Der Umweg über die Abkürzung

Wer erinnert sich noch, wie die Kassenzettel früher ausgesehen haben? Nackte Zahlen in Reih und Glied, darunter das Total. Bestenfalls noch ein Datum, vielleicht die Adresse des Ladens. Das war’s. Man hatte keine Ahnung, wofür man sein Geld hinblätterte.

Heute ist das anders. Dank neusten Technologien ist der Kassenzettel längst zum Werbeträger mutiert, dient gleichzeitig als Garantieschein, veranschaulicht einem, wie viel Kohle man durch Aktionen gespart hat und lässt sich ohnehin mit sämtlichen gewünschten Angaben seitens des Anbieters bedrucken. Es gibt allerdings Ausnahmen…

IMG_8048

RAM A’SCH NT 50CL – irgend eine Ahnung, was das sein könnte?

oder FLOR VZ BU BE 200G

EDELWYSS WEICHK 160G lässt sich noch einigermassen nachvollziehen.

Aber was bitte ist WALD. FELS SU P 180G

Mit der GEMÜ/SALA/FRÜ WAAGE übrigens habe ich weder Gemüse noch Salat, sondern Aprikosen gekauft.

Wer mag miträtseln, was ich da für Produkte gekauft habe?

Papierlos einkaufen

Wenn ich bei Coop einkaufe – und das kommt bei einem Migros-Kind wie mir ausgesprochen selten vor – werde ich an der Kasse neuerdings gefragt, ob ich die Quittung wolle. Soll ich nun Gewissensbisse haben, weil ich diese Frage stets bejahe? Soll ich der Umwelt zuliebe auf diesen Streifen Papier verzichten?

Coop verschickt in praktisch jeden Schweizer Haushalt jede Woche eine Zeitschrift, die mittlerweile mehr Beilagen in Form von Prospekten enthält, als die Zeitung selber dick ist. Schon lange rege ich mich über diese Papierflut auf. Letzte Woche kam mit dem Versand ein idiotisches Büchlein mit Rabatt-Gutscheinen. Pampers fünf Franken billiger. Zwei Kilo Spaghetti einen Franken billiger. Ein Rasenroboter 50 Franken billiger. Ein Sechserkarton Wein neun Franken billiger. Spülmittel, Kindersocken, Kosmetika, Charcuterie – alles ein Hauch billiger und in einer nicht nachvollziehbaren Logik angeordnet, damit man möglichst das ganze Büchlein von vorne bis hinten durchblättert.

Dieses Gutschein-Büchlein hat mir den Gong gegeben! Ich habe mich per Mail an den Abo-Service der Coop-Zeitung gewandt und in netten Worten erklärt, dass ich zukünftig auf dieses Druckerzeugnis verzichten werde.

Mit dem eingesparten Papier nur einer einzigen Ausgabe kann ich mir bis an mein Lebensende Quittungen aushändigen lassen.

IMG_1233

Wohnung entschlacken

Ich hatte das schon lange vor. Und genauso lange vor mir her geschoben. Langsam gingen mir die Ausreden aus. Schönes Herbstwetter war auch nicht mehr. Und ausserdem gab es plötzlich einen triftigen Grund. Also ran an die Lina!

Ich durchkämmte die Schränke meines verstorbenen Mannes und füllte fünf Kehrichtsäcke mit Kleidern. Zwei davon würden den direktem Weg in die Altkleider-Sammlung finden. Aber die anderen drei, und das ist der wahre Grund, weshalb ich gestern so vermeintlich fleissig war, die anderen drei Säcke werde ich einem Hilfswerk bringen, das die Kleider an Bedürftige in Osteuropa verteilen wird. In einer grossangelegten Aktion werden noch diesen Monat x Camions mit Hilfsgütern ostwärts fahren. Sollen die vier Paar Handschuhe, mehrere Garnituren warmer Unterwäsche, dicke Socken, eine bald 30-jährige, leicht demodierte aber nichts desto trotz sehr warme Jacke und weiteres ihren Dienst in der Nähe des Urals statt in den Alpen verrichten. Mir ist es recht, wenn die Sachen meines Mannes noch jemandem dienen. Ich hoffe, ich bilde mir nicht nur ein, dass ich damit einen guten Dienst getan habe. Solle wider Erwarten das Hilfswerk doch die Kleider zu Barem oder Textilschrott machen – jänu so dänn!

Des weiteren wurde unsere Wohnung heute um ein vermutlich auch über 30-jähriges Super-VHS-Video-Gerät entschlackt. Wir hatten es zuletzt noch vor etwa zwei Jahren in Gebrauch, als wir alte Video-Aufnahmen damit digitalisierten. Seither lag es säuberlich verpackt und angeschrieben im Keller und fristete ein gelangweiltes Dasein. Da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, wozu es mir noch dienlich sein würde, versteigerte ich es online. Der Typ, der das Gerät abholen kam, hielt mir einen Quittungsblock unter die Nase, der in etwa den gleichen Jahrgang wie das Video hatte. Beim der vorgedruckten Jahreszahl war das 21. Jahrhundert noch nicht vorgesehen…

IMG_NEW

Ach ja, Kohlepapier hatte ich auch seit langem wieder einmal zu Gesicht bekommen. Und ganz so vergilbt wie hier auf dem Bild war das Quittungs-Blöckli dann doch noch nicht. Was man von dem Typen, der das Gerät abholte, nicht wirklich behaupten konnte.