Immer wieder schön

Ein Teil meiner Kakteen, vornehmlich die grösseren, residiert seit mehr als einem Jahr im Ferienhaus.

Ich hatte diese Woche das Glück, mal wieder den Werdegang einer Blüte einer meiner liebsten Kakteen mitzuverfolgen. Wie entzückend, wenn sich das zarte Gelb herausschält.

Wenige Stunden später:

Noch immer am ersten Tag, mit etwas Sonne im Herzen.

Dann kam der Regen. Und der behagt Kaktusblüten in der Regel gar nicht. Diese Opuntie macht da keine Ausnahme. Am zweiten Tag sah sie so aus:

Und am dritten Tag war sie noch etwas mehr verhuddelt.

Kleiner Trost: Selbst bei Sonnenschein blühen die Blumen nur einen Tag lang. Aber ich finde deine Blüten selbst verwuschelt noch wunderschön, du meine liebe Opuntia santa rita.

Geburtenkontrolle

Sie hat einen grossen Vermehrungsdrang. Einen sehr grossen sogar. Es geht genau genommen um das Überleben ihrer Gattung. Aber ich muss sie in die Schranken weisen. Jahr für Jahr. Schliesslich bin ich der Chef.

IMG_1659

Würde ich ihr nicht jeden Frühsommer ein paar Ohren abzwicken, hätte sie schon lange keinen Platz mehr im ihr zugedachten Winterquartier.

IMG_1657

Und so musste der Star meiner Kakteen-Sammlung, meine Diva, einmal mehr unters Messer. Je früher im Sommer man das macht, desto besser verheilen die Narben.

IMG_1661

Sorry, liebe Santa Rita.

Familientreffen

Ein etwas sonderbares Familientreffen hat kürzlich im Hause Flohnmobil stattgefunden. Genau genommen hat es eben erst begonnen und wird bis in den Frühling hinein andauern. Die Protagonisten:

DSC00493

Man würde es nicht glauben, aber die beiden Kakteen sind Schwestern. Gleich alt. Mit dem gleichen Migrationshintergrund. Nur bei verschiedenen Pflegeeltern aufgewachsen. Unschwer zu erkennen, dass der linke Kaktus wesentlich busperer wirkt als seine gleichaltrige Schwester. Dass ich den Kakteen hier ein weibliches Geschlecht unterschiebe, hat mit ihrer speziellen Herkunft und ihrem botanischen Namen “Opuntia Santa Rita” zu tun. Darüber wurde hier schon mehrfach geschrieben.

Der Sinn des Familientreffens ist nun, der kleineren Schwester die gleichen Bedingungen während der Winterruhe zu offerieren wie ihrer grossen Schwester. Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass sich meine Freundin Rita im nächsten Sommer an Blüten ihrer Santa Pfeuti erfreuen darf. Das wäre dann eine Premiere für den Kaktus, der vor 15 Jahren als illegaler Einwanderer in die Schweiz gekommen ist.

Wie alle anderen Kakteen meiner kleinen Sammlung ist diesen beiden Opuntien ab heute der Ausgang gestrichen worden. Nun stehen sie wieder in ihrem frostsicheren Winterquartier.

Kaktus-Wetter

„Kaiserwetter“ sagen die Österreicher zu dem meteorologischen Vorgang, der sich seit Tagen vor der Haustüre abspielt. Der Begriff ist bei uns wenig verbreitet, was nicht erstaunt, haben wir Schweizer es doch nicht so mit den Majestäten (sieht man mal ab vom Blatter Seppi, der von seinem Fifa-Thron aus korrupte Fäden zieht).

Ich nenne das, was uns derzeit meteorologisch dargeboten wird, also sonniges, heisses, trockenes Wetter „Kaktuswetter“. Und meinen Kakteen, egal in welcher ariden Gegend sie ursprünglich beheimatet sein mögen, gefällt diese Darbietung uusinnigguet.

Einige meiner rund 20 Kakteen haben bereits geblüht, andere sind grad dran, wie die leuchtend gelb blühende Parodia chrysacanthion oder die drei Mamillarias daneben. Und mein Prachtstück, die Opuntia santa rita im Vordergrund wartet dieses Jahr mit über 20 Blütenknöpfen auf. *Freu*

Die Geschichte dieses Kaktus ist übrigens auch mehr als ein Jahrzehnt nach seiner illegalen Einreise immer wieder lesenswert.

Begeisterung pur

Ach ich bin ja so hin und weg!

Diese Pracht!

Was bin ich entzückt!

Einmalig!

Seit Jahren war ich nicht mehr zu Hause, wenn dieser Kaktus seine Blütenpracht entfaltete. Vielleicht stammt daher meine fast grenzenlose Begeisterung. Ich könnte ihn den ganzen Tag ansehen. Seine Schönheit bewundern, die Blüten bestaunen. Die Opuntia santa-rita ist definitiv der Star meiner Kakteen-Sammlung.

Die erste Blume ist bereits verblüht. Sie hat knapp zwei Tage gehalten.

Sag’s mit Blumen

Mit einem Strauss Rosen würde ich ihr keine Freude machen, da bin ich mir ganz sicher. Mit einer guten Flasche Wein schon eher. Aber weil ja meine Freundin meine Freundin ist, weiss ich haargenau, womit ich ihr eine Freude machen kann. Nämlich hiermit:

Liebe Pfeuti, ich hätte dir gerne ein ganzes Bouquet von Santa-Pfeuti-Blüten überreicht, aber wegen dem bescheidenen Wetter müssen wir uns noch ein paar Tage gedulden, bis die restlichen der 18 zu erwartenden Blüten aufgehen. Ich werde dich mit Fotos beliefern.

Alles Gute zum 50. Geburtstag.


Wenn Aussenstehende nur noch „Bahnhof“ verstehen, kann ihnen vielleicht mit diesem Beitrag geholfen werden.

Die Lauscher der heiligen Rita

Auf unserer damaligen Reise durch die USA war ein Besuch im Big Bend Nationalpark nahe der mexikanischen Grenze absolute Pflicht. In dieser knochentrockenen Gegend blühen und gedeihen Kakteen besonders prächtig. Seit vielen Jahren schon begeistern mich die sukkulenten Pflanzen, auch wenn sie mitunter unangenehm anhänglich sein können.

Wie wir so an den teils hüfthohen Kakteen vorbeistelzten, packte mich plötzlich eine Idee, die mich nicht mehr los liess. Ich wollte ein paar Kaktus-Ohren nach Hause schicken. Da wir selber noch für unbestimmte Zeit unterwegs sein würden, musste jemand anders als Gärtner hinhalten. Da kam mir meine Kaktus-begeisterte Freundin Rita grad richtig. Bestimmt hätte sie Freude an einem stacheligen Gesellen. Zwecks Umsetzung dieser irren Idee kämpfte ich mich mit meinem innig geliebten Mitreisenden ein paar Meter abseits der Strasse durch die kratzbürstige Landschaft.

Wir brachen mit spitzen Fingern drei Handteller grosse Ohren von einer Pflanze ab. Auf dem Post Office direkt im Nationalpark kauften wir eine Kartonverpackung, die eigentlich für Video-Kassetten vorgesehen war, stutzten die ärgsten Stacheln zurück und schickten das Ganze als T-Shirt deklariert nach Hause.

Rita, die Empfängerin der vermeintlich textilen Sendung, war ein Jahr zuvor selber in diesem Nationalpark unterwegs gewesen und hatte genau diese Kakteenart von allen Seiten fotografiert. Die Unverfrorenheit, ein Ohr mitzunehmen, besass sie allerdings nicht. Nicht ganz zu Unrecht, denn in einem amerikanischen Nationalpark fällt man bereits unangenehm auf, wenn man nur schon einen Stein aufhebt. Kommt hinzu, dass Rita damals mit dem Velo unterwegs und nicht wirklich auf Topfpflanzen eingestellt war.

Aus zuverlässiger Quelle habe ich längst herausgefunden, dass meine geschätzte Freundin beim Öffnen des Pakets beinahe der Schlag traf. Doch sie überwand den Schock und pflanzte die drei Lauscher ein. Da sie alle überlebten, durfte ich nach unserer Rückkehr in die Heimat ein gut angewachsenes Opuntien-Ohr in meine bescheidene Kakteen-Sammlung aufnehmen.

Was ich erst viel später erfahren habe: Der Kaktus heisst mit korrektem botanischem Namen Opuntia santa-rita. Eine Heilige ist meine Rita nicht gerade, aber der illegalen Einwandererin, die mittlerweile seit 12 Jahren hier lebt, gefällt es in ihrer neuen Heimat so gut, dass sie mich Jahr für Jahr mit ihren zauberhaften Blüten beglückt.