17A

Es dauerte lange, sehr lange, genau genommen fast bis zur letzten Minute, bevor ich einen Nachbarn erhielt. Ich sah ihn von weitem und wusste: Das Unheil naht. Als er auf meiner Höhe sein Handgepäck versenkte, rutschte sein T-Shirt in der Grösse Einmann-Zelt hoch und gab einen Blubberbauch frei. Igitt!

Mir wurde bange. Wenn dieser Sumo-Ringer sich unmittelbar neben mir nieder liess, würde es eng werden. Denn genau genommen passte er nie und nimmer in einen einzelnen Sitz rein. Weder in der Länge und erst recht nicht in der Breite.

Der Koloss liess sich plumpsen. Glücklicherweise blieb zwischen uns ein Sitz frei. Doch diesen nahm er bis zur Hälfte in Beschlag. Als das Frühstück serviert wurde, klappte er das Tischchen neben sich runter. Quer zu essen erwies sich aber für den Fleischberg als zu beschwerlich. So klappte er das Tischchen vor sich runter, hievte seine Wampe drauf und auf den bescheidenen Streifen Platz, der noch blieb, stellte er das Tablett. Das alles betrachtete ich mit einer nicht zu geringen Portion Abscheu, während ich noch locker Platz hatte, eine Serviette in meinem Schoss zu entfalten, bevor ich mich über mein Frühstück hermachte.

Dieses widerliche Geschöpf neben mir, das der Kategorie Ü150 angehört, verbrachte die Reise mehr oder weniger quer zur Flugrichtung. Und zu seinem grossen Übel musste die halbe Portion von Sitz 17A auch noch vor der Landung aufs Klo. Wie unsensibel!

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Der Pechvogel

Es waren nur wenige Worte, die mir meine Freundin schrieb. Aber für sie waren sie von grösster Tragweite.

Müend wieder hei cho. Ich Lappi bin gstürchlet und umgheit.
Handglenkbruch. Mues operiere.
Mach ich aber lieber dihei.
Liebi Grüess Lisbeth

Aus der Traum von der Wohnmobilreise durch Spanien. Lange und ausgiebig hatten sie und ihr Mann sich auf diese angedachten 10 Wochen vorbereitet. Und nun ist nach 3 Wochen der Traum zu Ende. Ich habe keine Ahnung, wie schwerwiegend die Verletzung ist. Es tut mir Leid für meine Freundin, aber auch für die Träume, die sie und ihr Mann nun vorerst begraben müssen. Eine Enttäuschung, mit der beide auf unterschiedliche Art umgehen werden.

Meine Gedanken gehen in die Vergangenheit. Zwanzig, fünfundzwanzig Jahre zurück. Wie gut es doch meinem Mann und mir immer ergangen ist! Auf all unseren Reisen, und das waren nicht wenige (zur Erinnerung: wir hatten über 2’000 Übernachtungen in unseren Wohnmobilen verbracht) waren wir nie gesundheitlich beeinträchtigt, mussten nie, gar nie einen Arzt aufsuchen. Okay, meinen Mann hat es einmal in voller Fahrt vom Bike abgesattelt, da ging einiges an Tapete ab. Und dieser Zwischenfall hätte weitaus schlimmere Konsequenzen haben können, trugen wir doch damals noch keinen Velo-Helm.

Diese Geschichte mit meiner Freundin zeigt einmal mehr, dass Vorsicht und Umsicht alleine noch nicht reichen. Man braucht im Leben auch immer eine Portion Glück.

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Liebe Lisbeth,
Ich hätte mir unser Wiedersehen anders vorgestellt. Ich hoffe, dass du dich bald von deiner Verletzung erholst. Und du weisst, wenn ich etwas für dich tun kann: Ich bin da für dich.
Bea

 

Alles hat ein Ende

Alles hat ein Ende, auch meine Karriere als Journalistin. In den vergangenen 9 Jahren schrieb ich die Kolumne in der 5 x jährlich erscheinenden Zeitschrift “Wohnmobil & Caravan”. Anfangs gehörten mein Mann und ich selber noch zur Wohnmobil Gilde.  Dann verkauften wir unser Fahrzeug und in meine Kolumnen (übrigens mein Baby, denn erst auf meine Initiative gab es in der besagten Zeitschrift eine solche Rubrik) floss nur noch mein enormer Erfahrungsschatz. Immerhin hatten wir weit über 2’000 Übernachtungen in einem Camping-Fahrzeug verbracht. Dann sah ich die Zeit gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen. Nicht nur, weil mir langsam die Ideen ausgingen, sondern auch weil mein Mann, der kritischste Leser meiner Werke, krank wurde. Dies ist meine letzte von total 44 Kolumnen, die im letzten Herbst erschienen ist:

Der Tag wird kommen, wo mir das Reisen im Wohnmobil zu umständlich erscheint. Wo es mir zu eng sein wird. Wo ich lieber im Lehnstuhl als auf dem Beifahrersitz meine müden Knochen ausruhe, die Annehmlichkeiten einer ausgewachsenen Küche mehr schätze, als den Zweiflammen-Herd mit ständig wechselnder Aussicht.

Dann werde ich alt und grau sein. Und mir wird ein ähnliches Schicksal bevorstehen, wie so vielen Mitmenschen vor mir: Ich werde über kurz oder lang in einem Altersheim landen. Aber ganz bestimmt nicht in einem x-beliebigen Altersheim! Ich werde in eine Seniorenresidenz der besonderen Art einziehen. Eine, in der ausschliesslich gestandene Wohnmobilfahrer ihre alten Tage verbringen. Vielleicht wird es, insofern es besteht eine genügend grosse Nachfrage, auch eine Untergruppe „Wohnwagen“ geben. Uns allen wird gemein sein, dass es uns nie an Gesprächsstoff fehlen wird. Wir werden über unsere Abenteuer vergangener Tage berichten, verblasste Fotos herumreichen und uns darüber ärgern, dass wir unsere Fotodateien auf dem Handy nicht regelmässig gesichert hatten. Gut möglich, dass wir unseren Erlebnissen ab und zu etwas andichten, dafür unrühmliche Details weglassen. Wieso sollten wir es im Kreise der ergrauten Häupter anders halten als im früheren Leben?

Für das Personal des Altersheims werden wir pflegeleichte Bewohner sein, sind sich viele von uns doch gewohnt, Energie zu sparen, mit wenig Platz auszukommen, nicht täglich zu duschen und zu zweit in einem Bett zu schlafen. Anstelle eines Veranstaltungsprogramms, bestehend aus Bastelnachmittagen, Seniorengymnastik und weiteren Angelegenheiten, die in herkömmlichen Altersheimen den Bewohnern die Langeweile aus dem Gesicht wehen sollen, wird man uns im Rollstuhl an die grossflächigen Fensterfronten schieben. Von dort aus werden wir zum Nulltarif die beste Unterhaltung geniessen können, die dieses Universum zu bieten hat: Wohnmobil-Fahrer am Werk. Vor unserem Heim wird – primär zu unserer Bespassung und erst in zweiter Linie zum Wohle der Reisenden – eine ganze Reihe an Stellplätzen angeordnet sein. Damit wir nicht zu kurz kommen, werden die Plätze mit der einen oder anderen Tücke bestückt sein. Mal ist der Untergrund matschig, funktioniert das W-LAN nur in bestimmten Ecken, haut es am Stromkasten scheinbar grundlos die Sicherung raus. Von unseren Logenplätzen aus werden wir Wetten abschliessen, welcher Stellplatz als erster besetzt sein wird. Wie viele Vierbeiner aus welchem Fahrzeug raus kommen und wie lange es dauert, bis die Satellitenschüssel hochgefahren wird.

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Wir werden uns königlich unterhalten und die schweizweit zufriedensten Senioren sein. Aus der ganzen Welt werden Journalisten anreisen und ausführlich über unser Wohnmobilisten-Altersheim berichten. Es wird viele Nachahmer geben. Und noch mehr zufriedene alte Leute.

Auch wenn ich noch weit davon entfernt bin, ins Wohnmobil-Altersheim einzutreten, so hat sich mein Leben in den letzten Monaten doch so verändert, dass auch ich das Wohnmobilen nur noch aus der Ferne betrachten kann. Wie die Bewohner meines fiktiven Altersheims werde ich aber weiterhin jedem Wohnmobil nachschauen, das meinen Weg kreuzt. Werde mir jede Dokumentation über Wohnmobil-Reisen und Campieren am Fernsehen anschauen, werde am Wegesrand immer wieder geeignete Rast- und Übernachtungsplätze entdecken. Ich kann einfach nicht anders, das Wohnmobil war zu lange mein Hobby, Reisen mein Lebenstraum.

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Dies sind die letzten Zeilen, die es von mir an dieser Stelle zu lesen gibt. Ich durfte mir die Themen für diese Kolumne selber aussuchen, genoss eine gewisse Narrenfreiheit. Der Sinn bestand nie darin, Sie auf dem neusten technischen Stand zu halten oder Ihnen einen gewissen Typ Fahrzeug schmackhaft zu machen. Mein Ziel war es, Sie zu unterhalten, Ihnen hin und wieder eine unserer zahlreichen Anekdoten zu erzählen, Sie dadurch vielleicht vor einem Fehler zu bewahren, den wir selber begangen hatten. Ich hoffe, dass mir das in den vergangenen neun Jahren gelungen ist. Alles Gute!

PS: Selbstverständlich ist dies nur meine letzte Kolumne, jedoch nicht die letzten Zeilen, die es im Flohnmobil zu lesen gibt.

Pin-oooh!

Hier mal wieder eine Anekdote aus der Zeit, als mein Mann und ich noch mit dem Wohnmobil Europa bereisten.

Wir hatten uns an einem hübsch gelegenen Stausee irgendwo in der Mitte Frankreichs installiert. Bald wurden wir von allen Seiten von Wohnmobilen zugeparkt, jeder wollte einen Stellplatz möglichst nahe am Wasser haben. Unsere nächsten Nachbarn waren Schwaben. Nachdem wir die üblichen Belanglosigkeiten (“Seid ihr schon lange unterwegs?” – “Wo kommt ihr her?”) ausgetauscht hatten, luden sie uns ein, nach dem Nachtessen auf ein Glas Pin-oooh zu kommen.

Mein Mann und ich dachten, es gäbe einen Schluck Rotwein, Pinot. Schliesslich weiss man, wie gut die Deutschen Französisch sprechen. Als wir uns mit unseren Campingstühlen zu den Nachbarn setzten, schenkten sie uns ein helles, gelbliches Getränk ein. Mit Garantie kein Rotwein, so viel konnten wir in der Dämmerung erkennen.  Schmecken tat es geradezu unverschämt gut. Aber was war es?

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Es war Pineau, eine Mischung aus halbvergorenem Traubensaft und Cognac. Überaus süffig und gefährlich mit 17 % Alkohol. Das Getränk schmeckte uns dermassen gut, dass wir damals kurzerhand unsere Flasche Schlehenfeuer, die wir von Freunden aus Nürnberg erhalten hatten und mitführten, gegen den Pineau eintauschten. Das war zwar nicht nur in Bezug auf den Alkoholgehalt ein schlechtes Geschäft, sondern auch, weil der Pineau schon in der unteren Hälfte der Flasche dümpelte. Aber wir waren glücklich mit unserer neuen Errungenschaft.

Seither gehörte dieses hierzulande nahezu unbekannte Getränk in unser Standard Repertoire. Von jedem Frankreich-Aufenthalt brachten wir mindestens zwei Flaschen mit. Aus meinen Ferien in Frankreich letzten Monat habe ich auch wieder einige Flaschen mit nach Hause gebracht. Ich werde die bewährte Tradition fortführen und weiterhin meine Gäste zum Aperitif mit einem Gläschen dieser Exklusivität überraschen.

Pineau des Charentes gibt es übrigens auch bei uns zu kaufen, allerdings zu stark überhöhten Preisen. In Frankreich kostet eine Flasche im Supermarkt um die sieben Euro, hierzulande gegen dreissig Franken.

Und das schreibt Wikipedia über Pineau.

Bettwanzen!

Plötzlich begann es, das grosse Jucken. Und wie das so ist, wenn es jemanden plötzlich juckt, spürt man über kurz oder lang auch das Bedürfnis, sich zu kratzen. Und wenn es nur aus Sympathie ist.

“Es werden doch nicht etwa Bettwanzen sein?” Die Augen meiner Freundin waren vor Schreck weit geöffnet. Der Ekel stand ihr in riesigen Lettern ins Gesicht geschrieben. Eigentlich hätte es gepasst. Alter Kasten, zwar mit Charme, aber auch mit Untermietern. Ja, das hätte ich mir bei dem Hotel ausserhalb Nizzas durchaus vorstellen können. Ungeziefer, welcher Art auch immer, lässt sich je weiter südlich desto weniger aus dem Haus verbannen. Als dann noch ein weiterer Hotelgast fragte, ob wir auch so komische Einstiche auf der Haut hätten, war der Mist schon beinahe geführt. Wir googelten “Bettwanzen”. Und was wir da lasen, trug wenig zu unserer Beruhigung bei.

Was gegen Bettwanzen sprach, war die Tatsache, dass ich keine Einstiche hatte. Gingen die Viecher derart selektiv vor? Meine Freundin entdeckte zahlreiche schwarze Pünktchen in ihrem Bett. Bettwanzen-Kot oder doch nur Fiserli? An der Schwelle zu Hysterie hätte sie am liebsten das ganze Zimmer auf den Kopf gestellt. Im ringhörigen Etablissement wäre diese Aktion um diese Tages- bzw. Nachtzeit wohl nicht von allen Gästen goutiert worden.

Es wäre ohnehin zu spät gewesen. Die Viecher hätten sich in unserem Koffer eingenistet und wären als blinde Passagiere in die Schweiz eingereist. Wir hätten sie in unseren Wohnungen verteilt, wo sie sich zuerst ungehindert hätten vermehren können, bevor ein Kammerjäger ihnen in einer äusserst aufwändigen Aktion den Garaus gemacht hätte. Eine Vorstellung schlimmer als jeder Horror-Film!

Was mich betrifft, so hat nie etwas gejuckt. Auch von meiner Freundin sind keine Signale mehr zu mir gedrungen, die auf Wanzenbefall hinweisen würden. Dann müssen die Viecher, Flöhe oder was auch immer es war, vermutlich in den Liegestuhl-Polstern gehockt sein. Diese hatte ich, weil sie noch feucht waren, zur Seite gelegt und es mir als einzige der Gäste am Pool auf dem leeren, dafür etwas harten Liegestuhl bequem gemacht. Wie man sich bettet, so liegt man.

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Aus eins mach zwei

Es ist ja nicht so, dass ich seit dem Tod meines Mannes mit niemandem mehr geschlafen hätte. Genau genommen dürften es gegen 50 Personen sein. Die meisten mir wildfremde Menschen. Mit ihnen habe ich zwar weniger das Bett, aber dennoch das Schlafgemach geteilt. In Massenlagern auf der mehrtägigen Wanderung, die ich Ende Juli zusammen mit Freunden gemacht habe.

Nun aber ist die Situation nochmals eine gänzlich andere. Nun bin ich mit meiner Freundin in Frankreich unterwegs und selbstverständlich teilen wir uns das Zimmer, nicht aber das Bett. Wohl stecken wir in so manchen Situationen unter einer Decke, dennoch wollen wir uns in der Nacht jede in eine eigene Decke einrollen.

In Frankreich ist das mitunter etwas schwierig. In einem Hotel musste nach unserer Ankunft, und obschon wir bei der Reservation über booking.com extra drauf hingewiesen hatten, noch das Zimmermädchen anrücken und aus dem Doppelbett zwei Einzelbetten machen. In einer relativ aufwändigen Aktion verwandelte die Dame im schwarz-weiss gestreiften Röckchen das Doppelbett in zwei Einzelbetten. Entfernte das Doppelleintuch, schob die Betten voneinander, machte aus der zusammengeknöpften doppelten Decke zwei einzelne, bezog alles wieder frisch. Dabei hätte es uns doch gereicht, hätten wir jede eine Decke gehabt!

Noch komplizierter schien es im nächsten Hotel zu werden. Da tat man sich derart schwer mit unserem Wunsch nach zwei separaten Betten, dass wir befürchten mussten, die eine von uns müsse in einem Klappbett nächtigen. Mit Sorgenfalten im Gesicht stiegen wir die zwei Etagen im altertümlichen aber charmanten Hotel hoch, gespannt welche Art der Bettstatt uns erwarten würde. Unsere Bedenken erwiesen sich zwar als unbegründet, aber frau kann ja nicht von jedem Mössiöö erwarten, dass er auf Anhieb auf unsere Sonderwünsche eingeht.

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Navigationshilfen

Der Vorteil am Reisen mit einer Freundin ist nicht nur, dass man das Zimmer und eine Pizza teilen, sondern auch, dass man ihre Blogbeiträge klauen kann.

Deshalb habe ich mir den folgenden Blogbeitrag an Bord des Flohnmobils geholt. Schliesslich bin ich im Moment auch so eine Art Trulla.

 

Schreibschaukel

Normalerweise schätze ich mein Navi, weil ich mich puncto Karten lesen noch nie sehr geschickt angestellt habe. Ich bin ja schon froh, wenn ich am Morgen meine Autoschlüssel finde. Alles andere überlasse ich dann dem Navi.
Ob es nun daran liegt, dass die Navidame, nennen wir sie Trulla, sich in Frankreich nicht so gut auskennt wie zu Hause oder daran, dass sie aufgrund der vielen neuen Eindrücke zu zerstreut ist, jedenfalls hat sie schon ein paarmal erbärmlich gestümpert. Ihr haben wir eine so ungeplante wie ausgedehnte Stadtrundfahrt in Marseille genauso zu verdanken wie die unschöne Erfahrung, am Ende einer eigentlichen Sackgasse zu stranden, aus der wir nur mit eingeklappten Spiegeln via eine verbotene Einbahnstrasse wieder herauskamen. Gut, letzteres war nicht nur Trullas Fehler, die Franzosen hatten da auch gestümpert, denn am Anfang der Strasse hatte nichts darauf hingewiesen, dass sie am Ende wegen Bauarbeiten gesperrt war.
Trotzdem.
Von der Trulla…

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Abschied für immer?

“Meinst du, du wirst Conrad jemals wiedersehen”, fragte mich meine Freundin, als wir ein letztes Mal auf dem Kiesweg von der Luxusresidenz des Goldschätzchens weg fuhren.

Mit dieser banalen Frage erwischte sie mich auf dem falschen Fuss. Darüber hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Hätte ich sollen? Hätte ich diese Reise in die Provence als eine Art Abschied, Teil meiner Trauerbewältigung und gleichzeitig Zeichen für einen Neuanfang abbuchen sollen?

Ich weiss es nicht. Weiss nicht, was aus mir in den kommenden Wochen, Monaten werden soll. Im Zusammenhang mit der Luxushütte und dem Goldschätzchen weiss ich nur eines: Ich habe wunderbare Erinnerungen daran, habe ich doch dort mit meinem Mann in drei Mal mehr als drei Monate verbracht. Diese Erinnerungen sind kostbar, unvergesslich und leider auch unwiederbringlich.

Dennoch bin ich leichten Herzens weiter gefahren. Weiter in mein neues Leben. Weiter zusammen mit meiner Freundin, die momentan das Steuer für mich übernommen hat.

Das Frauchen des Goldschätzchens hat mir beim Abschied versichert, ich sei hier jederzeit willkommen. Und ich bin mir sicher, dass auch das Goldschätzchen nichts dagegen hätte, würde ich nochmals bei ihm aufkreuzen. Es wird wissen, dass von diesen übel riechenden Dingern noch einige übrig sind. Und ich bräuchte nicht mit leeren Händen an der schweren Eichentüre zu klopfen.

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Zwei perfekte Buchstaben

Die Franzosen tun sich sehr, sehr schwer damit, die zwei wichtigen Buchstaben perfekt auszustaffieren. Was haben wir in den vergangenen Tagen nicht schon alles erlebt!

Das verbreitetste Übel: Es hat kein Toilettenpapier. Dicht gefolgt auf Rang 2: Es hat weder einen Trockner noch Papier für die Hände. Ebenfalls beliebt: Es stinkt erbärmlich. Nicht weniger ärgerlich: Es hat keine Seife. Besonders originell: Die Spülung funktioniert nicht. Heute ist noch eine neue Variante hinzugekommen: Die Türe lässt sich nicht abschliessen.

In französischen Restaurants gilt die bei uns verbreitete Meinung, dass die Toilette die geheime Visitenkarte des Lokals sei, leider nicht. Ich sage nur:

G R U U U S I G ! ! !

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