Oben angekommen?

Heute sollte er oben sein. Nach all den Strapazen und Entbehrungen sollte er oben ankommen.

Heute, am 5. Tag seit Aufbruch, und in etwa jetzt, wo dieser Beitrag online geht, sollte er den Gipfel erreicht haben. So sah es der Plan vor. Dass sich das Wetter, die Gesundheit und weitere unberechenbare Faktoren nicht an solche Vorgaben halten, liegt auf der Hand. Und mit der Brechstange erreicht man dort oben gar nichts. Es sind nur spärlich Informationen durchgerieselt, der Handy-Empfang basiert auf dem Zufalls-Prinzip. Ich vergizzle beinahe und hätte ihm so sehr gewünscht, dass er sich im Adrenalinschub des Gipfelerlebnisses suhlen kann.

Was immer sich dort oben heute abspielt, für mich zählt nur eines: Dass der liebe Bergler gesund runter kommt. Und ich endlich wieder etwas von ihm höre.

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Auf dem Viehmarkt

“Nimm doch d’Bea.” Sinngemäss kam es wohl so rüber, wenngleich sie es bestimmt nicht wörtlich gesagt hatte. Die Aufforderung galt einem Bekannten von ihr, der eben erst eine Beziehung beendet hatte, die zunehmend kompliziert wurde. “Weisch, d’Bea hät kei Altlaste. Da gitts weder en ifersüchtige Ex-Partner no Chind, wo chönnted schwierig tue.”

“Nimm doch d’Bea.” Hallo? So einfach geht das nicht! Ich werde ja schliesslich nicht feil geboten auf einem Viehmarkt.

Wer mein Herz erobern will, muss sich schon etwas einfallen lassen. Jawohl!

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Dichte Wolkenfelder

Ich weiss, ich bin mit meinem letzten Blog-Beitrag etwas hart ins Gericht gegangen mit meinen Mitmenschen.

Natürlich dürft ihr mich weiterhin virtuell drücken, mir Kraft wünschen, selbst mich zum xten Mal fragen, wie es mir geht, auch wenn die ehrliche Antwort darauf “beschissen” ist und ich mir doch meist etwas Netteres einfallen lasse.

Je mehr ich hier über unser Schicksal schreibe, desto mehr erkenne und erfahre ich, dass ich damit nicht allein im Universum stehe. Es gab schon viele vor mir, die ihren Partner durch Krebs verloren haben und es wird auch noch viele geben, die dieser heimtückischen Krankheit ausgeliefert sind.

Dennoch, es ist so tami hart, mitansehen zu müssen, wie der Partner leidet. Ich schöpfe alle Möglichkeiten aus, die noch bleiben, um ein paar Sonnenstrahlen auf meinen schwerkranken Mann scheinen zu lassen. Aber gegen die düstere Wolkenfront, die am Himmel aufzieht, bin ich letztlich machtlos. Und diese Ohnmacht, diese Hilflosigkeit macht mir am allermeisten zu schaffen.

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Auf der Strasse der Liebe

Da liegen sie. Mitten in zerknüllten Bettlaken. Die Kleider rund um ihr Bett verstreut. Jeden Meter etwas. Höschen, BH, Hemd, Jacke, ein Gürtel. Muss das eine heisse Nacht gewesen sein!

Und immer wenn sie aufwachen, liegen sie sich in den Armen. Halten sich fest umschlungen, als müssten sie aufpassen, dass keiner abhandenkommt.

Jedenfalls im Film. Denn jeder, der schon mal in den Armen seines Partners gelegen ist, weiss:

Das mag romantisch sein, aber sackunbequem!

Nach spätestens zehn Minuten fault dir oder dem Anderen ein Arm ab, wird des Andern Schulter zu hart oder das Bein zu schwer. Garantiert. Oder du schwitzt dich zu Tode. Kein vernünftiger, anatomisch korrekter Mensch hält solche Verrenkungen um seinen Partner lange aus.

Oder bin ich schon zu lange verheiratet?