Der Neuzugang

… in unserem herbstlichen Garten entzückt nicht nur den lieben Bergler und mich, sondern auch die Bienen auf ihrer Suche nach der immer spärlicher werdenden Nahrung.

Bis zu drei Bienen gleichzeitig sammelten in ein und derselben Blüte nach Pollen.

Eine wahre Freude nicht nur fürs Auge, diese Herbstkrokusse!

Aus dem Leben eines Berufskrauts

Über Jahre hinweg glaubte man, man könnte mich mit einem simplen Rasenmäher in Schach halten. Rechtzeitig vor der Blüte schneiden und das Berufskraut kann sich nicht vermehren, so lautete die Devise.

Wie sehr haben sich die Rasenmäher-Leute getäuscht! Denn ich wusste mir zu helfen. Ein Schnitt zur rechten Zeit verlieh mir geradezu ungeahnte Kräfte, mein Vermehrungsdrang explodierte förmlich. Welcher Dilettant auch immer mir den deutschen Namen “einjähriges Berufskraut” verlieh, er hatte keine Ahnung, zu was ich fähig bin. Durch den Rückschnitt bilde ich nämlich Rosetten aus, die mehrjährig werden können und die Mathematik lautet simpel und einfach: Aus eins mach zwei. Kann gut sein, dass ich so für den Rest des Jahres nicht mehr zum blühen komme, aber weg von der Bildfläche bin ich deswegen noch lange nicht.

Auch in diesem Garten im Misox pflegte ich über Jahre hinweg ein angenehmes Leben. Wurde gelegentlich gemäht, aber mit Rücksicht auf die umliegenden, durchaus erwünschten Wiesenblumen frühestens ab Mitte Sommer. Kurz, ich konnte mich ziemlich ungehindert ausbreiten. Bis der Landbesitzer mit dieser semi-professionellen Unkraut-Jäterin und Naturliebhaberin daher kam und von seinem Leid mit mir berichtete. Sie wurde von einem nicht nachvollziehbaren Ehrgeiz gepackt, meiner habhaft zu werden.

Seither rückt sie mir jedes Mal (JEDES MAL!!!) wenn sie hier ist, und das ist sie neuerdings ziemlich häufig, auf die Pelle. Tagelang schon ist sie auf allen Vieren durch die sonst so gehätschelte Blumenwiese gekrochen und hat an mir und meinen Artgenossen herumgerupft. Danach sieht es jeweils aus, als hätte eine Rotte Wildschweine ihr Unwesen getrieben.

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Zugegeben, es ist die einzig wahre Möglichkeit, unsereins in Schach zu halten. Nur mitsamt der Wurzel ausgerissen können wir unser Werk nicht vollenden. Die Frau lässt nicht locker und geht davon aus, dass sie sich früher oder später arbeitslos gejätet hat. Dabei verkennt sie völlig, dass ich im Dorf, ja was sage ich, in der gesamten Talschaft, Hunderttausende von Verwandten habe, die ungehindert wachsen dürfen. Und deren Samen lassen sich von dem Bisschen Zaun ums Areal nicht abhalten, auch im Garten des genannten Landbesitzers wieder eine neue Bleibe zu finden.

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Und wenn sie nicht ausgerissen wurden, so vermehren sie sich noch heute, die Berufskräuter.

Barbara machts möglich

Ich habe das mit dem Barbarazweig noch nie ausprobiert. Dass ich es dieses Jahr erstmals gemacht habe, mag damit zusammenhängen, dass es am 4. Dezember, also am Barbaratag, sonnig und mild war und ich als Folge davon geneigt war, nach draussen zu gehen und einen Zweig abzuschneiden.

Es hat nicht nur funktioniert, der Zweig blüht sogar zu früh.

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Vielleicht hat er gespürt, dass er an Weihnachten seine Pracht alleine entfalten würde.

 

Es weihnachtet sehr

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… zumindest, wenn man sich am Kalender und all den Weihnachtsdekorationen orientiert. Selbst die Natur scheint in gewisser Hinsicht mit dem alljährlichen Wettrüsten mitzumachen.

Bei näherem Hinsehen kommen einem aber doch gewisse Zweifel ob all der Richtigkeit des Tuns. Und wenn man bedenkt, dass dieses Bild vor zwei Tagen bei 12 Grad Plustemperaturen aufgenommen wurde – äääähm – was genau schreiben wir für ein Datum?

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Wandern mit den Kanarienvögeln

Wie angedeutet war ich (einmal mehr) eine gute Woche auf Wanderschaft. Diesmal in weiter Ferne, auf La Gomera.

Die zweitkleinste der kanarischen Insel würde locker auf einer Landeskarte 1:50’000 Platz finden. Wäre sie von unserer Landestopografie vermessen worden, sähe man entsprechend gut, dass sie aus über 50 Schluchten (“Barrancos”) besteht, die sternförmig von der Mitte aus gen Meer ziehen. Nur im Zentrum ist La Gomera grün, weil dort die Passatwolken für Feuchtigkeit sorgen. Sehr anschaulich wird dies anhand dieses Reliefs. Die roten Striche stehen für die wenigen, dafür umso kurvenreicheren Strassen, die immer übers Zentrum führen. Entsprechend sassen wir jeden Tag für eine Stunde oder auch mehr im Bus (pro Weg!), was mitunter etwas mühsam wurde, sich aber nicht vermeiden lässt, will man die Insel erkunden.

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Auf sechs offiziellen und einer inoffiziellen Wanderung führte uns unsere Reiseleiterin durch die schönsten Gegenden der Insel.

Hier ein Querschnitt aus mehreren hundert Fotos:

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Letztes Jahr war ich auf La Palma, das grösser und grüner als La Gomera ist. Es wäre falsch, die beiden Inseln gegeneinander in die Waagschale werfen zu wollen. Jede hat ihren besonderen Reiz.

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Bye-bye, La Gomera! Es hat mir gefallen, dich zu erwandern, aber mich wirst du wahrscheinlich nicht mehr sehen. Es gibt auf dieser Welt noch zu viel zu entdecken.

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Gartenprojekte (4)

Meine Freundin war skeptisch, als wir ihr davon erzählten. Sie meinte, das sei doch nur ein Gag des Gartencenters, daraus würde sicher nichts werden. Der liebe Bergler und ich aber waren wild entschlossen, es zu versuchen. Die Vorstellung, einen Pilzrisotto mit Safran im Teller zu haben, dem nicht nur die selber gesuchten Steinpilze sondern auch eigener Safran zum kulinarischen Hochgenuss gereichten, fanden wir zu verlockend.

So kauften wir im Spätsommer diese 12 Zwiebelchen Safran-Krokusse und verhalfen ihnen zu einer standesgemässen Unterkunft. Wir sahen das Wohl darin, einen Topf in die Erde zu buddeln, damit wohl immer schön das Wasser abfliessen möge, aber bei Trockenheit auch Wasser von unten gezogen werden konnte, da wir ja nicht ständig präsent sind, um den Wasserhaushalt zu steuern. Wir scheuten keine Mühe und holten sogar einen Kübel voll Sand aus einem Bachbett, damit das Substrat ja schön durchlässig wurde.

Nach vollzogener Pflanzung ging selbstverständlich zuerst mal gar nichts. Auch als wir vier Wochen später wieder im Garten im Misox waren, war noch nichts zu sehen. Kein Halm! Bestenfalls Unkraut. Schon tauchten erste Fragezeichen auf. Da es aber erst zweite Hälfte September war, rechneten wir uns noch Chancen auf ein üppiges Wachstum aus.

Als wir vor zehn Tagen wieder gen Süden fuhren, waren wir sehr gespannt, was wir antreffen würden. Hurra! Was sich da dem Licht entgegen reckte, war diesmal kein Unkraut, sondern unzweifelhaft ein Krokus-Gewächs.

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Und schon am nächsten Tag öffnete sich die erste Blüte. Ganz ähnlich wie bei den Frühlings-Krokussen. Am Vorabend sieht man bereits etwas Farbe und am nächsten Morgen ist die Blüte offen. Wir waren begeistert, konnten allerdings beim besten Willen nur dieses eine Blümchen ausmachen.

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Die drei roten Fäden, die das teuerste Gewürz der Welt darstellen, sind gut auszumachen. Wir ernteten und trockneten sie. Davon alleine wird es zwar noch keinen Risotto geben, aber theoretisch steht uns ja noch mehr Blütenpracht bevor. In der Praxis allerdings ist leider so, dass wir vermutlich einige Blüten verpassen, weil wir nicht immer vor Ort sind. Dennoch, die Operation Safran ist erfolgreich angelaufen. Und schliesslich sind die Zwiebelchen, wie alle anderen Krokusse auch, mehrjährig.

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Goldener Herbst im Unterengadin

… oder wie der Napf nach Scuol kam.

Die ursprüngliche Idee sah vor, drei Tage in der Napf-Region auf Wanderschaft zu gehen. Doch es sollte nicht sein, bei Dauerregen hält sich meine Lust am Wandern in Grenzen. Und bekanntlich schüttet es am Napf immer etwas länger und ausgiebiger als im Rest des Landes. Umdisponieren war angesagt und so wurde die ganze Tour um 24 Stunden und etliche Kilometer ostwärts verschoben.

Im Schellen-Ursli-Dorf Guarda geht es los.

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Das Wetter zwar etwas frisch, aber gar nicht mal so übel, der frisch gefallene Schnee in gebührendem Abstand.

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Der Weg führt uns durch Ardez

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vorbei an der Ruina Chanoua,

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durch Ftan,

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und schliesslich nach Scuol, wo wir in der Jugendherberge im absolut nobelsten Jugi-Zimmer residieren, das uns je untergekommen ist. Wie war noch mal die Nummer fürs nächste Mal?

Das war doch schon mal gar kein schlechter Anfang.

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Am nächsten Tag fahren wir mit dem Posti nach Vna. Ein sonniges, aber total abgelegenes Bergdorf. Wir versuchen vergebens, am Himmel etwas auszumachen, das den Namen “Wolke” verdient hätte. Einzig die Kondensstreifen, die mit unseren Steuergeldern an den Himmel gemalt wurden, sind am verblassen.

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Auf den schattigen Wegabschnitten warten derartige Kunstwerke der Natur auf uns.

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Dieses wunderbare, an Weihnacht erinnernde Gebilde, haben wir einer undichten Wasserleitung zu verdanken.

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Selbstverständlich wollen wir das alle im Bild festhalten.

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Im Hof Zuort wollen wir essen und sind ganz gespannt auf die angeblich so berühmten Cremeschnitten.

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Wir werden nicht enttäuscht.

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Wir wandern das Val Sinestra hinaus. Um diese Jahreszeit liegt der Weg am Nachmittag teilweise im Schatten

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Im etwas deplaziert anmutenden Kurhaus Val Sinestra machen wir nicht schon wieder Pause.

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Blick zurück nach Vna, wo heute Morgen alles begann.

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Was für ein fantastisches Herbstwetter! Dazu milde Temperaturen.

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Das war der zweite von drei Tagen. Voller positiver Gedanken und Vorfreude auf die dritte Etappe kehren wir in unsere Suite in der Jugi zurück.

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Der dritte Wandertag beginnt mit einer abenteuerlichen Postauto-Fahrt nach S-charl.

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Die Lärchen sind eigentlich noch nicht ganz so goldgelb wie erwünscht. Aber da kann man ja etwas nachhelfen.

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Die Wanderung durch das breite, abgelegene Hochtal ist fantastisch.

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Nach dem Passo di Costainas führt der Weg runter Richtung Lü und schliesslich nach Fuldera.

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Dort haben wir uns die Vermicelles ehr- und redlich verdient.

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Liebe Wandern-mit-Freunden-Wanderfreunde
Es hat mir riesig Spass gemacht, diese Wanderung für euch zu organisieren und mit euch zusammen unterwegs zu sein. Auch wenn ich nicht mehr ganz so viel mit von der Partie bin wie früher, so ist mir doch die Freundschaft mit euch sehr wichtig. Gerade in den vergangenen, für mich etwas schwierigen Tagen war wandern mit euch präzis die richtige Therapie.
Bea

Weitere Fotos und Angaben zu diesen drei Wandertagen gibt es HIER.