Es dü-da-dot immer moderner

Heute sah ich sie erstmals, diese zwei kleinen Dinger in der Wand. In der Wand des Postautos. Ich kann mich nicht erinnern, sie schon mal dort gesehen zu haben.

USB-Steckerli sind  es. Nach dem Internet-Empfang im Postauto kann man nun also auch noch sein Handy während der Fahrt laden.

Das besagte Postauto verkehrt regelmässig und ausschliesslich in der näheren Umgebung und ist entweder ganz neu oder zumindest neu umgebaut. Ich frage mich ernsthaft, ob es diesen neuerlichen Komfort wirklich braucht auf einem Kurs, in dem der Fahrgast nach meiner eigenen Einschätzung im Durchschnitt weniger als zehn Minuten verweilt.

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Am Busen des Kontrollööörs

Eine Haltestelle nach mir stiegen heute Nachmittag zwei ganz, ganz coole Jungs ins Postauto ein. Wenn sie gewusst hätten, was ich wusste, hätten sie sich garantiert anders verhalten. Oder hätten ein Postauto ausgelassen. Oder wären gar zu Fuss gegangen, den das nächste Postauto wäre erst in einer Stunde gefahren, und in der Zeit wären sie locker von A nach B gelaufen. Ich meine, so cool wie die Zwei schliesslich waren oder sich zumindest gaben.

So aber tappten sie ahnungslos in die Falle. Sie lümmelten sich auf der Viererbank und ärgerten sich lautstark über einen abmontierten Zigaretten-Automaten im Dorf. Als sich das Postauto in Bewegung setzte, stand ein Mann auf und hielt den coolen Jungs seinen Kontrollööör-Ausweis hin. Mir schien, als ob die coolen Jungs (und um Spekulationen vorzubeugen: sie waren weder Secondos noch Provenienz Balkan) plötzlich etwas bleich um die Nasenspitze rum wurden. Sie hatten kein Billett. Und sie hatten auch kein Geld dabei, die Busse von 80 Franken fürs Schwarzfahren zu blechen.

Jeder der beiden Kontrollöööre nahm einen der mittlerweile ziemlich kleinlauten Jungs zur Brust, verlangte einen Ausweis, tippte Name und Adresse in sein elektronisches Kontrollööör-Apparätli und druckte schliesslich einen Fackel aus, den die 14-Jährigen unterschreiben mussten. Zu guter Letzt riet einer der Kontrollööre, sie sollten doch zu Hause eine Vorwarnung aussprechen, dass in den kommenden Tagen ein Einzahlungsschein mit der Post kommen würde.

Wieso ich das alles so genau weiss? Ich hatte einen Logenplatz im Postauto. Und während ich das Geschehen auf der Sitzbank vor mir mitverfolgte, war ich hin und her gerissen zwischen Schadenfreude und Mitleid. Mitleid allerdings nicht mit den coolen Jungs, sondern mit dem, der die Busse bezahlen muss. Und angelehnt an die heutigen Erziehungsmethoden dürfte das höchstwahrscheinlich der Alte sein.