarkeit und so. Ausserdem kenne ich niemanden, der es nicht schätzen würde, wenn man ihm/ihr den Namen sagen kann, anstelle eines blutten “Grüezi” oder dem unpersönlichen “Hallo”, das sich neuerdings etabliert hat. Ich mache da keine Ausnahme und habe überdies einen Namen, den man selbst mit geringen Deutschkenntnissen nahezu fehlerfrei aufschreiben kann.

Als sich im Callcenter eine durchaus nette, männliche Stimme meldete, stöhnte ich innerlich auf. Was für ein Vorname! Ich wäre beim besten Willen nicht in der Lage gewesen, diesen Namen aufzuschreiben. Von fehlerfrei gar nicht zu reden. Mir schwante, dass es mal wieder peinlich werden würde, wenn ich X mal nachfragen müsste, bis ich den Nachnamen einigermassen auf sicher zu Papier gebracht hatte.

Früher war das einfacher. Da hiess man Baumgartner, Hagedorn, Inglin, Giezendanner, Meister. Alles wohlbekannte Namen, die man auf Anhieb verstand. Und selbst als ich während meiner Ausbildung mit so absurden Namen wie Schlussnuss, Rosskothen oder Offenloch konfrontiert war, gelang es mir doch immerhin, diese so treffsicher aufzuschreiben, dass der Wiedererkennungseffekt garantiert war. Mit all den Ics und Vics, Omodumdingdengs, Ökülliysem und Hibividudas, die allesamt lupenreines Schweizerdeutsch sprechen mögen, ist das etwas schwierig geworden.

Ich entspannte mich deshalb sichtbar, als mein Gesprächspartner mit dem unverständlichen Vornamen schlicht und einfach Gubler hiess. Damit hätte er – zumindest genealogisch gesehen – sogar mein Nachbar sein können.

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Also doch: … Müller!

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Als hätten wir es nicht schon längst geahnt, veröffentlicht der Tages-Anzeiger heute eine umfassende Telefonbuch-Studie und kommt zur Erkenntnis: Der häufigste Nachname des Schweizer Mittellandes ist…

… Müller! (also eigentlich ohne Ausrufezeichen!)

Um dies herauszufinden hätte die Autorin auch mich fragen können. Selbst meine Wenigkeit, die ledig wie verheiratet einen nicht sehr geläufigen Namen hat, war mal einige Jahre lang mit einem Müller liiert. Dass ich mich dann für einen anderen Mann entschied, lag in erster Linie an dessen einfach verständlichem Namen.

Müllers gibt es also wie Sand am Meer. Von mindestens drei Müllern weiss ich, die hier mitlesen. Outet sich hier noch jemand mit dem banalsten Namen der Alpennordseite?