Nicht nur motzen – auch hinterfragen!

Ein Nachtrag zu meinem Zucchetti-Blog von heute Morgen.

Ich hatte mich beim Gemüse-Produzenten nach der schwarzen Plastik-Folie erkundigt. Innert weniger Stunden erhielt ich eine Mail-Antwort, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Sehr geehrte Frau Flohnmobil!

Danke für Ihre Nachfrage und Ihr Interesse am Gemüsebau.

Mulchfolie wird heute im Gemüsebau aus unterschiedlichen Gründen eingesetzt:

  • Schnellere Erwärmung des Bodens im Frühjahr
  • Reduzierung des Unkrautdrucks und dadurch Einsparung von Handjäten oder Herbiziden
  • Verdunstungsschutz: es wird weniger Wasser über die Bodenoberfläche verdunstet
  • geringerer Bewässerungsbedarf, da direkt über eine Tropfbewässerung unter der Folie bewässert wird
  • Qualitätsverbesserung durch Verhinderung von Fäulnis oder Verschmutzung

Beim Anbau von Zucchetti werden unterschiedliche Folientypen verwendet. PE-Folien werden nach der Abernte vollständig vom Feld entfernt und der Abfallverwertung zugeführt.

Bei der von ihnen beobachteten Mulchfolie handelt es sich nicht um „Plastik“folie sondern um sog. „Biofolie“. Diese besteht aus Polymilchsäure und wird durch Fermentation aus Zucker und Stärke unter Zuhilfenahme von Milchsäurebakterien bzw. Pilzen hergestellt. Diese Folien werden also aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und sind vom Hersteller zertifiziert. Nach Kulturende werden die Reste dieser Folien in den Boden eingearbeitet und durch Feuchtigkeit und Bodenbakterien vollständig zersetzt. Die Zersetzungszeit häng im wesentlichen von der Witterung (Temperatur, Bodenfeuchte) und von der Foliendicke ab. Unsere letztjähren Erkenntnisse nach Verwendung der Biofolie haben gezeigt, dass eine Einarbeitung der Folie in den Boden den Verrottungsprozess wesentlich beschleunigt.

Da ein Laie die Biofolie meist nicht von einer PE-Folie unterscheiden kann, kommt es deshalb leider manchmal zu Missverständnissen.

Mit freundlichen Grüssen
M.K.
Leitung Produktion

Tönt zumindest glaubwürdig.

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Zucchetti-Schwemme

Sie sind unter Gärtnern berühmt-berüchtigt. Wenn man nicht höllisch aufpasst, wird aus dem zierlichen Stängelchen innert kürzester Zeit eine Waffe. Zucchetti (oder Zucchini, wie sie wohl ausserhalb Helvetiens genannt werden), wachsen in nahezu jedem Garten. Und nahezu jeder Gärtner weiss sich früher oder später ihrer nicht mehr zu erwehren. Der Begriff “Zucchetti-Schwemme” wird jeden Sommer von neuem von jedem Kochmagazin aufgegriffen, um dem Gemüse einen würdigen Auftritt auf dem Teller zu verschaffen.

Leider hat die Wortschöpfung in jüngster Zeit für mich eine völlig neue Bedeutung erhalten. Auf einem grossen Acker in unserer Nähe, den sich ein Grossproduzent, der auch die Migros beliefert, unter den Nagel gerissen hat, wachsen unter anderem auch Zucchetti. Ein Spaziergang führte mich kürzlich daran vorbei und was ich sah, stimmte mich – zurückhaltend ausgedrückt – etwas nachdenklich.

Alle Zucchetti, die nicht der aberwitzigen Vorgabe einer Norm entsprechen, werden ausgebrochen und liegen gelassen. Zu dick? Weg mit dir! Zu krum? Du hast nichts in der perfekten Gemüseauslage verloren! Zu lang? Du passt nicht in die vorgesehene Kiste!

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Massenhaft liegen die Zucchetti zwischen den Reihen. Hey, das sind produzierte Lebensmittel! Deren Anzucht hat Ressourcen verbraucht! Wirft man die einfach so weg? Ich fasse es nicht. Wäre ich dagegen so dreist, eine Zucchetti mitzunehmen, so käme das faktisch einem Diebstahl gleich.

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Definitiv sauer aufgestossen sind mir dann aber die Zucchetti auf dem abgeernteten Feld ein paar Meter weiter. Da soll mir doch keiner weismachen, dass dieser zerrissene Plastik im Herbst wieder vollständig entfernt wird!!!

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Da lobe ich mir meinen privaten Gemüse-Lieferanten. Er würde seine Zucchetti nie und nimmer SO GROSS WERDEN lassen, bringt sie mir sogar an die Haustüre und veranstaltet garantiert keine Plastik-Schweinerei in seinem Schrebergarten.