Zugfahrt mit Wiederholungs-Potential

Nichtsahnend stiegen wir aus dem Ponte-Tresa-Zügli, überquerten den Bahnhofplatz von Lugano und warfen einen Blick auf die Anzeigetafel. Vor lauter Plappern war es keiner von uns Dreien in den Sinn gekommen, den Online-Fahrplan zu konsultieren.

Die SBB hielten wieder mal eine besondere Überraschung für uns bereit! Es scheint beinahe Programm zu sein, diesen EC, der von Mailand kommt, mit Verspätung laufen zu lassen. Aus den 14 Minuten Rückstand wurden im Verlauf der Fahrt immer mehr, da der Zug offenbar ohne jegliche Priorität geführt wurde.

Immerhin blieb es uns – im Gegensatz zu vor einem Monat – erspart, über Boswil bei Bünzen umgeleitet zu werden. Aber den Anschlusszug in Zürich konnten wir uns dennoch abschminken.

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Der heruntergefahrene Zug

“Geschätzte Fahrgäste, hier spricht ihr Lokführer.” Wenn diese Worte ertönen, verdrehen 50 Prozent der geschätzten Fahrgäste die Augen. Die anderen 50 Prozent sind entweder der deutschen Sprache nicht mächtig oder sie sind derart mit ihrem Handy absorbiert, dass sie die Welt um sich herum nicht mehr wahrnehmen.

Wir sassen also als geschätzte Fahrgäste in diesem Zug, in dem es gemäss dem Lokführer eine technische Störung gegeben hatte. Er müsse, so erklärte der Mann zuvorderst, das System runter- und dann wieder hochfahren. Dadurch werde das Licht ausgehen. Eine nicht unwesentliche Information um 23.00 Uhr, fanden wir.

Zuerst geschah gar nichts, dann ward es tatsächlich dunkel. Überall und insbesondere auf den Fahrgast-Informations-Bildschirmen (was für ein Wort!!!). Dort ereignete sich das, was früher bei Computern zu sehen war, wenn sie aufstarteten. Eine irrwitzige Zahlen- und Buchstabenabfolge weiss auf schwarz.

So irrwitzig diese zweifarbige Litanei auch gewesen sein mag – sie zeigte Wirkung. Das Licht ging wieder an, auf den Bildschirmen erschienen die gewohnten Zugsinformationen. Die wieder hochgefahrene S-Bahn konnte wider Erwarten pünktlich abfahren.

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Stecken geblieben

Plötzlich ging ein Ruck durch den Zug. Nicht die Art von Ruck, wie wenn die Notbremse gezogen würde (jedenfalls stelle ich mir das so vor, ich war noch nie in einem Zug, in dem die Notbremse gezogen wurde), aber der Zug stand still. Auf offener Strecke. Und zu unser aller Übel in einem Tunnel. Das merkten wir jedoch nicht sofort, denn es war draussen ohnehin noch dunkel. Es dauerte eine Weile, dann ertönte eine Lautsprecherdurchsage auf Deutsch und Italienisch. Aufgrund einer technischen Störung könne der Zug nicht weiterfahren. Es folgten weitere, teils widersprüchliche Durchsagen. Wir wussten nicht, ob etwas die Strecke blockierte, ob die Zugskomposition eine technische Störung oder der Lokführer Durchfall hatte.

Nach etwa Dreiviertel Stunden fuhr der Zug weiter. Allerdings nicht in Richtung Tessin, sondern zurück nach Zug. Dort mussten alle Passagiere den Zug verlassen, die Strecke Zug – Arth Goldau war vorläufig nicht passierbar. Es begann das grosse Fahrplan Konsultieren und vor allem das grosse Warten. Würden wir es noch zu angemessener Zeit ins Tessin schaffen?

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Als endlich wieder ein Zug in Richtung Süden fuhr, waren wir bereits eineinhalb Stunden hinter dem Marschplan. Unser Ziel war Varese, das wir auf einer eben erst eröffneten Zugsstrecke erreichten.

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Die Wanderung wurde den Gegebenheiten angepasst und so marschierten wir durch Varese in den sehr schön angelegten Parco Mirabelli.

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Dieser Stadtpark ist gut besucht, sehr gepflegt und zumindest in den unteren Regionen bis zum letzten Baum absolut symmetrisch angelegt.

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Unser wahres Ziel war der Lago di Varese, der von der höchsten Stelle des Parks aus immerhin schon mal auszumachen war.

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Allerdings stand uns noch eine Quartierwanderung bevor. Beat navigierte uns durch die Strassen und Gassen eines Aussenquartiers. Schon beinahe erleichtert erblickten wir diesen Wegweiser, der doch immerhin darauf hindeutete, dass die Autoverrückten Italiener gelegentlich auch zu Fuss unterwegs sind.

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Und irgendwann ist jede Stadt zu Ende, und es geht raus in die Natur.

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Voller Entzücken erreichten wir den See und gingen auf dem schwankenden Ponton auf den See hinaus.

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Es war auch höchste Zeit für eine Mittagsrast, bevor noch jemand aus den Schuhen kippte.

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Bei bereits fortgeschrittener Tageszeit gingen wir noch ein Stück dem Seeweg entlang, der auch als Veloweg markiert ist.

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Wir wunderten uns über Sinn und Zweck dieses Turms. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit den zahlreichen Kajak-Fahrern, die auf dem See unterwegs sind. Wer weiss, vielleicht werden hier Wettkämpfe ausgetragen.

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Auch dieser trocken laufende Pinocchio wusste keinen Rat.

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In Schiranna nahmen wir den Bus zurück nach Varese. Margrit und Georges absolvierten während der Fahrt einen Crashcurs im Ticket lösen.

DSC09073Zurück in Varese erblickten wir schon nach kurzem Bummel durch die Fussgängerzone eine Pasticceria, der wir nicht widerstehen konnten.

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Nach diesem kulinarischen Abstecher suchten wir uns im für meine Begriffe zu gut besuchten Varese den Weg zurück zum Bahnhof. Der Grund für den Volksaufmarsch sollte sich uns im Zug zurück in die Schweiz offenbaren. Den dort aufliegenden Flyern (der Zug war gestossen voll) konnten wir entnehmen, dass die Fahrt zwischen Mendrisio, Como und Varese heute gratis war. Und wir hatten in Lugano ein Ticket gelöst…

Noch bevor wir ins 57 km lange Eisenbahntunnel fuhren, war es bereits dunkel. Jenseits des Tunnels empfing uns Regen. Wir dagegen hatten es den ganzen Tag trocken und hätte uns die SBB nicht im Stich gelassen, wären wir in den Genuss von noch mehr Sonne gekommen.

Wir waren etwa 2 1/2 Stunden zu Fuss unterwegs. Vorwiegend bergab und ebenaus.

Weitere Fotos und Informationen zu diesem Wandertag gibt es HIER.

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Vorsicht, hier spricht Ihr Lok-Führer

Heute Morgen in der S-Bahn. Ich bin mit einer Kollegin unterwegs. Wir wollen den Tag wandernd verbringen.

Der Zug hat sich soeben in Bewegung gesetzt, da ertönt das berühmt-berüchtigte Gönglein. Bitte nicht! Bitte kein Stellwerk-Störung, bitte keine Fahrleitungs-Störung. Bitte einfach nur abfahren und halbwegs pünktlich ankommen.

“Guete Morge, liebi Fahrgescht, da isch Ihren Lok-Füehrer.” Das sind die Worte, die eine Hiobs-Botschaft ankündigen. Nicht wenige der “lieben Fahrgäste” verdrehen die Augen, rechnen mit dem Schlimmsten.

“Ich wünsche de Klass vom Schuelhuus Vorder Zälg ganz e cooli Schuelreis.”

Meine Kollegin und ich schauen uns an. Erleichtert. Und stimmen in ein herzhaftes Lachen ein.

Wenn das mal nicht eine coole Ansage ist! Daumen hoch für diesen Lokführer.

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Billett lösen für Fortgeschrittene und Nervenstarke

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich wollten einen Ausflug unternehmen. Mit Bus, Zug und Schiff. Dazu braucht es ein gültiges Billett. Und dieses gedachten wir am Bahnschalter zu lösen.

Zu diesem Zwecke begaben wir uns ins Nachbardorf, an einen der wenigen Bahnstationen der Umgebung, wo der Schalter noch bedient ist. “Grüezi, ich hätte gerne gewusst, was ein Billet von Pfupfikon nach C via A, B, mit dem Schiff nach E und via F zurück nach Pfupfikon kostet.” Das weibliche Wesen hinter der Glasscheibe hatte, nachdem es begriffen hatte, dass wir keine 08-15-Strecke befahren wollten, auf einem Blatt Papier mitgeschrieben. Es begann zu repetieren. Und nachzufragen. “Sie wollen in B aussteigen?” – “Nein, erst in C.” – “Ab D dann mit dem Schiff?” “Und ab E via F zurück nach Pfupfikon?”

Die Frage-und-Antwort-Ping-Pong dauerte eine Weile, dann war unser Reiseweg beim Computer angelangt. Dieser jedoch gab sich noch nicht zufrieden. “Wollen Sie in Vorderpfupfikon, Pfupfikon  City oder Hinterpfupfikon einsteigen?” Für den Preis spielte das, so war ich überzeugt, keine Rolle, aber der Computer musste dennoch die Strecke berechnen. Und das  tat er dann auch. Mit helvetischer Gründlichkeit und einem Weg, von dem man nicht mehr abweichen konnte, kostete das Ticket einen seltsam rund anmutenden Betrag.

Der Mitbewohner und ich schauten uns leicht ungläubig an und entschlossen uns dann, anstelle des komplizierten Billets eine Tageskarten einzusetzen, die wir in einem äusserst schlanken Prozedere sogleich am Schalter lösten. “Das hättest du auch einfacher haben können”, tadelte er mich. Hätte ich nicht! Denn zuerst musste ich schliesslich wissen, wieviel das Ticket kostet, um zu wissen, was billiger zu stehen kommt. Immerhin hatte das Blondinchen hinter dem Schalter für einmal keinen Anlass, die sonst übliche hätten-Sie-auch-am-Automaten-lösen-können-Leier zum Besten zu geben. Und eine Nachhilfe Lektion in Schweizer Geografie hat es erst noch gratis erhalten.

Sofern der Mitbewohner und ich unser Programm erfolgreich abspulen und nicht unterwegs Schiffbruch erleiden, dürfte an dieser Stelle bald etwas über unseren Ausflug zu lesen sein.

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Fragestunde im Zug

Gestern im Zug. Der Knirps blättert in einer Gratiszeitung. Lesen scheint er noch nicht zu können, doch das ist für das besagte journalistische Werk nicht unbedingt ein Nachteil.

“Wer ist das, Mami?” Die abgebildete Frau hat es dem Dreikäsehoch offenbar angetan.
“Adele.” Die Antwort der Mutter fällt denkbar knapp aus.
”Ist das eine Schauspielerin?”
”Nein, eine Sängerin.”
”Singt die schön?”
Nun kann sich die Mutter erstmals zu einem ganzen Satz aufraffen. “Ja, sie singt sehr schön.”
Der Knirps bohrt weiter. “Schöner als Lady Gaga?”
Spätestens jetzt spitzt die halbe S7 die Ohren.
“Ja, ich finde, sie singt wahnsinnig schön.”
Der Knirps will offenbar nichts auf Lady Gaga kommen lassen. “Aber schöner als Lady Gaga kann sie gar nicht singen.”
Der Mutter steht offenbar nicht der Sinn nach einer Diskussion über verschiedene Musik-Geschmäcker. Sie ergreift die Flucht nach vorne. “Ganz sicher singen beide schöner als ich.”

Komischerweise gibt sich der Junge mit dieser Antwort zufrieden. Nun darf gerätselt werden, wie herzzerreissend schlecht diese Frau wohl singt.

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Am Busen des Kontrollööörs

Eine Haltestelle nach mir stiegen heute Nachmittag zwei ganz, ganz coole Jungs ins Postauto ein. Wenn sie gewusst hätten, was ich wusste, hätten sie sich garantiert anders verhalten. Oder hätten ein Postauto ausgelassen. Oder wären gar zu Fuss gegangen, den das nächste Postauto wäre erst in einer Stunde gefahren, und in der Zeit wären sie locker von A nach B gelaufen. Ich meine, so cool wie die Zwei schliesslich waren oder sich zumindest gaben.

So aber tappten sie ahnungslos in die Falle. Sie lümmelten sich auf der Viererbank und ärgerten sich lautstark über einen abmontierten Zigaretten-Automaten im Dorf. Als sich das Postauto in Bewegung setzte, stand ein Mann auf und hielt den coolen Jungs seinen Kontrollööör-Ausweis hin. Mir schien, als ob die coolen Jungs (und um Spekulationen vorzubeugen: sie waren weder Secondos noch Provenienz Balkan) plötzlich etwas bleich um die Nasenspitze rum wurden. Sie hatten kein Billett. Und sie hatten auch kein Geld dabei, die Busse von 80 Franken fürs Schwarzfahren zu blechen.

Jeder der beiden Kontrollöööre nahm einen der mittlerweile ziemlich kleinlauten Jungs zur Brust, verlangte einen Ausweis, tippte Name und Adresse in sein elektronisches Kontrollööör-Apparätli und druckte schliesslich einen Fackel aus, den die 14-Jährigen unterschreiben mussten. Zu guter Letzt riet einer der Kontrollööre, sie sollten doch zu Hause eine Vorwarnung aussprechen, dass in den kommenden Tagen ein Einzahlungsschein mit der Post kommen würde.

Wieso ich das alles so genau weiss? Ich hatte einen Logenplatz im Postauto. Und während ich das Geschehen auf der Sitzbank vor mir mitverfolgte, war ich hin und her gerissen zwischen Schadenfreude und Mitleid. Mitleid allerdings nicht mit den coolen Jungs, sondern mit dem, der die Busse bezahlen muss. Und angelehnt an die heutigen Erziehungsmethoden dürfte das höchstwahrscheinlich der Alte sein.