Schönheitsschlaf

Man blättert ja so allerhand Schund durch, wenn man beim Coiffeur die Zeit totschlagen muss. Dazu hatte ich heute ausreichend Gelegenheit. Nachdem ich mein bevorzugtes Magazin durchgelesen hatte, griff ich notgedrungen zu einer Zeitschrift, die sonst nie in meine Finger geraten würde. So ein Tussi-Frauen-Magazin, gespickt mit Beauty-Tipps. Gar nicht meine Wellenlänge.

Mein gelangweilter Blick fiel auf Ratschläge, wie man sich eine glatte Haut erhält. Und plötzlich kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auf dem Rücken liegen soll wahre Wunder bewirken und Falten im Gesicht und am Dekolleté entgegenwirken. Für einmal eine durchaus kostengünstige Anti-Falten-Therapie!

Also, Mädels, immer schön auf dem Rücken schlafen!

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Ob da noch was draus wird?

Das Projekt hat einen Namen: Amaryllis erneut zum Blühen bringen.

Das Projekt ist schon im letzten Jahr gescheitert. Ob dieses Jahr noch etwas draus wird?

Ich weiss nicht so recht. Die meisten Leute behandeln diese Knollen wohl als Wegwerf-Objekt. Nach dem Blühen – und das tut eine Amaryllis zweifellos in einer grandiosen Üppigkeit – hat sie ausgedient. Gezüchtet, damit sie an Weihnachten blüht, erleben die wenigsten Pflanzen den Frühling.

Ich wollte es versuchen. Vor zwei Jahren schon. Die Amaryllis blühte dermassen schön, dass ich beschloss, einen Versuch zu wagen. Im Sommer durfte das Gewächs, das mittlerweile aus ein paar nahezu einen Meter langen, schmalen Blättern bestand, im Freien stehen. Ich konvertierte den Knollen zum Hydro-Kultur-Gewächs und gab regelmässig Wasser. Im Herbst stellte ich die Wassergabe ein und wartete. Worauf? Dass sich gut sichtbar ein Blütenansatz entwickelt. Ab dann, so die Theorie, durfte, ja musste ich wieder Wasser geben.

Irgendwie verpasste ich den richtigen Moment; das, was dann mutmasslich eine Blüte geworden wäre, verdorrte kümmerlich. Dennoch, die Knolle war noch nicht zu Tode gepflegt. Im Gegenteil, sie entwickelte einmal mehr prächtiges Grünzeug.

Im vergangenen Herbst erhielt die Pflanze Ende September zum letzten Mal Wasser. Ihre Blätter verdorrten daraufhin wie vorgesehen. Und nun sieht das Ganze dergestalt aus:

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Ich warte. Und warte. Und warte. Nicht mehr ganz so geduldig wie auch schon. Aber ich warte immer noch. Vielleicht wird ja doch mal noch etwas draus.

Hat jemand hier Erfahrung mit dem Wiederbeleben von Amaryllis?

Wie die Katze zum Hund wurde

Bei unserem letzten Housesitting in Schweden waren es Hühner in schwindender Anzahl und eine Katze. Dieses Mal ist es ein Hund. Ein angeblich gut erzogener Hund mit diversen Flausen allerdings.

Mein innig geliebter Mithüter und ich – wir müssten lügen – haben nicht wirklich viel Erfahrung mit Hundeviechern, sieht man mal davon ab, dass wir beide in unserer Kindheit einen Hund hatten. Trotzdem haben uns die Besitzer ihren Liebling anvertraut. Die Umstände sind hier etwas besonders, wir haben die Leute nie zu sehen bekommen, der Hund wurde uns von Freunden überbracht.

Damit aber jaaaa nichts schief geht und der Hund wie gewohnt seine Marotten ausleben kann, habe ich mich gestern in einem rund dreissigminütigen Telefongespräch mit der Besitzerin aufdotiert. Danach war ich irgendwie etwas platt.

Wir werden uns also mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, dass Conrad um 9.00 und 18.00 Uhr (und nur mit aussergewöhnlich plausiblen Gründen fünf Minuten früher oder später) sein Futter vorgesetzt bekommt. Wir werden ihn (auch wenn uns nicht ganz wohl dabei ist) frei laufen lassen, weil er sich sowieso besser auskennt und uns angeblich immer wieder findet. Wir werden dafür sorgen, dass er seine Nachtruhe einhält und nicht etwa – wie es seinem Naturell als Jagdhund entsprechen würde – bei Einbruch der Dämmerung auf Pirsch geht. Wir werden ihm das Fell bürsten, ihn flattieren, loben, suchen, an der Leine führen (auch wenn er dank seiner Kraft eher uns führt). Wir werden ihm mit dem Knochen quietschen, damit er weiss, dass angerichtet ist, ihm jeden Morgen sein Bett machen und selbstverständlich immer lieb zu ihm sein.

Ach war das mit den Viechern in Schweden doch einfach!

Knie vs. Herz

Im verwandtschafts-internen Lazarett beschäftigen wir uns derzeit mit folgenden Dossiers: Lahmes Herz, schmerzendes Knie, Dachschaden.

Im Fall des Dachschadens sehen die Experten aufgrund der fast hundertjährigen Bausubstanz keine Möglichkeit zur Sanierung mehr. Nicht so bei den beiden anderen Fällen. Diese wurden praktisch zeitgleich für eine Reparatur aufgeboten. Während der Meniskus sich für eine ambulante Behandlung entschied und gleichentags wieder in den eigenen vier Wänden herumhumpelte, waren für den Herzschrittmacher zwei Nächte im Spital vorgesehen. Obschon das Einsetzen eines Herzschrittmachers mittlerweile als Routineeingriff gilt, hat nicht nur die Operation länger als üblich gedauert, auch der Spitalaufenthalt zieht sich in die Länge.

Dem Meniskus beschied man, er dürfe sein Bein zehn Tage lang nicht belasten, worauf prompt eine Küchen- und Alltagshilfe in Form der eigenen Tochter aufgeboten wurde. Die Tochter ist seit ein paar Tagen in Rufnähe der Mutter, kocht, rast mit dem Staubsauger durch die Wohnung, hilft Haare waschen und sorgt auch sonst für Unterhaltung.

Der Herzschrittmacher dagegen darf erst morgen nach Hause, dürfte dann aber nach Ansicht der Ärzte wieder fit genug sein, dass er nach dem einwöchigen Aufenthalt im Spital den Alltag ohne Fremdeingriff bestreiten kann. Um das seelische Wohl des Herzschrittmachers kümmert sich dessen Bruder, den man für solche Zwecke scham- und endlos missbrauchen kann. Für das leibliche Wohl hingegen verfügt der Herzschrittmacher-Bruder über unzulängliche Kenntnisse.

Wenn sich die beiden verwandtschaftlich abberufenen Eheleute in absehbarer Zeit wieder sehen, dürften sie sich in ihrer Ekstase im gegenseitigen Hand anlegen richtiggehend übertrumpfen. Wenn das nur gut geht.