Andere Länder – andere Sitten (3)

Ach ist das Dach schön grün!

Der Norweger tickt in mancherlei Hinsicht anders als ein Mitteleuropäer. Was uns verweichlichten Schweizern beim Reisen besonders aufgefallen ist, ist die Einstellung der Wikinger gegenüber dem Wetter und den damit einhergehenden Temperaturen. Wenn unsereins schlotternd nach einem Pulli gegriffen hat, ist es dem Norweger gerade erst so richtig warm ums Herz geworden. An Kälte kann man sich vermutlich wirklich gewöhnen. Und wenn es in Norwegen über 20 Grad warm ist im Sommer, muss sich das für die Einheimischen anfühlen wie für uns 30 Grad.

Was mir auch aufgefallen ist, ist der Hang der Norweger, ihre Dächer zu begrünen. Das können private Wohnhäuser sein, Bedachungen von Bushaltestellen oder wie hier einfach nur ein original norwegischer Picknick-Tisch, den ich auf den Lofoten fotografiert habe.

DSC00408

Grössere begrünte Dächer können dann etwa so ausschauen, wie dieses Dach eines Besucherzentrums.

DSC00219

Und nebst dem Grünzeug befanden sich diese beiden (nicht ausgestopften!!!) Ziegen auf dem Dach. Ein Zaun erübrigte sich.

DSC00221

Beschildert geschildert (18)

Eines meiner allerliebsten Schilder:

Süss, nicht?

Stünde es irgendwo in der Prärie, könnte ich damit nichts anfangen. Aber am Polarkreis, an der E6 in Norwegen, erklärt es sich von selbst…


… auch wenn es mir bis heute nicht einleuchten will, weshalb man dort im Niemandsland keine Steinmännchen bauen soll.

Öfters mal Panne (26)

… oder: Schmal, schmäler, Bremsspur

Wir waren vorgewarnt. In unserem Wohnmobil-Führer stand geschrieben, dass die Küstenstrassen Norwegens für Wohngondeln wie unsere teilweise ziemlich eng seien, was aber die Norweger nicht von einem flotten Fahrstil abhielte. Die Autoren klassierten die Küstenstrassen wie folgt:

– Ist auf der Strasse ein Mittelstreifen aufgepinselt: keine Gefahr.
– Verfügt die Strasse über keinen Mittelstreifen: es könnte eng werden.
– Hat es vor einer Kurve Bremsspuren: au weia!

Mit solchen Warnungen ausstaffiert, tuckerten wir mehrere Wochen durch Norwegen. Mal auf einer Küstenstrasse bis unvermittelt nur noch Wasser vor uns lag und eine von vielen Fährüberfahrten anstand. Mal über Land. Mal breit, mal schmal, mal mit, mal ohne Mittelstreifen. Mein innig geliebter Mitreisender, der vornehmlich das Steuer in der Hand hielt (jedenfalls in Bezug aufs Autofahren!!!), war Herr der Lage. Mag sein, dass es uns zu Gute kam, dass die Hauptreisezeit noch nicht angebrochen war.

Das Unglück geschah dort, wo man es nicht unbedingt vermuten würde. Auf einer zwar nicht sonderlich breiten, aber schnurgeraden und übersichtlichen Strasse kam uns in ziemlich rasantem Tempo ein VW-Bus entgegen. Und ganz eindeutig mehr auf unserer denn auf seiner Strassenseite. Der Mitreisende, ohnehin nicht schnell unterwegs, wich nach rechts aus, soweit der Strassengraben dies zuliess. Doch es nützte nichts: Die beiden Fahrzeuge touchierten mit einem hässlichen Geräusch.

Der Mitreisende hielt an, der Fahrer des VW-Buses ebenfalls. Auf den ersten Blick schien unser Fahrzeug glimpflich davongekommen zu sein. Der Aussenspiegel war durch die Wucht der Streifkollision nach vorne geklappt, aber das Spiegelglas immerhin noch ganz. Etwas leider sah der Spiegel am VW-Bus aus. Von seltsam bizarrer Form fehlte im eindeutig das Glas. Der Fahrer wollte uns für den Schaden verantwortlich machen, nach dem Motto: „Ihr braucht schliesslich mehr Platz auf der Strasse.“ Als wir erwähnten, dass es uns nicht entgangen sei, dass er während der Fahrt am Telefonieren gewesen war, schlich sich der Norweger mitsamt seinem Hängespiegel kleinlaut davon.

Wir fuhren noch ein paar hundert Meter bis zu einem Ausstellplatz. Dort packte der Mitreisende sein umfangreiches Werkzeug aus und richtete den Spiegel mit einer gesunden Mischung aus Sachkenntnis und Kraft wieder an den ursprünglichen Ort.

Wir waren heilfroh, dass weiter nichts passiert war. Mit einem zerschmetterten Spiegel im Hohen Norden eine FIAT-Garage suchen zu müssen und dort ein paar Tage auf einen Ersatzspiegel zu warten, wäre so ziemlich das letzte Vergnügen gewesen, das wir uns gegönnt hätten.

Öfters mal Panne (14)

… oder: kein Tag ohne Schraubenzieher

Es war ein unschöner Anblick, der sich uns spätabends präsentierte. Dabei wollte ich doch nur noch kurz vor dem Schlafengehen Reiseführer und Karte aus dem Weg räumen. Und nun das! Unser Störeli (Markise), das so patent das Fahrerhaus vom restlichen Wohnmobil abtrennte, lag in einem unansehnlichen Haufen am Boden. Die lobenden Worte meines innig geliebten Mitreisenden waren mir auf sicher. Dabei hätte ihm das Missgeschick genauso passieren können, denn es war nicht mehr und nicht weniger als die Führungs-Schnur gerissen.

In einer tadellosen Nachtübung (es war zwar noch hell draussen, weil wir uns weit im Norden Norwegens befanden), demontieren wir das Störeli und rekonstruierten, wie dessen Mechanismus funktionieren musste. Es folgte eine etwas unruhige Nacht, was weniger auf unseren Stellplatz bei einem verwaisten Schulhaus zurückzuführen war, als auf unsere schlafraubenden Bedenken, innert nützlicher Frist eine passende Schnur aufzutreiben. Das malate Störeli war nämlich etwas vom Genialsten, das unser Knaus Alkoven Wohnmobil zu bieten hatte. Mit einem Griff konnte man es runterziehen und sich so einerseits vor neugierigen Blicken schützen und andererseits den zu beheizenden Innenraum massiv reduzieren.

Am nächsten Tag begann die Suche in irgendeinem Kaff nördlich von Trondheim. Sie führte uns von einen Baubedarf zu einem Fachgeschäft für Bootszubehör und endete in einem Markisenladen. Alle Stationen, die wir anfuhren, lagen glücklicherweise nur im Umkreis von 500 Metern, nichts desto trotz zeigte sich einmal mehr, dass so ein Wohnmobil ein denkbar ungeeignetes Einkaufs-Fahrzeug ist.

Der Markisenmensch erklärte ohne zu zögern und zu unserer allergrössten Erleichterung, dass er eine solche Schnur im Sortiment führe. Er wickelte uns grosszügig etwa 20 Meter à 1 Krone ab. Das entsprach etwa vier Fränkli. Dass wir so günstig zu der exakt passenden Schnur kamen, hätten wir uns nicht träumen lassen.

Eine gute Stunde später hatten wir unser Störeli richtig eingefädelt, montiert und sämtliche Verkleidungen wieder festgeschraubt. Seither führen wir – auf ein altes WC-Papier-Rölleli gewickelt – Störeli-Schnur durch halb Europa. Als Souvenir an eine reibungslose Reparatur.

Der Mitreisende wieder mal mit dem altbewährten roten Chrüzli-Schraubenzieher am Werk.