Das Leben schwer gemacht

Ein flüchtiger Blick reichte, und die Misere war entdeckt. Du meine Güte, was war denn da in die Waschmaschine geraten! “Von mir kann es nicht sein”, beeilte sich mein innig geliebter Mitbewohner zu sagen, “von mir waren keine Hosen in der Wäsche, also auch keine Taschentücher.” Die Schuld schien bei mir zu sein. Fluchend und ahnungslos begannen wir, die feuchte Wäsche aufzuhängen. Da war nicht bloss ein Fitzelchen Papier. Was da an unseren Kleidern hing, war gröberes Geschütz. Aber was?

Die ganze Wäsche war versaut. Gründlich versaut. Im ersten Effekt wollte ich gleich nochmals alles in die Waschmaschine schmeissen. Aber da war bereits die geschlechtertypische Sorgen- und Aufgabenteilung im Gang. Während ich mir nämlich Gedanken machte, wie ich die ganzen Papierfasern jemals wieder aus der Wäsche bringen sollte, machte sich der Mitbewohner Sorge um die Waschmaschine. Verstopfter Filter und so. Dort drin, das sollte sich bald herausstellen, war aber nichts. Lediglich in der Wäschetrommel klebten noch einige Papierfasern. Um Abhilfe zu schaffen, liessen wir die Maschine im Kurzprogramm einmal durchlaufen.

Das Problem Waschmaschine schien damit behoben zu sein, nicht so das Problem Wäsche. Die Papierfasern liessen sich nicht einfach so ausschütteln. Weder von den feuchten noch trockenen Kleidern. Und glaubt mir, jedes aufgelöste Papiertaschentuch wäre mir in dem Moment als Bagatelle vorgekommen! Ich schöpfte mein gesamtes Repertoire an Reinigungs-Möglichkeiten aus. Kleiderbürste? Wirkungslos. Kleiderroller? Zu wenig effizient. Ich endete beim Staubsauger mit Bürstenaufsatz.

Und so saugte ich die gesamte Wäsche, bestehend aus 10 T-Shirts, einer Trainingshose, diverser Sportwäsche und etwa 6 Paar Socken ab. Nicht nur hinten und vorne, sondern auch auf der Innenseite, denn auch dort hatten sich die Papierfasern regelrecht festgekrallt. Während ich also staubsaugend und mit meinem Schicksal hadernd am Bügelbrett stand, hatte ich ausreichend Zeit, um im Geiste schon mal diesen Blogbeitrag zu verfassen. Zwei Stunden, um genau zu sein.

Zu guter Letzt landete die ganze Wäsche nochmals in der Maschine, denn irgendwie fühlte sie sich noch nicht so richtig sauber an. Wirklich edle Stücke waren zum Glück nicht darunter. Mit Ausnahme meiner schwarzen Trainings-Hose aus Polywasweissich-Fasern, die offenbar besonders empfänglich für Fremdstoffe ist, sieht man unserer Garderobe nach dem arbeitsbeschaffenden Prozedere nichts mehr an.

Was lernen wir daraus?

Denke nie, du sparst Zeit, wenn du mitsamt der Wäsche Material zum Entsorgen in die Waschküche trägst.

Versuche dich nicht in Multi-Tasking, wenn es dich überfordert.

Halte dir vor Augen, dass es mit eigenen Hühnern nie so weit gekommen wäre.

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