Am Anfang war der Spargel

Ohne Zweifel, Spargel hat hier und jetzt Saison. An jedem Gemüsestand wird er angeboten – in grün oder weiss, dick oder dünn. Allerdings geht Spargel hier in der Provence nicht als normiertes Stängeli in die Hände des Käufers über, sondern mitunter als krumme, verdrehte Kreatur, die oft genug erst unmittelbar vor dem Einpacken auf einheitliche Länge geschnitten wird.

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Spargeln wachsen aber auch im Wald. Zumindest war das mein allererster Gedanke, als ich diese Pflanze sah:

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Als die Tage ins Land zogen, wurde ich eines Besseren belehrt; der Spargel begann sich zu entfalten.

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Bis sich schliesslich die wahre Schönheit des “Gemüses” offenbarte.

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Leider tendiert der Spargel dazu, sich in den Schatten zu flüchten, wenn ich an ihm vorbei gehe.

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Weiss jemand, um welche Pflanze es sich handelt?

Ein Meer von Blumen

Die Provence im Frühling. Das sind Duftwolken von Akazien, Flieder, Ginster. Vogelgezwitscher, untermalt vom beinahe unablässigen Ruf des Kuckucks, akustisch begleitet vom Hämmern eines Spechts. Und vor allem und immer wieder

Blumen. Blumen. Blumen. Blumen.

Blumen in allen Farben. Blumen in allen Formen. Blumen, die tagelang blühen. Blumen, deren Pracht nach einem Tag schon vorbei ist. Unscheinbare Blumen. Unbekannte Blumen. Blumenmeere.

Ich gehe nie ohne Kamera aus dem Haus. Von jedem Hundespaziergang komme ich garantiert mit einer neuen Blume auf dem Speicherchip zurück. Ich bin entzückt. Und kann nicht anders – ich muss hier ein paar Blumenbilder veröffentlichen.

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Ist das schön oder schön?

Und, was gibt’s schon alles?

Wir waren heute auf dem Markt. Nur ein kleiner Bauernmarkt, der der Versorgung der Bevölkerung dient und keinerlei touristische Hintergedanken und deshalb auch keine überrissenen Preise hat.

Das Angebot war sehr überschaubar, da die Handvoll Standbetreiber nur anboten, was gerade wächst oder allenfalls noch in den Lagerräumen vorhanden ist. An frischen Produkten gab’s Erdbeeren, Salate, Radieschen, Saubohnen, Kräuter, Setzlinge, Blumen und irgend so ein komisches Gestrüpp, das ich nicht kenne und die Franzosen mit Begeisterung einkauften. An Eingelagertem wurden Zwiebeln, Lauch, Chabis, Wein und Zeugs in Gläsern angeboten. Ausserdem einen Stand mit Fleisch und Poulets vom Grill, die schon lange bevor der Markt endete, ausgeflogen waren.

Während zu Hause auf unserem Sitzplatz vermutlich demnächst Schwäne brüten werden, konnten wir bei strahlendem Sonnenschein anschliessend einen Kaffee geniessen.

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Ich habe uns Erdbeeren und Spargeln gekauft. Und für zwei Euro ein kleines, unscheinbares Gewächs. Dieses werde ich nun nach allen Regeln der Kunst hätscheln, damit es dereinst mal ein veritabler Basilikum, pardon Basilic marseillaise, wird.

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Hund zufrieden – Alle zufrieden

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich sind nicht etwa zum Vergnügen in der Provence. Und zum Ferien machen schon gar nicht, denn Ferien machen wir grundsätzlich nicht, wir verbringen nur unseren Alltag an einem anderen Ort.

Wir haben hier beim Goldschätzchen diverse Aufgaben und wurden als Haus- und Hundesitter engagiert. Also genau genommen ist es umgekehrt, das Wichtigste in diesem Haus ist nämlich der Hund. Und dieser kann – im Gegensatz zum Haus – nicht sich selbst überlassen werden. Im Falle des Goldschätzchens bin ich mir da zwar nicht so sicher, denn die Vergangenheit hat mehrfach bewiesen, dass es bevorzugt alleine unterwegs ist, gerne auch mal halbtageweise. Wohl verlassen wir das Haus immer zu dritt, kehren aber in aller Regel zu zweit zurück. Und dabei bleibt nicht etwa der Mitbewohner auf der Strecke.

Der heutige Hundespaziergang hat knappe zwei Stunden gedauert (ohne Regenschirm und Wintermantel…). Da der Mitbewohner und ich schon zum dritten Mal hier sind, kennen wir uns mittlerweile etwas aus, entdecken aber auch immer wieder neue Wege. Das Goldschätzchen ist mal hinter, mal vor uns auf dem Weg, mal sehen wir es, dann wieder nicht. Dank einer klimpernden Plakette mit der Telefonnummer an seinem Halsband können wir es oftmals hören, aber im Dickicht nicht sehen. Und irgendwann ist es dann gar nicht mehr da. Das war heute nicht anders und so kehrten wir einmal mehr zu zweit in unsere temporäre Luxusabsteige zurück.

Wie immer kam das Hundeviech früher oder später nichtwässerchentrübenkönnend zurück. Meist aber erst nach einem Abstecher in irgendeine Pfütze in der Gegend. Und drum kam es heute bereits in den Genuss einer ordentlichen Gehirnwäsche Dusche.

Jemand, der uns hier besuchen kommt, hat mich gefragt, ob wir aus der Heimat etwas bräuchten. Meine erste Reaktion war “nein, danke”. Doch wenn ich es mir genauer überlege, könnte er mir eigentlich eine Kuhglocke mitbringen. Damit könnten wir das Goldschätzchen im Wald garantiert einfacher orten.

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Die Zwei wieder!

Was hören meine feinen Lauscher? Ein Auto kommt den Kiesweg entlang. Da muss ich mich gleich mal bemerkbar machen. Lautstark. Wer das wohl wieder sein mag? Ich hab schon seit Tagen den Eindruck, dass sich hier eine Veränderung anbahnt. Ob es jetzt soweit ist?

Das Fahrzeug kenn ich doch. Da durfte ich doch auch schon mal mitfahren. Aber natürlich, das sind diese zwei Komischen! Diese zwei, die so abartig tönen und sich einbilden, sie übernehmen nun hier das Zepter im Haus, während mein Frauchen in ihrer alten Heimat ist.

Na denen werd ich zeigen, wer hier der Herr im Haus ist. Aber zuerst mal gehe ich sie ganz artig begrüssen. Wenn ich mich recht erinnere, gab es früher für solches Getue immer eine Belohnung.

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Wer jetzt nur noch Bahnhof versteht: Dranbleiben oder hier die alten Beiträge anschauen. Beides lohnt sich. Versprochen!

Nochmals Blumen

Während mein innig geliebter Mitbewohner und ich im Idealfall bereits mit Auspacken beschäftigt sind, habe ich für euch nochmals ein paar Blumen aus der Provence zusammengestellt, die mir in den letzten drei Wochen mehr oder weniger häufig begegnet sind.

Lein. Welcher genau, bleibt sich mir verschlossen. Aber definitiv Lein.

Nach den Blätter zu schliessen dürfte das eine Wildform von Kosmea sein.

Hier bin ich mal wieder überfragt. Aber schön war das Blümchen alleweil.

Und nun noch die Auflösung betreffend meiner Lieblings-Blume in der Provence. Dank Barbara weiss ich, dass es sich hier um eine Binsenlilie handelt.

Das war’s dann vorläufig mit Blumen aus der Provence. Nun sind wieder Storchenschnabel, Gänseblümchen und andere Vögel angesagt.

Im Chriesi-Himmel

Beim Gedanken an die Provence wären mir Lavendel in den Sinn gekommen, Olivenöl oder die Gewürzmischung „Herbes de Provence“. Aber sicher keine Chriesi.

Dabei hat es hierzulande Hunderte, auch was sage ich, Tausende von Chriesibäumen. Und diese sind dieser Tage voll beladen mit reifen Früchten. Allerdings muss man der Ehrlichkeit halber auch erwähnen, dass es viele tote Chriesi-Bäume gibt. Irgendein Problem scheinen die hier mit ihren Bäumen zu haben.

Grad hinter unserem Haus steht eine ganze Galerie an Bäumen, die noch ziemlich busper sind. Wäre doch wirklich eine Schande, all die Chriesi den Vögeln zu überlassen, oder? So haben mein innig geliebter Mitbewohner und ich eingegriffen und haben als erstes einen Chriesi-Entsteiner gekauft. Auf der Schachtel steht, man schaffe damit 12 Kilo Chriesi pro Stunde. Nun, wir hatten wenig Ambitionen, diesen Rekord zu brechen, dennoch war uns daran gelegen, ein paar Gläser Konfitüre zu machen. Und diese natürlich möglichst ohne hartes Innenleben.

Nach den ersten drei Gläsern Konfitüre waren wir bei einem Preis von 7 Euro pro Glas angelangt. Ein viel zu horrender Preis, um die Produktion bereits einzustellen. So sind wir wieder und wieder den Chriesi-Bäumen nachgestiegen und haben die reifen Früchte geerntet. Mittlerweile ist die Chriesi-Konfi erschwinglich geworden. Wir sind mit dem Resultat hochzufrieden. Und werden, sind daheim die Chriesi dereinst reif, diese wohl alle schnöde abtun.

Übrigens haben wir eine geniale Möglichkeit ausgetüftelt, wie man sicherstellen kann, dass kein Stein in den Früchten verbleibt. Zuerst haben wir alle Chriesi gezählt, dann alle Steine im Auffangbehälter. Und mit viel Glück….

Chriesi entsteinen – im Grunde genommen eine rein mathematische Angelegenheit!

Im Reich der wilden Tiere

Wenn man in einem Haus wohnt, das an den Wald grenzt und von Wiesen umgeben ist, ist man der Natur ziemlich nahe. Dass man die Tierwelt in einer solchen Umgebung nicht einfach aus dem Areal verbannen kann, liegt auf der Hand.

Fliegen, Wespen, Ameisen, Spinnen, Heuschrecken, Mücken, Nachtfalter – sie alle spazieren oder fliegen ungefragt ums und ins Haus. Zur fliegenden Truppe gehören auch die Krähen und weitere Vögel, die die bald reifen Kirschbäume heimsuchen und die Fasane, die wir schon mal an der Türschwelle hatten.

Weniger gefragt sind Mäuse. Harmlos Eidechsen. Nicht gerade niedlich anzusehen aber ebenso harmlos sind die Kröten, die wir laufend aus dem Filter des Pools fischen, und die offenbar schneller wieder im Wasser sind, als wir auf dem Absatz kehrt machen können.

Wildschweine gibt es hier auch. Wir haben ihre Spuren gesehen und sie letzte Nacht gehört. Vor einigen Tagen haben wir zu unserem grossen Erstaunen ein Reh gesehen. Das müssen die Jäger irgendwie übersehen haben.

Und zu meinem allergrössten Erstaunen gibt es hier auch Skorpione. Hatte ich nicht gewusst. Das schwarze Insekt war schon an der Türschwelle. Ich traute meinen noch nicht ganz wachen Augen nicht, als ich am Morgen das Goldschätzchen auf seine Schnupperrunde entliess. Ich fegte das gut 5 cm lange Tierchen von der Türe weg und versuchte mich mässigem Erfolg ein Bild zu machen. Zu schnell war das Ding, zu gross meine Bedenken, es könnte wieder in die falsche Richtung laufen.

Um diese Erfahrung bereichert wenden mein innig geliebter Mitbewohner und ich nun eine Taktik an, die uns von Australien her noch bestens vertraut ist: Immer zuerst die Schuhe umdrehen, bevor man reinschlüpft.