Aller Mathematik zum Trotz

Emsig beschäftigt sassen wir am Tisch. Sieben Personen verfolgten das gleiche Ziel, auch wenn ihnen nicht die gleichen Mittel zur Verfügung standen. Theoretisch zwar schon, aber nicht alle Anwesenden waren mit dem gleichen Talent gesegnet. Ich beispielsweise war und bin ziemlich talentfrei wenn es ums Dekorieren geht. Das ändert sich auch nicht wesentlich, wenn es sich um angehende Ostereier handelt.

Wir hatten alle Zeit der Welt, um uns der Verkünstelung der zwei Schachteln Eier zu widmen. Der Grund lag im schlechten Wetter. Eigentlich hatten wir uns an Ostern aufgemacht, um Skitouren zu unternehmen. Zu diesem Zwecke hatten wir uns in einer Ferienwohnung eines Bekannten in der Nähe von Davos einquartiert. Doch anstelle der angekündigten Aufhellungen schneite oder regnete es fast ununterbrochen. Aus den Skitouren wurde deshalb nichts, dafür gestalteten sich die Ostertage seeehr geruhsam, entspannt und kalorienbefrachtet.

Beim obligaten Eiertütschis stellten wir jedoch fest, dass die Eier – ob kunstvoll oder talentfrei bemalt – allesamt zu wenig hart waren. In der allgemeinen Euphorie hatte wohl keiner daran gedacht, dass auf dieser Höhe das Eierkochen (schon wieder dieses Thema!!!) länger dauert. Da die vereinte Runde aus mehr oder minder ambitionierten Hobbyköchen bestand, fackelten wir nicht lange und warfen die Eier nochmals ins heisse Wasser. Zwei Minuten müssten reichen. Dachten wir.

Zwei Minuten hatten nicht gereicht. Also nochmals zwei Minuten. Das Eigelb war immer noch flüssig. Nach weiteren zwei Minuten – die Eier hätten nach unserem Dafürhalten stahlhart gekocht sein müssen, strichen wir die Segel. Wir mussten erkennen, dass ein Ei, wenn man den Kochprozess einmal unterbrochen hat, bleibt wie es ist. Da helfen weder zusätzilche fünf noch fünfzig Minuten im kochenden Wasser!

Das besagte Osterwochenende ist schon ein Vierteljahrhundert her. Eine Erkenntnis hat sich mir unauslöschbar eingeprägt: Ein Weichei bleibt ein Weichei.

 

Beschildert geschildert (23)

Für alle, die Ostern nicht erwarten können…


… ein sprunghaftes Bild, das mir Theresia Künzi zugesandt hat.

Fotografiert hat sie den Wegweiser „irgendwo im tiefsten Emmental“.

Und falls ihr (wie Frau Flohnmobil) mit dem ganzen Oster-Getue wenig am Hut habt, findet ihr vielleicht hier Trost:


Das Bild stammt ebenfalls von Theresia, aufgenommen in einem Dörfli am Comersee.

Danke, Theresia, für die Bilder.
Ebenfalls Danke, dass du das Flohnmobil liest.
Und nochmals Danke, dass du aus der Anonymität der Leser herausgetreten bist und mit mir Kontakt aufgenommen hast. Ich bin doch immer so neugierig, wer hier überhaupt mitliest.

Bittersüsses Überangebot

Ach wie war das doch früher einfach! In fröhlicher Zuversicht stand man vor dem Regal im Supermarkt, liess seinen Blick kurz über das Angebot schweifen und langte zu. Was gab es denn damals? Milch. Schwarz. Weiss. Mit Blööterli, Nüssen oder Rosinen. Und natürlich das weltbekannte Dreieck mit Mandel-Honig-Nougat.

Wenn ich heute vor dem Schoggi-Regal stehe, muss ich zuerst tief durchatmen, bevor ich zur Tat schreiten kann. Die schiere Auswahl an Tafel-Schokoladen verschlägt mir nämlich jedes Mal fast den Atem.

Schoggi mit Truffes-Füllung, Caramel, Erdbeer-Joghurt, Pistache, Chili oder Mousse au Chocolat. Weisse Schoggi mit Mandeln, schwarze Schoggi mit Espresso, Milchschokolade mit in Rum ersoffenen Rosinen. Schoggi mit Brownies-Aroma, Japonais, Kirsch-Füllung, Mokka, Mandelcreme. Das Angebot ist riesig. Selbst die hundskommunste Milchschokolade gibt es in mehreren Ausführungen. Kleine Tafel, grosse Tafel, Portiönli, Budget-Ausführung, Premium-Version. Irgendwie ein Wahnsinn!

Dieser Wahnsinn wird jedes Jahr zuverlässig übertroffen durch Ostern. Dann gibt es nämlich alle, na jedenfalls fast alle vorgängig erwähnten Schokoladen noch in Hasenform. Als stehender Hase, sitzend, mit Tretroller, Korb, langen Ohren, Schlappohren, Hasenscharte. Als Henne, Küken, Pirat oder Fussballer. Und nicht zu vergessen, die zahlreichen Schoggi-Eier in dutzenden von Varianten.

Wer es nicht glaubt, erlaube sich in den nächsten Tagen einen kurzen Rundgang durch einen x-beliebigen Supermarkt in unserem Land. Vielleicht reicht auch bereits das folgende Bild. Allerdings – so wenig Leute wie abgebildet, dürfte es in den nächsten Tagen in den Läden kaum haben.

Saisongerecht

Jawohl, alles zu seiner Zeit. Saisongerecht soll es sein. Also Schnee schaufeln im Januar. Erdbeeren im Juni. Sissi-Filme an Weihnachten. Glühwein im Februar und Gotthardstau am Karfreitag.

Zwecks Ergänzung dieser noch längst nicht vollständigen Auflistung ist zu erwähnen, dass es auch saisongerechte Tiere gibt…

…. ich bin heute welchen auf dem Spaziergang begegnet.

Motzig fruchtig

Es sieht ganz so aus, als ob ich mich zu einer regelrechten Motztante entwickle. Und wisst ihr was? Es macht Spass! Ja, es macht Spass, beispielsweise den Sportbekleidungs-Hersteller darauf aufmerksam zu machen, dass sein Shirt von schitterer Qualität ist oder dem Grossverteiler auf den Zahn zu fühlen. Jüngstes Beispiel:

Im Migros-Magazin dieser Woche wird ein Oster-Dessert mit Heidelbeeren veröffentlicht. Zwar lautet das Rezept auf „tiefgekühlte Heidelbeeren“, aber rein zufällig werden unten rechts Bio-Heidelbeeren aus Spanien angeboten. Der sofortige Blick auf den Kalender hat mir bestätigt, dass eher die Migros verrutscht ist, als ich. Drum habe ich flugs einen Leserbrief geschrieben mit folgendem Inhalt:

Am Anfang des Hefts wird einmal mehr das Migros-Versprechen an die Generation M ausführlich beschrieben, ein paar Seiten weiter wird dem Leser ein Oster-Dessert mit Heidelbeeren schmackhaft gemacht. Die Beeren sind zwar angeblich in Bio-Qualität, aber aus Spanien. Im März!!!! Das passt für mich nicht im geringsten zusammen. Es wäre auch ein Versprechen an die Generation M, in den Rezepten saisongerechte Produkte zu verwenden.

Die Antwort, das muss man dem grossen M lassen, kam postwendend:

Sehr geehrte Frau Flohnmobil

Vielen Dank für Ihre Nachricht.

Die Migros sieht es als ihre Aufgabe, die Bedürfnisse und Wünsche eines breiten Kundenkreises abzudecken.

Zum Frühlingsbeginn und an Ostern bieten beispielsweise frische Heidelbeeren oder auch Erdbeeren eine willkommene Abwechslung zum übrigen Importsortiment aus Südeuropa. Die Migros bemüht sich aber, wie bereits erwähnt, auch hier wie gewohnt, diesen Wünschen in möglichst nachhaltiger Weise nachzukommen.

Die Heidelbeeren aus Spanien wurden gezielt auf diesen Zeitpunkt hin produziert. Sie profitieren vom „früheren“ Frühling, respektive den höheren Temperaturen in Spanien. Die Kundinnen und Kunden sollen persönlich entscheiden können, welche Produkte sie kaufen wollen und welche nicht. Für diesen Entscheid stellen wir die nötigen Informationen zur Verfügung.

So ist auf den Produkten oder an den Regalen und Gestellen die Herkunft jedes einzelnen Produktes aufgeführt. Wir können Ihnen versichern, dass ein Produkt, das von Konsumentinnen und Konsumenten nicht gekauft wird, aus dem Verkauf genommen wird.

Wir wünschen Ihnen frohe Ostern und sind bei weiteren Fragen oder Anregungen gerne für Sie da!

Dazu sage ich nur noch so viel: Bei uns gibt es bestimmt keine Heidelbeeren zum Dessert an Ostern. Auch noch nicht an Pfingsten. Ich hole mir meine Bio-Heidelbeeren dann im August – anlässlich einer gediegenen Wanderung irgendwo in den Bergen.

Verkleidete Italiener

Weihnachtsgebäck, so hat meine Freundin Pfeuti schon immer steif und fest behauptet, schmecke auch unter dem Jahr gut. Und sie könne es nicht verstehen, dass im Sommer kein Mensch Mailänderli, Chräbeli oder Zimtsterne backe.

Recht hat sie. Damit nämlich, dass es auch mir, obschon ich sonst ständig am Backen bin, ausserhalb der Weihnachtszeit nie in den Sinn kommen würde, Guezli zu backen.

Vor kurzem aber erreichte mich ein kleines, neckisches Päckchen. Inhalt: zwei Hasenförmchen. Der Trostpreis für einen Wettbewerb. Eigentlich hätte ich ja lieber das Notebook gewonnen, aber damit war wohl nichts. Zum Hasenförmchen selbstverständlich das passende Guezli-Rezept, denn nicht umsonst waren es die Leute von http://www.butter.ch, die den Wettbewerb ausgeschrieben hatten.

Mittlerweile muss ich Pfeuti voll und ganz Recht geben. Weihnachtsguezli – stilgerecht als Hasen getarnt – schmecken auch an Ostern. Und bestimmt an Pfingsten und am 1. August ebenso. Und bei dem Osterwetter könnte man ja auch gänzlich ohne fremde Hilfe auf die Idee kommen, Weihnachtsguezli zu backen.

Was ich noch sagen wollte: Trotz allem schöne Ostern!