Putzig

Das Gerücht hält sich hartnäckig. Und an jedem Gerücht ist bekanntlich etwas Wahres dran. Also bin ich geneigt zu glauben, dass es tatsächlich Leute gibt, die gerne

! ! ! P U T Z E N ! ! !

Eine beängstigende Vorstellung. Kann mir garantiert nicht passieren! Ich mag es zwar sauber in meiner Wohnung, aber dennoch nicht klinisch rein. Und ich renne nicht jedem Stäubchen hinterher; Dreck wird grundsätzlich im Kollektiv eingesammelt.

Daraus ergibt sich folgende, für Putzteufelchen nicht nachvollziehbare These: Eine fünfstündige Wanderung strengt mich weitaus weniger an, als zwei Stunden lang mit Putzlappen, Staubsauger und Strupper bewaffnet in meiner Wohnung zu wirken.

Deshalb bin ich heute zwecks Erholung auch nicht zu Hause anzutreffen.

Nicht auf den Boden treten!

Ich weiss nicht mehr, was der Auslöser für diesen Beitrag war. Eines weiss ich aber mit Gewissheit: Wenn ich solche Geistesblitze nicht sofort aufschreibe, versanden sie wieder. Es sei denn, ich hinterlasse auf meinem Pult einen Fresszettel, der mir irgendwann mal wieder zwischen die Finger gerät. So wie jetzt.

Als hätte ich ihn erst gestern zum letzten Mal gesehen, erinnere ich mich an den Staubsauger meiner Grossmutter. Anfangs der Siebzigerjahre war das Nilfisk-Teil so gross, dass es einen halben Schrank füllte. Sein Einsatz musste wohl überlegt sein, galt es doch immer zuerst, ihn zusammenzusetzen. Als Kind fand ich diesen Staubsauger ein riesen Ungetüm. Nicht von ungefähr, wir hatten daheim ein etwas dezenteres Modell.

Meine Grossmutter aber hantierte mit ihrem Nilfisk souverän in der 3 1/2-Zimmer-Wohnung im Zürcher Heuried Quartier. Dort gab es keine Spannteppiche, wie sie in der damaligen Zeit in grässlichen Farben und Mustern Mode waren, sondern im Eingangs-Bereich einen Klinker-Boden und “echte” Teppich-Läufer. Dieser rotbraune Klinkerboden muss meiner Grossmutter heilig gewesen sein. Denn beim Betreten der Wohnung galt es stets, vom Treppenhaus in einem grossen Schritt direkt auf den Läufer zu treten. Wenn nicht, gab’s ein Donnerwetter. Einem Hüpfspiel gleich bewegte man sich in der Wohnung meiner Grossmutter von Teppich zu Teppich fort. Wehe, wenn man die Fränseli in Unordnung brachte! Ich glaube, meine Grossmutter war die Einzige, die je einen Fuss direkt auf diesen Klinkerboden gesetzt hatte. Und auch das nur, wenn sie ihn putzte.

Vor dem Haus gab’s eine Teppichstange. Und im Putzkasten – so viel Platz war neben dem Nilfisk-Monster dann doch noch – ein geflochtener Teppich-Klopfer. Heute stehen nur noch vor älteren Häusern solche Teppichstangen. Und einen Teppich-Klopfer habe ich glaub seit Jahren nicht mehr gesehen.  Ihr?

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So muss der Staubsauger meiner Grossmutter auch ausgesehen haben. An seine glänzende Oberfläche kann ich mich noch gut erinnern. Das Bild habe ich auf dieser Website gefunden.

Immer wieder Nachschub

“Das isch wieder eine für de Blog.”

“Muesch ufpasse, was’d seisch, suscht chunnts dänn im Blog.”

Solche und ähnliche Sätze höre ich ab und zu. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass der banale Alltag die inspirierendste Quelle für meinen Blog ist. Denn ich liebe es, groteske, lustige, spezielle Episoden in Worte zu fassen und hier zu veröffentlichen. Das geht so weit, dass mittlerweile fast von mir erwartet wird, über solche Anlässe und Begebenheiten zu schreiben.

Gestern Nachmittag beispielsweise sass ich zusammen mit einem Kollegen in einem Café. Wir liessen uns von der Bedienung – und es bedurfte wenig Überzeugungskraft ihrerseits – ein Stück Erdbeerschnitte zum Kafi aufschwatzen. Die nicht zu knapp bemessene Schnitte kam daher und wenig später auf je einem silbernen Tablett eine Tasse Kaffee. Diese war flankiert von einem kleinen, braunen Chübeli voller Kaffeerahm. Die Tafel war somit komplett und der Schmaus hätte beginnen können.

“Meinst du, dieses braune Chübeli ist aus Schoggi?” fragt es von vis-à-vis. Ich war mir nicht sicher, denn dort, wo wir beide häufiger einen Kaffee trinken und der Rahm auch in einem Schoggi-Chübeli daher kommt, ist die Schoggi wesentlich dicker. Ohne viel zu überlegen – genau gesagt,  ohne überhaupt auch nur das Geringste überlegt zu haben – begann ich, an dem dünnwandigen, braunen Gefäss herumzudrücken. Da ich meinen Kaffee schwarz trinke, sind solche Chübeli eigentlich ein Ärgernis für mich, denn ich muss immer zuerst warten, bis meine Tasse leer ist, bevor ich den Rahm reinkippen und die Schoggi essen kann.

So weit sollte es aber diesmal nicht kommen. Und zwar nicht, weil das Chübeli nicht essbar gewesen wäre, sondern weil es meinem Gefingere nicht Stand hielt. Ich hätte nie gedacht, dass sich so wenig Kaffeerahm so grossflächig verteilen kann!

Und nicht von ungefähr meinte mein Gegenüber nur Sekunden nach der Kaffeerahm-Explosion, während ich bereits dran war, mit einer Serviette das Schlachtfeld zu bearbeiten: “Da hättest du ein Bild machen sollen für den Blog.”

Ich überlasse die Sauerei, die ich veranstaltet hatte, eurer Fantasie. Möge sie blühen.

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Abschnitt für Abschnitt für Abschnitt für

Als wir damals in unsere Wohnung einzogen war klar: Ich wollte nicht in jedem Raum Vorhänge. Aber ich wolle auch nicht ausgestellt sein. Deshalb entschieden wir uns, bei zwei Fenstern Lamellen-Storen zu montieren. Das System hat sich auch 19 Jahre später noch bewährt. Schnell die Storen runter lassen, Lamellen senkrecht stellen und schon werden allfällige Glotzer ausgesperrt.

Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings schon. Im Gegensatz zu textilen Vorhängen, die man einfach mal so schnell runterholen kann und in die Waschmaschine steckt, wenn sie verdreckt sind, müssen diese Lamellen-Storen mühselig vom Staub befreit werden. Lamelle für Lamelle. Jede einzeln mit einem Lappen umfassen und durchwischen. Ich hab’s mal ausgerechnet. Beim einen Fenster kommt so eine Länge von sage und schreibe nahezu 100 (hundert!!!) Meter zusammen. Und das aufgeteilt auf über 300 Teilabschnitte. Müssig zu sagen, dass mir diese Arbeit nicht sonderlich Spass macht. Und ich sie deshalb auch ständig vor mir her schiebe.

Letzthin aber, da musste es einfach mal wieder sein. Ich habe in den sauren Apfel gebissen und mich systematisch durch die Lamellen gearbeitet. Damit ich nach dem Absetzen und Lappen auswaschen jeweils noch weiss, wo ich aufgehört habe, markiere ich die betreffende Stelle jeweils mit einer Wäscheklammer. Den Gedanken, an einem Ort zu putzen, wo es gar nicht nötig ist, könnte ich nicht ertragen.

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Der Zeit voraus

Es war absehbar, dass Frau Flohnmobil in eine ungewollte Putz-Euphorie verfallen würde. Der Baustaub hatte sich als feine Schicht überall – ÜBERALL!!! – in der Wohnung abgelagert. Auch in den Räumen, wo die Türe zu war. In solchen Fällen erkennt man sehr schnell die Vorteile, nicht in einem Zehn-Zimmer-Haus zu wohnen. Wirklich.

Noch sind nicht sämtliche Staubpartikel beseitigt. Ganz abgesehen davon, dass sich bekanntlich ständig neue bilden. Noch sind nicht sämtliche Möbel hervorgerückt und auch dahinter geputzt worden. Noch habe ich mir etwas aufgehoben. Zum Beispiel den grossen Vitrinen-Schrank, den ich schon lange mal innen und aussen gründlich reinigen wollte. „Lass doch das, bis wir den Maler im Haus haben“, meinte mein innig geliebter Mitbewohner, „dann musst du den Schrank ohnehin leeren, weil wir ihn so nicht von der Wand weg rücken können.“ Wie dankbar war ich für diesen Aufschub – ich kann bald keine Putzlappen mehr sehen!!!

Aaaaber … ich werde meiner Zeit voraus sein. Um Längen. Denn wenn es irgendwann mal Frühling wird, habe ich meinen Frühlingsputz bereits hinter mir. Und dann werde ich garantiert etwas Besseres anzufangen wissen, als in einen Putzrausch zu verfallen.

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Staub saugen für Quereinsteiger

Es beginnt immer gleich.

Man sucht ihn. Mit etwas Routine, und da er einigermassen sperrig ist, lokalisiert man den Staubsauger in jedem Haushalt ziemlich schnell. Man zerrt ihn ans Tageslicht und macht sich mit ihm vertraut. Viel mehr als zwei, drei Schalter hat selbst der komplizierteste Staubsauger nicht. Was für eine Wohltat in der heutigen Welt! Also kann man ihn ohne vorgängiges Studium einer Anleitung bedienen. Und das macht man dann auch ohne Verzug. Aber nie lange. Denn es beginnt immer gleich: Der Sack ist voll!

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Wenn’s weiter nichts ist! So ein Sack ist mit wenigen Handgriffen entfernt. Bloss, wo finde ich einen neuen Staubsaugersack?

Suchen.

Dank Spürsinn ist auch die Schachtel mit den neuen Staubsaugersäcken innert nützlicher Frist lokalisiert. Also: voller Sack raus, leerer Sack…

… nein! Der Motorfilter ist dick verstopft. Igitt! Das Teil waschen wäre angesagt, aber dann ist vorläufig nichts mit Staub saugen. Also linke Hand an die Nase, ein prüfender Blick, wo der Wind her kommt, rechte Hand schüttelt den Filter. Pfui Teufel!

Endlich ist alles wieder eingesetzt und betriebsbereit. Fazit: Beim ersten Mal Staub saugen in einem fremden Haushalt dauert die Reinigung des Reingungsgeräts häufig länger als das Staub saugen an sich.

Die Bestandesaufnahme

“War das jetzt ein Frühlings-, Jahres- oder Zehnjahresputz?” Die Frage meines innig geliebten Mitbewohners, so zynisch sie auch gestellt war, hatte durchaus ihre Berechtigung. Es war bitternötig gewesen, meine Küche wieder mal gründlich zu reinigen. Nicht nur von aussen, sondern insbesondere auch in den Schränken.

Das Reinigungsprozedere liess sich ideal mit einer Bestandsaufnahmen kombinieren. Und da kam einiges zum Vorschein, von dem Köchin Flohnmobil nichts mehr gewusst hatte! Es regte auch zum Nachdenken an. Als ich meine Auslegeordnung an Pfannen aller Art betrachtete, kam ich nicht umhin, mich zu fragen, ob der Mensch wirklich so viele Pfannen braucht. Dabei sind auf dem Bild noch nicht mal alle Pfannen, Töpfe und Kochbehältnisse abgebildet, die es in meinem Haushalt gibt.

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Ob weniger nicht mehr wäre? Es wäre sicherlich einfacher, weniger Pfannen in den beiden Schubladen unter dem Kochfeld zu verräumen. (Der Mitbewohner schimpft ohnehin jedes Mal, wenn er dort etwas verstauen muss.)

Aber jede Pfanne hat ihre Bestimmung. Klar könnte ich auch in der Gusseisenpfanne Polenta kochen. Meine Urgrossmutter würde dazu vielleicht impulsiv nach der orangen Pfanne greifen, weil sie mit dem neumödischen Zeugs nichts anzufangen wüsste. Und müssen es wirklich fünf verschiedene Bratpfannen sein?

Ja, müssen es. Und wer nun ungläubig staunt, findet die Gründe hier. Und ob ihr es glaubt oder nicht, ich hänge an meinen Töpfen. Manche begleiten mich schon durch mein ganzes Köchinnen-Leben. Und das sind immerhin schon mehr als drei Jahrzehnte.

Besser spät als nie

Es war wieder mal an der Zeit. Überfällig, um genau zu sein. Und es passte bestens zum heutigen Sonntagvormittag, an dem wir nur ein ausgesprochenes Schönwetterprogramm eingeplant hatten. Die Wanderung fiel ins viel zitierte und reichlich vom Himmel fallende Wasser.

So machten mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns daran, wieder einmal unsere Wohnung gründlich zu putzen. Hinter der Polstergruppe Staub saugen, Regale abstauben und ähnlicher Unfug. Das volle Programm halt.

Frühlingsputz. Wir hatten es gerade noch geschafft, hat doch heute Abend um 18.38 Uhr bei uns der astronomische Sommer begonnen. Davon habe ich zwar noch nicht viel bemerkt. Doch was ich heute – notabene, als es endlich zu regnen aufgehört hatte – auf dem letzten Sonntagsspaziergang des Frühlings sah, lässt zumindest etwas Hoffnung aufkeimen, dass es nun tatsächlich Sommer ist wird.

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Durchblickend

Es gibt garantiert Arbeiten, die mir mehr liegen, die ich mit weniger Abscheu verrichte. Und es gibt Leute, die mich davon überzeugen wollten, dass diese Arbeit unter meiner Würde sei. Dass ich mich – schönes Haus hin oder her – nicht so weit herablassen solle.

Aber als mich unsere Hausbesitzerin fragte, ob ich die Fenster putzen würde, konnte ich nicht gut nein sagen. Was ist schon ein halber Tag Arbeit, wenn man vier Wochen Zeit dafür hat? Und ehrlich gesagt finde ich durchaus, dass ich mich so weit herablassen kann, wenn man bedenkt, dass wir ohne viel Verpflichtungen gratis und franko in diesem herrlichen Haus wohnen konnten, das im Sommer für 4’000 Pfund pro Woche vermietet wird. Oder?

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“Unser” Haus in der Provence – mit sauber geputzten Fenstern nach Schweizer Methode.