Der Zeit voraus

Es war absehbar, dass Frau Flohnmobil in eine ungewollte Putz-Euphorie verfallen würde. Der Baustaub hatte sich als feine Schicht überall – ÜBERALL!!! – in der Wohnung abgelagert. Auch in den Räumen, wo die Türe zu war. In solchen Fällen erkennt man sehr schnell die Vorteile, nicht in einem Zehn-Zimmer-Haus zu wohnen. Wirklich.

Noch sind nicht sämtliche Staubpartikel beseitigt. Ganz abgesehen davon, dass sich bekanntlich ständig neue bilden. Noch sind nicht sämtliche Möbel hervorgerückt und auch dahinter geputzt worden. Noch habe ich mir etwas aufgehoben. Zum Beispiel den grossen Vitrinen-Schrank, den ich schon lange mal innen und aussen gründlich reinigen wollte. „Lass doch das, bis wir den Maler im Haus haben“, meinte mein innig geliebter Mitbewohner, „dann musst du den Schrank ohnehin leeren, weil wir ihn so nicht von der Wand weg rücken können.“ Wie dankbar war ich für diesen Aufschub – ich kann bald keine Putzlappen mehr sehen!!!

Aaaaber … ich werde meiner Zeit voraus sein. Um Längen. Denn wenn es irgendwann mal Frühling wird, habe ich meinen Frühlingsputz bereits hinter mir. Und dann werde ich garantiert etwas Besseres anzufangen wissen, als in einen Putzrausch zu verfallen.

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Puderzucker und die Badewanne

Es gibt Leute in unserer Überbauung, die regen sich über die weissen Plättli (Fliesen) im Badezimmer auf. Andere fanden, da müsse etwas Neues her und sie haben ihr Bad umgebaut. Und dann gibt es noch eine weitere Fraktion. Diese hat sich still mit den mittlerweile 25-jährigen weissen Plättli arrangiert, findet sogar, es hätte schlimmer kommen können, und damit man ihre Farbe eindeutig ausmachen kann, putzen sie sei regelmässig.

Ich gehöre zu letzterer Fraktion. Bloss, das mit dem „regelmässig“ ist so eine Sache. Einmal pro Woche ist genauso regelmässig wie einmal pro Jahrzehnt. Alles eine Frage der Einstellung, zweifellos. Ich liege mit meinem Zeitplan wohl irgendwo zwischendrin. Und fand jüngst, es wäre wieder mal nötig, mich etwa detaillierter mit der Sauberkeit unseres Badezimmers zu befassen.

Das bedeutete, dass ich nicht nur Waschbecken, Badewanne und WC-Schüssel schrubbte, sondern auch die Wände putzte und sämtliche Schränke, Schubladen und Tablärchen reinigte. Ich schwöre bei allen Putzlappen, die mir heilig sind: Da gab es keinen einzigen Quadratmillimeter, keine Ecke, keine Fuge, die um eine Abreibung herumgekommen wäre.

Da der geschilderte Reinigungs-Vorgang derart gründlich vonstatten ging, drängte es sich auf, gleichzeitig eine Entrümpelungs-Aktion durchzuführen. Es ist nämlich ganz erstaunlich, was sich in so einem Badezimmer alles ansammeln kann. Ich befreite mich von einer grossen Dose Haarspray, die ich seit Jaaaahren nicht mehr benutzt hatte. Immerhin schien deren Inhalt noch flüssiger Konsistenz zu sein. Sollte also jemandem der Sinn nach einer sturmsicheren Frisur stehen: bitte melden! Ich stiess auf Duschgels in ganz kleinen Fläschchen, die ich aufbewahrte, sollte ich mal nur ein ganz kleines Bisschen Duschgel benötigen. Dass darunter auch ein Fläschchen war, das ich anlässlich eines Seminars in einem Hotel einpackte, das vor mehr als zehn Jahren stattfand, sei nur am Rande erwähnt. Weiter fand ich eine kleine Seife, in original „Swissair“-Papier verpackt. Können Seifen eigentlich auch Konkurs gehen? Dann kamen zahlreiche Haarspangen, Haargummis, Haarklammern zum Vorschein. Sie zeugen von einer gewissen Euphorie meinerseits, meine aalglatten Haare in ein Korsett zu zwängen. Erfolglos übrigens.

Um diversen Ballast erleichtert räumte ich alles wieder ein, schrubbte, wusch und polierte weiter und ganz am Schluss kam zu meiner grossen Freude das zum Vorschein, mit dem ich insgeheim gerechnet hatte. Und deshalb traf es mich auch nicht gänzlich unvorbereitet: Als sich meine Augen an die helle Erscheinung gewöhnt hatten sah nämlich
… unser Badezimmer.

So sah unser Bad dieses Jahr im Mai aus, als die neuen Fenster eingebaut wurden.

Ich kann nicht gänzlich ausschliessen, dass das eine oder andere Staubpartikel, das ich kürzlich entfernt habe, von damals stammt.

Von meinen diversen Haar-Vergewaltigungs-Einrichtungen konnte ich mich übrigens noch nicht trennen. Hat ja schliesslich alles mal Geld gekostet. Und man weiss ja nie…

Staubig, aber wa(h)r

Es gibt mit Sicherheit dringlichere Angelegenheiten, wenn man aus seinen Ferien heim kommt (in unserem Fall von 5 Wochen Housesitting), als sich sofort mit Staubsauger und Putzlappen zu bewaffnen. Diese Binsenwahrheit gilt zumindest für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich. Insbesondere, weil wir vor unserer Abreise jeweils noch Staubwedel & Co. durch die hehren Hallen schwingen. Es mag eine Macke von mir sein, alles aufgeräumt und sauber zu hinterlassen. Aber mir ist wohl dabei und mittlerweile weiss ich aus zuverlässiger Quelle , dass ich mit dieser Macke nicht allein in der Prärie stehe. Zumindest die moralische Unterstützung in dieser Angelegenheit ist mir vor den nächsten Ferien schon mal auf sicher.

Früher oder später drängt sich aber der grössten Putzlappen-Resistenz zum Trotz der Griff zum farbigen Tüchlein auf. Und man fragt sich verwundert, wie sich so viel Staub ansammeln konnte, wo die Wohnung doch fünf Wochen lang unbewohnt war. Die Erkenntnis daraus ist zwar altbekannt, aber deswegen nicht weniger erschütternd:

 S t a u b   m a c h t   k e i n e   F e r i e n .

Wo hats noch Streifen – ich mach sie fertig!

Ich bin grundsätzlich begeisterungsfähig. Ja ehrlich, sehr sogar. Ich kann mich begeistern für ein schönes Blümchen am Wegrand. Für eine gute Flasche Wein, eine tolle Wanderung oder auch ein gutes Buch. Wenn es aber um Putzlappen geht, dann brauche ich schon eine gehörige Anwärmzeit, bis ich mich ausgerechnet für so etwas zu begeistern vermag.

Letzthin kam meine Mutter mit einem ganz besonderen Set an Putzlappen angetanzt. Das war übrigens nicht das erste Mal. Sie war quasi Mikrofasertuchanwenderin der ersten Stunde. Kein Tuch war ihr zu teuer. Gab es irgendwo einen neuen Mikrofaser Putzlappen – meine Mutter hatte ihn garantiert schon bestellt wenn nicht gar ausprobiert.

Einfach nur ein weiterer Putzlappen zuoberst zuhinterst in meinem Putzschrank? Mitnichten – ich bin begeistert! Und wie gesagt, das will was heissen. Mein Sorgenkind, mein elendiglich heikles Glaskeramik-Kochfeld von Miele, das ich nie, NIE nur einfach mit einem feuchten Lappen reinigen konnte, sondern immer mit einem Haushaltspapier trockenreiben musste, ist plötzlich zu den Pflegeleichten avanciert. Dank diesem Tuch:

Tuch anfeuchten, über den Herd wischen, fertig.

Die Aussage, dass Putzen mit farbigen Tüchern mehr Spass macht, halte ich trotzdem weiterhin für ein Gerücht.

Lächelnd putzen

So sanft auf der Haut, so berührend im Ton. Irgendwie ist er einfach zu schön zum Brauchen.

Ein Tausendsassa soll er sein. Fürs Fahrrad, Auto, Büro oder für unerwartete Fälle unterwegs. Als humoristisches Mitbringsel für Erschöpfte, Begeisterte, Putzmänner und Putzfrauen, Anfänger und Fortgeschrittene. So die Verpackungsaufschrift.

Für mich ist er deutlich mehr. Ein Geschenk von einer ganz lieben Freundin. „22 Gramm schwer. 30 x 30 cm. Perfekt verarbeitet. Waschbar bis 60°.“ Definitiv mehr als der 23. Mikrofaser-Putzlappen in meinem Schrank. Er wird einen Ehrenplatz erhalten. Vielleicht im Wohnmobil, damit ich auch im entferntesten Winkel Europas an meine Freundin erinnert werde. Wenn ich für einen klaren Durchblick meine Brille putze. Oder die Frontscheibe des Womis, das Display des Fotoapparats oder den Monitor des Notebooks poliere.

Sie wird es sich selber in die Schuhe zu schieben haben, dass sie mitputzen muss. Aber Schuhe werde ich damit garantiert nicht putzen!

Unsterblich textil

Im Hause Flohnmobil gibt es Sachen, die scheinen regelrecht für die Ewigkeit geschaffen zu sein. Zum Beispiel gewisse Kochtöpfe, des unverwüstliche Raclette-Öfeli oder das Wallholz. Neben diesen doch ziemlich handfesten Küchenschätzen haben sich bei uns auch einige textile Utensilien das Prädikat „unsterblich“ verdient. Da türmen sich nämlich Geschirrtücher im Schrank, die zum Teil mehr als ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel haben. Im Zeitalter der Wegwerfgesellschaft ein wahrhaft biblisches Alter.

So ganz unversehrt sind die besagten Küchentücher aber nicht mehr. Etwas durchsichtiger sind sie über die Jahre geworden und da und dort hat sich ein kleines Loch gebildet. Da ich beim Wiefeln in der Nähschule gerade die Masern eingezogen haben muss, habe ich einige der Tücher vor kurzem ausgemustert. Dennoch haben sie nicht den direkten Weg Richtung Kehricht eingeschlagen.

Mein innig geliebter Mitbewohner ist nämlich dankbarer Abnehmer für alle Arten von Tüchern und Stoffen, die er im Hobbyraum zu Putzlappen umfunktioniert. Somit ist allen gedient. Dem Mitbewohner, weil er zu Nachschub kommt. Dem grossen orangen Buchstaben, der mir endlich mal wieder Geschirrtücher verkaufen kann. Und am allermeisten mir selber. Denn meine Chancen, auch im nächsten Frühling wieder auf einem sauber geputzten Rennvelo durch die Gegend zu pedalen, sind dank meiner grosszügigen textilen Spende sprunghaft angestiegen.