Öfters mal Panne (33)

… oder: Der goldene Schlauch

Ob es pffffffft oder nur pftt gemacht hat, liess sich nicht mehr feststellen. Sicher war nur, dass dem Reifen Luft fehlte. Und zwar ziemlich viel. Wie hatte das passieren können?

Die Geschichte zu dieser Reifenpanne begann einen Tag davor. Da hatten mein innig geliebter Mitreisender und ich uns einigermassen spontan dazu entschlossen, die Gibb River Road im Nordwesten Australiens zu befahren. Gemäss unserem Reiseführer und verschiedenen Schilderungen sollte das Befahren der 600 Kilometer langen Outback-Piste durch die Kimberleys etwas vom Lohnenswertesten überhaupt auf dem Roten Kontinent sein. Um Konkreteres zu erfahren, befragten wir ein älteres Ehepaar, das die Route soeben hinter sich gebracht hatte. Nach ihren optimistischen Äusserungen waren unsere letzten Zweifel beseitigt, ob die Strecke mit unserem Womi befahrbar war, und wir gingen das Unternehmen Gibb River Road an.

Wieder einmal klebten wir alle Schlösser ab, reduzierten den Reifendruck und stellten im Camper alles, was sich selbständig machen konnte, auf den Boden.

Bereits nach 50 Kilometern erreichten wir die Schlüsselstelle der ganzen Strecke. Der Pentecoast River musste über eine ca. 150 Meter breite, unbefestigte Furt durchquert werden. Das Wasser war am Ende der Trockenzeit nur etwa 30 Zentimeter tief und liess sich problemlos durchfahren. Und zwar so problemlos, dass der Mitreisende noch einmal umdrehte und die Furt von neuem durchfuhr, damit ich dieses Bild machen konnte.

Weiter ging es über die allgemein noch recht gute Schotterpiste und nach einem Tagespensum von 200 Kilometern erreichten wir eine schön gelegene Campingstelle. Am anderen Tag verflachte sich die anfänglich recht hügelige Landschaft zusehends. Der Strassenzustand verschlechterte sich laufend. Die einzelnen Wellen der waschbrettartigen Strasse waren bis zu 20 Zentimeter tief und 1 Meter weit auseinander. Solche Wellen konnten wir nicht mehr mit hohen Tempi fahren und es bleibt uns nichts anderes übrig, als kilometerweit mit 10 bis 20 km/h zu hottern.

Bei Kilometer 340 erwischten wir einen brutal vorstehenden Stein und hatten kurz darauf vorne rechts platt. Der Radwechsel fand – von diversen nicht jugendfreien Äusserungen untermalt – bei mind. 35° in der prallen Sonne auf der staubigen Piste statt. Für zusätzliche Action sorgte die Reserverad-Aufhängung, die sich verklemmt hatte. Erst nach längerem guten Zureden und etwas Rütteln und Schütteln brachten wir das Reserverad zu Tage. Zum allgemeinen Missfallen des Mitreisenden kam ein Mann auf uns zu, der uns seine Hilfe anbot. Beim Anblick des Kompasses, der dem Mann um den Hals baumelte und seinen perfekt manikürierten Fingernägeln lehnte der Mitreisende dankend ab, worauf der Mensch sich sichtlich erleichtert verzog.

Im 30 Kilometer weiter gelegenen Mount Barnett Roadhouse liessen wir den Platten für stolze 75 $ (mit neuem, mutmasslich vergoldetem Schlauch) flicken. Hätten wir eine Wahl gehabt? Wir mussten schliesslich jederzeit wieder mit einem Platten rechnen und Reparaturstellen gab es in dieser menschenleeren Gegend nicht alle paar Kilometer.

Hatten die ersten 350 Kilometer landschaftlich wenig geboten, so brachen die Highlights in der Folge geradezu auf uns ein. Die Galvans Gorge mit einem schönen Felspool, die Adcock Gorge und die Bell Gorge waren alle über kurze Abstecher und harmlose Furten zu erreichen.

Den herrlich gelegenen Pool der Bell Gorge erreichten wir zu Fuss über einen ein Kilometer langen, felsigen Weg. Das Wasser floss vom höher gelegenen Pool über einige Felsstufen20 Meter hinab in ein tief in den Felsen eingebettetes, ca. 100 Meter breites Becken. Hier mischten wir uns unter die Badegäste und genossen das kristallklare Wasser, in dem es garantiert keine Salzwasserkrokodile gab.

Als weitere Höhepunkte unterwegs punkteten die Windjana Gorge und diverse markante Boab Trees.

Rückblendend sind wir ganz klar der Ansicht, dass das Befahren der Gibb River Road eine reine 4WD Angelegenheit ist. Rund 2/3 der Strecke sind ohne weiteres mit einem konventionellen Fahrzeug zu befahren. Doch gibt es immer wieder längere Abschnitte, die für Fahrzeug und Fahrer eine reine Tortur sind, es sei denn, man befährt sie im Schritt-Tempo. Landschaftlich bietet die erste Hälfte wenig. Die eigentlichen Highlights liegen an Seitenstrassen zwischen Kilometer 350 und 500. Unser Fahrzeug hatte erheblich gelitten. Als Alternative hätten wir ein Allrad-Fahrzeug mieten können. Dadurch hätten wir allerdings 1’200 zusätzliche Kilometer fahren müssen und wären – selbst unter Berücksichtigung der anstehenden Reparaturen – wesentlich teurer gekommen.

Um welche Reparaturen es sich handelte und mit welchen denkwürdigen Mitteln sie ausgeführt wurden, werde ich in der nächste Folge der Serie „öfters mal Panne“ berichten.

Der Anblick dieser Piste lässt nicht im Entferntesten erahnen, wie sehr es uns und unser Fahrzeug durchgeschüttelt hatte.

Öfters mal Panne (24)

… oder: Hoppla, Tope!

Die Mexikaner sind ein temperamentvolles Volk. Temperamentvoll ist auch ihre Fahrweise. Und zwar derart, dass sie hemmungslos mit einem Hunderter durchs Dorfzentrum blochen würden. Wären da nicht die Topes.

Topes? Topes sind verkehrsentschleunigende Schwellen, eine Spezialität des mexikanischen Strassenverkehrs. Denn so, und nur so, ist den Rasern in diesem Land beizukommen. Topes können als betonierte oder gepflasterte Schwellen unvermittelt vor einem auftauchen. Vor, in und nach einer Ortschaft und beliebig viele hintereinander. Wenn es eine Warntafel hat, so steht sie häufig genug präzis beim Hindernis, so dass nur ein abruptes Bremsen einen allzu argen Rumpler über die Schwelle verhindert.


Bildquelle: www.mexicotravelplan.co.uk

Mehr als einmal hatte es uns an einem Tope die Besteckschublade frisch einsortiert! Mitunter steht an einem Tope auch mal ein Stück Armierungseisen vor. Das sieht man selbstverständlich nicht. Kann sich aber kurze Zeit später anhand des zerfetzten Pneus ausrechnen, dass da etwas in der Art gewesen sein muss.

In fünf Monaten Mexiko hatten wir insgesamt vier Platten zu beklagen. In fast zwei Jahren USA und Kanada dagegen erwischte es uns nie. Die Plattfüsse dürften, mit der folgenden Ausnahme, auf Topes zurückzuführen gewesen sein.

Eine Reifenpanne mit mehrfachen Folgeschäden hatten wir auf der Fahrt durch die Baja California. Bei einem aufgummierten Pneu, den wir in Mexiko kaufen mussten, hatte es den Gummi von der Karkasse geschält. Die Pneufetzen hatten den Auspuff und den Benzintank-Einfüllstutzen ramponiert und einen Teil des Kotflügels verbogen. Es war einmal mehr dem mechanischen Geschick meines innig geliebten Mitreisenden zu verdanken, dass wir nach dem Radwechsel, dem Kräfte raubenden Zurechtbiegen des Kotflügels und Anpassen des Einfüllstutzens ohne Probleme weiterfahren konnten.

Ganz ohne Probleme war es dann doch nicht, denn in der nächsten Stadt mussten wir uns auf die Suche nach einem gebrauchten Reifen machen. Was es für Auswirkungen auf den Preis hat, wenn zwei Gringos einen Pneu suchen, brauche ich euch wohl nicht näher zu erläutern.

Öfters mal Panne (16)

… oder: Viel Luft um Nichts

Die folgenden Zeilen schreibe ich nicht ohne eine gewisse Schadenfreude, ereilte die Panne doch nicht uns selber, sondern unsere schlampigen Reisebegleiter.

Klaus und Gabi waren mit ihrem eigenen Wohnmobil mit uns zusammen einige Wochen in Mexiko unterwegs. Während wir einen knapp sechs Meter langen Campervan unser eigen nannten, mit dem wir bereits 1 ½ Jahre unterwegs waren, steuerten Klaus und Gabi einem ziemlich heruntergekommenen Wohnmobil, Typ Minnie-Winnie. Dass das ausgewachsene Womi seine besten Zeiten hinter sich hatte war eines, dass seine Besitzer eine Vermietung für Wohnmobile und Camper in Los Angeles betrieben, etwas anderes.

Und so kam es, dass Klaus etwas voreilig auf einen Randstein fuhr und – pfffft – einen Platten einfing. Des Lobes seiner Gattin und der ebenfalls mitgereisten Schwiegereltern konnte er sich gewiss sein. Spätestens dann, als er vergeblich einen Radschlüssel suchte. Da war mal wieder das umfassende Werkzeugsortiment meines innig geliebten Mitreisenden gefragt. Noch während Klaus mit unserem Radschlüssel hantierte, keimte im Mitreisenden ein schwerwiegender Verdacht. Dieser sollte sich bald erhärten, denn als Klaus das Reserverad zum Vorschein brachte, war dieses platt wie eine Flunder.

Klaus steckte auch dieses Malheur locker weg, denn schliesslich war mein Mitreisender vorübergehend auch sein Mitreisender und in dieser Funktion karrte er Klaus und den platten Ersatzreifen ein paar hundert Meter zur nächsten Tankstelle, wo das Rad ein gerüttelt Mass an Luft erhielt, und wieder zurück. Einem Happy End standen nun höchstens noch dreckige Finger im Wege.

Merke: Ersatzreifen sind eine überaus praktische Sache. Wenn sie genügend Luft drin haben erst recht.


Selbstverständlich kamen auch der Mitreisende und ich auf Mexikos teils schitteren Strassen nicht ohne Platten über die Runde. Davon in einer späteren Folge meiner noch lange nicht endenden Pannenserie.