Monsieur Lafontaine

… wird wohl über kurz oder lang seinem wässrigen Geschäftsmodell den Hahn zudrehen können.

Wenn die Wetterfrösche die Niederschläge fürs Wochenende nur halbwegs so präzis voraussagen, wie die Hitze, die in den vergangenen Tagen wiederum geherrscht hat, können wir endlich aufschnaufen!

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Götterblut

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Ich freue mich darauf. Sehr sogar. Man sagt zwar, Vorfreude sei die schönste Freude, aber im vorliegenden Fall wäre es besser, die Vorfreude würde nicht länger anhalten.

Bei uns ist es noch immer trocken. Furztrocken. Es gab Regionen in der Schweiz, in denen es geregnet hat, nicht jedoch bei uns. Die paar Tröpfchen, die heute Morgen vom Himmel fielen, entsprachen wirklich nur dem sprichwörtlichen Tropfen auf einen heissen Stein.

Ich freue mich auf den Duft, der sich wohltuend in meiner Nase breit machen wird, wenn es nach dieser langen, heissen Trockenperiode wieder einmal regnet. Seit gestern weiss ich, dass dieser Duft sogar einen Namen hat. Nicht Chanel 5, nicht Hugo, nicht Trésor. Nein, der Duft wurde auf den Name Petrichor getauft. Das hat uns gestern die Wetterfee vom Dach erzählt. Ich bin fast so sehr davon beeindruckt, wie ich mich darauf freue, bis die Theorie zur Praxis wird.

Den Erläuterungen der Wetterfee gibt’s HIER nachzulesen.

Wohnen in der Tropfsteinhöhle

Bist du noch ganz dicht? Die Frage ist in aller Regel ironisch gemeint. Bezieht sie sich jedoch auf ein Wohnmobil, so ist sie durchaus berechtigt. Denn wer würde nicht gerne im Trockenen sitzen, wenn der Himmel seine Schleusen geöffnet hat.

Ein kuschelig trockenes Wohnmobil ist leider keinesfalls selbstverständlich. Nicht umsonst werben die Wohnmobil-Hersteller mit einer Dichtigkeitsgarantie, die Jahre über die Werksgarantie hinausgeht. Dass man nach Ablauf der normalen Garantiefrist die Kosten für die Dichtigkeitskontrolle selber berappen muss, erfährt man häufig erst dann. Nichts desto trotz ist es unzweifelhaft im Interesse jedes Reisemobilbesitzers, dass er diese Kontrollen regelmässig über seinen Freizeitbegleiter ergehen lässt.

Man stelle sich nur vor, welchem Gehotter so ein Gefährt über die Jahre ausgesetzt ist. Selbst bei „anständigem“ Fahrverhalten führen das Befahren von Naturstrassen, unvorhergesehene Bodenwellen, abruptes Abbremsen, Schlaglöcher und dergleichen unweigerlich dazu, dass nicht nur der Aufbau sondern auch die Ausstattung aus den Fugen gerät. Selbst wenn das nur im Millimeter-Bereich ist, kann es früher oder später dazu führen, dass bei einer Verbindung Risse entstehen, durch die Wasser eindringt. Sachte und oft über lange Zeit unbemerkt dringt dann Feuchtigkeit ein, die häufig erst weit entfernt von der undichten Stelle wieder sichtbar wird. Wenn überhaupt. Es ist nämlich durchaus realistisch, dass es in einer Seitenwand oder zwischen Hohlräumen still und leise vor sich hin modert.

Am Problem der erwähnten Unsichtbarkeit litten wir bestimmt nicht, als das Wasser direkt durch die Führungsschiene der Schiebefenster eintrat. Es war ein derart heftiger Tropenregen, der da vom Australischen Himmel herunterprasselte, dass es uns vorkam, als hätten wir unter einem Wasserfall parkiert. Machtlos mussten wir zuschauen, wie der Regen durch Lüftungsschlitze eintrat, den Wänden entlang herunterrann und dabei Teppiche und Polster einweichte. Als ganz so kostbar, wie Wasser sonst bezeichnet wird, kam es uns in jenem Moment gewiss nicht vor. Zum Glück hatten wir unser Bett im Alkoven; wenigstens dort oben blieb es trocken. Am nächsten Morgen – es war das erste und einzige Mal, dass mein innig geliebter Mitreisender und ich mit einem Plastiksack unter dem Allerwertesten gefrühstückt haben – fuhren wir schnurstracks in eine Wäscherei, wo wir die vor Nässe triefenden Polster in einem riesigen Tumbler wieder trockneten. Den Rest besorgten die Sonne und die Dachklimaanlage, die stundenlang vor sich hin brummte, bis im Inneren unserer Tropfsteinhöhle wieder trockene Verhältnisse herrschten. *

Natürlich sind die Fenster an europäischen Wohnmobilen anders konstruiert und wir hatten hierzulande noch nie ein vergleichbares Malheur, denn bei uns tropfte es nicht durch die Fenster rein, sondern durch den Dampfabzug. Das kleine, runde Abdeckgitter am Fahrzeugäusseren war von so vollkommener Konstruktion, dass wir auf dem Herd eine Pfanne unterstellen mussten, bis das Gewitter vorüber war. Als wir den Werkstattchef der Vertretung auf diese ungewöhnliche Art der Trinkwassergewinnung ansprachen, lautete seine ernüchternde Antwort lediglich: „Da sind Sie nicht die Ersten.“

Müssen sich Wohnmobil- und Caravan-Besitzer also darauf einstellen, dass es früher oder später mal in ihr Fahrzeug regnet? Ich wage hier keine Prognose, hängt es doch stark von der Verarbeitung, dem Unterhalt, der individuellen Benutzung des Fahrzeugs, und nicht zuletzt auch dessen Unterbringung bei Nichtgebrauch ab. Trotzdem kann ich euch verraten: Eine Tube Silikon war immer dabei, wenn wir uns weiter als 10 Kilometer von unserem Haus entfernten. Man weiss ja nie. Denn unter einem aufgespannten Schirm im Wohnmobil zu frühstücken, das wäre nun wirklich das Letzte, das ich mir vorstellen könnte.

* Wer die ausführliche Version dieser nassen Angelegenheit kennen lernen will, dem sei die Lektüre von Folge 25 meiner Serie „Öfters mal Panne“ empfohlen.

Ins Wasser gefallen

Ins Wasser gefallen ist der Sonntag zweifelsfrei. Und die Aussichten auf die kommenden Tage sind kaum weniger feucht. Immerhin, die Natur wird den ausgiebigen Regen zu schätzen wissen.

Was es mit dem Haus auf diesem Bild auf sich hat, weiss ich bis heute nicht. Ich vermute, dass mir im Juni 2012 in Malmö eine makabre Art von Kunst vor die Linse geschwommen ist.

Öfters mal Panne (36)

… oder: Nasse Füsse auf dem Fussballplatz

Wenn mein innig geliebter Mitreisender und ich einen Campingplatz anfahren, geschieht dies nicht aus täglicher Gewohnheit, sondern hat ausnahmslos triftige Gründe. Wir greifen nämlich nur auf derartige Infrastruktur zurück, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das kann sein, weil der Strom im Womi am ausgehen ist (dank Solarpanelen an unseren europäischen Womis eigentlich die Ausnahme), weil wir dringend Wäsche waschen müssen oder weil es – wie im nachstehenden Geschichtchen – weit uns breit keinen geeigneten Übernachtungsplatz gibt.

England, das fanden wir innert kürzester Zeit heraus, ist nicht wirklich für Wohnmobile geeignet. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass England regelrecht wohnmobilfeindlich ist. Doch dieses Thema will ich hier nicht weiter plattwalzen. Tatsache ist, dass wir damals auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz in Südengland resigniert auf einen Campingplatz einbogen. Zuerst dachten wir, wir hätten uns verfahren und seien auf direktem Weg zu einem Fussballplatz. Der topfebene Platz wies keinerlei Strukturen auf. Keine Hecke, kein einziger Baum auf dem riesigen Areal von der Grösse zweier Fussball-Felder. Für die Engländer schien das, wie das folgende Bild zeigt, normal. Sie richteten sich ein mit ihren Zelten, Pavillons und Sichtschutzwänden. Campingfahrzeuge oder Wohnwagen hatten Seltenheitswert.

Wir suchten uns eine Ecke aus und fuhren auf das Grün. Dieses war, nach den vorangegangenen intensiven Niederschlägen, ziemlich weich. Ein mulmiges Gefühl beschlich uns, Erinnerungen an ähnlich weiches Terrain waren sofort wieder präsent. In solchen Fällen heckt der Mitreisende immer einen Plan B aus. Dieser sah primär vor, dass wir unser Fahrzeug wendeten, so dass wir im Vorwärtsgang wieder auf das schmale Asphaltband zurückfahren konnten. Man weiss ja nie.

Als mitten in der Nacht der Regen einsetzte, war es um unsere Nachtruhe geschehen. Dies nicht nur, weil der Regen in einem Wohnmobil viel lauter aufs Dach trommelt als zu Hause. Der Mitreisende machte nicht lange Federlesens. Er setzte sich ans Steuer, liess den Motor an und fuhr aus dem potentiellen Sumpf heraus. Nach wenigen Metern standen wir auf dem asphaltierten Platz vor einem geschlossenen Sanitärgebäude.

Was die Engländer in ihren Zelten ab uns gedacht haben mögen, war uns in diesem Moment ziemlich egal. Uns konnte der Regen nichts mehr anhaben. Wir standen auf sicherem Boden.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellan-Kiste. Und die Schutzpatronin der Wohnmobil-Reisenden.

Schlammschlacht

Ich hatte zwar bereits in den Nachrichten Bilder davon gesehen, aber das Bild im heutigen Tages-Anzeiger hat meine Gedanken erneut in Wallung versetzt.

Für solche Schlamm-Packungen zahlt man ja unter dem Begriff „Wellness“ unter anderen Umständen gehörig viel Geld. Die Beteiligten am Open Air St. Gallen scheinen ihren Spass gehabt zu haben.

Aber was, wenn sie das Festival-Gelände verlassen? Wie kommen sie nach Hause? Im eigenen Auto? Als derartige Drecksäue! Im Zug? Um Himmels Willen, da würde ich als SBB die ältesten Güterwagen auffahren lassen! Mit dem Velo? Das ist vielleicht noch die beste Lösung, besteht doch eine gewisse Möglichkeit, dass ein Teil des angekrusteten Schlamms von alleine absplittert.

Wenn ich mir dann weiter vorstelle, dass meine (fiktive) Tochter als grosse Schwester von ET unter der Türe steht und Einlass begehrt, ich kriegte wohl einen Schreikrampf. Ich würde sie vermutlich in die nächste Autowaschanlage – na was eigentlich? Fahren? Ausgeschlossen, da würde ja mein Auto dreckig. Aber irgendwie müsste der Dreck ja weg.

Kennt jemand von euch jemanden, der am Open Air war? Oder hat es gar Flohnmobil-Leserinnen oder Leser, die übers vergangene Wochenende höchstselbst im St. Galler Schlamm suhlten? Mich würde wirklich brennend interessieren, wie die Betroffenen wieder trocken hinter den Ohren sauber wurden.