Mein uBu-Tag

Eigentlich wollte ich gar nichts über meine heutige Velotour schreiben.

Ich wollte weder schreiben, dass es ziemlich viele Velofahrer unterwegs hatte, noch, dass es ziemlich wenige waren, die mit reiner Muskelkraft vorwärts kamen.

Ebenso wenig wollte ich hier verlauten lassen, dass ich mich masslos darüber geärgert hatte, wie viel Unrat an den Strassenrändern und in den angrenzenden Wiesen herumliegt.

Es sollte hier auch nicht breitgeschlagen werden, dass es offenbar der Tag der Testosteron geschwängerten Boliden mit Harry-Hasler-Fahrern am Steuer war.

Und wen interessiert schon, dass ich Pilze vom Velo aus sah?

Nein, eigentlich wollte ich nur schreiben, dass ich mit mir und meiner kleinen Welt nach der heutigen Velotour um de Bachtel ume ganz zufrieden bin. Und dir DANKE sagen, dass du im Flohnmobil mitliest.

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Diese Pilze waren es zwar nicht. Aber das merkt ja hier keiner.

Wer wird denn sein Velo heim tragen?

Nach der Velotour, die schon gute 50 Kilometer lang war, folgte ein letztes Piece de Résistance. Ein kleines Högerli nur – ein paar hundert Kilometer weiter nördlich würde man ihm zwar das Attribut “Berg” verleihen. Ich war nicht mehr taufrisch, ist schliesslich erst Anfang Saison, und ich hatte bereits 900 Höhenmeter in den Beinen. Dieses kleine Högerli hat seit jeher die unsympathische Eigenschaft, dass es gegen oben immer steiler wird.

Fünfzig Meter bevor es wieder flacher wurde, ertönte ein undefinierbares Geräusch. Ich blickte nach hinten. Nein, da war noch Luft im Reifen, aber dennoch schien es immer strenger zu gehen. War ich wirklich so ausgebrannt? Klar, ein kleines Hüngerchen machte sich bemerkbar, aber es waren nur noch gut drei Kilometer bis nach Hause. Die würde ich wohl noch schaffen. Dennoch stieg ich ab, drückte mit dem Daumen auf den Reifen. Kein Platten. Also wieder aufsteigen. Ich kam fast nicht mehr vom Fleck. Irgend etwas stimmte nicht. Bei der nächstbesten Gelegenheit stieg ich wieder vom Rad. Das Hinterrad war blockiert. Aber wieso?

Ich versuchte, die Bremse zu lösen. Nichts. Das Bremskabel zu verlängern. Immer noch blockiert. Was um alles in der Welt war los? Ich wusste mir nicht mehr zu helfen. Ich entsprach wohl so ziemlich dem Klischee der technisch völlig unbegabten Frau, als ich am Strassenrand hantierte. So konnte ich das Rad nicht mal nach Hause schieben, geschweige denn fahren. Und drei Kilometer heim tragen? Ich würde mich doch nicht zum Affen machen!

Ich aktivierte meinen Notfallplan. Handy raus und jemanden anrufen, von dem ich hoffte, er würde an diesem Samstagnachmittag zu Hause sein. Ich habe mehrere Freunde, bei denen ich es versucht hätte, aber das Glück war mir schon beim ersten Anruf hold. Keine Viertelstunde später stand mein Taxi da.

In der Zwischenzeit hatte ich entdeckt, wo das Malheur lag: Eine Speiche war gebrochen. Mein lieber Freund brachte mich und das malträtierte Velo direkt zum Velomech. Dort wird nun abgeklärt, ob es für dieses doch schon einige Jahre alte Rad überhaupt noch Speichen gibt.

Meine Sorge beim Radfahren galt immer der Frage, ob ich es alleine schaffen würde, unterwegs einen platten Reifen zu flicken, bzw. den Schlauch auszuwechseln. Mit einer gebrochenen Speiche bin ich in all den Jahren noch nie konfrontiert worden. Immerhin bin ich glimpflich davongekommen. Aber einmal mehr frage ich mich: Was hätte mein Mann in dieser Situation gemacht?

Und was hättet ihr in so einem Fall unternommen?

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Hurra, wir haben’s endlich geschafft!

Endlich.

Endlich!

Nach einer gefühlten Ewigkeit,
und nachdem offenbar gar nix anderes mehr in den Zeitungen stand und am Fernsehen kam,
ist diese Fussball-EM endlich entschieden.

Ich trauere ihr keine Träne nach. Fussball interessiert mich hinten und vorne nicht. Immerhin konnte ich mich ab und zu davonschleichen, wenn der Mitbewohner vor der Glotze sass (das tat er in den vergangenen Wochen ausgiebig), und mich meinem Blog widmen.

Es ist mir  piepegal, wer gestern Abend Europameister geworden ist. Okay, vielleicht hätte ich mich für das Resultat interessiert, wenn unsere Jungs im Final gestanden wären. Aber selbst dann wären wir gestern Abend nicht vor der Glotze gesessen. Wir waren nämlich bei Freunden eingeladen. Und im dortigen Haushalt wird (meines Wissens zumindest seitens der Köchin) auch nicht viel von Fussball gehalten. Ich musste also nicht damit rechnen, in ein Semi-Public Viewing zu geraten.

Dabei bin ich nicht grundsätzlich gegen Sport am Fernsehen. Ski- und Langlaufrennen beispielsweise sehe ich mir zusammen mit meinem innig geliebten Mitbewohner gerne an. Allerdings ist nicht gerade die Zeit dazu. Ganz im Gegensatz zum berühmtesten Radrennen der Welt, der Tour de France, das momentan ausgetragen wird. Interessant zum zuschauen ist es besonders dann, wenn der Rennkurs durch Regionen führt, die wir mit dem Wohnmobil bereist haben. Noch interessanter, wenn die Gümmeler über Pässe fahren, die der Mitbewohner und ich auch mit dem Rennvelo gemacht haben. Das ist zwar ein paar Jährchen her, aber die Erinnerung daran können wir an der diesjährigen Tour de France einmal mehr auffrischen.

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Wie dieses Jahr war der Pyrenäen-Ort Bagnères de Luchon auch 2010 Etappenort der Tour de France. Als wir zwei Monate später dort durchkamen, war das Rathaus noch immer geschmückt.

Verstehe einer diese Menschheit

Gewagte Überholmanöver.
Hupen.
Stinkefinger zeigen.
Mit PS-geschwängerten Boliden durch die Gegend rauschen.
Die Geschwindigkeits-Kontrolle der Polizei sicher ein einträgliches Geschäft.

Wieso hatten es heute alle so eilig?

Konnten sie sich nicht erfreuen am prächtigen Wetter dieses Sonn(en)tags? Ein Blick über die Nasenspitze hinaus hätte die Schönheit der Natur offenbart. Die saftig grünen Wiesen und die schneebedeckten Berge dahinter. Aber dafür hätte man vermutlich aus dem Auto steigen, hätte sein Motorrad am Strassenrand parken müssen. Manch einem würde dabei die Geräuschkulisse fehlen, um die Umgebung angemessen bewundern zu können. Und der Gestank nach Abgas.

Verstehe einer diese Menschheit.

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Velotour auf dem Mond

Neil Armstrong war wohl der erste Mensch, der einen Fuss auf den Mond gesetzt hatte, aber im fehlte ein entscheidendes Accessoire: Er hatte kein Velo dabei. Dabei könnte man auf dem Mond so tolle Velotouren machen. Ehrlich.

Es ist eine eigenartige Landschaft, diese Crete. Südlich von Siena liegt die von Erosion geprägte, im Herbst, nachdem die Felder abgeerntet wurden, ziemlich monotone Landschaft. Braun ist ja nicht eben meine Lieblingsfarbe, aber das Braun der Crete hat auf mich eine eigenartige Faszination ausgeübt.

„Mondlandschaft“ ist das Bezeichnendste, das mir in den Sinn kommt, wenn ich mich an unsere beiden Velotouren durch diese seltsame Landschaft erinnere. „Dreckstrassen“ passt auch hierhin, sind wir doch einmal unvermittelt auf einer Naturstrasse gelandet. Mit dem Rennvelo! Und wie auf allen Strassen, die wir in der Toskana befahren haben – sei es mit dem Velo oder dem Womi – sind auch in der Crete die Strassenbeläge nicht immer erste Sahne. Das Hüpfen von Schlagloch zu Schlagloch, insbesondere innerorts, ist an der Tagesordnung. Fährt man ausnahmsweise mal auf einer Strasse, die einem vorkommt wie der berühmte ausgerollte Teppich, ist man einfach nur entzückt. Weil man dann die herrliche Landschaft geniessen kann, ohne dass man Gefahr läuft, unvermittelt neben dem Velosattel zu sitzen.

Von all diesen Eindrücken blieb Armstrong natürlich verschont. Dabei wären 1969 die Ganzkörper-Velostrampler wesentlich besser gepolstert gewesen als gegenwärtige Velohosen.

Klare Worte

„S’hätt dänn gopfertammi en Radwäg!“ Mein innig geliebter Mitbewohner und ich wussten sofort, was gemeint war.

Klar warum es geht? Nein? Übersetzung gefällig?

Frei, sehr frei übersetzt, heisst es: „Liebe Radfahrer, ihr habt nicht zufällig übersehen, dass parallel zu dieser Strasse ein Veloweg führt? Ein Veloweg, der nicht zuletzt auch mit meinen Steuergeldern zu eurer Sicherheit erstellt wurde. Würdet ihr es nicht eine gute Idee finden, euren Arsch schleunigst auf euren sackunbequemen Sätteln dorthin zu bewegen, damit ich mit meinem VW Golf voll weiterrohren kann. Ich finde es nämlich ausgesprochen lästig, wegen zwei Radfahrern ab dem Gas zu müssen.“

Recht hatte er schon, der aufgebrachte VW-Golf-Fahrer. Es hatte einen Radweg. Und der befand sich links der Fahrbahn. Um dorthin zu gelangen, mussten wir also zuerst die Strasse überqueren und sobald der Radweg endet, die Strasse erneut überqueren. Das, mit Verlaub, machen wir in der Regel nicht. Sicherlich dann nicht, wenn wir den Radweg kennen und wissen, dass er nach wenigen hundert Metern wieder endet, wie das leider gar nicht so selten der Fall ist. Noch ist man bei uns als Radfahrer nicht verpflichtet, auf einem Radweg zu fahren, wenn einer vorhanden ist.

Radwege mögen eine gute Sache sein, beispielsweise für Familienausflüge auf zwei statt vier Rädern oder für Gesundheits-Velofahrer. Doch die krampfhaften Bemühungen, unser Land von einem Velowegnetz zu durchziehen, nehmen mitunter groteske Formen an und es kann durchaus weniger gefährlich sein, mit dem Rennvelo auf der Strasse zu bleiben, als ständig die Strasse überqueren zu müssen von einem Radweg zum Nächsten.

Was es zum besagten VW-Golf-Fahrer noch anzufügen gibt: Er hatte uns diese Worte zugeschrien, während er uns mit rund 60 Sachen in einer Kurve mit Verkehrsteiler überholte. Und er stand in seinem Auto, während er den Kopf zum Dachfenster raus reckte uns sich nach uns umdrehte. Gopfertammi schaurig en coole Siech!

Von Eseln und Drahteseln

Sie sind wieder gehäuft unterwegs. Ungleiche Gespanne, die wie eine Faust aufs Auge passen. Wovon ich schreibe? Von velofahrenden Paaren ab mittlerem Alter, kinderlos oder Kinder ausgeflogen. Er mit rasierten Beinen, Rennvelo mit Carbon-Rahmen, 30 Gänge, durchgestylt vom Helm bis zur Klick-Pedale. Sie auf einem Stahlross von der vorjährigen Velobörse, in Jeans, die sie sonst nur noch im Garten zum Unkraut jäten trägt, ausgelatschte Turnschuhe, auf dem Kopf der schaurige Suva-Helm aus den 90-er Jahren, das obligate Poschti-Chörbli auf dem Gepäckträger.

Die sommerlichen Temperaturen locken zu gemeinsamen Ausfahrten. Nicht nur der frischen Luft, sondern insbesondere auch dem Frieden zu Liebe. Das geht nicht lang gut, denn: Am ersten Hügelchen tritt er locker an und ehe man sich’s versehen hat, ist er auf seinem Rennpferd schon um Längen davon galoppiert, während sie auf ihrem alten Göppel die Steigung rauf keucht und froh wäre, sie hätte noch Gänge zum runter schalten.

„Scha-atz, gaht’s? Hetsch echli meh trainiert de Winter dur.“ Ein gut gemeinter Ratschlag. Aber er wird nicht viel fruchten, solange ER auf der Meinung beharrt, für SIE müsse es ja nicht gerade ein Rennvelo sein und überhaupt sei alles nur eine Frage der Kondition.

Männer dieses Landes, kauft euren Partnerinnen anständiges Sportgerät. Wenn ihr eure Frauen weiterhin auf so altem Gelumpe durch die Gegend hetzt, braucht ihr euch nämlich nicht zu wundern, wenn ihr bald wieder alleine unterwegs seid! Aber das wollt ihr doch, gebt’s zu!

Einfach göttlich

Vorne nichts, hinten nichts. Viertelstundenweise kein Auto. Keine Menschenseele, bestenfalls Rindviecher, die glotzend am Zaun stehen. Keiner, der hupend an einem vorbei fährt. Niemand, der den Stinkefinger zeigt. Keiner, der haarscharf an meinem Vorderrad vorbei reinschneidet und mich damit fast vom Sattel holt. Kein Lastwagen, der mir zwischen dem Randstein und seinem Hinterrad keinen halben Meter lässt. Keine Radwege, die alle paar hundert Meter die Strassenseite wechseln.

Das ist Radfahren in Frankreich. Und Frankreich ist damit unser bevorzugtes Land, um unser bevorzugtes Hobby auszuüben. Es gibt endlos viele schwach befahrene Strassen, auf denen man praktisch den ganzen Tag alleine unterwegs ist. Sie führen durch herrliche Gegenden, endlose Wälder, entlang von Schluchten, Stauseen, durch malerische Dörfer.

Wir haben es wieder mal genossen. Fast 1’000 Kilometer Rennrad sind wir diesen Herbst in Frankreich gefahren. Eigentlich mögen wir gar nicht nach Hause gehen, denn dort geht es  – auch wenn wir uns schwach befahrene Nebenstrassen aussuchen – wieder viel hektischer zu und her.

Doch genau wie die Wohnmobil-Saison, neigt sich auch die Velo-Saison ihrem Ende entgegen. Denn wir mögen nicht dick vermummt aufs Velo steigen. 18 Grad ist die Schmerzgrenze, denn auf dem Velo fühlt sich diese Temperatur ohnehin frischer an. Für 18 Grad haben wir noch entsprechende Wäsche. Wird’s kälter, verzichten wir freiwillig. Schliesslich haben wir noch ein Abo fürs Fitness-Center. Und dort werden wir halt auf dem statischen Göppel träumen, wie es war und sein könnte. Nämlich wie Gott auf dem Velo in Frankreich.