Nostalgie in Papierform

Früher war ES das Mass aller Dinge. Ich behaupte sogar, ES stand in vielen Haushaltungen. Und man konnte damit umgehen. Zugegeben, es konnte zur Zeit raubenden Angelegenheit werden. Aber mit etwas Routine war es im Idealfall im wahrsten Sinn des Wortes zielführend. Sofern man eine derart kleine Schrift zu entziffern vermochte und willens war, zig mal vor- und rückwärts zu blättern, sich mit Zeichenerklärungen, Wochen- und Feiertagen und zahllosen Abkürzungen auseinanderzusetzen.

Im Zeitalter von Smartphones ist dieses Teil ziemlich in Vergessenheit geraten. Und doch, es gibt ES immer noch.

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Man stelle sich bloss vor, man müsse damit eine Zugsverbindung heraussuchen! Obschon, ich traue mir das durchaus zu. Das aktuelle Kursbuch ist offenbar doppelt so gross wie früher, demnach dürfte auch die Schrift grösser seniorengerecht ausgefallen sein. Und Hand aufs Herz, wer ausser Senioren und Smartphone-Verweigerer würde sich diesen Schunken antun?

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Das Internet ist eine feine Sache. Man findet so vieles. Und so vieles, das man sucht, findet man nicht. Zumindest nicht auf Anhieb.

Im letzten August hatte ich einen Aufruf gestartet, ob jemand sich an das Plakat “Wundere Dich nicht wandere” erinnern könne. Es konnte niemand. Zumindest nicht auf Anhieb.

Doch vor wenigen Tagen schrieb mir jemand einen Kommentar auf den damaligen Beitrag. Das seinerzeitige Plakat sei bei ihnen vor kurzem eingescannt worden. Mit “ihnen” so viel darf ich verraten, ist die SZU gemeint, in der Vollversion: die Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG.

Natürlich wollte ich wissen, auf welchen unergründlichen Wegen die Person auf meinen Blog gestossen sei. Und das wiederum ist wenig mysteriös. Es wurde nämlich einfach “wundere dich nicht wandere” gegoogelt.

Und nun will ich euch das Plakat, das in meiner Kindheit an den Bahnhöfen des betroffenen Bahnunternehmens hing, nicht mehr länger vorenthalten. Ich finde es extrem lässig, dass es mir zur Verfügung gestellt wurde.

Voilà:

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Nostalgie auf der Zunge

Beim Anblick dieses netten Ensembles konnte ich nicht widerstehen. Ich holte flugs meine Kamera und drückte ab.

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Entdeckt hatte ich diese zwei nostalgischen Kästen auf unserer Wanderung auf den Etzel. Dort stehen sie im Untergeschoss und Jeder und Jede, der mal muss, kommt an ihnen vorbei.

Ich versuchte, mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal eine Briefmarke an einem Automaten bezogen hatte. Es mussten Jahre, Jahrzehnte her sein! Aber beim Anblick der Kurbel wusste ich sofort wieder, wie das damals funktionierte. Münze hineinlegen, drehen, Briefmarke unten raus (im Idealfall, sonst “Bei nicht Funktionieren Knopf drücken”).

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Soweit ich mich erinnern kann, wurde diese Briefmarke eigens für die Automaten hergestellt.

Wann habt ihr das letzte Mal eine Briefmarke abgeleckt? Ich schon lange nicht mehr. Im Zeitalter von MMS und Mails verschicke ich allerdings auch nicht mehr so viele Ansichtskarten wie auch schon.