Alles wie gehabt

Wenn ich mich nun auf die faule Haut legen und hier im Blog eine ruhige Kugel schieben wollte, könnte ich euch ab sofort alle meine letztjährigen Beiträge ab Mitte Juli als aufgewärmte Kost vorsetzen. Die einen von euch, da bin ich mir sicher, würden das nicht merken. Das ist keine Wertung meiner Leser sondern basiert auf der simplen Tatsache, dass seit einem Jahr nicht nur Leser vom Flohnmobil abgesprungen sind, sondern glücklicherweise auch einige dazugekommen sind. Und diese Neuankömmlinge können beim besten Willen nicht wissen, dass mein innig geliebter Mitbewohner und ich im letzten Sommer schon in Schweden waren und ein Haus gehütet hatten.

Nun, wir sind also an den Ort des Schreckens zurückgekehrt und wirklich viel verändert hat sich nicht. Das alte Haus von Rocky Docky sieht immer noch gleich aus. Im Garten wachsen die gleichen Gemüsesorten, wenn auch an einem anderen Platz. Der Rasenmäher ist schon wieder kaputt und diverse Beeren sind reif zum ernten. Gut, mit den Hühnern hatten wir zum grössten Teil keinen Wiedererkennungseffekt. Da können wir zwar nicht viel dafür, aber wissen dafür umso genauer weshalb.

Da ich nun endlich wieder eine konstante Internet-Verbindung habe, werde ich wieder regelmässig bloggen. Sofern ich zwischen Garten giessen, Marmelade kochen, Tiere füttern, kochen, backen, Rad fahren, Pilze sammeln, moralischen Beistand leisten und Hühner zählen überhaupt dazu komme.

Sollte jemand genau wissen wollen, was wir letztes Jahr so alles erlebt haben, findet er hier sämtliche Beiträge dazu (am Ende der Auflistung mit lesen beginnen).

Öfters mal Panne (31)

… oder: Was rumpelt denn da?

Ich behaupte: Jede Panne kommt aus hellheiterem Himmel. Denn hätte sie sich angekündigt, hätte man ja rechtzeitig etwas gegen das drohende Unheil unternehmen können. Oder nicht?

Mein innig geliebter Mitreisender war schon immer ein Sensibelchen, wenn es um seinen fahrbaren Untersatz ging. Dass er jeglichen Ärger mit einem darniederliegenden Auto vermeiden wollte, liegt auf der Hand. Sobald er nämlich irgendetwas feststellte, das nicht war wie sonst, war es um sein Seelenheil geschehen. Das war umso schlimmer, als dass unser Camper nicht nur Auto, sondern auch Schlafzimmer, Küche, Bad und Esszimmer war.

Um nochmals zum Seelenheil des Mitreisenden zurückzukommen, darum war es auch geschehen, als wir über den Blue Ridge Parkway im Osten der USA tuckerten. Kurz nach unserem Mittagshalt stellte er beim fahren nämlich abnormale Geräusche und leichte Vibrationen fest. Meinen technisch unbelasteten Ohren wäre das Rumoren nicht aufgefallen, der Mitreisende dagegen legte sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit unter den Camper. Die Obduktion ergab: Kreuzgelenke an der Kardan-Welle ausgeschlagen.

Ich wusste mit dieser Diagnose nichts anzufangen und stellte einmal mehr die Frage, die dem Mitreisenden im besten Fall ein verständnisloses Lächeln entlockte, im schlimmsten Fall einen längeren Vortrag: „Wie weit kommen wir noch damit?“ In Anbetracht der ihm bevorstehenden schlaflosen Nacht entschied sich der Mitreisende, sofort Massnahmen zu ergreifen. Wir fuhren in den nächstgelegenen grösseren Ort. Trotz Ladenschluss erkannte der freundliche Verkäufer bei NAPA unsere missliche Lage, verkaufte uns die passenden Ersatzteile und empfahl uns eine Werkstätte.

Diese lag gleich um die Ecke. Dort beschied man uns, es würde binnen einer halben Stunde ein Mechaniker seinen Dienst antreten, der sich hier ein Zubrot verdiene. Um Schlag 17.30 Uhr traf dieser ein und begann an unserem Dodge zu hantieren. Was dann geschah, brach dem Mitreisenden beinahe das Herz, musste er doch mit ansehen, wie die Kugellager, die bei uns mit einer Presse an den richtigen Ort gedrückt worden wären, durch ein paar gezielte und einige weniger gezielte Schläge mit dem Hammer traktiert wurden. Nichts desto trotz war eine knappe Stunde später alles wieder montiert und funktionsfähig.

Nun stelle man sich eine ähnliche Situation bei uns vor. Die Misere bestünde schon mal darin, dass man erst in ein paar Tagen einen Termin in der Werkstatt erhielte. Dann könnte man ganz, aber gaaanz sicher kein Ersatzteil mitbringen, das montiert würde. Und schliesslich würde die Rechnung etwas grösser ausfallen. Uns dagegen hatte die Reparatur der Kardan-Welle gerade mal 55 US$ gekostet. Samt Trinkgeld, dafür ohne Bürokratie. Und binnen weniger als einem halben Tag war unser Auto wieder flott.

Hatte ich beim Aufwachen noch nicht mal gewusst, dass unser Fahrzeug eine Kardan-Welle hatte, wusste ich beim Einschlafen nicht nur, wie so etwas aussah, sondern auch noch, wie die diversen Teile drum herum auf Englisch hiessen. So etwas nennt man wohl „technischer Fortschritt“!

Das alte Haus von Rocky-Docky

Dieses Haus, das wir derzeit Hüten, ist so etwas wie ein Abenteuer-Spielplatz für meinen innig geliebten Mithüter. Hier findet er auf Schritt und Tritt etwas, das ihn wieder von neuem beschäftigt. Mal gilt es, einen Fensterriegel zu ersetzen, das nächste Mal lottert lediglich der Pfannengriff (was, unter uns gesagt, ich auch noch hätte beheben können), mal findet er noch ein paar verblühte Rosen zum abschneiden.

Eine voll geniale Sache, dieser Housesit, das sind wir uns schon seit Tagen einig. Wir können hier schalten und walten, wie es uns beliebt. Und das nicht nur, weil die Hausbesitzer nicht da sind, sondern auch, weil sie uns ausdrücklich gesagt haben, dass sie froh sind, wenn wir solche kleineren Reparatur-Arbeiten erledigen. Nicht nur das, sie haben richtiggehend Lunte gerochen. In den nächsten paar Tagen wird per Post ein Türschloss eintreffen, das der Mithüter anbringen soll. Dort, wo eigentlich eine Rosette sein sollte, sieht man am Schliesszylinder vorbei nach draussen. Die Stärken unserer akademischen Hausleute liegen ganz offensichtlich in anderen Bereichen denn handwerklichem Geschick.

Als der Mithüter kürzlich an einem Fenster Hand anlegte, fiel mir erstmals auf, dass schwedische Fenster nach aussen öffnen. Dem kann ich eigentlich nicht viel Positives abgewinnen. Als ich dann diesen nach aussen geöffneten Fensterflügel betrachtete, merkte ich noch mehr: Schwedische Häuser haben keine Fensterläden oder Jalousien. Und zwar nicht nur unser Haus von Rocky Docky, sondern auch neuere Gebäude. Was da wohl die Heizenergie-Bilanz dazu meint?

Öfters mal Panne (15)

… oder: Tag der offenen Türe

Ein Auto überholte uns. Diese Tatsache an sich ist ja nicht bemerkenswert, wenn man mit einem Wohnmobil unterwegs ist. Im Gegenteil, viele Autofahrer fühlen sich geradezu berufen, die lahme Ente vor ihnen zu überholen. Selbst dann, wenn die Ente sich ans Tempolimit hält. Der Automobilist, das uns soeben überholt hatte, hatte aber einen ganz plausiblen Grund und der hatte nichts mit Selbstverwirklichung am Steuer zu tun. Der Autofahrer machte uns wild gestikulierend drauf aufmerksam, dass bei uns am Fahrzeug etwas nicht stimmte. Wären wir in Spanien unterwegs gewesen, hätten wir das geflissentlich ignoriert. Zu oft hatte man schon gehört, dass so Zwischenfälle vorgetäuscht wurden, um arglose Touristen auszurauben.

Wir aber waren in Australien und so gedachten wir sehr wohl, anzuhalten um zu vernehmen, was denn nun los war. Unsere Tür sei offen, beschied uns der Aussie und schwupps war er wieder von dannen. Kann ja mal passieren, dachten wir uns zuerst noch, zogen die Türe wieder ins Schloss und fuhren weiter. In der Folge passierte uns das aber immer wieder und da unsere Aufbautüre nicht seitlich sondern hinten am Fahrzeug war, und wir ausserdem auf der Türschwelle anfänglich eine Reserve Gasflasche mitführten, musste sehr wohl etwas passieren, bevor etwas passierte.

Also gingen wir in einen Hardware Store (dort sind üblicherweise Nägel, Gartenschläuche, Werkzeuge und dergleichen im Sortiment und nicht etwa Notebooks und Ethernet-Kabel) und kauften einen zünftigen Riegel, den mein innig geliebter Mitreisender auf einem herrlich gelegenen Aussichtsplatz am Meer montierte. Für so eine Feldübung weitab jeglicher Zivilisation waren wir dank dem Generator (den wir nicht wegen solcher Busch-Reparaturen, sondern unserem Kühlschrank anschaffen mussten) bestens ausgerüstet. Alles, was man auf dem Bild sieht, hatten wir uns in Australien besorgt. Sämtliches Werkzeug, das grüne Benzinkanisterchen, das sich zwischen den beiden gelben Jerrycans mit dem Diesel versteckt, die Bohrmaschine, unser reisefreudiger Kaktus. Einzig das CH-Chläberli am Fenster stammte aus der Heimat. Es hatte einen nur unwesentlichen Beitrag zu unserem Zuviel an Fluggepäck beigetragen.

Dank dem Riegel, der mit etwas gutem Willen unten links an der Türe erkennbar ist, führten wir für den Rest der Reise, und das waren immerhin noch 11 Monate, keine „Tage der offenen Türe“ mehr durch.

Das Flickwerk

Er müsse sein ganzes Leben lang flicken. Wo immer er hin komme, immer müsse er zuerst etwas flicken. So und ähnlich habe ich meinen innig geliebter Mitbewohner seit Jahren monieren gehört.

Es hat tatsächlich etwas an sich. Kommen wir zu meiner Mutter, heisst es schnell mal: „Du Schwiegersohn, du kannst doch so gut…., könntest du nicht…?“ Auch Andere haben die Qualitäten meines Mitbewohners entdeckt. Schweissen, Autoreparaturen, Elektroinstallationen, Gartenarbeiten – er kann’s einfach. Natürlich spart man mit so einem Universalgenie im Haus auch viel, viel Geld. Und nicht zuletzt blieben wir dank seinen vielfältigen Talenten auf unseren Reisen noch nie mitten in der Pampa stehen und waren auf fremde Hilfe angewiesen.

Dramatisch war es in vergangenen Jahren jeweils, wenn wir eine Ferienwohnung bezogen. Mal war die Heizschlange des Backofens nicht richtig drin, mal der Ablauf verstopft, es blieb dunkel oder das Bett krachte zusammen. Mein Mitbewohner, der nie ohne Schraubenzieher aus dem Haus geht, hat noch immer alles wieder hingekriegt.

Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Nicht etwa, dass dem Mitbewohner das Talent zu Reparaturen abhanden gekommen worden wäre. Nein, im Chesa Munteratsch hat es aufmerksame Leute, die dafür sorgen, dass auch mein innigst geliebter Mitbewohner seine Ferien von der ersten Minute an geniessen kann. Herzlichen Dank!

Abgelöscht

Wäre ich abergläubisch, würde ich mir nun einreden, dass uns ein finsteres Jahr bevorsteht. Denn bereits am Neujahrstag hat es uns abgelöscht. Im Hause Flohnmobil hockt man seit gestern im Dunkeln. Die Ständerlampe, die mit ihrem geschwungenen Fuss so wunderbar in unser Wohnzimmer passt, hat den Geist aufgegeben. Okay, energietechnisch ist sie seit einiger Zeit nicht mehr auf dem Zenit der Dinge – höchstens was den Stromverbrauch betrifft. Aber ich mag mich so ungern von diesem Schmuckstück trennen.

Nun ist mein innig geliebter Mitbewohner daran, sich an den Eingeweiden der Lampe zu schaffen zu machen. In so einem Fall kann ich höchstens durch stilles Beobachten glänzen. Dämliche Fragen sind gänzlich unangebracht. Am besten also, ich schaue dem Ganzen aus sicherer Distanz zu.

Denn ich weiss: Der Mitbewohner wird das wieder hinkriegen. Er ist ein Genie, mein persönlicher Reparatur- und Werkstattchef. Man müsste ihm eigentlich den Titel „Handwerker des Jahres“ verleihen, doch erscheint mir das angesichts des Datums etwas übereilt. So lasse ich den Mitbewohner einfach noch etwas rumwerkeln; kann gut sein, dass wir morgen das eine oder andere Ersatzteil käuflich erwerben müssen. Im Dunkeln werden wir trotzdem nicht sitzen müssen, schliesslich verfüge ich über einen stattlichen Vorrat an Kerzen. Und wenn es nicht ganz so 150-W-hell ist, sieht man wenigstens nicht, wie die Wände ab dem Kerzenruss immer schwärzer werden.

 

Kam, sah und polierte

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Wohnmobils. Bis vorgestern war es noch zwecks Wartungs- und Garantiearbeiten in der Garage. Dort hat der Mechaniker mit den schönen Augen und dem komplizierten Namen das Womi an die Brust genommen und alle unsere Probleme und Sonderwünsche gelöst bzw. erfüllt. Unter anderem hat er unserer Wasserpumpe, die nahezu im Sekundentakt angelaufen ist, wieder Manieren beigebracht. Es war, wie wir richtig vermutet hatten, ein Defekt am Druckschalter. Lieber das, als irgendwo an einer unzugänglichen Stelle ein Leck in einer Wasserleitung!

Zu einer reichlich unchristlichen Zeit (um 8.15 sind wir normalerweise noch nicht verpflegt und salonfähig) kam heute ein Mechaniker, um die kleine Kerbe in unserer Windschutz-Scheibe auszubessern. Eine frische Angelegenheit für eine Freiluft-Reparatur, war es doch nur knap über Null Grad heute Morgen.   

Und dann der grosse Moment, der sich im Herbst nie vermeiden lässt, auf den ich aber alles andere als scharf bin. Sicher, bei diesem recht angenehmen Wetter hätte ich mir vergnüglichere Unternehmungen vorstellen können, als mit Putzeimer und Lappen bewaffnet zum Womi zu stiefeln. Aber nach über hundert Übernachtungen präsentierte sich unser Reisegefährte überreif für eine gründliche Reinigung. Die Outdoor-Saison ist für uns nämlich zu Ende, Wintercamping mögen wir nicht. Ergo: Wohnmobil für den Winterschlaf vorbereiten.

Mein innig geliebter Mitreisender hat sehr konkrete und sehr gründliche Vorstellungen, was im Herbst alles am Womi gemacht werden muss. Da gibt es keine Ausreden, von wegen noch keinen Blog-Eintrag geschrieben heute, oder leerer Kühlschrank; ich muss mit anpacken.

Womi gewaschen, Womi eingewachst, Womi poliert, Womi Innenraum bis in die hintersten Ritzen rausgeputzt. Nun sind wir beide ziemlich auf den Felgen. Für mich bleibt nach dieser Knochenarbeit nur noch eine Frage offen: Welchem Idioten haben wir die seltsame Wortschöpfung „putzmunter“ zu verdanken?