Spätzünder

Das habe ich noch nie erlebt! In all den Jahren, und das dürften mittlerweile an die 15 sein, konnte sich mein schöner grosser Kaktus noch nie aufraffen, im Herbst erneut zu blühen.

Da es nun nicht mehr so warm ist und höchstens noch eine Stunde Sonnenlicht die Pflanze erreicht, dauerte es mehrere Wochen, bis sich aus den Knospen die prächtigen Blüten entwickelten. Ich bin gespannt, ob noch alle aufgehen.

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Wie jeweils im Mai sondert die Pflanze eine klebrig-süsse Flüssigkeit ab, die auf den Boden tropft. Das Tröpfchen ist unterhalb des Blütenstempels auszumachen. Anders als im Frühling sind jetzt keine Ameisen mehr zur Stelle, um sich daran gütlich zu tun.

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Frau Flohnmobil ist entzückt!

Mit vielen guten Ideen bewaffnet

Zügig schritt ich dem Weg entlang. Mein Ziel war klar, und ich steuerte ohne Umweg darauf zu. Meine Hand glitt in die rechte Hosentasche. Beruhigend. Es war noch da, mein Taschenmesser. Ich würde notfalls von ihm Gebrauch machen. Ohne jegliche Skrupel.

Zunächst schien alles wie immer zu sein. Doch dann traf ich auf die Spuren eines Gemetzels. Ich war also nicht die Erste. Doch wie lange mochte es her sein? Ein paar Tage, eine ganze Woche vielleicht.

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Ich liess mich nicht einschüchtern, schritt weiter. Und sank entmutigt zu Boden, um diesen ungeniessbaren Anblick zu fotografieren.

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Für einen Lichtblick sorgte ein paar Baumstümpfe später dieses Ensemble.

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Und als ich schon resigniert seufzen wollte, dass heute wohl Hopfen und Malz verloren sei, sah ich ihn.

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Er trat unverzüglich in Kontakt mit meinem Sackmesser. Leider sollte sich herausstellen, dass er nicht nur weit und breit der Einzige seiner Art war, sondern bereits zahlreiche Untermieter hatte.

So blieb mir nichts anderes übrig, als heute Morgen unverrichteter Dinge den Wald wieder zu verlassen. Die grosse Steinpilz-Schwemme, wie sie vor zwei Wochen geherrscht hatte, wird wohl kein zweites Mal kommen diesen Herbst. Ein Bisschen mehr Pilze hätte ich trotzdem erwartet. Wenn aber, wie in den vergangenen Tagen, von sämtlichen Medien berichtet wird, wie viele Pilze, namentlich Steinpilze, derzeit aus dem Boden schiessen, muss ich mich eigentlich nicht wundern, dass seit meinem letzten Besuch gründlich abgeräumt wurde.

Neues aus dem Lande der Elefanten

Höchste Zeit, an dieser Stelle wieder mal auf meinen “Zuchterfolg” aufmerksam zu machen.

Es wird sich hier kaum jemand mehr erinnern, aber im Hause Flohnmobil stand mal eine gaaanz grosse Pflanze, die drohte, durch die Decke zum oberen Nachbarn zu wachsen.

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Die Pflanze, umgangssprachlich “Elefantenfuss” genannt, wurde kurzerhand geköpft. Man harrte fortan der Dinge die da wachsen mögen. Und das taten sie auch.

Nachzulesen ist Teil eins der brutalen Geschichte HIER.

Ein halbes Jahr später zog ich HIER vorsichtig Zwischenbilanz.

Seither sind zwei Sommer ins Land gezogen. Das höchst Erfreuliche an der seinerzeitigen Baumfäll-Aktion: Die Pflanze macht weiterhin uneingeschränkt Freude. Nach einer weiteren Freiluft-Saison sieht sie so aus:

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Demnächst steht meinem Elefantenfuss wieder der Umzug ins warme Wohnzimmer bevor. Ich bin mehr als zuversichtlich, dass wir es noch lange unter dem gleichen Dach aushalten werden.

Wie tönen Hormone?

Ich hatte das komische Geräusch mehrmals gehört, konnte es aber nicht zuordnen. Erst dank einem Input aus unserer Wandergruppe wurde mir bewusst: Das waren Brunftschreie von Hirschen. Mitten in der Nacht waren sie zu hören. Und auch tagsüber vernahmen wir sie gelegentlich.

Nie jedoch hatten wir so ein Vieh zu Gesicht bekommen. Bis gestern. Da dröhnte und rohrte es aus dem grasigen Hang zu uns rüber. Die Hirsche waren von blossem Auge auszumachen und wir von Aufregung ergriffen. So etwas sieht man nicht alle Tage! Mindestens zehn Stück waren es.

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Im Verlauf der Wanderung hörten wir diese Brunftschreie noch mehrmals. Im Abstieg von der Wanderung versuchten wir, uns den Tieren vorsichtig zu nähern. Das gelang uns auch bis auf etwa fünfzig Meter. Doch dann war Ende Feuer. Für ein Bild reichte es nicht. Aber dies hier ist auch ein Stück Hirsch:

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Zeit für den Herbst

An einem der letzten offiziellen Sommertage dieses Jahres erblickte ich diese Wiese, in der es vor Herbstzeitlosen regelrecht wimmelte.

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Nun kann man zu diesem Blüemli eine durchaus zwiespältige Beziehung haben.  Einerseits stimmt sein Anblick wehmütig, weil es unweigerlich das Ende des Sommers einläutet. Andererseits sind Herbstzeitlosen stark giftig. Für Mensch und Tier.

Mir jedoch hat in der damaligen Hochstimmung schlicht und einfach der Anblick gefallen. Denn wie heisst es doch so treffend:

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

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Und schliesslich esse ich längst nicht alles, was ich schön finde.

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Selbstgespräch im Wald

“Wenn es schon keine essbaren Pilze im Wald hat, Bea, könntest du ja wieder mal ein paar Pilz-Fötteli verbloggen.” Ich sprach es laut aus, griff zur Kamera und begann, das Wenige, das da wuchs, zu fotografieren.

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Dann stellte sich mir doch noch ein essbarer Pilz in den Weg.

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Und in der Folge hob ich ein ganzes Nest an Flockenstieligen Hexenröhrlingen aus.

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“Dein Nachtessen ist mehr als gesichert”, ermunterte ich mich, als ich die ersten 750 Gramm Pilze dieser Saison aus dem Wald trug.

Über die Schwabbel-Brücke

Auch wenn beim Lesen des nachfolgenden Beitrags der Verdacht aufkeimen könnte, ich hätte mir zum Ziel gesetzt, sämtliche Hängebrücken dieses Landes zu begehen – dem ist nicht so. Dennoch habe ich gestern wiederum zwei dieser Schwabbel-Brücken überschritten.

Nach einer gefühlt ewig langen Fahrt in immer voller werdenden Zügen geht es endlich los.

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Nach wenigen Metern durch das urtümliche Walliser Dorf Randa sind wir ab der Zivilisation. Wenn auch alles andere als alleine unterwegs.

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Wir sind froh, dass der Aufstieg grösstenteils im Schatten verläuft.

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Das Weisshorn hatte ich weisser in Erinnerung. Ist aber auch schon mehr als drei Jahrzehnte her, dass ich es von so nahe gesehen habe.

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Nach rund 1 1/2 Stunden steilen Anstiegs kündigt sich uns die längste Fussgänger-Hängebrücke der Welt an. 494 m lang, 85 m über dem Boden, auf 2’080 m Höhe. Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.

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Die Optik täuscht nicht, das Konstrukt hängt ziemlich durch.

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Zu unseren Füssen der Graben des so harmlos klingenden Dorfbächji.

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Diese beiden Steinschlag gefährdeten Runsen quert die Hängebrücke.

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Der Blick reicht bis runter ins Tal. Theoretisch fährt da soeben die rote Matterhorn-Gotthard-Bahn durch. Was von der Brücke aus mit blossem Auge auszumachen war, ist auf dem Bild nur unter dem Mikroskop sichtbar.

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Kreuzen auf der Brücke geht gerade so.

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Von hier aus könnte man wieder nach Randa absteigen. Wir wählen die längere Schlaufe und gehen noch hoch zur sympathischen Europa-Hütte. Dort erwarten uns nebst einem traumhaften Panorama (auf dem Weg dorthin liess sich kurz mal ein Drittel des Matterhorns blicken) traumhaft gute Kuchen  und ein perfekter Kaffee.

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Andere Berge, andere Blumen.

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Solche Wege liebe ich. Darauf könnte ich tagelang wandern.

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Überhaupt befinden wir uns hier auf dem Europa-Weg, der in zwei Etappen von Grächen nach Zermatt führt. Den muss ich mir mal vornehmen. Wer kommt mit?

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Diese Hängebrücke begehen wir nur noch als Dreingabe, denn unser Weg führt unmittelbar davor wieder zurück ins Tal.

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Andere Leute gehen dieses Wochenende ans Albani-Fest und erkaufen sich für viel Geld ihr Vergnügen. Mir macht die Begehung dieser zugegeben sehr wackeligen Brücke mehr Spass als irgend eine Chilbi.

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Dafür graut mir nun vor den 1’000 Höhenmetern Abstieg.

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Dank gemächlichem Tempo, trockenen Verhältnissen und sorgsamen Schritten stellt sich der Abstieg in dieser wilden Szenerie aber als nicht so schlimm heraus.

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Wattebäuschchen in verschiedenen Stadien.

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Ich bin begeistert von diesem Alpenrosen-Lärchen-Wald.

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Solche verschlungene Strukturen beherrscht nur die Natur.

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Auch das bringt nur die Natur fertig: Der gigantische Schuttkegel des Bergsturzes von 1991, in dessen Folge das halbe Dorf unter Wasser stand.

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Nochmals der Blick hoch. Ich möchte betonen, dass wir über die Hängebrücke, nicht die Hochspannungs-Leitung gelaufen sind.

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Als Zückerchen dieser wunderprächtigen Wanderung dürfen wir in einem hochmodernen Zugswaggon ins brütend heisse Visp fahren.

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War das wieder ein toller Wandertag!

Vielen Dank an Beat für die Idee, Organisation und Durchführung dieser Wanderung und allen Mitwanderern ein herzliches Dankeschön für die tolle Kameradschaft.

Mehr Bilder und Infos gibt es HIER nachzulesen.

Karte

Und es werde Kraft!

Es gibt Orte, denen hat man die Bezeichnung “Kraftort” verliehen. Was immer da wirken mag, ich bin dagegen gänzlich immun.

Heute war ich an so einem Kraftort. In einem unbewohnten Seitental es ohnehin schon abgelegenen Weisstannentals. Würde die Kraft diesmal ihre Wirkung zeigen?

Ich war beeindruckt von der Szenerie, die sich mir im Felsenkessel von Batöni bot. Drei Wasserfälle donnerten über die Felswände. Es war mächtig. Spektakulär. Voller Energie. Steinig. Nass. Rauschend. Aber ein Kraftort? Mit diesem Eso-Zeugs kann ich wirklich nichts anfangen.

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Aber, wer weiss, vielleicht war doch etwas dran. Denn meine Kollegin, die üblicherweise mit sehr mulmigem Gefühl über solche Hängebrücken schreitet, fühlte sich für einmal sogar zu Spässen aufgelegt. Vielleicht wurde ihre Lockerheit auch dadurch befeuert, dass sie wusste, dass sie nicht zwingend über diese erst vor wenigen Tagen eröffnete Hängebrücke gehen musste.

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Ich habe noch ein Video über diese Brücke und den Weg dorthin gefunden, muss aber gestehen, dass ich keine Ausdauer hatte, die ganzen 12 Minuten anzuschauen.