Mit vielen guten Ideen bewaffnet

Zügig schritt ich dem Weg entlang. Mein Ziel war klar, und ich steuerte ohne Umweg darauf zu. Meine Hand glitt in die rechte Hosentasche. Beruhigend. Es war noch da, mein Taschenmesser. Ich würde notfalls von ihm Gebrauch machen. Ohne jegliche Skrupel.

Zunächst schien alles wie immer zu sein. Doch dann traf ich auf die Spuren eines Gemetzels. Ich war also nicht die Erste. Doch wie lange mochte es her sein? Ein paar Tage, eine ganze Woche vielleicht.

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Ich liess mich nicht einschüchtern, schritt weiter. Und sank entmutigt zu Boden, um diesen ungeniessbaren Anblick zu fotografieren.

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Für einen Lichtblick sorgte ein paar Baumstümpfe später dieses Ensemble.

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Und als ich schon resigniert seufzen wollte, dass heute wohl Hopfen und Malz verloren sei, sah ich ihn.

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Er trat unverzüglich in Kontakt mit meinem Sackmesser. Leider sollte sich herausstellen, dass er nicht nur weit und breit der Einzige seiner Art war, sondern bereits zahlreiche Untermieter hatte.

So blieb mir nichts anderes übrig, als heute Morgen unverrichteter Dinge den Wald wieder zu verlassen. Die grosse Steinpilz-Schwemme, wie sie vor zwei Wochen geherrscht hatte, wird wohl kein zweites Mal kommen diesen Herbst. Ein Bisschen mehr Pilze hätte ich trotzdem erwartet. Wenn aber, wie in den vergangenen Tagen, von sämtlichen Medien berichtet wird, wie viele Pilze, namentlich Steinpilze, derzeit aus dem Boden schiessen, muss ich mich eigentlich nicht wundern, dass seit meinem letzten Besuch gründlich abgeräumt wurde.

Selbstgespräch im Wald

“Wenn es schon keine essbaren Pilze im Wald hat, Bea, könntest du ja wieder mal ein paar Pilz-Fötteli verbloggen.” Ich sprach es laut aus, griff zur Kamera und begann, das Wenige, das da wuchs, zu fotografieren.

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Dann stellte sich mir doch noch ein essbarer Pilz in den Weg.

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Und in der Folge hob ich ein ganzes Nest an Flockenstieligen Hexenröhrlingen aus.

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“Dein Nachtessen ist mehr als gesichert”, ermunterte ich mich, als ich die ersten 750 Gramm Pilze dieser Saison aus dem Wald trug.

Neugierde gestillt

Sehr lang hielt ich es daheim nicht aus. Gestern um 20.00 erst aus Frankreich heim gekommen, war ich 13 Stunden später schon wieder unterwegs. Gut, es hätte viele Gründe gegeben, die dagegen gesprochen hätten.

Ausschlafen. Nicht nötig, kam ich doch erst gerade aus den Ferien zurück. Ausgeschlafener als ich kann man gar nicht sein.

Neues Handy besorgen. Nur nichts überstürzen, Frau Flohnmobil! Wie hat es Ihnen doch Ihr Mann beigebracht: Zuerst überlegen, dann handeln.

Wäsche waschen. Dreckiger wird sie wohl kaum mehr, also kann sie auch noch ein paar Stunden länger warten.

Ordnung ins Büro-Puff bringen. Kann sogar noch besser warten als die dreckige Wäsche.

Krafttraining. Die erschlafften Muskeln lassen sich später am Tag gewiss mindestens so gut stählen.

Einkaufen. Die Läden haben noch bis 18.00 Uhr offen.

Mich zurückmelden. Da wir einen Tag früher als geplant heim gefahren sind, würde ich noch einige Stunden inkognito anwesend sein.

Genügend Ausreden also, um mich meiner herbstlichen Passion zu widmen. Und es sollte sich lohnen. Die Steinpilze scheinen gerade so Anlauf zu nehmen für einen neuen Schub. Mein Nachtessen war gesichert (und das der Nachbarn auch), mein Gwunder gestillt. Ich bin sehr zuversichtlich, was die Pilzernte der kommenden Tage betrifft.

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Lauscher im Wald

Es hätte ein normaler Sonntag werden können. Wovon ich erst noch herausfinden muss, was bei mir an einem Sonntag “normal” überhaupt bedeutet. Jedenfalls machte mich auf zu einem Spaziergang in den Wald. Die Absicht dahinter lässt meine Ausrüstung erahnen: Stoffsäckli und Sackmesser.

Es sollte nicht lange dauern, da erblickte ich eine Stinkmorchel. Diese Dinger wirken mitten im Wald immer wie Penisse. Haben auch eine ähnliche Grösse. Wenn nur die Fliegen nicht wären…

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Die Legende besagt: Wo es Stinkmorcheln hat, können auch die von dir gesuchten Pilze nicht weit entfernt sein. Und tatsächlich sollte es nicht lange dauern, bis ich die ersten Steinpilze einsacken konnte. Nicht mehr ganz alle waren taufrisch, weshalb ich mitunter eine derartige Sauerei im Wald zurücklassen musste. Da hatte es teilweise schon zu viele Untermieter an den gesuchten Pilzen. Die Natur wird innert weniger Tage dafür sorgen, dass auf diesem Fleck wieder Ordnung herrscht.

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Die grösste Überraschung des Tages erwartete mich an einem Waldrand. Das waren doch nicht etwa? Doch! Ich konnte mein Glück kaum fassen. Schweinsöhrchen fand ich seit Jahren nicht mehr. Und schon gar nicht bei uns im Wald. Einer der besten Pilze überhaupt. Sorgsam schnitt ich sie knapp oberhalb des Waldbodens ab und entfernte die eingewachsenen Nadeln und Ästchen. Auf einem einzigen Quadratmeter konnte ich mehr als ein halbes Kilo Schweinsöhrchen ernten, die Kleinsten liess ich stehen. Mein Sonntag – er war gerettet! Und beschäftigt war ich mit dem Pilze putzen daheim dann für eine ganze Weile.

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Wo steht das Männlein im Walde?

Wenn man die Wälder durchstreift auf der Suche nach Pilzen, bleibt das Auge an so manchem hängen. Doch längst nicht alles, was aus der Ferne nach Pilz aussieht, ist tatsächlich ein Pilz. Manchmal ist es ein Wurzelstück, das das Auge düpiert. Manchmal ein Stein, ein Tannzapfen oder auch nur ein Blatt, das die Sonne aus dem richtigen Winkel beleuchtet.

Das ging mir heute mehrfach so. Ganz besonders an einem bestimmten Ort, wo ich immer wieder hin gehe. Von weitem dachte ich noch, ich hätte es mit ein paar Pilzen – den  mattbraunen Köpfchen von Maronenröhrlingen oder dergleichen – zu tun. Schon wollte ich mich freuen…

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… doch beim Näherkommen sah ich, dass hier das sprichwörtliche Männlein im Walde stand. Freude empfand ich beim Anblick dieses Gebildes dennoch.

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Freudentaumel im Wald

“Komm mal hier rüber, so was hast du noch nie gesehen!” Mein innig geliebter Mitbewohner schien etwas Spezielles entdeckt zu haben im lichten Tann und so folgte ich seinem Aufruf, stapfte aus dem Wald heraus, überquerte den Forstweg und machte mich auf dorthin, wo seine Stimme her getönt hatte. Beim Pilze suchen ist es nicht immer einfach, seinen Begleiter auf Anhin auszumachen, selbst wenn er auffällig gekleidet ist. Mehr als einmal schon haben wir einander verloren. Solange wir jedoch im heimatlichen Wald unterwegs sind, ist die Chance, einander wieder zu finden, ziemlich nahe bei 100 Prozent.

Noch bevor ich den Mitbewohner in seiner roten Jacke erblickte, sahen meine auf Pilze getrimmten Augen eine Gruppe goldgelber, kräftiger Pilze. Wie entzückend! Wie lange hatte ich schon keine Glimmerschüpplinge mehr gesehen.

Der Mitbewohner konnte meine Freude nicht ganz nachvollziehen, hatte er mich doch lediglich auf diese schönen Pilze aufmerksam machen wollen. Dass sich uns da ein ganz besonderer Fund in den Weg stellte, dämmerte ihm erst allmählich, als er sah, dass meine Begeisterung ins Unermessliche zu steigen schien.

Und so ernteten wir. Und ernteten. Und ernteten, bis nur noch die ganz kleinen und die ganz grossen Exemplare standen. Fast zwei Kilo Pilze allerbester Güte. Madenfrei und total sauber. Daheim konnte ohne grosse Umschweife das Verarbeiten beginnen.

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Endlich mal wieder ein guter Fund! Und der ultimative Beweis, dass derzeit bei uns durchaus Pilze wachsen, man muss sie nur finden – und kennen. Denn auch hierzulande scheint alles hinter Steinpilzen und anderen Röhrlingen her zu sein. Allerfeinste Pilze wie dieser Goldschüppling, der an seinem Standort absolut nicht zu übersehen war, bleiben – gottseidank! – stehen….

…. dachte ich bis vor kurzem. Dann setzte ich mich hin, und während im Keller der Dörrapparat surrte, begann ich, diesen Blogbeitrag zu schreiben. Beinahe fertig wollte ich noch einen Link einfügen zu diesem herrlichen Pilz. Au Backe, der Pilz gilt ja mittlerweile als giftig! Ich klapperte diverse Websites ab und erntete Meinungen von problemlos essbar, nur in kleinen Mengen essbar, über leicht giftig. Was mich schliesslich überzeugt hat, ist die Tatsache, dass der Pilz bei unseren Pilzkontrollen nicht mehr freigegeben ist.

Übung abgebrochen.

Sammelwut, 100 Prozent analog

Der Anfang war nicht sehr vielversprechend. Gerade ein einziges Exemplärchen stellte sich uns in den Weg. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Erst, als wir einen etwas weiteren Weg in Kauf nahmen und unter einen altbekannten Busch krochen, wo uns alles gelb entgegen leuchtete, entbrannte das Fieber. Selbst mein innig geliebter Mitbewohner schien infiziert zu sein, war er es doch, der vorschlug, gleich noch dem Wäldchen nebenan einen Besuch abzustatten.

Fazit: 500 Gramm Eierschwämme Güteklasse 1a. Das war es dann aber auch. Keine Anzeichen von Steinpilzen. Ein paar marode Perlpilze, einige Wald-Champignons, erste Zigeuner. Alles eher madenanfällige Pilze und bei dieser Hitze ziemlich schnell verfressen.

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Einem Pilzrisotto stand nichts mehr im Wege. Noch nicht mal der Mitbewohner, der eher ein Risotto-Verächter ist. Und der erste Pilzrisotto des Jahres mit frischen Pilzen hat noch immer am besten geschmeckt.

Die Pilzsaison ist somit lanciert. Ich sammle definitiv lieber Pilze als Pokemons!

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Vergänglichkeit auf Holz

Im Wald wachsen derzeit nicht viele brauchbare Pilze.



Zumindest nicht jene, welchen Frau Flohnmobil gerne nachstellt.


Schön anzuschauen sind die Kunstwerke der Natur alleweil.


Auch wenn der Mensch mitunter etwas eingegriffen hat.

Wie gut, dass man da auf Eingemachtes aller Art zurückgreifen kann – so kommen die Pilzvorräte vom letzten Jahr auch endlich weg.